Ausflugstipp Region Basel: Eine Schleusenfahrt von Basel nach Rheinfelden

Eine Schleusenfahrt von Basel nach Rheinfelden ist eine Schiffsfahrt bei der es rauf und runter und munter zu und her geht. Die Faszination Schleuse zieht so manchen in den Bann – an Bord des neuen Basler Passagierschiffs, dem «Rhystärn», wird dies erlebbar.

Es sind nur Zentimeter auf der einen wie auch auf der anderen Seite. Kapitän Marcel Michel zirkelt sein Schiff gekonnt in die Schleuse. Zwölf Meter breit ist die Fahrrinne, 11.4 Meter breit der neue Stolz der Basler Schifffahrt: der «Rhystärn». Das bedeutet, navigiert der Kapitän das Schiff ins Schleusenbecken, hat zwischen der Wand und dem Schiff auf jeder Seite gerademal ein klassisches 30-Zentimeter-Lineal Platz.

 

Zu Gast beim Schleusenmeister

Gleich nebenan, im Schleussenhäuschen von Birsfelden, vollbringt ein weiterer Mann Höchstleistungen: der Schleusenmeister Nicu Leonte. Anhand von insgesamt zehn Displays, die verschiedene Kameraeinstellungen, Pegelstände und Bedienelemente der Schleuse zeigen, regelt er den Schleusenverkehr. Greift auch immer wieder ganz analog zum Fernglas. Und während gleichzeitig Fracht- oder Verkehrsschiffe bergwärts fahren, melden sich im Fünfminutentakt Schiffe, die flussabwärts in Richtung Birsfelden fahren. «Da rasen einem schonmal tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf», sagt der gebürtige Rumäne. Tatsächlich bedient er gleichzeitig auch die Schleuse in Augst. Dies aus der Ferne, via Funk und Bildübertragungen. Dabei heisst es stets, ruhig Blut bewahren. Und Leonte strahlt genau dies aus: Während es einem beim Anblick all der Schiffsaktivitäten schwindlig werden kann, ist Nicu Leonte die Ruhe selbst. «Das bringt die Erfahrung», sagt er und erzählt von seiner Zeit als Schiffskapitän. Erst befuhr er die Donau, später während zwanzig Jahren den Rhein zwischen Basel und Rotterdam.

 

Noch heute löst der Rhein Emotionen bei ihm aus. Er blickt in die Ferne, in Richtung Basel mit Roche-Turm, Tinguely Museum und Münster und fügt an: «Der Rhein steht für Fernweh – Städtenamen wie Amsterdam, Rotterdam oder auch Arnheim lösen Sehnsucht aus.» Und schon klingelt wieder das Telefon. Ein weiteres Schiff kündigt sich an. Dabei muss der Schleusenmeister stehts abwägen wie die Schleusung am effizientesten zu handhaben ist, denn in Birsfelden sind nebst der Schifffahrt noch weitere Interessen im Spiel. «Bei jeder Leerschleusung fliessen 19 Millionen Liter Wasser stadtwärts», klärt Leonte. Das sei Wasser, dass in diesem Moment kein Strom fürs nebenan gelegene Kraftwerk produziere.

Der Rhystärn: Basels neuer Blickfang

Zwei Stunden bevor Kapitän Marcel Michel sein Schiff in die Schleuse navigieren wird, trifft die Schiffscrew am Hafen des Dreiländerecks ein. Im Hintergrund überqueren Velofahrer und Fussgänger die Passerelle des Trois Pays, eine Brücke, die das französische Huningue mit dem deutschen Weil am Rhein verbindet, und die Sonne glitzert im Wasser. Es kündigt sich ein freundlicher Tag an, die Stimmung ist gut. Der Kapitän organisiert, gestikuliert, checkt Gerätschaften und bereitet die Mannschaft auf den Tag vor. Auf dem Programm steht eine Schleusenfahrt von Basel nach Rheinfelden und zurück. Der Grossteil der Passagiere steigt an der Station «Basel Schifflände» ein. Ein Passagier erzählt, er beobachte die Schleusungen von Schiffen in Birsfelden regelmässig, «nun möchte ich mal mit dabei sein.» Die von der Basler Personenschifffahrt als Königsfahrt angepriesene Schleusenfahrt ermöglicht genau dies. Wer auf der gesamten Strecke an Bord bleibt, wird insgesamt viermal durch ein Schleusenbecken fahren.

 

 

Mit dem Rhystärn durch Basel

Doch bevor die erste Schleuse erreicht ist, geniessen die Passagiere die Durchfahrt von Basel. Der Kapitän ist hochkonzentriert. Denn im Rhein, der das Gross- und Kleinbasel trennt, tummeln sich allerlei Hobbykapitäne, Flussschwimmer, verkehren Fähren und Weidlinge. Der Rhein ist stark befahren, «da entstehen oft brenzlige Situationen», verrät der Kapitän. Zum Glück oder eben weil die Kapitäne die Situationen täglich richtig einschätzen, passieren wenig Unfälle. Doch der Kapitän ergänzt: «Wir sind aber darauf angewiesen, dass jeder, der sich im Rhein aufhält, wachsam ist.»

 

 

 

Am Ufer sonnt sich die Stadtbevölkerung, rechts zieht das Münster an einem vorbei, die Passagiere der Münsterfähre «Leu» winken denen vom Passagierschiff «Rhystärn» zu und auf der linken Seite dominiert der Roche-Turm das Stadtbild. Dabei zeugen ein halbes Dutzend Kräne von neuen hochragenden Bauplänen des Basler Pharmagiganten. Gegenüber im Rhybadhüsli Breite wird mit Weisswein angestossen und bei den Passagieren kommt Vorfreude auf die erste Schleuse auf. Denn am Horizont erscheint das vom Schweizer Architekten Hans Hofmann erbaute Laufwasserkraftwerk. Das filigrane, zeitlose Gebäude entstand in den 1950er Jahren und stellt für Fussgänger, wie auch Velofahrer eine Verbindung von Riehen nach Birsfelden dar. Für die Schifffahrt wiederum bedeutet es, dass ein Durchkommen nur durch eine Schleuse möglich ist.

 

 

 

Faszination Schleusenfahrt

«Ob das reicht?», «Das ist der Wahnsinn – schau mal wie knapp» oder «Man darf fast nicht hinschauen» – so und ähnlich klingen die Kommentare der Schiffspassagiere bei der Einfahrt ins Schleusenbecken. Handys werden gezückt, der Moment festgehalten. Auf der Brücke oberhalb der Schleuse tummeln sich Zuschauer – eine Schleusung fasziniert. «Da oben stehe ich sonst jeweils», erzählt der vorhin beschriebene Passagier. Und man sieht es ihm an, seine Augen funkeln, seine Mundwinkel sind weit nach oben gezogen, ja der Herr ist seelig, darf er für einmal hier auf dem Schiff stehen, während das Wasser das Schiff gemächlich nach oben befördert. Nach zwölf Minuten ist schliesslich der Wasserstand für die Weiterfahrt erreicht.

Die Stadt verschwindet, die Landschaft wird grüner und da kündigt sich bei vielen der Hunger an. Es ist inzwischen nach 12 Uhr mittags und im Bordrestaurant läufts rund. Andere tummeln sich auf dem Sonnendeck, es wird zugeprostet, gelacht, diskutiert – und man ist sich einig, der «Rhystärn» ist elegant und geräumig. Ja, Basel erhielt mit dem Schiff ein neues Aushängeschild. Und nach einem erlebnisreichen Tag auf dem Schiff, nach weiteren drei Schleusengängen und einem dramatischen Sonnenuntergang über Basel, ist man sich einig: Die Erinnerung an diesen Tag wird bleiben. Und noch etwas bleibt in Erinnerung, der Schalk, dieser ganz eigene Humor der Basler – davon zeugen die Toiletten des Schiffs. Die Toiletten? Nun, wer diesem Geheimnis auf den Grund gehen möchte, dem sei eine Schleusenfahrt zu empfehlen.

Mehr Informationen zu den Schleusenfahrten: Schleusenfahrten Basler Personenschifffahrten