Ein Wochenende in Traben-Trarbach an der Mosel

In vier Stunden fährt man von Basel startend einmal quer durch die Schweiz. Oder man fährt in Richtung Norden, durch Frankreich, überquert die Grenze nach Deutschland und erreicht ebenfalls in vier Stunden wieder die Schweiz. Bitte was? Doch richtig gelesen. Nämlich die Trarbacher Schweiz. Sie liegt inmitten eines Weinbaugebiets an der Mosel. Aber alles von Vorne.

Die Schweizen Deutschlands

Es war die Zeit der Romantik vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, die dafür verantwortlich ist, dass Deutschland über 130 Schweizen verfügt. In dieser Zeit, die Industrialisierung war im Gange, wurden Heimatgefühle, Mystisches und Naturlandschaften zu einem neuen Ideal. Und die Schweiz verkörperte anscheinend all dies. Unser Land löste bei den Nachbarn Sehnsüchte aus und beflügelte die Phantasien. So kam es, dass Literaten, Historiker oder Pädagogen, besonders schöne Ecken Deutschlands als eine Schweiz bezeichneten. So auch eine Landschaft bei Traben-Trarbach, heute bekannt als die Trarbacher Schweiz. Wir haben uns die Gegend angeschaut – schon noch amüsant, als Schweizer in Deutschland eine Schweiz zu besuchen. Dabei haben wir viel Genussvolles entdeckt, dass wir hier mit Euch teilen möchten. Falls auch Ihr die Trarbacher Schweiz mal besuchen möchtet: So verbringt Ihr ein erfreutes Wochenende in und rund um Traben-Trarbach.

TAG 1 – Weinwandern und ein Treffen mit der Unterwelt

10 Uhr – eine kulinarische Weinwanderung

Wir starten genussvoll in den Tag. Das Weingut Caspari bietet kulinarische Weinwanderungen an. Dabei begeht man gemeinsam die Rebberge und lernt allerlei über den Anbau von Trauben. An fünf Stationen heisst’s pausieren, snacken und die Weine des Hauses degustieren. Dabei fällt der Blick über Traben-Trarbach und die umliegenden Weinanbaugebiete. Uns fällt auf, dass Albrecht Eggert, der Winzer des Weingut Caspari, bei seinen Flaschen auf Drehverschlüsse statt auf Korken setzt. Und erfahren, dass ein Schweizer dabei seine Finger im Spiel hatte. Eggert erzählt, dass er vor rund zwanzig Jahren 3’000 Flaschen Wein wegen «Zapfen» verloren habe. Andere in der Region gar noch mehr. Damals erinnerte er sich an einen Ausflug, der ihn während seiner Ausbildung zu drei Weingütern in der Schweiz führte. Dabei lernte er einen Winzer kennen, der keine Korkzapfen verwendete. Darauf angesprochen, habe ihm dieser gesagt: «In diesen Flaschen steckt ein Jahr Handarbeit. Die lasse ich mir doch nicht von einem Stück Baumrinde kaputtmachen.»

Unser Ausflug mit Albrecht Eggert führt uns noch an einen anderen spannenden Ort: den historischen Weinkeller des Weinguts Caspari. Dieser wurde in einen Felsen direkt unter der Kirche gesprengt. Und hier unter dem Gotteshaus merkt Egger noch anekdotisch an, dass er selber als Winzer ein Quereinsteiger sei. Nein, sein Vater sei kein Winzer gewesen, sondern der Pfarrer direkt oberhalb seines heutigen Weinkellers.

INFO Weingut Caspari, Traben-Trarbach, nebst kulinarischen Wanderungen bietet das Weingut aktuell Online-Weinproben an (Weinset bestellen, einloggen und mehr über die Weine direkt von Albrecht Eggert erfahren), weingut-caspari.de

15 Uhr – Auf einen Kaffee ins Hotel Bellevue

Feinen Kuchen und Kaffee gibt’s im Hotel Bellevue. Ein Jugendstilhotel, das mit viel Liebe zum Detail kuratiert wird. Den Kaffee gönnt man sich entweder in der heimeligen Stube oder auf der Terrasse. Ein Blick in die Bar lohnt sich ebenfalls.

INFO Hotel Bellevue, An der Mosel 11, Traben-Trarbach, bellevue-hotel.de

16 Uhr – Eine Führung durch die Unterwelt

Wir Schweizer sind bekanntlich gut darin, Tunnels zu bauen und die Berge auszuhölen. Die Traben-Trarbacher haben ähnliche Talente: Die Stadt, die man sieht, ist nur die eine Hälfte, denn darunter befindet sich noch eine Welt, die Unterwelt. Beinahe ganz Traben-Trarbach ist unterkellert. Um 1900 herum fungierte die Stadt, nach Bordeaux, als zweitgrösste Weinhandelsstadt. Das bedingte grosse Lagermöglichkeiten. So entstanden all die Grotten und Keller.

Zugang zu dreissig dieser riesigen ehemaligen Weinkeller hat Rolf Zang, der Führer der Unterwelt. Zusammen mit weiteren Kollginnen und Kollegen begleitet er Gäste durch die Unterwelt von Traben-Trarbach und weiss zu jedem Keller Geschichten zu erzählen.

INFO Führungen in die Unterwelt, traben-trarbach.de/unterwelt

19 Uhr – Speis und Trank

Mein Lieblingsrestaurant im Ort ist schnell gekürt: die Alte Zunftscheune. Feines Essen und Wein aus der Region in heimeliger Atmosphäre. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen: einfach hingehen und geniessen. Oder doch, etwas wäre da noch. Unbedingt im Voraus reservieren. Nach dem Essen empfiehlt sich ein nächtlicher Verdauungsspaziergang durch die Stadt, denn Traben-Trarbach by night schaut auch ganz hübsch aus.

INFO
Alte Zunftscheune, Neue Rathausstrasse 15, Traben-Trarbach, zunftscheune.de

23 Uhr – In einen tiefen Schlaf verfallen

Wir durften in einem wunderbaren Hotel, einer richtigen Perle nächtigen: dem Hotel Goldene Traube by Neugart. Eine äusserst stilvolle Unterkunft, das Interieur erinnert an die schicken Stuben Skandinaviens, mit einem leckeren Frühstücksbuffet. Dazu bestens gelegen.

INFO Hotel Goldene Traube by Neugart, Am Markt 8, Traben-Trarbach, goldenetraube-hotel.de

TAG 2 -Elfensuche und Sekterfahrung

9 Uhr – Eine Wanderung durch die Trarbacher Schweiz

Nun ist es soweit. Ich begebe mich mit zwei kundigen Führern, Achim Ochs und seinem Bruder Peter Storck, in die Trarbacher Schweiz. Hier begehen wir gemeinsam den Elfenpfad, der uns durch einen zauberhaften Wald führt. Es war ausserdem ein Vorfahre meiner heutigen Wanderleiter, der die Trarbacher Schweiz begründete. Philipp Adam Stork bezeichnete 1818 in seinem Werk «Darstellungen aus dem preussischen Rhein- und Mosellande» einen besonders schönen Landstrich am Rande der Stadt als die «Trarbacher Schweiz». Der Wald, durch den wir gehen, ist wild und was auffällt: ruhig und wenig begangen. Eine kleine Idylle. Aber alleine sind wir dennoch nicht. Denn hier soll ein ganzes Volk von Elfen wohnen. Als ich nach einer halben Stunde anmerke, dass ich noch keine Elfe gesehen habe, meint Achim Ochs: «Wer die Fabelwesen nicht sieht, hat zu wenig Wein getrunken.» Peter Storck lacht und fügt an: «Nur Kinder können die Elfen sehen.» Fabelhaftes erblicke ich dennoch: die Wohnungen der 37 Elfenfamilien und weitere Fabelwesen – einige konnte ich fotografisch festhalten.

Die Trarbacher Schweiz ist bestens bei einer Wanderung zu erkunden. Der Elfenweg ist nur einer von mehreren gut gepflegten Routen.

INFO Weiterführende Informationen zur Trarbacher Schweiz sind der Festschrift zum 200-jährigen Jubiläum der Trarbacher Schweiz zu entnehmen.

13 Uhr – Wenn sich der Hunger meldet

Wer von der Trarbacher Schweiz gleich noch ins Trarbacher Österreich reisen will, setzt sich ins Restaurant Litzinger Lay. Hier wird österreichische Kost serviert. Echt lecker! Oder man begibt sich zum Brückentor und verspeist vis-à-vis im Imbiss eine Curry-Wurst. Die wird hier mit viel Leidenschaft zubereitet.

INFO Litzinger Lay, An der Mosel 78, Traben-Trarbach, litzigerlay.com

15 Uhr – Enkirch: wo alles alt ist und grandioser Sekt hergestellt wird.

Wir bummeln durch Enkirch, ein Winzerort, in dem alles historisch anmutet. Dabei treffen wir auf bestens erhaltene Riegelhäuser und deftige Geschichten aus längst vergangenen Tagen. An der Drillesgasse befindet sich ein Pranger. Da wurden früher tatsächlich Verbrecher hinter eine eiserne Türe gesperrt und jeder der vorbeikam, durfte glotzen, spucken, schimpfen – jedem so, wie es ihm beliebte. Und Frauen, die noch einen offenen Konflikt auszudiskutieren hatten, erging es nicht besser. Sie wurden mit einem Stück Holz am Hals «zusammengekettet» und hatten keine andere Wahl, als sich miteinander zu unterhalten (siehe Bild unten).

Nach unserem Spaziergang und der Besichtigung des Heimatmuseums, das die Geschichte des Ortes erzählt, heisst es: Sekt degustieren. Wir besuchen das Weingut Immich-Anker von Daniel Immich, der dieses in der siebzehnten Generation führt. Und was hier produziert wird, hat es in sich: Ein Sekt, der einen Vergleich mit einem Champagner keineswegs fürchten muss. Immich sagt selbstsicher: «Wir vergleichen uns auch nicht mit dem Champagner, wir haben ein eigenes Produkt.» Die feine crèmige Perlage geht flüssig die Kehle runter. Es war Daniel Immichs Vater, der die Idee hatte, hier an der Mosel einen Sekt herzustellen. Der Erfolg gab ihm Recht. Inzwischen stellen sie 6’500 Flaschen in Handarbeit her und können diesen bis in die USA exportieren.

INFO Das Weingut bietet Kellerführungen und Weinproben auf Anfrage an, Am Steffensberg 19, Enkirch, mosel.net

Die Pressereise fand mit Unterstützung der Moselregion Traben-Trarbach Kröv und der Deutschen Zentrale für Tourismus statt.

Weiterführende Infos zur Moselregion Traben-Trarbach Kröv: moselregion.com