Die Legende hält sich hartnäckig, dass ein Mönch namens Dom Perignon den Champagner erfunden haben soll. Die Franzosen freuen sich über dieses Gerücht, auch wenn es so nicht ganz der Wahrheit entspricht. Eigentlich waren es nämlich die biertrinkenden Engländer, die den Wein aus der Champagne zu dem gemacht haben, was er heute ist. Fasserweise liessen sie ihn sich liefern und waren dann die ersten, die den Wein in Flaschen abfüllten und verkorkten. Aber was soll’s, schliesslich lebt Gott in Frankreich! Und schliesslich kommt Champagner ja ausschliesslich aus Frankreich, bzw. der Region der Champagne.

„Komm schnell, ich trinke Sterne!“
Dom Pierre Perignon

Ich liebe Champagner und kann das Zitat vom Mönch Perignon absolut nachvollziehen. Insofern war es für mich also wie eine Reise zu den Sternen, als ich mich aufmachte, um in der Champagne einige namhafte Champagnerhäuser zu besuchen.

Champagner begeistert nicht nur mich. Auf der ganzen Welt steht er für Luxus, Freude, Festlichkeit und Erlesenheit. Champagner ist mehr als ein Getränk: Champagner ist Kunst, ein Lebensgefühl. Allein der Gedanke, dass auf der ganzen Welt Champagner fliesst, der Jahr für Jahr gleich schmeckt und ausschliesslich von diesem verhältnisweise kleinen Flecken Erde stammt, ist höchst faszinierend. Die Vielfalt der Champagnerweine liegt zunächst ja auch im Terroir begründet. Darunter versteht man zahlreiche Parameter wie Boden, Unterboden, Ausrichtung der Reben, Klima und Mikroklima der jeweiligen Parzellen.

„Ohne Champagner kann ich nicht leben! Bei Siegen verdiene ich ihn, bei Niederlagen brauche ich ihn.“
Napoleon Bonaparte

Schaumwein darf sich auch nur Champagner nennen, wenn er aus der Region der Champagne kommt und den strengen Regeln des Comité de Champagne unterliegt. Zum Beispiel dürfen die Weinreben nicht gewässert werden. Es dürfen nur unversehrte Trauben gekeltert werden, darum ist die Handlese gesetzlich vorgeschrieben. Für die Herstellung sind nur drei Rebsorten zugelassen: Chardonnay, der dem Champagner Frische und Eleganz gibt; Pinot Noir, der Rückgrat und Struktur verleiht und Pinot Meunier,der Geschmeidigkeit bringt und die Cuvée abrundet.

Mein erster Besuch führte mich zu Pommery

Dort entstand 1874 der erste Brut Champagner der Welt. Und auch dort, wie übrigens in vielen anderen Häusern, war eine Frau die Hauptakteurin: Die Witwe Pommery. Sehr ungewöhnlich für die damalige Zeit, übernahm sie als Frau nach dem Tod ihres Mannes die Geschäfte, und das sehr erfolgreich. Sie verwandelte erst unterirdische Kreidestollen in Champagnerkeller, und mit dem ersten Brut, also nicht süssen Champagner, gelang ihr der internationale Durchbruch. Madame Pommery erfand die charmante Tradition, einzelne Kellergänge nach internationalen Städten zu benennen, die von Pommery beliefert wurden. Charmant und clever, konnte sie so doch Sympathien gewinnen und ganz nebenbei bescheiden ihren Erfolg zur Schau stellen.

Heute ist Pommery eines der grösseren Champagnerhäuser. Die Keller sind sehr weitläufig, 18 km Kellergänge sind es insgesamt, und beeindrucken auch durch die laufend wechselnden Kunstausstellungen.

Seit der Erfindung des Brut Champagner sind der Brut Royal, der Pommery Grand Cru Jahrgangsschampagner und insbesondere die Cuvée Louise ausdrucksstarke Repräsentanten des Hauses.

Der Besuch bei Philipponat

Ein Heimspiel! Ja, denn wir sind auch eine Champagnernation. Die Familie Philipponat stammt nämlich ursprünglich aus der Schweiz. Sie liess sich 1522 in Mareuil-sur-Aÿ nieder, wo auch heute noch der Sitz des Gutes ist. Und in der Schweiz, bzw. in Zürich kennt man Philipponat, wenn man im ehrwürdigen 5-Sterne-Hotel Baur au Lac hin und wieder ein Gläschen Champagner trinkt, so wie ich das gerne zelebriere. Denn dort ist der Philipponat der Haus-Champagner.

In Mareuil-sur-Aÿ wurden wir mit dem sprichwörtlichen französischen Charme von Thomas empfangen. Er führte uns vom stattlichen Herrschaftshaus gleich nebenan zu einem Spaziergang durch den Weinberg Clos des Goisses mit den steilsten Südhängen der Gegend. Auf einmaligen 5,5 Hektar wachsen vornehmlich Pinot Noir und Chardonnay, die einen einzigartigen Jahrgangschampager ergeben – den Clos des Goisses.

Das kleine, sehr exklusive Champagnerhaus wird von Weinkennern gefeiert. Gerade mal 600.000 Flaschen werden im Jahr produziert – bei Moët & Chandon sind es 62 Millionen. Die Einzigartigkeit und Exklusivität machen diesen Tropfen zu etwas ganz Besonderem. Schon der „Basischampagner“ Brut Royale Reserve ist ein Gedicht, aber der Clos de Goisses ist ein absolutes Erlebnis.

Zu Gast im Domaine Laurent-Perrier

Der letzte Halt auf meiner zweitägigen Reise: Das Gut von Laurent Perrier. Ein grosses Champagnerhaus, das mit seinem eleganten Style beeindruckt.

Ganz speziell und einer meiner Lieblinge ist der Laurent-Perrier Cuvée Rosé. Während andere Rosé-Champagner mit Rot- und Weisswein gemischt werden, bekommt der Laurent-Perrier seine rosa Farbe von der Haut der Trauben, die man sonst ja tunlichst vom Saft trennt. Diese äusserst seltene Technik nennt man Mazeration (Maischegärung). Hier bleibt der gepresste Saft einige Stunden mit den Beeren in Kontakt. Nur so lässt sich seine enorme Frische und die besondere Tiefe erreichen, die ihn zum Mass der Dinge für Rosé-champagner macht.

„Always keep a bottle of champagne for special occasions in the fridge. Sometimes the special occasion is a bottle of champagne in the fridge“
Tamara Cantieni

Champagner braucht Sorgfalt, Geduld, Zeit, Liebe, Know-How und Kreativität. Ein Besuch auf einem Champagnergut verändert die Sicht auf den edlen Tropfen. Jede einzelne Flasche braucht viel Hege und Pflege. Jede einzelne Flasche unterliegt strengen Auflagen und Kontrollen, jede einzelne Flasche steht für eine Philosophie einer Familie und ganzen Generationen.

Champagner ist mehr als ein Luxusgetränk. Champagner ist Kunst, Style, Champagner ist Lifestyle.