Sightseeing, Kulinarik & Drinks

«Zürich» habe ich bei der Arbeit zu dieser Reportage mehrmals gegoogelt. Ganz weit oben auf der Resultatliste war ein Zeitungsartikel mit dem Titel «Zürich ist der unsympathischste Kanton der Schweiz». Solche Aussagen sind für eine Wahl-Zürcherin mit Arbeitsort Bern alles andere als neu. Dennoch bin ich immer wieder erstaunt, dass Zürich das Image einer arroganten Stadt voller Banker und Bonzen – zumindest innerhalb der Schweiz – seit jeher anhaftet. Dabei ist Zürich so viel mehr als das: Gemütliche Bars, verwinkelte Gassen, eine schier endlose Seepromenade und ein Multikulti an Menschen aus aller Welt und Gesellschaftsschichten.

Die Stadt ist in ihrer Vielseitigkeit für mich in der Schweiz einzigartig. Einen Einblick, wie man das herrliche Zürich an einem Tag erleben kann, stellen wir euch hier vor.

8:30 Uhr | Frühstück im Hotel Atlantis by Giardino

Wir starten den Tag am exklusiven Frühstücksbüffet des Hotels Atlantis by Giardino. Selten haben wir eine grössere Auswahl an frischen Müeslizutaten gesehen und auch das Angebot an verschiedenen Toastbroten sucht seinesgleichen. Zusätzlich zum reichhaltigen Büffet kann man à la carte verschiedene Eierspeisen oder Waffeln bestellen.

Das Atlantis wurde im Dezember 2015 neueröffnet. Das Luxushotel an Zürichs Stadtrand ist eine gelungene Hommage an seine glamourösen Zeiten in den Siebzigerjahren. Mehr zu diesem stylischen Hotel erfahrt ihr in unserer Hotelreview.

Frühstück Atlantis by Giordano, Döltschiweg 234, Zürich, atlantisbygiordano.ch

10:00 Uhr | Ausflug auf den Üetliberg – Zürich zu unseren Füssen

Mit der Üetlibergbahn (S10) geht es hoch auf den Hausberg von Zürich. Der Üetliberg (871 m ü. M.) ist DAS Naherholungsgebiet der Stadt Zürich. Vom Gipfel aus geniessen wir eine prachtvolle Rundumsicht über die Stadt, den See bis hin zu den Alpen.

Der Üetliberg ist der nördliche Abschluss der Albis-Bergkette und wurde im 19. Jahrhundert touristisch erschlossen – mit dem Bau der Üetlibergbahn. Das Zentrum auf dem Gipfel ist der 30 Meter hohe Aussichtsturm, den man über eine Wendeltreppe ganzjährig für CHF 2 besteigen kann. A propos ganzjährig: Der „Üezgi“ ist ein echter Erlebnisberg, der dem Besucher zu jeder Jahreszeit etwas bietet. Im Sommer für Wanderungen oder Mountainbike-Touren, im Winter zum Schlitteln oder Schneespaziergang. Für das leibliche Wohl sorgt 365 Tage im Jahr das Hotel Restaurant Uto Kulm auf dem Gipfel. Das Uto Kulm veranstaltet Events aller Art. Ob spannender Dinner-Krimi, rauschende Silvesterparty oder stylische Elektro-Party – auf dem Berg läuft etwas.

Wir setzen uns auf eine der zahlreichen Ruhebänkchen und beobachten das Treiben. Spanische Touristen, junge Zürcher Familien, eine Senioren-Wandergruppe – der Üetliberg ist allgemein beliebt. Mit einem letzten Blick auf die Stadt zu unseren Füssen machen wir uns auf den kurzen Abstieg zum Bahnhof des Üetlibergbähnli, um euch einige Highlights unserer Wahlheimat Zürich vorzustellen.

Ausflug Üetliberg, Zürich, uetliberg.ch

11:30 | Entspannen im Thermalbad & Spa Zürich – ab in den Brau-Zuber

Bevor wir uns ins Stadtgetümmel begeben, bleiben wir noch am südlichen Stadtrand. Denn hier, gleich unterhalb des Üetliberg befindet sich unser nächster Halt. Auf dem Areal der ehemaligen Brauerei Hürlimann hat Ende 2010 das Thermalbad & Spa Zürich eröffnet. Wir haben die Wahl zwischen dem Thermalbad und dem Spa (Zutritt nur für Erwachsene) oder einer Kombination aus beiden Bereichen. Durch einen geheimnisvollen Gewölbegang gelangen wir in die Anlage.

Das Thermalbad & Spa Zürich lebt durch die einmalige Architektur und Gebäudestruktur der Brauerei. In archaischen Tonnengewölben aus Kalkstein baden wir in einem riesigen Holzbottich. Das mystische, warme Licht in den gewölbeartigen Räumen versetzt uns in eine andere, scheinbar versunkene Welt. Im starken Kontrast steht der Aussenbereich auf dem Dach, den man über einen Lift erreicht. Hier, im Schwimmbecken auf dem ehemaligen Sudhaus, wähnen wir uns erneut auf dem Üetliberg. Auch von hier – rund 400 Höhenmeter weiter unten – bietet sich uns ein herrliches Panorama über Zürich.

Im «Irisch-Römischen» Spa werden verschiedene antike Badekulturen zu einem entspannenden Reinigungsritual verbunden. Der Gast erlebt eine Abfolge von zehn verschiedenen Behandlungen, bei denen der Körper langsam erwärmt, gereinigt, entspannt und anschliessend wieder abgekühlt wird.

Frisch gebadet und entspannt geht es nun mit dem Tram ins Stadtzentrum. Durch das jüdisch-geprägte Quartier Wiedikon fahren wir ins Herz der Stadt. Am Paradeplatz steigen wir aus.

Erholung Thermalbad & Spa Zürich, Brandschenkestrasse 150, Zürich,
thermalbad-zuerich.ch

14:30 Uhr | Stadtspaziergang: Von der Innenstadt an den See

Der Paradeplatz ist Zentrum und Sinnbild des Finanzplatzes Schweiz. Wir steigen aus und schlendern die Bahnhofstrasse ein Stück hinab. Hier herrschen die grossen Luxuslabels vor. Von Chanel über Bucherer bis Michael Kors – hier wird den Shopaholics alles geboten, sofern das nötige Kleingeld vorhanden ist. Wir belassen es beim Window Shopping und beobachten die betuchten Einkäufer.

Auf halbem Weg biegen wir rechts ab in eine der ältesten Strassen der Zürcher Altstadt: Den Rennweg. Er unterschied sich lange Zeit durch seine gerade Linie und war einst gar die breiteste Strasse der Stadt. Viele kleine Boutiquen und Spezialitätengeschäfte reihen sich aneinander. Der Rennweg endet auf einem kleinen Hügel. Von hier schlängeln sich mehrere kleine Altstadtgässchen zur Limmat hinab.

Wir überqueren den Fluss mit Blick auf die Fraumünsterkirche. Sie gehört neben dem Grossmünster zu den Wahrzeichen Zürichs. Auf der anderen Flussseite befindet sich das Limmatquai. Diesem folgen wir mitten durch die Zürcher Altstadt. Hier wird flaniert, eingekauft oder im Café gesessen. Das Limmatquai endet unmittelbar am Bellevue und dem Sechseläutenplatz.

Dieser Festplatz wurde jüngst komplett neu gestaltet und mit 16‘000 m2 Quarzit aus den Alpen gelegt. Bäume, Sitzgelegenheiten und Wasserelemente laden zum Verweilen an. Wir aber wollen an den See und überqueren den Platz zu den Quaianlagen. Sie umranden als breite Promenade das untere Seebecken. Hier herrscht ein Sehen-und-Gesehen-Werden aus jugendlichen Posern, Inline-Skatern, Baderatten und Strassenkünstlern. Wir drehen eine kleine Runde und machen dann kehrt zum Bellevue. Wir besteigen das Tram in Richtung Escher Wyss Platz – nach Zürich West.

16:30 Uhr | Zwischenverpflegung in der Markthalle

Der Bezirk im Westen Zürichs ist voller Kontraste und besticht mit einem buntem Mix aus versprayten Hinterhöfen, Betonmauern und modernen Bürogebäuden mit cleanen Glasfassaden. Wo einst Schiffe gebaut (Restaurant Schiffbau) und Motoren (Puls 5) zusammengeschraubt wurden, stehen heute Design, Gastronomie und Architektur im Mittelpunkt. Die Fabriken sind weggezogen und hinterliessen viel Raum, den sich Kreative und Gastronomen zunutze gemacht haben.

Mit ein paar Schritten gelangen wir ans Eisenbahnviadukt. Hier sind im Jahr 2010 in 36 Viaduktbögen Boutiquen, Möbelläden und kleine Bars eingezogen. Herzstück des Ganzen ist die Markthalle. Zwanzig Bauern und Lebensmittelhändler aus der Umgebung bieten hier ihre Waren an: Bergkäse, regionale Weine, italienische Pasta, frisch gebackene Scones – es lässt sich nach Herzenslust riechen, probieren und natürlich auch kaufen.

Aber in der Halle gibt es auch die Möglichkeit, gleich vor Ort zu essen. Das Restaurant Markthalle bietet saisonale Menüs mit dem Besten von den Nachbarn aus der Markthalle. Zum Mittag gibt es einfache Menüs, zum Abend üppige Plättli zum Tafeln und Teilen. Da wir unsere Dinner-Pläne bereits geschmiedet haben, halten wir uns an die Frischetheken am Haupteingang der Halle. Hier befindet sich auch die Fischtheke von Braschler’s Comestibles. Es gibt alles, was der Fischliebhaber sich wünscht. Meeresfische aus Direktimport, Süsswasserfische aus einheimischen Seen, Krustentiere und mehr liegen hier in der Auslage. Ausserdem bietet die Theke ein grosses Angebot an Fischtapas, wie frisches Ceviche oder Krabbensalat. Wir lassen uns einen Teller davon zusammenstellen und fühlen uns wie an der Nordseeküste.

Gestärkt verlassen wir anschliessend die Markthalle und stöbern noch ein wenig in den Geschäften des Viadukts. An dessen Ende stossen wir auf die Geleise und die Geroldstrasse. Hier passieren wir den „place to be“ jedes Zürcher Sommers. Frau Gerolds Garten kombiniert Urban Gardening, Gartenbeiz und Eventlocation. Doch auch im Winter ist hier etwas los. In der zeltartigen „Winterstube“ geniessen die Gäste Fondue und andere Spezialitäten.

Gleich nebenan steht der Container-Tower des Taschen-Labels Freitag. Im Innern befindet sich auf mehreren Etagen der Flagship Store. Ein paar Schritte weiter, direkt am Bahnhof Hardbrücke, erhebt sich ein etwas grösserer Turm: der 126 Meter hohe Prime Tower – das höchste Gebäude der Stadt und das zweithöchste der Schweiz. Wie die Aussicht von dort oben ist, berichten wir nach unserem Abendessen. Direkt unter der 1.4 km langen Hardbrücke spazieren wir wieder Richtung Escher Wyss Platz, biegen aber kurz vorher rechts ab in die Josefstrasse.

Essen & Shopping Im Viadukt, Limmatstrasse 231, Zürich, im-viadukt.ch

19:00 Uhr | Nieder mit dem Hauptgang! Dinner im Josef

Wir folgen der Josefstrasse. An der Ecke zur Gasometerstrasse liegt ganz unauffällig das Restaurant Josef. Nicht zuletzt wegen seiner Lage erachten wir das Josef immer noch eher als einen Geheimtipp, obwohl hier ohne Reservation – zumindest abends – gar nichts geht.

Auch heute ist der kleine Gastraum voll. Das Interieur versprüht einen leicht trashigen Disco Chic, dennoch hat das Josef etwas gediegenes. Doch die Besonderheit des Restaurant liegt in seiner Speisekarte: Das Josef zelebriert die Abschaffung des Hauptgangs. Eine regelmässig wechselnde Speisekarte, auf der man die Wörter „Vor –und Hauptspeise“ vergeblich sucht. Sie bietet eine unkategorisierte Auswahl an Gerichten, die sich frei kombinieren lassen. Der Gast bezahlt pro Anzahl Teller, nicht nach Art des Gerichts. Dabei werden kleine Portionen serviert. Für unseren „normalen“ Hunger bestellen wir 3 Teller und ein kleines Dessert. Wir geniessen Köstlichkeiten wie Entenbrust mit falschem Couscous, gegrillten Oktopus mit Senfmayonnaise und Gurken-Passionsfrucht Sorbet.

Das Josef mag nicht Zürichs günstigstes Lokal sein, aber das kulinarische Erlebnis ist das eher gehobene Preisniveau allemal wert.

Essen Restaurant Josef, Gasometerstrasse 24, Zürich, josef.ch

20:30 Uhr | Ein Schluck Haus-Gin gefällig? Drinks in der Stubä

Nun sind wir bereit für Zürichs Nachtleben. Nach einem kurzen Fussmarsch gelangen wir ins Langstrassenquartier. Ein Mix aus Milieu und Partymeile. Hier treffen Szenegänger, Prostituierte, Junkies und Dealer aufeinander.

Mitten in diesem Trubel liegt die Restaurant-Bar «Stubä» (Stube). Sie ist nicht so kuschelig, wie es der Name vielleicht vermuten lässt. Die Beleuchtung ist eher spärlich und vieles hier erinnert eher an einen Garagen-Club. Doch gleichzeitig ist es hier so heimelig und die Bedienung so freundlich, dass der Name «Stubä» definitiv passt.

Das Lokal schafft die Symbiose von Restaurant und Bar. Und beides wartet mit ganz besonderen Spezialitäten auf. Die Stubä hat nämlich zwischen all den Zürcher Burger-Lokalen eine Nische entdeckt: Steak Sandwiches.

Auch an der Bar gibt es Nicht-Alltägliches. Hier wird der Turicum Gin ausgeschenkt, das zweite «Baby» der Stubä-Macher. Hergestellt in Kleinserie aus Zürich für Zürich. Dies verheisst auch der Name, denn Turicum ist der lateinische Name von Zürich. Der Gin setzt sich aus 12 Gewächsen zusammen, unter anderem aus Lindenblüten, Tannenspitzen und Hagebutten. Somit nicht verwunderlich, dass es an der Stubä Bar ein grosses Angebot an Drinks mit Gin gibt, aber auch andere Geschmäcker kommen selbstverständlich auf ihre Kosten. Der Barmann versteht sein Handwerk: Wir degustieren die Gin-basierten Spezialitäten «Basil Smash» (Gin mit frischem Basilikum und Zitronensaft) und «Stilip» (Gin mit Holunderblütensaft und Mate).

Drinks Stubä, Brauerstrasse 42, Zürich, stubä.ch

22:00 Uhr | Drinks im Clouds – fast schon auf Wolkenhöhe

Für den nächsten Drink wechseln wir den Kreis. Wir sind zurück am Prime Tower. Über einen dedizierten Eingang mit Rezeption und Garderobe geht es mit dem Lift hinauf in den 35. Stock. Hier befindet sich das Bar & Bistro …Clouds». Die Bar ist wunderschön, doch der Blickfang beim Eintreten ist Zürich. Dank der komplett verglasten Fassade liegt einem die Stadt hier rundum zu Füssen. Besonders in der Nacht ist der Blick auf die Lichter von Zürich ein Erlebnis. Auch als Einheimische sind wir immer wieder fasziniert von diesem Panorama. Warmes Licht, edles Leder und kuschelige Sofa-Landschaften direkt vor den Fenstern: Das Clouds verströmt eine sehr gediegene, elegante Atmosphäre ohne zu versnobt zu sein. Auch abends sind Turnschuhträger oder Kinder willkommen. Natürlich bezahlt man für die Cocktails auf der umfangreichen Karte einen «Panorama-Aufschlag», doch beim Drink schlürfen mit Blick auf die erleuchtete Stadt, scheint uns dieser mehr als gerechtfertigt.

Bar Clouds, Maag Platz 5, Zürich, clouds.ch

00:00 Uhr | Hive – Clubbing im nachtaktiven Bienenstock

Von Donnerstag bis Sonntag in der Früh ist hier Programm und das Haus voll. Hier tanzt Zürich zu Elektro, Techno, Techhouse und Deep House.

Als im Jahr 2006 die erste Party im Hive stattfand, ahnte niemand, wohin die Reise des Clubs führen würde. Heute ist der «Bienenstock» aus dem Zürcher Nachtleben nicht mehr wegzudenken. Obwohl das Hive im Laufe der Zeit professionalisiert wurde, gilt der Club immer noch als „alternativer Schuppen“. Das Hive ist weder clean noch durchgestylt, sondern hat sich auch nach 10 Jahren seinen Underground-Look bewahrt. Wir sind kurz nach Mitternacht eher unter den frühen Gästen. Das Hive ist berühmt-berüchtigt für seine Afterhours.

Club Hive, Geroldstrasse 5, Zürich, hiveclub.ch

11:00 Uhr | Der Morgen danach – Brunch im Huusmaa

Die Partynacht war lang. Aber bevor wir uns aus Zürich verabschieden, genehmigen wir uns noch einen Brunch. Hierfür ist die Auswahl in der Stadt nahezu grenzenlos. Wir gehen ins Huusmaa (zu hochdeutsch „Hausmann“). Hier gibt es samstags und sonntags ein Brunch-Büffet, das keine Wünsche offen lässt: Frische Rösti und Rühreier, Lachs oder auch Pancakes. Auf einem gemütlichen Biedermeiersofa lassen wir es uns schmecken. Das Lokal ist klein und heimelig und ein bisschen retro. Gepolsterte Stühle, Fransenlampen, Blumenvasen und viel Chi-Chi im Huusmaa wird nicht nur der Magen, sondern auch das Auge unterhalten.

Trotz Büffet-Selbstbedienung ist das Personal extrem aufmerksam und um das Wohl seiner Gäste besorgt. Hier lässt es sich aushalten. Es ist schon Nachmittag, als wir das Huusmaa verlassen.

Für Zmorge & Brunchfans – hier haben wir für euch noch weitere Frühstückstipps in Zürich zusammengestellt: Zmorge & Brunch in Zürich.

Hiermit endet unser kleiner Einblick in ein Zürich, das viel mehr zu bieten hat als Banken, versnobte Bars und arrogante Menschen. Traut euch und erlebt es selbst! Wir versprechen euch, es gibt noch viel mehr zu entdecken!

Brunch Hussmaa, Badenerstrasse 138, Zürich, huusmaa.ch