Rumänien ist als Feriendestination vielen Reisenden noch unbekannt oder mit negativen Klischees behaftet. Wer durch die schönen Landschaften fährt und historischen Städte schlendert, merkt aber schnell, dass dieses Bild überholt ist.

So viel vorweg: Ja, es gibt sie, die Armut im Lande. Besonders in ländlichen Regionen reihen sich spartanisch gebaute Häuschen aneinander. Die Dörfer wirken ausgestorben, nur ein paar Hühner und Pferde tummeln sich um die Backstein-Bauten und Strassenhunde streunen durch die Gegend. Im Süden des Landes, wo die Durchschnitts-Touristen nicht hingehen, sind die Hunde-Rudel zum Problem geworden. Hier auf dem Lande sind die Menschen einfache Leute, die nicht viel Besitz haben. Freundlich sind sie aber allemal, die Atmosphäre entsprechend authentisch. Weiter nördlich sind die Städte und Dörfer weitaus moderner. In der Kleinstadt Medias läuft aber dennoch nicht viel. «Wenn wir ausgehen, brauchen wir meist nach Cluj-Napoca oder Bukarest zu fahren», erklärt ein junger Einheimischer. In ersterer Stadt findet jährlich ein Festival für elektronische Musik statt. Ein anderer Rumäne, er ist Student, erzählt über die weitverbreiteten Vorurteile der Kriminalität des Landes. Offen sind sie also schon mal, die Rumänen, wenn man es denn wagt, auf sie zuzugehen.

Dass Rumänien mittlerweile sicherer geworden und die meisten Menschen hier nicht weniger aufrichtig als im Westen sind, davon habe ich mich bereits selbst überzeugt. Dass gewisse fahrende Völker, oft sogar aus Asien stammend, aber mit kriminellen Machenschaften im In- und Ausland dem Image Rumäniens schaden, sei ein Problem, meint der Student. Auch die weit verbreitete Korruption trage dazu bei. Doch dafür können weder die ehrlichen Arbeiter noch die jungen Menschen etwas. Und spätestens als der hiesige Barkeeper unserer Reisegruppe eine Runde des starken und ohnehin günstigen Țuică-Schnaps spendiert, erkennt man denn auch die Herzlichkeit der Rumänen, so eigen und zurückhaltend das Volk auch sein mag. Schnell ist man von den verbitterten Vorurteilen weg- und in der osteuropäischen Kultur angekommen.

Leben wie die Könige

Zu sehen gibt es in Rumänien viel. Der auf rund 1100 Metern gelegene Kurort Predeal, wo wir nach der Ankunft in Bukarest unsere Reise beginnen, ist umgeben von Teilen der Karpaten-Bergkette und eignet sich deshalb bestens für Wintersport- und Wanderliebhaber. Der durch die Gegend führende Predeal-Pass ist die wichtigste Verbindung zwischen der südlichen Landregion Walachei und Siebenbürgen. Diese Provinz Siebenbürgen, oder zu Deutsch Transsilvanien, ist gesäumt von historischen Bauten und Städten, die sehr an das westliche Europa erinnern. Zudem wird hier auch Deutsch gesprochen, war doch die Region im 12. Und 13. Jahrhundert überwiegend von deutschen Bauern und Handwerkern besiedelt. Auch heute leben noch viele Schwaben und Sachsen hier. Auf der Fahrt durch die Region lohnt sich auf jeden Fall ein Stopp beim Peles Schloss in Sinaia. Die ehemalige im Renaissance-Stil gebaute Sommerresidenz der Königsfamilie von Carol I. gibt den Besuchern einen imposanten Eindruck, wie damals gelebt wurde. Zudem diente der Bau als Kulisse für diverse Filme und Serien.

Auf dem Weg in die Kronstadt Brasov lässt sich im nahegelegenen Honigberg die sächsische Kirchenburg besichtigen, deren Mauern und Kirchturm teilweise noch im Originalzustand sind. In Braşov ist die schwarze Kirche das imposanteste Bauwerk dieser Stadt. Ein Besuch der belebten Flaniermeile in der Altstadt, die gesäumt von Cafés, Bars, Geschäften und Restaurants mit osteuropäischen Spezialitäten ist, sollte aber auch nicht fehlen.

Das halbaufregende Dracula-Schloss

In der Region bietet sich auch Sibiu, die Weltkulturerbestadt von 2007, an. Und diese erzählt viele Geschichten. Der Legende nach soll beispielsweise die sogenannte Lügenbrücke jeweils gebebt haben, wenn man, während man sie überschritt, Lügen verbreitete. Auch sollen Menschen deswegen von der Brücke geworfen worden sein. Diese Geschichten erscheinen jedoch eher surreal. Umso realer ist der Ausblick von der Brücke auf die Gassen der Hermannstadt, wie Sibiu auf Deutsch heisst. Auch die evangelische Kathedrale oder der Brukenthal-Palast sind beliebte architektonische Denkmäler, die man bei einem Stadtrundgang kaum übersehen kann. Die schmackhaften Restaurants und kleinen Cafés laden zudem zu einer Pause ein, um dem spannenden Treiben dieser Stadt einfach mal zuzuschauen.

Weiter geht es nach Schässburg. Sie gilt als eine der schönsten sächsischen Städte und liegt an einem steilen Hang. Zuoberst thront die Bergkirche von einem kleinen, mystischen Friedhof umgeben. In der kleinen mittelalterlichen Altstadt, die ebenfalls UNESCO Weltkulturerbe ist, finden sich neben dem Stundturm auch das angebliche Geburtshaus Graf Draculas, das heute ein Restaurant ist. Der Mythos um den Roman von Bram Stoker aus dem Jahre 1897 holt einem natürlich auch ein, wenn man das Dracula-Schloss in Bran besucht. Denn dort soll Vlad Tepes, besser bekannt als Graf Dracula, einst gelebt haben. Von aussen mag das prunkvolle Gebäude auf dem Hügel den erwarteten geheimnisvollen Charakter beibehalten haben. Innen sieht es aber nicht viel anders aus, als die anderen Schlösser, von denen man im Lande etliche an der Zahl findet. Touristisch gehypt und von zahlreichen Souvenirshops in der Altstadt beworben, erscheint einem der ganze Rummel um Graf Dracula doch ziemlich jenseits, zumal nicht klar ist, ob weder der Schriftsteller noch Tepes selbst das Schloss tatsächlich je besucht hat. Nur der Legende willen muss man also nicht den Umweg zum Schloss Bran machen.

Prunkhafte Hauptstadt

Da lohnt sich eine Besichtigung der Hauptstadt Bukarest weitaus mehr. Die moderne und schmucke Altstadt mit ihren engen Gassen sowie die zahlreichen historischen Bauten des Stadtzentrums sind allemal einen Besuch wert. Dazu gehört auch der Parlamentspalast, welcher mit seinen 275 Metern Länge und 235 Metern Breite ist eines der grössten Gebäude der Welt ist. Der pompöse Bau beinhaltet 5100 Räume, 480 Kronleuchter, 200 Toiletten sowie 2000 Kilometer elektrische Leitungen. Nur schon der blosse Anblick vom Bus aus versetzt ins Staunen. Und zeigt gleichzeitig die Gegensätze dieses Landes auf.

Reiseinfos

SWISS fliegt die rumänische Hauptstadt ab Zürich täglich direkt innert zwei Stunden an. ITS Coop Travel bietet zudem verschiedene Rundreise-Packages an, welche alle erwähnten Städte und Sehenswürdigkeiten mit einem Car inkludieren. Inbegriffen sind ein versierter einheimischer Reiseführer, alle Mahlzeiten (ausser den Mittagessen) sowie die Übernachtungen in gemütlichen Hotels der Mittelklasse. Besonders für Geschichts- und Kunstinteressierte ist diese Tour eine gute Möglichkeit, die vielen Schätze dieses Landes auf einem komfortablen Weg zu entdecken.