Auf den Spuren des Absinths

Die französisch-schweizerische Absinth-Strasse vereint das Val-de-Travers, das historische Ursprungsland des Getränks, mit Pontarlier, dem wirtschaftlichen Hauptort der berühmten Grünen Fee.

Was ist Absinth?

Absinth ist ein alkoholisches Getränk, das traditionell aus grossem und aus kleinem Wermut, sowie aus Anis und Fenchel hergestellt wird. Je nach Rezeptur werden weitere Kräuter beigefügt.
Absinth ist also ein Kräuterschnaps, zu dessen Herstellung Wermut, auf Französisch Absinth, verwendet wird. Vielleicht kann man Absinth mit Gin vergleichen, zu dessen Aromatisierung Wachholder verwendet wird.

Der Ursprung des Absinth

Erstmals wurde Absinth im 18. Jahrhundert im Val de Travers in der Schweiz hergestellt. Um 1860 war die „grüne Stunde“, die „heure verte“ im Alltagsleben in Paris etabliert. Absinthtrinken zwischen 17 und 19 Uhr galt als chic.

Eine unheilige Allianz: Absinth wird verboten

Der Weinlobby ging dies gegen den Strich und sie gingen eine unheilige Allianz mit dem Blauen Kreuz ein. Es gab sogar eine Demonstration in Paris: „Tous pour le vin, contre l’absinthe“. Als ein stark abhängiger Alkoholkranker im Suff seine Frau und die beiden Töchter umbrachte, wurde der Absinth angeprangert – und schliesslich verboten.

Absinth wird schwarz gebrannt

Insbesondere im Val de Travers trocknete man Wermut im Verborgenen und brannte schwarz weiter, aber es war strafbar.

1983 servierte man anlässlich eines Staatsbesuchs dem französischen Präsidenten François Mitterrand ein mit Absinth glasiertes Soufflé. Für den Restaurantbesitzer führte die demonstrative Verwendung des illegalen Absinths zu einer Hausdurchsuchung und einer viertägigen Gefängnisstrafe auf Bewährung und auch der Vertreter des Kantons, der das Absinth-glasierte Soufflé angeregt hatte, entging nur knapp einem erzwungenen Rücktritt von seinem Amt und dem Ende seiner politischen Karriere.

Eine Reise zum Absinth

2005 wurde der Absinth in der Schweiz legalisiert und befindet sich heute auf einem Siegeszug in die ganze Welt.
Für den Jura ist dies wichtig, es gibt Arbeitsplätze. Mit dem steigenden Interesse am Absinth bekam auch die Heimat des Absinths, die im französischen und im Schweizer Jura liegt, mehr touristische Bedeutung.
Eine Reise zum Absinth beginnt in Pontarlier. Die Stadt liegt rund 20 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt auf einer Hochebene am Oberlauf des Doubs und ist mit einer Höhenlage von 837 Metern über Meer die am zweithöchsten gelegene Stadt Frankreichs.
Pontarlier war im 19. Jahrhundert Hauptstadt der Absinth-Produktion. 1805 wurde von Henri-Louis Pernod die erste Absinth-Destillerie eröffnet. Durch das Absinth-Verbot im Jahr 1914 spielte dieser Wirtschaftszweig keine Rolle mehr. Um die Jahrtausendwende wurde der Absinth in den meisten Ländern wieder legal.
Heute verdankt die Stadt dem Absinth neue Arbeitsstellen, denn er ist hier heute überall präsent.
Route des Absinth routedelabsinthe.com

Wie trinkt man Absinth?

Das im Jahre 1977 gegründete Musée de Pontarlier beherbergt Sammlungen zur Geschichte der Stadt Pontarlier und des Absinths. Hier erfährt man, wie Absinth getrunken wird. In Frankreich: In ein Absinth-Glas wird Absinth gegeben. Darüber legt man einen Absinth-Löffel, darauf kommt ein Stück Zucker. Aus einer Fontaine lässt man eiskaltes Wasser auf den Zucker tropfen. Er zerfällt. Mit dem Wasser bekommt der Absinth die typische milchige Färbung. In der Schweiz trinkt man Absinth mit eiskaltem Wasser – ohne Zucker.

Absinth Pralinen und Absinth-Blumengestecke

Nachdem man sich im Museum einen Überblick über die Geschichte und die Produktion des Absinths verschafft hat, geht man in die Stadt auf Entdeckungsreise. In der Confiserie «Simplement Chocolat» lässt man sich von Absinth-Pralinen und Absinth-Macarons verführen. Im Blumenladen «Le Jardin de Juliette» zeigt der Florist, wie man Absinth-Blumengestecke kreiert. In ein Absinth-Glas arrangiert er Kräuter wie Wermut und Melisse mit Gräsern, hellgrünen und weissen Blüten.
Simplement Chocolat simplementchocolat.fr, Le Jardin de Juliette le-jardin-de-juliette.fr

Unbedingt besuchen sollte man die Destillerie Pierre Guy. Hier gibt es Führungen, während denen gezeigt wird, wie Absinth gebrannt wird. Die Absinth-Strasse führt von Pontarlier über Les Verrières, St. Sulpice und Fleurier nach Môtier ins Val-de-Travers, der Wiege des Absinths.
Destillerie Pierre Guy pontarlier-anis.com, Übernachtungstipp Pontalier lamaison-da-cote.fr$

Das Haus des Absinths

Das «Haus des Absinths» ist ein museumsdidaktisch attraktiv gestaltetes, modernes Museum.
Hier wird die Geschichte des Absinths erzählt. Wer wirklich den ersten Absinth gemacht hat, ist umstritten. Er wurde ursprünglich als Heilmittel gebrannt. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand Absinth im Ruf, aufgrund seines Thujon-Gehalts abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorzurufen. 1915 war das Getränk in vielen europäischen Staaten und den USA verboten. Neuere Forschungen zeigten, dass man mehrere Liter Absinth trinken könnte – und würde nicht wegen des Thujons, sondern an einer Alkoholvergiftung sterben.

Im Haus des Absinths findet man Informationen zum Thema Absinth und Kunst. Da das Getränk vor 120 Jahren ein Kulturgut war, wurde er von Künstlern wie Charles Baudelaire, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Ernest Hemingway, Edgar Allan Poe, Arthur Rimbaud, Aleister Crowley, Henri de Toulouse-Lautrec und Oscar Wilde konsumiert und viele bekannte Maler dieser Zeit haben den Absinth auf Leinwand verewigt.
Haus des Absinth maison-absinthe.ch

Das Trockenhaus in Boveresse

Eine weitere Station auf der Absinth-Strasse ist das Trockenhaus in Boveresse. Vor dem Haus wachsen Absinth-Kräuter. Das alte Gebäude beherbergt viele alte bäuerliche Gerätschaften, die Werkstatt eines Küfers und zahlreiche antike Fahrzeuge von der Kutsche über die Feuerwehrspritze bis zum Totenwagen. Über drei Stockwerke erfährt man vieles über die Verarbeitung der Wermutpflanze als Basis für Absinth. Wie vielerorts kann man hier auch verschiedene Absinths degustieren.

Zu Gast im Val de Travers

Das von der Uhrenindustrie geprägte Val de Travers erstreckt sich vom Neuenburgersee quer durch den Jura bis hin zur Grenze zu Frankreich. Asphaltminen und der Felsenzirkus des Creux du Van gehören ebenso zum Val de Travers wie die Schaumweinkellerei in Môtier oder Dampfzüge.

Heimlicher Star im Tal ist jedoch die «Grüne Fee». Die Landschaft des Val de Travers ist geprägt von Tannenwäldern, schroffen Kalkformationen, Jurahöhen und Naturschutzgebieten mit vielseitigen Möglichkeiten zum Wandern und Radfahren. Im Val-de-Travers stossen Wanderer ab und zu auf geheime «Absinth-Brunnen». Versteckt in den Wäldern des Val-de-Travers erhalten Besucher die Möglichkeit, Absinth zu geniessen – mitten in der Natur. So beispielsweise bei der Fontaine à Louis, am Eingang zur Poëta-Raisse Schlucht. Eine Flasche eines regionalen Absinths wartet dort in einer Holzbox. Wanderer dürfen sich hier mit einem Schluck Absinth mit kaltem Wasser aus dem Brunnen erfrischen.

Die Umgebung wirkt wie aus dem Märchen: steinige Bachbetten, Baumstrünke mit dicken, mit Moos überwachsenen Wurzeln und ein dichtes Blätterdach, das im Sommer angenehm Schatten spendet.

Absinth ist faszinierend: Zuerst vergöttert und dann verbannt. Seine Geschichte bestehend aus Fakten, Erzählungen, Gerüchten und Irrtümern kann man über die Absinth-Strasse lustvoll erfahren und erwandern.