Aktivferien oder die Seele baumeln lassen? … am liebsten beides

Ob Feriengäste Erholung und Badefreuden suchen, kulturell interessiert sind oder sich sportliche betätigen möchten, Südwestanatolien in der Türkei rund um Dalyan und Marmaris lässt keine Wünsche offen.

Die hübsche Kleinstadt Dalyan liegt eine Fahrstunde vom Flughafen Dalaman entfernt am Dalyan-Fluss, der sich durch das schilfbewachsene Delta zum Meer hin schlängelt. Taxiboote fahren die Feriengäste durch das zauberhafte Naturschutzgebiet zum sechs Kilometer langen Iztuzu-Strand zwischen Meer- und Süsswasser. Dank der Caretta Caretta Riesen-Meeresschildkröte, die hier nachts 50 bis 100 Eier vergräbt, ist der Strand unbebaut. Das Meer glitzert türkisblau. Eine leichte Brise macht den Aufenthalt in der prallen Sonne angenehm. Im nahegelegenen Schildkröten-Spital berichtet uns die deutschstämmige Studentin aus Istanbul alles über die Pflege der Schildkröten. Vom Radar Hill geniessen wir einen Blick über die Bucht und das von einem Netz silberglitzernden Wasserstrassen zerteilte Flussdelta. Wir besuchen die etwas abgelegene Fischfarm und entdecken eine Riesenschildkröte auf Futtersuche.

Erholung in stilvoller Umgebung

Das Hotel Dalyan Live wurde kürzlich eröffnet. Im idyllischen, gut überschaubaren Garten lässt sich gut chillen. Die Zimmer gruppieren sich zweistöckig um den grosszügigen Pool. Wir frühstücken direkt am Pool und werden vom freundlichen Hotelpersonal aufmerksam umsorgt. Später spazieren wir an Villen mit üppiger Vegetation und leuchtenden Bouginvilleen vorbei ins Zentrum von Dalyan. Die Hauptstrasse ist eine einzige Shoppingmeile. Hier reiht sich Laden an Laden. Ich bin nicht unbedingt in Shoppinglaune, aber das Angebot überzeugt: traditionelles Kunsthandwerk, kitschige Souvenirs, ausgefallene Kleider, Nippes und Tand gibt es zu kaufen. Auf der mit Reben gedeckten Terrasse direkt am Flussufer trinken wir einen echten türkischen Kaffee, der uns stilvoll auf einem silbernen Tablett serviert wird. Vom schattigen Platz aus schauen wir den dahingleitenden Taxibooten zu. Später probieren wir die fangfrischen, blauen Krebse, die in der Imbissbude direkt am Ufer zubereitet werden. Mein Lieblingsgericht sind verschiedene türkische Köstlichkeiten (Meze), die in kleinen Schüsseln serviert werden, aus denen man sich selbst bedient. dalyanlivehotel.com

Monumentale Zeitzeugen

Am gegenüberliegenden Flussufer kleben weithin sichtbar die berühmten Königsgräber an der Felswand. Eine winzige Fähre bringt uns in wenigen Minuten ans andere Ufer, wo wir die Ausgrabungsstätte der antiken Hafenstadt Kaunos erkunden. Wir sind beeindruckt vom riesigen Amphitheater, das bis zu 5000 Zuschauern Platz bot. Ziegen klettern herum und suchen in den Felsspalten nach Grashalmen. Frech zupfen sie Blätter von den Olivenbäumen, die sich mit ihren knorrigen Wurzeln an die behauenen Steinblöcke klammern. Die Ruinen liegen auf einem Hügel und erstrecken sich bis zum Wasser hinunter. Auf dem weitläufigen Gelände zeugen steinerne Monumente vom damaligen Reichtum und der Grösse dieser Stadt. Auf einer breiten Treppe und durch eine Säulenallee gelangen wir bis ans Ufer, wo der ehemalige Zugang zum Meer gewesen sein muss. Als der Hafen in spätrömischer Zeit verlandete, bedeutete dies das Ende von Kaunos.

Hotspot für Kitsurfer

Schon von weitem sehen wir die bunten Segel vor der imposanten Bergkulisse. Der Akyaka Strand ist ein eimaliger Hotspot für Kitsurfer. Ein kleines Boot bringt uns auf verschlungenen Wasserwegen zum Meer. Unterwegs begegnen wir sportlichen Kanufahrern. Am Strand wimmelt es von Menschen jeden Alters und verschiedener Nationalitäten. Sie alle vereint die Lust und Freude am Kitsurfen. Laute Musik schlägt uns aus den unterschiedlichsten Strandbaren entgegen. Es herrscht eine einmalige Atmosphäre, ein toller Mix aus sportlichem Leistungswillen, Gelassenheit und Freizeitvergnügen. Der Hotspot zeichnet sich durch regelmässige, landeinwärts wehende Winde und seichtes Meer aus. Am liebsten würde ich das Kitsurfen selbst ausprobieren. Wir haben jedoch nur einen Kurzbesuch eingeplant. Uns lockt die Stadt Marmaris. An der Strasse bieten Händlerinnen in einfach gezimmerten Hütten frische Fruchtsäfte aus Zitrusfrüchten und Melonen an.

Geliebtes Marmaris

Die lebhafte Stadt an der Ägäis verspricht Erholung und Ferienvergnügen für die ganze Familie. Dank strenger Bauvorschriften ist die Hafenstadt gänzlich von Nationalsparks umgeben. Durch die dichten Pinienwälder führt ein Netz von gut markierten Wanderwegen und Bike-Touren. Von der Strandpromenade starten die Ausflugsschiffe zu den vorgelagerten Inseln. Wir flanieren durch die schmalen Gässlein der Altstadt vorbei am gedeckten Markt, Boutiquen, Galerien und den gemütlichen Restaurants mit Dachterrassen. Steil führt der Weg zur mächtigen Zitadelle hinauf, wo sich uns ein herrlicher Rundblick eröffnet. Bei Sonnenuntergang präsentieren sich das Meer, der Hafen und die Strandpromenade besonders eindrucksvoll. In den vielen kleinen Restaurants lässt es sich gemütlich speisen, wenn unten in der Stadt am Hafen die Lichter funkeln und der blassgelbe Mond am nächtlichen Himmel leuchtet.
Unterkunfts-Tipp Casa de Maris
Restaurant-Tipp High Side Restaurant mit wundervollem Blick auf den Hafen

Weltklasse-Honig

Im Honigmuseum in Osmaniye erfahren wir alles Wissenswerte über die Produktion des berühmten türkischen Pinienhonigs, der in die ganze Welt exportiert wird. Das Informationszentrum überzeugt mit seiner aussergewöhnlichen Architektur. Die verschiedenen Räumlichkeiten reihen sich wie Bienenwaben aneinander. Eine riesige Biene empfängt die Besucher am Eingang zum Museum. Ein kurzer Film gibt uns einen Überblick über die Bedeutung der Bienen für die Umwelt und die Herstellung von Honig. Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Honigproduktion und verschiedenen Geräte. Ein wissenschaftliches Labor ist an das Informationszentrum angegliedert. Im Laden werden verschiedene Produkte aus Honig angeboten. marmarisbalevi.com.tr

Übers Wasser gehen

In der Orhaniye-Bucht glitzert das kristallklare, tiefblaue Wasser in der Mittagssonne und bildet einen wunderbaren Kontrast zum satten, dunklen Grün der Pinien. Hier befindet sich die berühmte Kizkumu Sandbank, die weit ins Meer hinaus ragt. Von oben sieht es aus, als würden die Menschen über das Wasser gehen. Beim Näherkommen schimmern die roten Kiesel unter der Wasseroberfläche. Mich beschleicht ein eigenartiges Gefühl, als ich in die Bucht hinaus bis ans Ende der Sandbank spaziere. Tipp: Badeschuhe anziehen.

Altes Kunsthandwerk neu erlernt

Das Knüpfen von Teppichen ist eine der ältesten Fertigkeiten der Welt und wird schon seit 3500 Jahren praktiziert. In Turgutköy besuchen wir die Teppich Kooperative Turgutköy Halicilik. In der Manufaktur können junge Frauen das traditionelle Handwerk erlernen und sich mit Heimarbeit einen Verdienst erwerben. Der Leiter der Kooperative spricht ausgezeichnet Deutsch und erklärt uns die Arbeitsweise, die Vorlagen, die Muster und die Knüpftechnik. In den Ausstellungsräumen sind prachtvolle, handgeknüpfte Teppiche in verschiedenen Grössen und mit verschiedenen traditionellen Mustern ausgestellt. Mich begeistert das Motiv des Lebensbaumes auf dessen Äste zarte Vögel verschiedener Generationen sitzen und das Nest eine besondere Bedeutung hat.

Einen Herzenswunsch anbringen

In der kleinen Ortschaft Bayir verspricht der 1500 Jahre alte Wunschbaum ein langes und glückliches Leben. Ich umrunde ihn drei Mal und habe einen Wunsch frei, den ich jedoch für mich behalten muss, damit er in Erfüllung geht. Im Schatten des riesigen Baumes lässt sich gut verweilen. Es gibt kalte Getränke und süssen Tee. Ich gönne mir einen Gözleme, nachdem ich in der improvisierten Küche den Frauen beim Backen zugesehen habe. Wir können uns nicht unterhalten, aber ein Lächeln spricht Bände. Nach dem Essen zeigt uns der grösste Ölproduzent der Region sein privates Museum. Schon sein Grossvater und sein Vater haben das hochwertige Olivenöl hergestellt. Mit Begeisterung zeigt er die Sammlung alter Gerätschaften. Er weiss zu jedem Werkzeug eine Geschichte zu erzählen und reiht Anekdote an Anekdote.

Die Recherchen für diese Reise wurde von Türkei Tourismus unterstützt.

Gut zu wissen Dalyan ist ungefähr eine Autostunde vom Flughafen Dalaman,
Marmaris ca. 1,5 Stunden vom Flughafen Bodrum entfernt.
Flugverbindung Turkish Airlines, umsteigen in Istanbul