Luxus und Alpenluft

Willi Bach nimmt die Käseharfe zur Hand. Er zieht sie durch die eingedickte Milch, um diese zu zerteilen. Dabei fällt auf: der Alphirt und Käser hat riesige Hände, kräftige Pranken, von der Arbeit geformt. Sein Lächeln, seine Warmherzigkeit kontrastieren und es ist augenfällig, seine Gastfreundschaft ist echt. So authentisch wie die Region, die ich von Zürich kommend erreichte und mich gleich in eine andere Zeit versetzt fühlte. Vielleicht weil die Uhren hier langsamer ticken oder weil Genuss und Erholung in der Tourismusregion Gstaad-Saanenland, an das der französischsprachige Ort Rougemont grenzt, mit viel Bedacht gepflegt werden. Und ich fühle mich nicht nur als wäre ich auf einer Zeitreise in eine Ballenbergähnliche Bergwelt, ich darf hier auch einen selten gebotenen Luxus erleben, denn ich besuche Rougemont auf Einladung von Peter Bütler. Und dieser, ein gebürtiger Bündner aus Arosa, führt hier das noble Hotel de Rougemont & Spa.

Hoch zur Alp, um Käse zu naschen

Ein kleiner, feuchter Raum ist Willi Bachs Reich auf der Alp Beust. Hier verbringt er täglich eine gute halbe Stunde um seine auf Holzgestellen aufgereihten Käselaibe mit Salzwasser einzureiben. Zwischen 15 – 19 Grad kühl ist es hier unter der Alphütte, die Luftfeuchtigkeit beträgt gut 80 Pozent. Die Milch zur Herstellung schenken ihm seine zwanzig Kühe, die sich durch die Gras- und Kräuterlandschaft rund um die Alp futtern. Und obwohl jeder der achtzig Alpbetriebe der Region zur Herstellung dieselbe Bakterienkultur verwenden, ist kein Käse gleich wie der andere. Es seien die Lage und die Graszusammensetzung, die für den Unterschied sorgen, sagt Bach und ergänzt: «Jeder Käser hat seine Eigenheiten.» Bei den Bachs, Willi führt die Alp zusammen mit seiner Frau Christine, spielt noch eine Besonderheit eine Rolle, hier wird der Käse noch über einem Holzfeuer produziert. «Dadurch enthält der Käse einen leicht rauchigen Geschmack». Der Alpkäse reift im Idealfall sechs bis sieben Monate, der Hobelkäse mindestens 18 Monate, besser jedoch zwei bis drei Jahre, klärt Bach auf. Und ein Alpkäse sei im Unterschied zu einem Bergkäse einer, der mit Milch von der Alp und auch hier in der Höhe hergestellt wird. «Das Käsen braucht Zeit», sagt Bach. Im Gegensatz zum Zeitrend könne man diesen Prozess auch nicht beschleunigen. Entschleunigung ist angesagt.

Wer die Wahl hat, hat die Qual: Alphütte oder schickes Luxushotel

Wer eine Nacht auf einer Alp verbringen möchte, der kann sich hier bei den Bachs in einem urgemütlichen Zimmerchen einbuchen. Ich verlasse die Alp wieder, kehre dem Rüeblihorn und der Videmanette den Rücken und fahre zurück ins Tal. Genauso gerne wie ich noch länger auf der Alp geblieben wäre, genauso freue ich mich auf den weiteren Tag in Rougemont – denn ich darf ins Hotel de Rougemont & Spa zurück. Und hier von der Terrasse meines Zimmers blicke ich auch gleich wieder hoch zur Videmanette und dem Rüeblihorn, von der anderen Seite ragen sie genauso imposant hoch. Ja, es sind Berge, an denen man sich kaum sattsehen kann. Und die Vorfreude in mir steigt, denn Peter Bütler verspricht für den Abend eine Käsedegustation von einem Käser, der ein Meister seines Faches ist. Ja, der Käse verfolgt mich hier in Rougemont. Und das ist gut so.

Übernachten in Rougemont Hotel de Rougemont & Spa, hotelderougemont.com
Das Alpleben geniessen Bei Willi und Christine Bach einkehren, beim Käsen zuschauen oder gar übernachten, willibach.ch