Reise Geheimtipp – Jordaniens Highlights individuell entdecken

Jordanien litt nach dem arabischen Frühling wegen seinen unstabilen Nachbarsländern unter einem massiven Tourismusrückgang. Dies, obwohl das haschemitische Königreich während der ganzen Zeit stabil und sicher blieb. Langsam gehen die Touristenzahlen wieder bergauf. Zu Recht! Jordanien ist nach wie vor eine interessante Destination, die sich definitiv problemlos bereisen lässt – auch auf eigene Faust. Wir geben ein paar Tipps.

Amman – Grossstadt auf dem Weg in die Moderne

Für die meisten Touristen dürfte die Reise in Amman beginnen, der Hauptstadt Jordaniens. Viele überspringen die Grossstadt, doch wer kann, sollte sich hier definitiv etwas Zeit einplanen. Nur schon um Knefeh bei Habiba und Hummus bei Hashem zu probieren. Bei erstem handelt es sich um ein ursprünglich palästinensisches Dessert aus warmem Mozzarella-ähnlichem Käse mit in Sirup getränkter Teigkruste. Und dies gibt’s im beliebtesten (und ältesten) Süsswarenladen der Stadt. Bei zweitem handelt es sich um das Lieblingslokal des Königs, welches zu jeder Tageszeit die immer vollen Tische mit Falafel und Hummus versorgt.

Nach dem Energietanken geht‘s bergauf: Einen ganz besonderen Eindruck erhält man von der Stadt nämlich, wenn man gegen Ende des Tages die Zitadelle auf dem Hügel mitten in der Stadt besichtigt und von oben die Sicht auf die Stadt geniesst, während sich unter einem die Muezzin-Gesänge der verschiedenen Minaretten zu einem zauberhaften Klangteppich verweben. Verschiedene traditionelle Lokale laden ein, den Abend bei einem süssen Tee, einem mit Kardamom gewürzten Kaffee oder einer traditionellen Shisha ausläuten zu lassen. Doch auch Amman wird immer moderner und Hipster-Cafés vermitteln der Stadt langsam aber sicher internationales Flair. Unsere Favoriten: Aristotle, Zaizafoun oder Books@Cafe.

Madaba – Ausgangspunkt für die Region ums Tote Meer

Dass der Besuch des Toten Meers ein obligatorischer Programmpunkt sein sollte, dürfte klar sein – das Erlebnis ist in der Tat einmalig und soll noch dazu gesund sein. Doch statt in einem der extravaganten Hotels am Toten Meer zu logieren, eignet sich das Städtchen Madaba viel eher als Ausgangspunkt, denn von hier aus lassen sich auch zahlreiche andere Tagesausflüge unternehmen. Etwa der Mount Nebo für Sonnenauf- oder untergang, die Stelle am Jordanfluss, wo Jesus getauft worden sein soll, oder die griechisch-orthodoxe Kirche St. Georg mit dem berühmten Mosaik von Madaba, das eine Landkarte Palästinas aus dem 6. Jahrhundert zeigt.

Etwas abenteuerlicher wird es bei einer Wanderung durch den Canyon, der zum Toten Meer führt –der nicht gerade lebhafte Name trügt nämlich, denn der Canyon zumindest ist überhaupt nicht leblos, sondern überrascht mit einer natürlichen Wasserquelle, üppiger Vegetation und sogar Palmen. Bei Wadi Mujib kann man eine dreistündige Wanderung durch den Canyon unternehmen, bei welcher man Flüsse durchquert, über Felsen klettert und sich an gewissen Stellen sogar abseilen muss. Schrammen und Schürfungen sollten vorsichtshalber miteinkalkuliert werden; deshalb empfiehlt sich die Wanderung erst nach einem Bad im Toten Meer – ansonsten dürften die wunden Stellen im salzigen Wasser wohl schmerzhaft an die Wanderung erinnern. Der Preis dafür ist indes nicht nur körperlich zu bezahlen, sondern auch in Dinar: umgerechnet 29 Franken kostet das Abenteuer.

Wer es günstiger und etwas weniger wild möchte, kann auf den anderen Arm des Canyons ausweichen, den Wadi Zarqa Ma‘in. Hier wandert man auf eigene Faust, bezahlt nichts und hat eine etwas einfachere Route vor sich. Zwar sollen Verbotsschilder am Eingang zum Canyon Besucher abschrecken, doch wir sind nicht die ersten, die sich auf dieses Abenteuer einlassen und bereuen es nicht, im Gegenteil! Wir haben den Canyon beinahe für uns allein, keine Touristen sind zu sehen, insgesamt begegnen wir gerade mal fünf Einheimischen während unserer Wanderung. Wer immer noch nicht überzeugt ist: Diese Bilder dürften für sich sprechen.

Dana – wortwörtlich off the beaten track

Zum Al Nawatef Camp bei Dana kommt man gar nicht so einfach hin, doch genau das trägt zum Erlebnis bei. Wer mit dem ÖV unterwegs ist, kontaktiert das Camp am besten im Voraus und gibt an, um welche Uhrzeit man mit dem Mini-Bus von Amman nach Al-Qadisiya fährt. Dann wird man kostenlos in diesem Dorf abgeholt und über eine Schotterpiste ins Camp gefahren. Mit Mietauto und GPS gestaltet sich die Anreise natürlich etwas entspannter.

Direkt am Abgrund des Canyons gelegen, ist die Sicht aus den Zelten und Häuschen des Camps atemberaubend. Das wissen die gastfreundlichen Jordanier und so gibt es zuerst einmal einen süssen Willkommenstee, damit man die ganze Landschaft in Ruhe aufsaugen kann. Mit dem Zuckerrush im Blut kann man sich dann auf die Erkundung der Umgebung machen – mit geführten Wanderungen oder individuell. Wer Glück hat, begegnet unterwegs einer Kamel- oder Ziegenherde und wird von Beduinen auf einen Tee eingeladen – ein einmaliges Erlebnis!

Reisetipp Al Nawatef Camp, facebook.com/Al-Nawatef-Bedouin-Camp

Berühmt-berüchtigtes Petra

Kaum jemand weiss, dass Petra heute nur deshalb ein Touristenmagnet ist, weil ein Schweizer diese in Fels gehauene Stadt gefunden hat. 1812 soll Jean-Louis Burckhardt die frühere Hauptstadt der Nabatäer entdeckt haben, die seit geraumer Zeit zwar nicht mehr benutzt, aber von den Beduinen, die in den Höhlen der Felsen wohnten, bewacht worden war. Heute geht vermutlich kaum ein Tourist nach Jordanien, ohne Petra zu besuchen. Zu Recht: Nicht nur das „Schatzhaus des Pharao“, wie das imposante Felsengrab von den Beduinen genannt wurde, ist beeindruckend, das ganze sich über 264 Quadratkilometer erstreckende Gelände ist atemberaubend.

Verschiedene Wanderwege führen an den wichtigsten Orten der Ruinenstätte vorbei, wie etwa am Hohen Opferplatz, am Römischen Theater oder an den Gräbern der Königswand. Am weitesten entfernt liegt das Kloster Ad Deir, das man aber auf keinen Fall verpassen sollte – für viele ist es weit beeindruckender, als das berühmte Schatzhaus, denn es ist noch monumentaler. Ein weiterer Grund, die Jordanienreise für den Frühling oder den Herbst einzuplanen, denn im Sommer sind solche Wanderungen kaum zumutbar …

Bei allen positiven Überraschungen in Petra hat uns die Abendveranstaltung „Petra by Night“ leider enttäuscht. Zwar ist der Weg zum Felsengrab schön mit Kerzen beleuchtet, was dem Ort eine geheimnisvolle Stimmung verleiht, doch die „Show“ ist kurz und besteht lediglich aus dem Beleuchten der Felsenwand mit verschiedenen Farben sowie etwas Musik. Die zahlreichen Touristen sind laut und es ist schwierig, das Spektakel zu geniessen. Ausserdem ist es kurz: Nach nur 10 Minuten ist die Show vorbei und man kann nur noch ein bisschen herumgehen und Fotos schiessen, was bei all den Menschen ohnehin schwierig ist. Da lohnt es sich viel mehr, am Morgen früh bereits auf das Gelände zu kommen und den Ort vor den Touristenmassen in Ruhe anzuschauen.

Wadi Rum – Zwischen Sand und Sternen

Ein viel ruhigeres Erlebnis bietet dafür ein Ausflug in die Wüste Wadi Rum. Dabei sollte man unbedingt mindestens eine Übernachtung einplanen: So unzählig wie die Sandkörner am Tag sind es die Sterne in der Nacht. In einem der Beduinencamps kann man in einem Bett in einem Zelt übernachten, nachdem man das traditionelle Gericht Zarb – eine Art BBQ unter der Erde – probiert und, in eine Decke gehüllt, den Sternenhimmel betrachtet hat. Tagsüber kommt man hier am besten mit einem Jeep oder mit einem Dromedar vorwärts. Auch wenn es paradox klingt, gibt es in der Wüste verschiedene „Sehenswürdigkeiten“, wie etwa natürliche Felsenbrücken, kleine Canyons, Wandmalereien und Inskriptionen, eine Süsswasserquelle oder rote Dünen. Eine Tour lohnt sich also allemal.

Rotes Meer – und bunte Unterwasserwelt

Das Rote Meer ist quasi der Antipol zum Toten Meer – voller Leben, kunterbunt, abenteuerlich. Insbesondere bei Tala Bay sind die Korallenriffe so nahe vom Strand, dass man gleich mit der Schnorchelausrüstung vom Ufer starten kann und nach wenigen Metern bereits auf zahlreiche Fische trifft. Das Almarsa Beach Village Resort bietet gleich das ganze Paket an: Zimmer mit Meeresblick, Frühstück auf der Terrasse, ein grosser Pool, sowie ein eigenes Tauchzentrum, in welchem man Schnorchel- und Tauchmaterial ausleihen kann und kompetente Guides erhält.

Die Guides lohnen sich nicht nur fürs Tauchen, sondern auch fürs Schnorcheln, denn sie wissen, wo die speziellen Attraktionen verborgen sind. Nicht nur ein imposantes Schiffswrack, die „Cedar Pride“, liegt hier nämlich im Meer, sondern auch ein Flugzeug und sogar ein Panzer. Diese soll der König absichtlich dort versenkt haben, um das Taucherlebnis aufzuwerten und den Meeresbewohnern einen neuen Lebensraum zu verschaffen – viele der Korallen sind nämlich am Sterben. Der Guide Samer vom Tauchzentrum Almarsa Dive Resort sagte es so: „Der Panzer hat früher Leben getötet – jetzt schafft er neues Leben.“
Übernachtungstipp Almarsa Village Dive Resort, almarsa-aqaba.com