Ahoi: Den Rhein an der Seite eines Kapitäns entdecken


Wie das mit den grün-weissen Wiffen funktioniert, weiss ich nun. Vor der Fahrt auf dem Rhein von Schaffhausen nach Stein am Rhein kannte ich noch nicht mal das Wort Wiffen. Wie sagt man so schön: Reisen bildet. Aber alles der Reihe nach.

Vorgestellt habe ich mir einen älteren Herrn mit weissem Bart und einem Gesicht voller Furchen, gekleidet im branchentypischen marineblauen Anzug und einer blendend weissen Mütze. Vor mir steht ein Mann in seinen besten Jahren, mit Ray Ban Sonnenbrille, frischem Lächeln und einem gepflegten Dreitagebart. Er trägt kurze Hosen, ein Muskelshirt und stellt sich mir als Urs Thaler vor. Er sei der Kapitän der heutigen Schifffahrt. «Und du darfst neben mir in der Steuerkabine Platz nehmen.» Das Kind in mir frohlockt. Ein Traum: einen Tag lang dem Kapitän über die Schulter schauen.

Ein Blick hinter die Kulissen der Schifffsfahrt

Aber erst Mal übergibt mich der Kapitän dem Maschinisten. Johann Ritter, einst Landmaschinenmechaniker, führt mich in den Schiffsbauch und zeigt mir den Maschinenraum. Hier führe er täglich, vor jeder Fahrt, Routinechecks durch – überprüft das Kühlwasser, den Ölstand und leert den Fäkalientank. Innert einer Stunde ist das Schiff abfahrtsbereit, die Menschenschlange vor dem Schiff wird länger. Und auf einmal erscheinen alle Herren und Damen der Crew in blitzsauberen Anzügen und Kleidern. Während sie erst noch in Arbeitskleidern den Schiffsboden polierten und an Motoren hantierten, begrüssen sie nun lächelnd die Passagiere. Ritter erscheint in Kapitänsmontur und bestätigt: «Ich bin Maschinist und Bootsführer.» Er springe immer wieder für den Kapitän ein. Und auch Urs Thaler ist kaum wieder zu erkennen: Ja, so habe ich mir einen Kapitän vorgestellt: Herausgeputzt, ganz Gentleman und inklusive den Schulterpatten mit den vier goldenen Balken.

Genussregion Rhein-Untersee

Der Munot, das Wahrzeichen Schaffhausens, ist innert kürzester Zeit nicht mehr zu sehen, die kühle Morgenluft erwärmt sich, die Sonne ist der Star des Tages. Das wird auch auf dem Rhein bald klar. Ein Gummiboot und Weidling nach dem anderen kommt uns entgegen. Für den Kapitän eine Herausforderung. Im Führerstand gibt er mir nautisches Wissen weiter. Sagt, der Rhein sei zwar breit, aber was die wenigsten wissen, die Fahrspur sei wahnsinnig schmal. «Wir können hier kaum ausweichen.» Und schon sind wir bei den Wiffen. Dabei handelt es sich um Schifffahrtszeichen, grün-weisse Schilder, die anzeigen, auf welcher Seite, nämlich der grün markierten, das Schiff den Rhein passiert. Als Freizeitkapitän sollte man sein Gummiboot demnach jeweils auf der weiss gekennzeichneten Seite fahren.

Mit der Schifffahrt sei er seit jeher verbunden, verrät mir Thaler. «Bereits während meiner Schulzeit wollte ich Kapitän werden.» Inzwischen befährt er den Rhein seit 18 Jahren. Eine Region, die für Genuss steht. Eine Seebadi nach der anderen reiht sich am Ufer entlang. Dazu gesellen sich Fischrestaurants, lauschige Buchten und viel Natur. Teilweise wähnt man sich inmitten dieser grünen Landschaft gar auf dem Amazonas. Dichtestress herrscht hier keiner.

Einzigartig: Sowas gibt’s nur auf diesem Schiff.

Während der zweistündigen Fahrt von Schaffhausen nach Stein am Rhein erleben wir mehrmals dieselbe Szene. Das Schiff dockt an einem Hafen an, ein Seil wird ausgeworfen, das Schiff festgezurrt, Passagiere steigen aus und ein. Familien, Pensionäre, Deutsche, die in die Schweiz wollen und Schweizer, die es nach Deutschland zieht. Fussgänger, aber auch solche mit Fahrrädern und einige mit SUP’s. Schaut man gut hin, fällt auf: Bei der Schiffsmannschaft sitzt jeder Handgriff.

Doch wer schaut schon derart genau hin, lieber lässt man sich vom Wasser verzaubern: Es glitzert, glänzt und tanzt. Sattsehen kann mich sich daran kaum. Und mit einem Lächeln auf dem Gesicht stelle ich nach kurzer Zeit fest: Die Aussicht vom Steuerhaus des Kapitäns ist unschlagbar. Spektakulär wird’s in Diessenhofen. Da führt eine Brücke über den Rhein, verbindet die Schweiz mit Deutschland, aber, denkt man, kommen wir da unten durch? Der Kapitän schmunzelt. Bestätigt, dass es derzeit möglich sei, wenn auch nur knapp. Ja und was sie denn sonst machen, möchte ich wissen. Kurzerhand gibt er der Mannschaft Anweisungen und in knapp einer Minute wird das Schiff zum Cabriolet, das Steuerhaus ist runtergeklappt. «Jetzt kommen wir problemlos unter der Brücke durch», sagt er und ergänzt: «Tatsächlich müssen wir je nach Wasserstand den Kopf einziehen.» Ein Akt, der in der Schweizer Schifffahrt einzigartig ist.

Kurz vor Stein am Rhein fragt mich Kapitän Thaler, ob ich nicht noch auf den Untersee mitfahren möchte. Und ob! Er empfiehlt als Ausflugsziel die Insel Reichenau. Dort angekommen spaziere ich, auch wieder ein Tipp vom Kapitän, zum Inselcamping Sandseele, verköstige mich mit Filets von dreierlei Fisch, rolle danach mein Badetuch aus und schaue dem Treiben auf dem See zu. Wieder fesselt mich das Glitzern und Glänzen des Wassers. Gleichzeitig sehe ich weit entfernt ein Schiff den See kreuzen und denke an das kleine Abenteuer zurück: an eine Fahrt an der Seite eines Kapitäns. Einmalig. Sommerlich. Unschlagbar.

Das exklusive Erlebnis «Fahrt mit dem Kapitän» ist für jeden buchbar – dies direkt bei der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein: Fahrt mit dem Kapitän.