In nur 45 Minuten erreicht man von Luzern aus die Region Engelberg. Hier locken etwa die wunderschöne Höhenwanderung Walenpfad sowie nervenkitzelnde Klettersteige.

Gemütliche Höhenwanderung oder abenteuerlicher Klettersteig? Beides!

Der Blick aus dem Fenster am Morgen könnte nicht besser sein: Der Titlis blitzt mit seinem schneeweissen Mantel im strahlendblauen Himmel, fast keine Wolke ist an diesem warmen Septemberwochenende zu sehen. Wir starten von der Berglodge Ristis, die in wenigen Minuten mit der Brunni-Bergbahn von Engelberg aus zu erreichen ist.

Die Berglodge Ristis wurde letztes Jahr umgebaut und bietet nebst dem gemütlichen Selbstbedienungsrestaurant einen wunderschönen Saal exklusiv für die Abendgäste. Zwar gibt es nur sieben Zimmer, doch das macht eine Übernachtung hier nur noch spezieller. Von der grossen Terrasse blickt man in der Nacht auf einen wunderbaren Sternenhimmel, es ist mucksmäuschenstill hier oben auf 1’600 Metern über Meer. Am Tag hingegen übertönt das Kinderlachen: Vor dem Restaurant liegt nämlich auch der Globi-Alpenspielplatz mit einer Sommerrodelbahn. Wir jedoch haben anderes im Sinn.

Der grosse Vorteil einer Übernachtung in der Berglodge Ristis besteht natürlich auch darin, dass man am nächsten Tag nach Zmorge und Kafi direkt auf dem Wanderweg steht. Bekannt ist in der Engelberg-Region vor allem die Vier-Seen-Wanderung von Trübsee zur Melchsee-Frutt – wir entscheiden uns für die etwas weniger bekannte Höhenwanderung auf dem Walenpfad.

Die etwas weniger bekannte Route

Diese führt zuerst steil aufwärts zur Brunnihütte und dem Härzlisee (der allerdings nur mit viel gutem Willen wie ein Herz aussieht). Hier tummeln sich besonders viele Familien, Gleitschirmspringer und Kletterer. Denn: Von Brunni führt auch ein Sessellift hinauf, womit man sich rund 50 Minuten und 270 Höhenmeter aufwärts einsparen könnte. Wir aber sind zum Wandern da.

Von der Brunnihütte geht es durch Wiesen und Wald über die Walenalp, das beeindruckende Bergpanorama zu unserer Linken, neugierige Kühe am Wegrand zu unserer Rechten. Gut gesichert und bestens ausgeschildert macht dieser Weg grossen Spass. Es folgt ein erneuter steiler Anstieg zur Walegg auf 1950 Metern über Meer. Doch nicht ohne Belohnung: Bald blicken wir hinab auf den tiefblauen Bannalpsee.

In einer halben Stunde zurück nach Engelberg

Man könnte einen Abstecher zum See einlegen, der Weg führt nahe dran vorbei, wir gehen allerdings weiter, passieren ein Berggasthaus und gelangen zur Chrüzhütte. Wer mag, kann zu Fuss hinunter nach Oberrickenbach; wir entscheiden uns für die herzige, kleine Luftseilbahn – und haben extremes Glück mit der Postautoverbindung: Nur einmal stündlich fährt das Poschi nach Wolfenschiessen, wir müssen gerade mal zwei Minuten warten. Von Wolfenschiessen hat man Bahnanschluss Richtung Luzern oder Engelberg. Ohne Pause dauert die Wanderung ungefähr vier Stunden und ist bis Ende Oktober gut machbar.

Nach einer ruhigen Nacht im praktisch gelegenen Hotel Central in Engelberg lassen wir es am nächsten Tag etwas abenteuerlicher angehen: Wir wagen uns an einen Klettersteig, und zwar nicht nur die Anfängerroute, sondern sogar – und für uns eine Première – ein K4-Level. Bei der Brunnihütte mieten wir für 20 Franken das Material. Quasi als Aufwärmung machen wir allerdings zuerst die Brunnistöckli-Route, eine K2. Diese eignet sich gut für Einsteiger, sorgt aber mit zwei Hängebrücken dennoch für etwas Nervenkitzel.

Richtig spannend und herausfordernd wird es dann auf der Zittergrat-Route. Zu dieser gelangt man nach einem kleinen Abstieg auf dem Wanderweg. Woher der Name Zittergrat kommt, können wir bald nachvollziehen: Senkrecht geht es die lange Bergwand hinauf, und insbesondere die Schlüsselstelle – ein Hangelquergang – lässt einen, wenn nicht zittern, zumindest kurz einen kalten Schauer über den Rücken laufen.

Intensiv aber kurz

Am besten zögert man nicht lange und hält sich am Drahtseil vorne und hinten fest – dann klappt die Traverse gut. Auf dieser Route sind die Oberarmmuskeln – jedenfalls für alle Nicht-Kletter-Profis – ein bisschen gefragt, selbst ein kleines Stück Überhang gilt es zu bewältigen, das dann aber doch relativ gut machbar ist. Am Schluss vereinigt sich die Route direkt vor der Hängebrücke wieder mit dem normalen Steig.

Ob gemütliches Wandern oder abenteuerlicher Klettersteig, für uns war dieses Wochenende definitiv eine tolle Art und Weise, diese Region abseits von Globi und Titlis besser kennenzulernen. Und es gäbe noch vieles mehr – gut möglich also, dass wir wieder zurückkommen!

Fotos: © Eva Hirschi