Off the beaten track: Reisetipps für Phrygien

Sie kennen Kappadokien (Türkei) mit den Feenkaminen und den bunten Heissluftballonen. Aber wo bitte ist Phrygien und was hat es zu bieten? Höchste Zeit, dass ich Ihnen von der wunderbaren Region in Zentral Anatolien erzähle, über Naturschönheiten, Wanderrouten, Sehenswürdigkeiten, Felsenkirchen, Wohn-und Grabhöhlen, die Kappadokien in nichts nachstehen. Lassen Sie sich beim Lesen in eine zauberhafte Region entführen. Und übrigens werden Sie hier trotz guter Infrastruktur nur wenige Touristen antreffen.

Die Grabkammer von König Midas

In Gordion, der Hauptstadt der Phrygier lebte im 8. Jhd. v. Chr. der legendäre König Midas, bekannt aus der griechischen Mythologie. Alles was der König berührte wurde zu Gold, was sich jedoch bald als Fluch erwies. In Gordion zerschlug König Alexander der Grosse, den Gordischen Knoten.
Durch einen schmalen Gang gelangen wir in das Innere des 53 Meter hohen Grabhügels (Tumuli) und stehen unvermittelt vor der riesigen Grabkammer, die König Midas zugeschrieben wird. Diese besteht aus fast dreitausendjährigen Baumstämmen. Die Grabbeigaben sind im übersichtlich gestalteten Museum ausgestellt und geben Aufschluss über das damalige Leben. Dazu gehören auch Mosaike aus Kieselsteinen. In der ungefähr zwei Kilometer entfernten Zitadelle finden seit über 50 Jahren archäologische Grabungen statt. Einheimische arbeiten unter kundiger Führung und haben damit die Möglichkeit, Geld zu verdienen. In der Region befinden sich ungefähr 140 Tumuli von denen bis heute 40 erforscht sind.

Fernwanderung Türkei: Der phrygische Weg

Der Wanderweg, der den Spuren der Phrygier folgt, ist mit fast 500 Kilometern die längste Trekkingroute der Türkei. Die mystische Landschaft entstand durch den heute erloschenen Turkmen Vulkan, der eine einzigartige Topografie schuf. Die Gründer der Trekkingroute haben sich von den alten Handelswegen inspirieren lassen. Die Phrygier formten die Landschaft und hinterliessen unzählige, in den weichen, leicht zu bearbeitenden Tuffstein gegrabene Wohnhöhlen, Grabkammern, Kirchen und Burgen. Der Weg führt uns durch die unwirkliche Landschaft der Feenkamine, die denen von Kappadokien in nichts nachstehen, jedoch weit älter und facettenreicher als jenen sind. Die Wanderung gleicht einer Zeitreise durch ein riesiges Openair-Museum. Noch heute sind an manchen Stellen die tief in den Tuffstein gegrabenen Karrenspuren zu sehen.

Infos zum Wanderweg cultureroutesinturkey.com/phrygian-way

Auf Schusters Rappen unterwegs

Wir nehmen eine Etappe des Weges unter die Füsse und starten mit leichtem Gepäck im Dorf Inli, wo es eine einfache Unterkunft für Wanderer gibt. Ein schmaler Pfad führt durch lichten Wald dem Bach entlang, den wir mehrmals von Stein zu Stein springend, überqueren müssen. Gut, dass ich mit Hilfe eines Stockes auf den wackeligen Steinen das Gleichgewicht halten kann. Zu unserer Rechten türmen sich die Tuffsteinfelsen. Die rot weissen Markierungen sind unsere Wegweiser. Irgendwann haben wir ein Zeichen übersehen und suchen nach dem Weg. Glücklicherweise treffen wir einen Kuhhirten, der uns trotz Sprachschwierigkeiten den richtigen Weg zeigt. Am Wegrand blühen Blumen, Kühe weiden. Beim Trinkwasserbrunnen ruhen wir uns im Schatten eines Baumes aus. Nach knapp drei Stunden haben wir unser Etappenziel erreicht.

Wichtig Auf sämtlichen Streckenabschnitten hat es Trinkwasserbrunnen

Midas Han, ein Hotel-Paradies

Direkt am phrygischen Weg, ungefähr in der Mitte zwischen Eskisehir und Afyon, hat die Archäologin Nihal Temucin-Czichon mit Liebe und Sinn für schöne Details ein Hotel-Paradies für Gäste inmitten archäologischer Sehenswürdigkeiten geschaffen. Wir gönnen uns eines der individuell eingerichteten, hübschen Zimmer mit Dusche/WC. Sie empfängt uns mit Rüebli Kuchen, frittierten Teigbällchen und Tee. Es schmeckt fast wie zu Hause. Erholt und gestärkt unternehmen wir einen Spaziergang zum nahegelegenen Gerdekkaya Grabmal, das mit zwei Säulen die Form eines Tempels hat und der Hellenistischen Periode zugeschrieben wird. Unterwegs treffen wir zwei kleine Jungen, die uns strahlend ihre Glaces zeigen, die in der Hitze langsam dahinschmelzen.
Hoteltipp midashan.com

Yazilikaya, eine der wichtigsten phrygischen Ruinenstätten

Mächtig erhebt sich vor uns das majestätische Midas Monument, Yazilikaya, das erst 1800 zufällig entdeckt wurde. Die Grösse und Höhe des Felsens, die geometrischen Muster und die Inschrift beeindrucken mich. Auf einem gut ausgebauten Rundweg erkunden wir die Anlage, entdecken unzählige Wohnhöhlen, das ausgeklügelte Wassersammelsystem mit Tunnelschächten, Becken, Grotten und Zisternen für die damals ungefähr dreitausend Bewohner. Vom Plateau aus sieht man vier Burghügel, die der Verteidigung dienten. Aus dem Nichts erscheint ein grosser Hund, der uns in sicherem Abstand begleitet. Ich überlege, ob er wohl mehr Angst vor uns hat, als wir vor ihm. In der Abendsonne verfärben sich die Felsen rötlich orange, was der Anlage einen mystischen Touch verleiht. Fasziniert beobachte ich das geheimnisvolle Farbenspiel.

Entdeckungen in der Altstadt von Afyon

Im Mittelalter war die Stadt Afyon der Knotenpunkt der Karawanenstrasse von der Ägais nach Konya und von der Südküste in den Norden. Die Stadt ist Umschlagplatz für Wolle und Getreide. Sie ist für Teppiche und Holzintarsien, vor allem aber als Zentrum des Mohnanbaus berühmt, der medizinischen Zwecken dient. Der Burghügel dominiert die Altstadt. Wagemutige steigen über 500 Treppenstufen zur Burgruine hinauf, um einen spektakulären Blick auf die darunterliegende Altstadt zu werfen. Ich flaniere stattdessen durch die Gassen mit den unzähligen kleinen Läden und dem gedeckten Markt, auf dem die Einheimischen einkaufen. In einer der Konditoreien koste ich die traditionellen Süssigkeiten, die köstlich schmecken. An einem Fenstergitter sind Peperoni zum Trockenen aufgehängt, Reben umranken eine Haustüre, eine streunende Katze macht sich aus dem Staub. In der oberen Altstadt betrete ich die Ulu Cami Moschee. Gedämpftes Licht und eine angenehme Stille umfängt mich. Holzsäulen, die an der Decke reich verziert sind, tragen eine Kuppel. Gegenüber der Moschee gibt es ein kleines Teehaus. Die junge Frau reicht heissen Tee. Neben der ehemaligen Klosteranlage der Derwische, (Mevlevi Lodge), entdecke ich eine winzige Bäckerei. Zwei Frauen backen Brote aus Kartoffeln, die vorher gekocht werden. Die Frau zeigt auf meinen Fotoapparat: Zuschauen erlaubt, fotografieren verboten.
Informationen hu Afyon visitafyon.org

Türkische Massage & viel Luxus

Sich verwöhnen lassen, eine sportliche Leistung erbringen, oder beides? Etwas ausserhalb von Afyon liegt das prunkvolle ngAfyon Hotel. Es punktet mit geräumigen Zimmern, einem luxuriösen Spa Bereich, grosszügigen Outdoor- und Indoorpools, einer Joggingstrecke, Tennisplätzen, Fitnessraum, Abendunterhaltung mit Livemusik und einer stilvollen Bar. Vor dem Nachtessen gönne ich mir zur Entspannung eine türkische Massage. Ich werde kräftig gerubbelt, der Schaum ist luftig und duftet nach Blumen. Wohlig rinnt das warme Wasser über meinen Körper, und ich fühle mich wie neu geboren.
Hoteltipp nghotels.com.tr

Zu Besuch in der Höhlenstadt Metropolis

Ayazini war seit der Zeit der Phrygier bewohnt. Am Eingang zu der Höhlenstadt Metropolis, befindet sich die grosse Basilika, die innen und aussen aus dem Fels gemeisselt worden ist. Es finden sich auch Wohnhöhlen, Grabkammern aus der römischen und byzantinischen Periode mit Löwenskulpturen und Säulen, die in den weichen Tuffstein gegraben wurden. Sie erinnern mich an Kappadokien. Allerdings ist Phrygien weitläufiger, älter und fast unbekannt. Touristen verirren sich wenige in das phrygische Tal. Das Betreten der Monumente ist erlaubt. Ich entdecke immer wieder neue Höhlen und Wohnräume, in die ich hineinschlüpfe und die mir Schutz vor der Mittagshitze bieten. Ich fühle mich geborgen in der angenehmen Kühle.

Die Opiumernte ist in vollem Gange

Ayazini ist ein archaisch anmutendes Dorf inmitten der Felsformationen. Hundegebell empfängt uns, entferntes Motorengeräusch. Die Opiumernte ist in vollem Gang. Die Kapseln werden maschinell gerschreddert. Die Samen verwenden die Einheimischen für die Aussaat und zum Kochen. Eine Frau verpackt die geschredderten Schalen in grosse Plastiksäcke. Ich unterhalte mich pantomimisch mit ihr. Sie gestikuliert und erzählt. Ich verstehe kein Wort, wir lachen beide. Im Garten des einzigen Restaurants essen wir Katmer und Gözleme. Dazu gibt es Tomaten-, Gurken-, Peperonisalat mit Zwiebeln.

Weltberühmtes Porzellan aus Kütahya in Phrygien

Die Stadt Kütahya ist für die unzähligen Porzellanmanufakturen bekannt. Wir besuchen den Künstler Mehmet Gursoy im UNESCO Living Human Treasure. Im Atelier übertragen Porzellanmalerinnen seine künstlerischen Motive auf Teller, Vasen und Fliesen. Gursoy orientiert sich an traditionellen Mustern und Symbolen, die er phantasievoll und kreativ verändert. Dabei hält er sich strikte an die vier mineralischen Farben, die im 16. Jhd. verwendet worden sind: Türkis, Lapislazuli, Smaragdgrün und Korallrot. In einem anderen Atelier schauen wir einem Töpfer zu, der auf der Scheibe aus einem Tonklumpen eine elegante Vase formt. In der kleinen Werkstatt zwängen wir uns an Gestellen fast fertiger Tonwaren vorbei, die darauf warten gebrannt zu werden.
Porzellan aus Kütahya iznikcini.com

Freizeitvergnügen am See

Unweit der Ortschaft Döger liegt der Emre-See. Das sumpfige Ostufer ist schilfbewachsen. Beim Teehaus kann man Kanus, Peddalos oder Bikes mieten. Wir entscheiden uns für die bequem Fahrt in einem kitschigen Boot, das mit den roten Plüschsesseln einer Gondel ähnelt. Die gemächliche Fahrt führt uns einmal rund um den See. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir eine Schar Pelikane, die aufgeregt wegfliegen, als sich das Boot nähert. Ein Fischer versteckt sich im Gebüsch. Ganz nah beim See steht ein isolierter Felskegel aus dem 7. Jhd. vor Chr. Auf beiden Seiten des dreieckigen Daches befindet sich je ein Löwe mit einem menschlichen Kopf. Ein Hirte auf einem Esel treibt seine Kuh- und Schafherde vorbei. Er zieht eine Show ab und reitet zu unserer Freude wild im Kreis herum.

Anreise
Mit Türkisch Airline von Istanbul nach Zafer. (Turkish: Zafer Havalimanı) Von diesem regionalen Flughafen erreicht man Kütahya, Afyonkarahisar und Uşak
Flug nach Ankara: die Fahrt mit dem Auto nach Afyon dauert ungefähr 4 Stunden

Typische Gerichte
Gözleme, ist eine Art Blätterteigfladen mit Frischkäse gefüllt
Katmer ist eine Art Omelette aus Mehl, Öl, Wasser und Mohnsamen
Turkish Delight, köstliche Süssigkeiten, gute Adresse in Afyon: Lökum atölyesi
Sarma: Weinblätter gefüllt mit Reis und wenig Fleisch
Kuru Fasulye weißer Bohneneintopf mit Reis
Tee ist das türkische Nationalgetränk

Unterkünfte
ngHotel Afyon, www.nghotels.com.tr
Midas Han, www.midashan.com

Diese Reise wurde vom Türkischen Kultur- und Tourismusbüro unterstützt.