Ludwigsburg – Stadt der Schlösser und Gärten

Schlösser, herzogliche Weine, eine charmante Hofdame und ein Schlossgarten. Für uns Schweizer ungewohnt, sind Adlige in Deutschland geschichtlich, aber auch heute noch immer präsent. Apropos Schweizer – auch die trifft man in Ludwigsburg.

Zu Gast beim Herzog

«Ins Hotel Monrepos, bitte», sage ich zum Taxifahrer. Es ist bereits dunkel. Er nickt, merkt an: «Ein sehr schöner Ort, das Schloss des Herzogs.» Schloss? Tatsächlich, jetzt sehe ich es, da steht auf meinem Reiseprogramm: Schlosshotel Monrepos. «Und das Schloss gehörte einmal einem Herzog?», frage ich. Schliesslich dauert die Fahrt vom Bahnhof Ludwigsburg zum Hotel zehn Minuten und Taxifahrer sind oft gute Gesprächspartner. «Nein, nein, es gehört noch immer einem Herzog, Herzog Michael von Württemberg.» Ich stutze. «Wie jetzt, in Deutschland gibt es noch immer Herzoge?» Der Taxifahrer schaut mich verwirrt an. «Ja, sicher.»

So nächtige ich im Schlosshotel, das sich wohl nicht direkt im Schloss, aber auf dem Anwesen neben dem Schloss befindet. Und vernehme hier eine nette kleine Geschichte. Der Herzog von Württemberg besitzt ein Weingut, den Weinen begegneten wir bereits bei unserem Besuch in Friedrichshafen. Einer der Weine, ein besonders edler Riesling, besitzt den Namen «Brotwasser». Und folgendes ist die Geschichte des Weins:

Der ungewöhnliche Name rührt von einer im ausgehenden 17. Jahrhundert in Stetten residierenden Hofdame her. Diese ersann eine List, um ihren Weinkonsum vor der höfischen Öffentlichkeit zu verbergen. Den Damals genierte es sich für Damen nicht, alkoholische Getränke zu konsumieren. So liess sie sich einfach den Krug, der für das Brotwasser bestimmt war, mit Wein füllen. Und jedes Mal, wenn sie das trockene Brot in das vermeintliche Wasser tauchte, konnte sie – ohne dass es irgend jemandem auffiel – einen ordentlichen Schluck Wein zu sich nehmen. Da nun die Dienerschaft jener Dame stets in den Keller statt zum Brunnen lief, um den Krug aufs neue zu füllen, blieb die kleine List nicht sehr lange verborgen und ihr Lieblingswein bekam den Namen «Brotwasser».

Die Weine des Guts befinden sich an verschiedenen Lagen, vom Remstal bis nach Maulbronn verteilt. Insgesamt verfügt der Herzog über 40 Hektaren und die Fässer, in denen die Weine lagern, stammen aus Holz des eigenen Forsts. Und ein schicker Ort um die Weine zu kosten, ist das zum Anwesen gehörende Restaurant Gutsschenke. Chef Bernd Genzel tischt hier hochwertige gutbürgerliche Küche, raffiniert zubereitet und mit Geschick dekoriert, auf.

Übernachtungstipp Ludwigsburg Schlosshotel Monrepos, Domäne Monrepos 22, Ludwigsburg. schlosshotel-monrepos.de

Genusstipp Ludwigsburg Das Weingut Herzog von Württemberg bietet Weinproben und weitere Weinerlebnisse an. weingut-wuerttemberg.de

Unterwegs in der Barockstadt Ludwigsburg

«Er hatte den Grössenwahnsinn», erzählt mir Frau Sifrig. In bestem Schweizerdeutsch erläutert sie mir die Geschichte der Stadt. Sie sei vor vielen Jahren aus der Schweiz hierhergezogen. Und im Unterschied zu mir, kennt sie sich mit den Geschichten des Deutschen Adels aus. So erfahre ich, dass Ludwigsburg auf dem Reissbrett entstand. Eberhard-Ludwig Herzog von Württemberg (1677 – 1733) war es, der auf seinen Jagdgründen ein Schloss errichten wollte. Sein Vorbild: nichts Geringeres als Versailles. Deshalb sagt Frau Sifrig, er sei Grössenwahnsinnig gewesen. Tatsächlich dauerte der Bau 29 Jahre. Der Herzog verstarb vor Fertigstellung. Sozusagen aus Ungeduld baute er sich in der Zwischwenzeit noch ein kleines Schloss, das Favoritenschlössli. Denn er jagde nicht nur Hirsche und sonstiges Wild, er war auch als Schürzenjäger bekannt und benötigte ein Liebesnest für sich und seine Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Seine ehelich Angetraute liess er bei Jagdausflügen jeweils in Stuttgart zurück. So weit so gut. Doch etwas fehlte dem Herzog. Ein Schloss ohne Stadt, ohne Untertanen? Der Herzog wollte Menschen um sich. Gemeinsam feierte es sich wohl besser. Er bot Zuzügern beste Konditionen: Er erliess ihnen die Steuern, sicherte Religionsfreiheit zu und stellte Boden und Baumaterial zur Verfügung. So entstand allmählich die Stadt Ludwigsburg. Und sie wurde von aller Welt besucht. Giacomo Casanova besuchte die Stadt und sie entlockte dem Frauenhelden den Satz, er habe noch nie eine solche schöne Barockstadt gesehen wie Ludwigsburg. Auch Mozart soll im zarten Alter von sieben Jahren vorbeigeschaut haben. Und später fanden hier etliche Staatstreffen statt. Mitunter fand hier im September 1962 ein Zusammentreffen von Adenauer mit Charles de Gaulle statt, vier Monate vor Unterzeichnung des Élysée-Vertrag, dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Fünzig Jahre später bekräftigten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der damalige französische Präsidente François Hollande die Freundschaft an selbiger Stelle nochmals.

Führungen Ludwigsburg Mehr über Ludwigsburg und deren spannende Geschichte erfahren – Ludwigsburg bietet verschiedenste Führungen an. ludwigsburg.de

Venezianische Messe Ludwigsburg Vom 11. bis 13. September 2020 findet in Ludwigsburg die Venezianische Messe Statt. Ein rauschendes Festival voll Farbenpracht und Lebensfreude. Vor mehr als 250 Jahren erlag Herzog Carl Eugen in der italienischen Lagunenstadt dem Charme des Venezianischen Karnevals und führte das Maskenfest kurzerhand in seine Residenzstadt ein. Heute verwandelt die Venezianische Messe den Ludwigsburger Marktplatz alle zwei Jahre in eine magische und fantasievolle Bühne.

Schlossführungen Ludwigsburg Das Residenzschloss Ludwigsburg bietet äusserst innovative und spannende Führungen an. So führte mich Laura Imprescia durch prunkvolle Säle, wie auch durch die weniger glanzvollen Behausungen der Angestellten, durch ein Spiegelkabinett und auf die Terrasse, wo einst die Adligen zum Volke runterschauten. Sie hatte zu jedem Raum den passenden Schlüssel und konnte Räumlichkeiten zeigen, die man als Besucher sonst nicht zu Gesicht bekommt. Und all dies tat sie kunstvoll in ihrer Rolle als Hofdame – eine kleine Zeitreise. Weitere Infos und Führungen: schloss-ludwigsburg.de

Schweizer Export: Kürbiskunst

Und nun kommen wir zum im Titel angekündigten Schweizer am Hofe des Residenzschlosses Ludwigsburg. Frau Sifrig, die vorgängig erwähnte Stadtführerin mit Schweizer Wurzeln erzählte, dass im Schlossgarten aktuell eine jährlich stattfindende Kürbisausstellung im Gange sei. Ich wollte bereits erwidern, dass wir in der Schweiz solche Ausstellungen ebenfalls kennen – ich erinnerte mich an einen Besuch des Erlebnisbauernhofs Jucker Farm in Seegräben im Zürcher Oberland. Da verrät sie: «Ein Schweizer liefert die Kürbisse.» Es stellt sich heraus, dass es die Jucker Farm ist, die seit 1997 in Ludwigsburg kunstvolle Kürbisausstellungen inszeniert, jeweils zu einem wechselnden Thema. Die Kürbisse – in allen Variationen – können gleich vor Ort degustiert und auch erworben werden. Nebst Figuren aus Kürbissen, Schnitzereien aus Kürbissen, werden auch ein feiner Kürbis-Burger oder Kürbis-Waffeln angeboten. Auch dem Wettkampf wird kürbismässig gefrönt: der schwerste Kürbis wird prämiert und es findet eine Kürbis-Boot-Regatta statt – ja, da wird tatsächlich in Riesenkürbissen um die Wette gepadelt.

Kürbisausstellung Ludwigsburg Mehr Infos zur Kürbisausstellung: kuerbisausstellung-ludwigsburg.de

Die Pressereise fand mit Unterstützung der Stadt Ludwigsburg und der Deutschen Zentrale für Tourismus statt.

Weiterführende Infos zur Stadt Ludwigsburg: Ludwigsburg.de