Im Nordwesten Italiens liegt die Region Piemont inmitten der französischen und schweizerischen Alpen, ein Ort von wahrer Schönheit, sowohl in seiner Landschaft als auch in seiner Seele. Die Region ist auch die Heimat der Slow-Food-Bewegung, einer Organisation, die in den 1980er Jahren gegründet wurde, um die Auflösung der lokalen Küche zu verhindern.

Text & Bilder @ Kate Gahimer

Eine Reise ins Piemont – Kulturen und Traditionen

Cà Mariuccia

Eingebettet in die Hügel des Monferrato, ist der Agriturismo Cà Mariuccia ein ethischer Landwirtschaftsbetrieb, der sich für nachhaltige Lebensmittel und die Erhaltung der italienischen Bräuche einsetzt, wobei Kultur und Tradition statt Fliessbandprodukte gepflegt werden.

Der Betrieb befindet sich auf der Terrasse des Monferrato, mit Blick auf das Weinanbaugebiet von Albugnano. Cà Mariuccia entwickelt und teilt das Wissen und Praktiken der Selbstproduktion innerhalb die ländlichen Gemeinden, wodurch die Menschen wieder mit dem Land und untereinander verbunden werden. Die Menschen von Cà Mariuccia lassen alte Traditionen wieder aufleben und ergänzen sie durch ihre eigene Innovation eine Gesellschaft zu fördern, die ökologisch, stabil und produktiv ist.

Agriturismo Cà Mariuccia

Vezzolano

Nur wenige Kilometer vom Agriturismo entfernt, inmitten eines grünen, üppigen Tals, liegt der Vezzolano, eine Abtei geschmückt im gotischen und romanischen Stil, welche aus Jahr 1095 stammt. In dieser Zeit glaubte man, dass Gott der Architekt der Welt sei, ein göttliches Ideal, das durch das Design der Abteien veranschaulicht wird. Die Berechnungen der Konstruktion sind so präzise, dass in einem 18-jährigen Zyklus, wenn der Mond seinen Höhepunkt erreicht, eine leichte Kreuzformation durch das Fenster der Apsis zu sehen ist.

Vezzolano AbbeyVezzolano Abbey2

Santa Giustina in Sezzadio

Ein weiteres architektonisches Kleinod der Region ist die Abtei Santa Giustina in Sezzadio.
Der lokalen Legende nach wurde die Abtei von dem Langobardenkönig Liutprando gegründet und
ist dem gleichnamigen Märtyrer im Jahre 722 gewidmet. Die Abtei hat eine romanische Struktur mit gotischen Elementen und ein Mosaikboden in der Krypta aus dem XI. Jahrhundert. Die Abtei ist in unberührter Zustand zusammen mit der angrenzenden Villa und dem Park, welche oft von den Bewohnern besucht wird. Während einige die Isolation und das Gebet innerhalb der Mauern der Abtei von Vezzolano und der Abtei von Santa Giustina suchen, schauen sich andere Besucher gerne die Gemälde des Kunstrestaurators Nicola Restauri an.

Das Restaurierungslabor befindet sich hinter hoch aufragenden Eisentoren, in der kleinen Stadt namens Aramengo, das Gebäude ist geschmückt mit Ranken.

Das Hauptgebäude im Innenhof zeigt die disziplinierten Talente der Nicola Restauri, wo viele Kunstwerke auf ihre Wiederbelebung warten, während andere sich auf die Rückkehr zu ihren Besitzern erfreuen. Seit 1947 haben die Familie Nicola und ihre Kollegen sich in der internationalen Restaurationsgemeinschaft einen guten Ruf erworben. Ein Fakt, den man leicht versteht, wenn man die Leidenschaft in der Stimme von Guido Nicola erlebt und  die technische Präzision der Restauratoren bei der Arbeit erlebt. Alles für die Rettung der Kunst.

Art restorer

Gastfreundschaft im Hotel Cà Vittoria

Das Hotel Cà Vittoria ist ein Haus aus dem 18. Jahrhundert, 30 Minuten nördlich von der Abtei von Vezzolano, in dem malerischen Dorf Tigliole.

Das Hotel bietet einen Blick auf die Alfieri-Hügel und einen Platz für einen schönen Sonnenaufgang. Man findet hier viel Charme, nicht nur in den Zimmern des Hotels, sondern auch im Restaurant des Chefkochs Massimiliano Musso. Das mit Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant bietet eine elegante und intime Atmosphäre, während die sich die Crew an die regionale Speisekarte hält. Während Chefkoch Massimiliano über die Talente und den Einfluss sowohl seiner Großmutter als auch seiner Mutter erzählt, spürt man dass hier Kulinarik schon seit Generationen gelebt wird.

Hotel Cà Vittoria

Cantine Coppo & Cantine Contratto

Vom Essen bis zum Wein – die Weinberge der Region Piemont sind ein traumhafter Anblick, es gehört nicht umsonst zu den schönsten Plätzen der Erde. Hier in Canelli, nur 45 Minuten südlich des Hotels Cà Vittoria, sind wir umgeben von die üppigen Reben. Es gibt zwei lokale Weinkellereien, Cantine Coppo und Cantine Contratto, beide gehören zu dem beeindruckenden Ort der sogenannten „Unterirdischen Kathedralen“, seit 2014 ein Unesco-Weltkulturerbe.

Die Cantine Coppo hat eine Geschichte mit Tradition und eine ehrgeizige Vision für die Zukunft. Das Weingut verflechtet sich mit der Geschichte seiner Heimat als Hauptstadt des italienischen Sektes, ein historischer und der regionaler Stolz, der von den Cantine Coppo weitergeführt wird.

Die Cantine Coppo wird heute von Luigi Coppo, einem Nachkommen in 4. Generation, geleitet, der die
Weingüter gerne auch neugierigen Besucher zeigt. Luigi strahlt mit Stolz, wenn er von den Produkten spricht, die Cantine Coppo produziert: Barbera, Chardonnay und Moscato d’Asti.

Ihre Flaschen ruhen und reifen in den Hügeln der Region durch gewundene Gänge und schwungvolle
Gewölbe, die eine imposante Geschichte erzählen. Am auffälligsten ist jedoch die Beharrlichkeit und Ausdauer mit der hier gearbeitet wird.

Während Cantine Coppo 1892 gegründet wurde, wurde das älteste Haus von Metodo Classico in Italien, die Cantine Contratto, einige Jahrzehnte zuvor, 1867, gebaut.

In den ersten Jahren der Gründung wurden die Weine überwiegend an die Königshäuser auf der ganzen Welt (einschließlich der Italiener) und den Vatikan geliefert. In seiner 150-jährigen Geschichte hat sich Contratto von einem Hersteller von Moscato und Rotwein zu einer großen Vielfalt von Produkten, einschließlich Spumante Metodo Classico, Weißweine, Wermut, Tonic und Sirup entwickelt.

Die Architektur des Weinguts ist gleichermassen imposant und erstaunlich. Der Untergrund bilden die  5.000 Quadratmeter großen Keller, sie wurden in das Herz des Hügels gebaut und aus dem
Tuffsteinkalk bis zu einer Tiefe von 32 Metern gebaut, eine ideale Umgebung für die Flaschengärung der
200.000 Flaschen, die Contratto jedes Jahr produziert.

Das beeindruckende Gebäude wurde im italienischem Jugendstil gebaut, bestehend aus großen schmiedeeisernen Toren und Kopfsteinpflaster Hof. Diese unglaubliche Architektur der Cantine Contratto gemischt mit der Hingabe und Leidenschaft der Mitarbeiter, macht dieses Plätzchen zu einem magischen Ort.

Piemonte Landscape

Osteria dei Meravigliati

Das Dorf Canelli bietet jedoch mehr als unterirdische Keller und die Produktion von Wein. Die Osteria dei Meravigliati ist eine lokale Taverne mit traditionellem lokalen Wein und zelebriert piemontesische Küche wie die Agnolotti del Pin, gefüllt mit Kalb- und Schweinefleisch, und das Vitello Tonnato.

Die Osteria bietet eine Erfahrung der lokalen Kultur, gemischt mit familiärem Ambiente,  dass es den Gästen ermöglicht die Gastfreundschaft des Piemont und das leckere Essen zu erleben. Der Service ist informell, aber raffiniert und die Atmosphäre ist idyllisch und entspannt. Es ist ein herrlicher Ort, wer gerne den Sehnsüchten der leckeren Gerichten des Piemont folgt.

Schwefelquellen in Acqui Terme

Neben der historischen Architektur der Region Piemont, findet sich eine der beeindruckendsten Städte:
Acqui Terme. Es ist eines der wichtigsten Weinanbaugebiete und die Heimat von heißen Schwefelquellen,
die berühmt sind, seit die Stadt als römische  «Aquae Statiellae» bekannt war.

Die Quellen befinden sich im Zentrum des Ortes an der Bollente-Quelle, wo das Wasser sprudelt und rund  75 Grad Celcius heiss wird. Neben dem Thema der Region, hat Acqui Terme auch eine Reihe von Lebensmittel- und  Weinunternehmen zu entdecken. Nicht zu verpassen ist die Osteria Perbacco, mit einer ganz dem Piemontesischen gewidmeten Speisekarte und der Acquese Cuisine.

Acqui Terme

Grand Hotel Nuove Terme

Wer es gerne elegant im stilvollen Ambiente mag, sollte es nicht verpassen im Grand Hotel Nuove Terme
ein Besuch abzustatten. Das 4-Sterne-Hotel stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat sich zu einem der
best besuchten Lounges in Europa entwickelt und gilt als eines der bekanntesten Hotels der „Bell
Epoche“.

Auf Trüffeljagt in Bergamasco

Eine Reise ins Piemont ohne einen Besuch in Bergamasco wäre wohl nicht das selbe. Zwischen den Hügeln von Montferrat und der Poebene gelegen, leben heir weniger als 1000 Einwohner, ein Schlüssel zum Charme des Dorfes. Eines der örtlichen Juwelen von Bermagsco sind die berühmten „Trifulaus“, also Trüffelsucher. Träger von historischem Wissen, das über Generationen weitergegeben wurde. Es wird gesagt, dass der wertvollste Besitz für die Familie eines Trüffeljägers der Standort der Trüffel ist.

Eine Trüffeljagd zu erleben ist ein Muss, aber die wahren Juwelen der Stadt sind die Menschen selbst.
Die Einwohner von Bergamasco sind außergewöhnlich und selten, sie sind der Inbegriff von Freundlichkeit und Gastfreundschaft.

Truffle Hunter Bergamasco

Cella Monte – La Casaccia

Da eines der schönsten Dörfer Italiens in der Nähe von Bergamasco liegt, nutzen wir die Gelegenheit zur Durchreise. Cella Monte ist ein mittelalterliches Dorf und ein kleiner Flecken. An einem der höchsten Punkte des Dorfes befindet sich La Casaccia, ein Familienweingut, das von Elena und Giovannis Leidenschaft für das Leben und die Bewirtschaftung des Landes geführt wird. Die Philosophie des Weinguts ist aus einer ökologischen Perspektive abgeleitet, die Natur und Umwelt respektiert und nur biologische Weine produziert.

Das Besondere des Weinguts sind nicht nur die hervorragenden Produkte, sondern auch die Überzeugung, die Elena und Giovanni teilen, nämlich dass sie nicht die Besitzer, sondern die Verwalter des Weinguts sind. Sie empfinden es als ihre Pflicht, die Prozesse und Methoden auf höchstem Niveau zu halten, um dem Land den Respekt zu geben, den es verdient.

Das Piemont hat jedem Besucher, der in die Region reist, etwas zu bieten. Es ist bekannt für das
gastronomisches Paradies, seine berühmte Stadt Turin und seine idyllische Lage zwischen den Seen,
Hügeln und Weinbergen. Während all dies Dinge sind, die das Piemont so unglaublich malerisch machen, so sind es genauso die Menschen dieser Region, welche mit viel Herzen, Gastfreundschaft und Leidenschaft dieses Plätzchen so magisch machen.

La Casaccia