Wandertipp Zermatt: Auf dem Edelweissweg zur Trifthütte

Wenn es in Zermatt nachtet, man ein Raclette isst und an einem Heida-Wein nippt, kommt manchem der «Gwunder». Dann, wenn der Blick aus dem Fenster in die Dunkelheit schweift. Und man hoch oben über dem Dorf ein Licht erblickt. Schnell ist erkannt, da erstrahlt ein Gebäude. Nur was für eines?

Dieser Gedanke umtreibt mich beim Abendessen im Restaurant Puro des Hotel Cervo. Ich denke: Das wäre doch eine Geschichte wert. Dieses Gebäude voller Licht. Wieviele Touristen schauen wohl täglich da hoch und fragen sich, was ich mich frage. Nach weiteren Gläsern Wein und einem tiefen Schlaf ist der Gedanke weg. Bis zu dem Moment, an dem ich vor genau diesem Haus stehe. Doch alles der Reihe nach.

Länge 20,1 km
Aufstieg 1542 m
Abstieg 1542 m
Dauer 7,30 h
Weitere Infos Bergwanderung Edelweissweg

Tag 1 – Steiler Einstieg, steife Wädli

Die nächsten zwei Tage werde ich auf dem Edelweissweg in Zermatt unterwegs sein. Das Beste gleich zu Beginn: Die Etappe des ersten Tages benötigt nur gut zwei Stunden Marschzeit. Heisst, wer in Zürich oder Bern am Freitag früh Feierabend macht, kann es noch am selben Tag rauf zur Unterkunft schaffen.
Die Wanderung beginnt mitten im Dorf, gleich ziemlich steil. Meine Wädli werden schon nach wenigen Schritten hart und der Puls ist schneller auf dem Gipfel oben als ich. Aber ich bin an diesem heissen Tag mit Schatten gesegnet – dieser Teil des Weges führt durch den Wald. Auf dem Weg passiert man eine kleine Alp, einen Wasserfall und geniesst einen Ausblick über Zermatt. Und dann, nach knapp 400 Höhenmetern, steht da dieses Haus. Hochaufragend auf einem Felsen. Und in mir drinnen macht es «klick». Das muss dieses hell erleuchtete Haus sein.

Am Ort der Erleuchtung

Die Auflösung, um was für ein Haus es sich handelt, ist eher ordinär: Hier steht die Pension Edelweiss. Ob ordinär oder nicht: Der im Gartenrestaurant angebotene «Rüeblichueche» schmeckt wahnsinnig fein und kräftigt mich für den zweiten Teil der Tagesetappe.
Nun geht es entlang des Triftbachs weiter nach oben. Jedoch weniger steil. Der Weg ist angenehm, die Abgeschiedenheit vom Zermatter Tourismus tut gut und die Blumenwiesen blühen in voller Pracht. Überall Alpenrosen. Polo Hofer wandert durch meine Gedanken. Und nach guten zwei Stunden erreiche ich mein Tagesziel: die Trifthütte von Hugo und Fabienne Biner.

Die Trifthütte oberhalb Zermatt

Kaum habe ich mich gesetzt und möchte mich erholen, da kommt Biner und zeigt in Richtung eines Felsen: «Schau, da drüben steht ein Steinbock.» Tatsächlich. Also mache ich mich auf den Weg und erkunde die kleine Hochebene um das Gasthaus Trift. Insgesamt zähle ich noch weitere 12 Steinböcke an diesem Abend.
Die Biners führen das Hotel du Trift, wie es sich auch nennt, seit 22 Jahren. Im Sommer beherbergen sie Wanderer, im Winter schliesst das Gasthaus und Hugo Biner arbeitet als Skilehrer und Bergführer. Er kennt jeden Winkel der Zermatter Bergwelt und berät seine Gäste bereitwillig über Wandermöglichkeiten und Touren. Und bei Wettervorhersagen scheint er einen direkten Draht zu Petrus zu pflegen.

Dem Matterhorn entgegen

Am zweiten Tag wandere ich in Richtung Matterhorn. Dieser Berg – oder eher diese Skulptur der Schweizer Alpen – fasziniert mich auch nach mehreren Aufenthalten in Zermatt noch immer. Einmalig. Wunderschön und majestätisch. Dabei geniesse ich, nach einem kurzen Anstieg und weiteren 17 Steinböcken, die Höhenwanderung. Und hier am Wegrand sind sie nun. Die Edelweisse, die dem Weg den Namen geben. Und ich bin nur noch glücklich: Matterhorn, Steinböcke, Edelweisse und Alpenluft. Was will man mehr? Richtig, etwas feines zum Zmittag. Das gibts beim Abstieg in Zmutt. In diesem kleinen Bergdorf stehen die Häuser eng beieinander. So als hätten sie sich in einem frostigen Winter zugeraunt: «Kommt, lasst uns bei dieser Kälte etwas näher zusammenrücken.» Hier im Restaurant Zmutt (ins Dorf rein, danach auf der linken Seite) gibts Lokales: Käseschnitten und Walliser Wein. Oder Bärlauchravioli mit Sommertruffel. Danach trotte ich mit müden Beinen ins Dorf runter. Mit einem Lächeln im Gesicht und einer Wanderempfehlung für Freunde und Leser im Gepäck.

Und als es am Abend wieder eindunkelt über Zermatt und ich das Licht erblicke, weiss ich, was für ein Gebäude es ist: das «Rüeblichueche»-Haus.