Wo alpiner Chic auf asiatische Eleganz trifft

Es gibt diese Hotels, die man nur des Hotels wegen besucht. Das Algonquin in New York etwa. Das Ritz in London. Oder das Mandarin Oriental in Bangkok. In der Schweiz trifft das auf «The Chedi Andermatt» zu. Hier ist das Hotel das Erlebnis schlechthin und setzt mit seiner Symbiose aus «Asia» und «Alpen» Massstäbe in Sachen Design, Ästhetik und Luxus.

Chedi ist ein thailändisches Wort und beschreibt einen Teil einer Tempelanlage. Und in der Tat hat es etwas Sakrales, wenn man die schwere Glastür öffnet und in die Lobby tritt als beträte man ein Kirchenschiff. 143 filigrane Lampen aus Glas glitzern einem entgegen, der Blick fällt jedoch unweigerlich auf die zwei abstrakten Hirschgeweihe aus Holz, die über einem der unzählig lodernden Cheminées platziert sind. Hier also trifft asiatische Eleganz auf grosszügigen alpinen Chic – und es ist genau diese raffinierte Symbiose dieser zwei gegensätzlichen Stile (Konzept des Stararchitekten Jean-Michel Gathy), die das Chedi so einzigartig macht. Das Fünf-Sterne-Deluxe-Hotel des ägyptischen Investors Samih Sawiris wurde übrigens erst vor nicht einmal vier Jahren eröffnet und schon mit etlichen Preisen prämiert. Die letzte Auszeichnung: Hotel des Jahres 2017 von GaultMillau Schweiz. Kann es also den Erwartungen gerecht werden? Wir finden: auf jeden Fall.

The Chedi Andermatt

Gotthardstrasse 4
6490 Andermatt
Schweiz

thechediandermatt.com

Unser Lieblingsplatz?

Sehr gerne mochten wir (auch als Nichtraucher) die «Smokers Lounge». Diese ist in die Bibliothek integriert. Einen ganzen Vormittag haben wir hier drin verbracht, in den schweren Leder-Fauteuils sitzend, die unzähligen grossformatigen Bildbände und aufwendigen Foto-Monografien durchgeblättert. Dieser Raum hat etwas von einem Herren-Club mit seinem Walk-In-Humidor, den kristallenen Edelspirituosenflaschen und den cognacfarbenen Club-Sesseln. Doch trotz der eher maskulinen Design-Sprache (die sich durch das ganze Hotel zieht) fühlt man sich hier auch als Frau aufgehoben, angekommen und ausgeglichen.

Was bieten die Zimmer?

Das Chedi hat 123 Zimmer und Suiten, wobei sich schon das kleinste der Zimmer mit seinen 52 Quadratmetern suitenartig anfühlt. Auch hier dominieren im Interieur die eher männlich konnotierten Materialien wie Holz, Leder und Naturstein. Das exquisite und gemütliche Hästens-Bett mit der luftig weissen Bettwäsche und die mit einer schwarz-weiss Fotografie tapezierte Wand setzen jedoch einen gelungenen Kontrapunkt zum eher herben Design. Highlight Nummer eins ist natürlich das zimmereigene Cheminée, welches über einen Ipad gesteuert wird. Und Highlight Nummer zwei ist das Badezimmer, oder besser gesagt der gesamte Badebereich: eine grosse freistehende Wanne, beheizbare Natursteinböden und eine separate Regendusche verwandeln das Zimmer in den eigenen privaten Mini-Spa. Die Türen zum Bad lassen sich dabei variabel verschliessen, so dass man den Raum – je nach Situation – optisch vegrössern oder verkleinern kann.

Wie schaut es mit der Kulinarik aus?

Mit 15 GaultMillau-Punkte ausgezeichnet wurde «The Restaurant» unter Chefkoch Dietmar Sawyere, der auch hier die Liaison zwischen «Asia» und «Alpen» konsequent weiterführt. Hier werden die entweder asiatischen oder europäischen Gerichte in vier Atelierküchen direkt vor den Augen der Gäste zubereitet. Ebenfalls super-exquisit geht es im «The Japanese» zu und her. Dieses japanische Restaurant zeichnet sich durch seine fünf- bis zehngängigen Kaiseki-Menus aus – das ist sozusagen Haute Cuisine auf japanisch. Wem das alles ein bisschen zu etepetete (und auch zu kostspielig ist), dem sei die Bar-Karte empfohlen. Wir waren nämlich am glücklichsten mit den bewährten Hotelklassikern wie Clubs-Sandwich oder Caesars Salad. Und besonders gut gefallen hat uns die Tatsache, dass wir auf diese Speisen an jedem Ort im Hotel zurückgreifen konnten: in der Lobby, in der Smokers Lounge, in der Wine & Cigar Library, in der Bar – und ja sogar im Spa. Essen kann man im Chedi überall.

Wie sieht der Wellnessbereich aus?

Als Gast des Chedi kommt man gar nicht umhin, nicht mit Superlativen um sich zu werfen. Selbstverständlich passen die auch auf den 2’400 Quadratmeter grossen Signature-Spa. Dreh-und Angelpunkt ist hier das 35 Meter lange Sportbecken, das sich dank den riesigen Panoramafenstern nahtlos mit dem Garten (hier «The Courtyard» genannt) und der Lobby verbindet. In diesem Teil des Spas verbrachten wir, in die flauschigen Bademäntel von Ploh gehüllt, wunderbare kontemplative Stunden. Fläzten uns auf die zwei grossen Sofas, lasen Bücher und knabberten die getrockneten Papayas, die uns vom aufmerksamen Personal offeriert wurden. Ab und an schwammen wir eine Länge im Indoor-Pool, noch lieber aber starrten wir im geheizten Aussenpool auf die schroffe Bergwelt. Die acht Cheminées, die kuscheligen Sofas und Betten sowie der – ungewöhnlich für einen Spa – dunkle Holzboden verbreiteten hier eine Wohlfühlatmosphäre, die ihresgleichen sucht.

Damit aber nicht genug: Des Weiteren punktet das Hotel mit einem Fitnesszentrum, dessen Geräte selbstverständlich «state of the art» sind. Zehn Spa-Suiten sorgen dafür, dass auch individuelle Beauty-Behandlungen durchgeführt werden Und im unteren Stockwerk entflieht man in die sogenannten Hydrothermalbäder. Hier strahlt das in Holz und Stein getauchte fernöstliche Interieur eine behagliche Zen-Ruhe und Klarheit aus. Sauna, Hamam, Dampfbad – you name it, alles da, alles schön.

Ist das Hotel gut gelegen?

Andermatt ist Andermatt. Ein kleines Bergdorf halt, welches vor allem als wichtiger Armee-Standort diente, und eingekesselt zwischen Oberalp-, Furka- und Gotthardpass liegt. Mondän ist anders. Das Chedi liegt sozusagen direkt neben den Bahnhofsgeleisen. Das hat Vorteile (praktisch, wenn man mit den ÖVs anreist), aber auch Nachteile (es gibt schönere Ausblicke als auf einen Selecta-Automaten). Des Weiteren ist das ganze Dorf so klein, dass alles zu Fuss erreichbar ist – doch viel zu entdecken gibt es sowieso nicht. Wanderfreunde und Golfer (der auf dem Hochplateau liegende Golfplatz wurde erst letztes Jahr eröffnet) kommen aber auf ihre Kosten und für die Wintersportler eröffnet sich mit der neuen Verbindung der beiden Skigebiete Andermantt-Sedrun (fertig für die Wintersaison 2018/19) eine neue Dimension. Praktisch: Von Zürich aus kann man in weniger als anderthalb Stunden auf der Piste oder auf dem Golfplatz stehen.

Wem würden wir das Hotel empfehlen?

Das Chedi ist ein Universum für sich. Darum ist es auch egal, wo es liegt. Denn wer hier erst mal eingecheckt ist, will so schnell nicht wieder raus. Das Hotel ist darum ideal für all diejenigen, die glauben, bereits alles gesehen zu haben. Und für diejenigen, die einfach auch mal aus dem Alltag entfliehen und eine durchgestylte Auszeit der Extraklasse geniessen wollen.

Unsere Bewertung
herausragende Design-Sprachecoole und unkomplizierte Bar-Karte. Da darf man auch mal „Ghackets mit Hörnli“ im Spa essenim Hästens Bett schläft man wie die Königin von Schwedendas Badezimmer wird dank freistehender Wanne und Natursteindusche zum Mini-Spatoll für alle Gagdets-Freak: Mit dem Ipad steuert man im Zimmer von den Jalousien bis hin zu den Temperaturen- im Spa kann man dank den Cheminées und den Sofas stundenlang verweilen
Andermatt ist nicht St. Moritz oder Gstaad
4.9Luxus der Höchstklasse
Freundlichkeit
Zimmer
Sauberkeit
Lage
Service
Frühstück
Preis/Leistung