Kulinarik und Luftschiffe

Gerademal 41 Fährminuten liegen zwischen Romanshorn in der Schweiz und Friedrichshafen an der deutschen Küste des Bodensees. Doch was gibt es da drüben kulinarisch zu entdecken, fragten wir uns und schipperten kurz mal rüber. Dabei entdeckten wir urchige Gaststuben, herzögliche Weine, glückliche Hühner, leidenschaftliche Schnapsbrenner, charakterstarke Köche und an jeder Ecke den Grafen Zeppelin.

Das Felders – der heisse Tipp am Bodensee

Gleich neben dem Hafen liegt das Felders. Ein Restaurant, das es in sich hat. Und das hat mit dem Besitzer, Ralf Felders, zu tun. Felders ist ein Charakterkopf mit starken Pranken, stahlblauen Augen, einem weissgrauen Bart und kantigen Gesichtszügen. Ein Rocker. Ein Rebell. Er sagt auch: «Ich provoziere gerne». Umso mehr Normalität ihn umgebe, desto lebhafter werde der Querulant in ihm. Es sei wie eine allergische Reaktion auf das Immergleiche. «Auch meine Menukarte ist im Grunde eine Katastrophe, da fehlt eine Linie», aber auch das erzählt von seinem Wesen, er sagt dann auch: «Ich war nie auf einer Linie». Genauso ist Langeweile nicht sein Ding, er ist ein Entdecker, sagt: «Ich bin nie satt, immer neugierig.» Das zeigt sich in seiner Kochkunst. So lautet denn auch sein Motto: Gutes von hier und anderswo. Sein Fisch kommt aus dem Bodensee. Das Brot backt er selber. «Überall wo es Sinn macht, beziehe ich die Lebensmittel regional», sagt er. Gleichzeitig gehe er mit offenen Augen durch die Welt, sei gerne unterwegs. So liess er sich bei Angelferien am Ebro im Norden Spaniens kulinarisch inspieren und tisch seit da im Winter jeweils Tapas auf. Das Curry auf der Speisekarte zeugt von seinen Jugendjahren, als er mit dem Rucksack in Asien unterwegs war, andere Speisen brachte er von Motorradreisen mit nach Hause. Jedes Gericht hat eine Geschichte. Dazu sei er ein launischer Koch: «Wenn ich an einem Ort war, da was gesehen habe, dann möchte ich das gleich ausprobieren.» Seine Köche wissen inzwischen, was es bedeutet, wenn der Chef von einer Reise zurückkommt. Aber insgesamt sei er in den letzten Jahren ruhiger, besonnener geworden. Seinen Gerichten ist dies nicht anzumerken, sie sprühen noch immer vom Tatendrang und der Leidenschaft des Ralf Felders.

Kulinariktipp: Felders ist unser ganz grosser Kulinariktipp in Friedrichshafen. felders-restaurant.de

Otto Ruess: der Schnapsbrenner

Und gleich treffen wir einen weiteren spannenden Charakter: Otto Ruess. Jahrzehntelang prägte er als Hotelbesitzer die Krone in Schnetzenhausen bei Friedrichshafen. 1970 übernahm er die Krone von seinen Eltern, baute die kleine Gaststätte zu einem Hotel mit 140 Zimmer aus. Dabei spielte die Kulinarik stets eine wichtige Rolle. Das Restaurant ist weitum beliebt und bekannt für seine schmackhafte Küche. Und noch etwas gehört seit jeher zum Haus: ein Brennrecht. Nun glänzen Otto Ruess‘ Augen: «Das Hotel habe ich meinem Sohn übergeben, aber das Schnapsbrennen obliegt noch immer mir.» Nebst Jagen – sämtliches Wild auf der Speisekarte der Krone stammt von ihm und seiner Jagdgesellschaft – ist Schnapsbrennen seine grosse Leidenschaft. Dabei brennt er vier Schnäpse: einen Obstbrand, einen Williams, einen Kirsch und einen Mirabellenschnaps. Alle vier sind auffällig fruchtig und fein. Die teils anstrengende Schärfe anderer Schnäpse finden wir bei denen von Ruess nicht. «Wir verwenden nur beste, richtig reife Früchte.» Und die Maische halte er kühl, um einer Schnellgärung vorzubeugen. Damit nehme er dem Schnaps die Schärfe.

Kulinariktipp: In der Krone essen und zum Nachtisch einen von Otto Ruess‘ Schnäpsen kosten. ringhotel-krone.de

Wellnesstipp: Den Wellnessbereich des Hotel Krone in Schnetzenhausen betreut seit zwanzig Jahren Johanna J. Bauer. Ihr Motto lautet: Zurück zur Natur, zurück zu den Wurzeln. Sie bietet wunderbare Massagen an, dabei geht sie stark auf ihre Gäste ein. Und kreiert dadurch eine Wohlfühlatmosphäre.

Weisse Hühner, weisse Eier?

Otto Ruess weist darauf hin, dass sie bei der Kulinarik auf Regionalität Wert legen. So beziehen sie ihre Eier beispielsweise von Bauer Hubert Knoblauch. Wir besuchen ihn auf seinem Hof. Knoblauch ist zum einen Obstbauer – auf 30 Hektaren bewirtschaftet er gut zehn Sorten Äpfel, aber auch Kirschen und weiteres Obst. Spannend wirds für uns aber, als wir seinen Hühnerstall betreten. Denn wir lernen was neues. Der Bauer ist für 3’000 Hühner verantwortlich, die Ställe sind äusserst gepflegt. Er sagt auch: «Das Wohlergehen der Hühner ist mir wichtig.» Er verzichte lieber auf etwas Ertrag, dafür gehe es den Tieren gut. Im Stall sehen wir weisse und braune Hühner. Es seien zwei verschiedene Rassen, dann sagt er: «Die weissen Hühner legen weisse Eier. Die braunen Hühner legen braune.» Das sei zumindest die einfache Formel und sie stimme grösstenteils. Möchte man genau wissen, welche Farbe von Eiern ein Huhn lege, müsse man die Ohrscheiben begutachten: Hühner mit weissen Ohrscheiben legen weisse Eier, Hühner mit roten Ohrscheiben wiederum braune Eier. Man lernt nie aus!
Er setzt auf die Eierproduktion, um nebst dem Obstanbau ein zweites Standbein zu haben. Man wisse ja nie, dachte er. Und erhielt letztes Jahr recht: Der Aprilfrost vernichtete einen Grossteil seiner Ernte. Anstatt 800 – 1’000 Tonnen Obst konnte er gerademal gut 100 Tonnen pflücken. Zum Glück waren da noch die Hühner.

Weitergehende Infos: Lust auf frische, knackige Äpfel oder Eier von glücklichen Hühnern? Dann gehts hier lang.obsthof-knoblauch.de/

Zu Gast im Peters

Urchig, gemütlich, ehrlich – diese drei Adjektive bringen das Hotel Gerbe und das sich darin befindende Restaurant Peters auf den Punkt. Das rustikale Hotel wirbt dann auch mit dem Slogan «Wo die gute Zeit Zuhause ist.» Angetan waren wir von Peter Knobels Küche und seiner hier gelebten Philosophie. Peter Knobel sagt: «Hier tischen wir auf, was der Grund und Boden hergibt.» Jäger aus der Familie liefern bestes Wild. Und im Garten des Hotels wachsen frische Kräuter für die schmackhaften Gerichte. «Wir legen viel Wert auf Saisonalität», das ist Peter Knobel wichtig. Ja, das Peters ist eine dieser richtig guten Beizen. Bodenständig, aber mit Qualität. Und nebst währschafter Kost wird wert auf eine kunstvolle Präsentation gelegt. «Beim Handwerk des Kochens und bei der Zubereitung gehen wir keinerlei Kompromisse ein», fügt Knobel an.

Kulinariktipp: Die bodenständige, raffinierte Küche im Peters Restaurant kosten – ein heisser Restauranttipp rund um Friedrichshafen.hotel-gerbe.de

Herzöglicher Wein und die Begegnung mit dem Grafen

Last but not least: Unsere Ausflugstipps für Friedrichshafen. Wer guten Wein mag, dem empfehlen wir einen Besuch in der Vinothek des Weinguts «Herzog von Württemberg». Die Vinothek befindet sich, wie es sich für einen adligen Tropfen gehört, im Schloss Friedrichshafen. Ein lauschiger Ort, speziell im Sommer wenn die Lounge im Park vor der Vinothek, abseits des Rummels am See, zu einem Gläschen einlädt. Ein Geheimtipp: der Attempto. Ein Wein, der von einer Reise nach Jerusalem erzählt.

Ausflugstipp: Ein Gläschen des adligen VDP-Weinguts degustieren und die Ruhe im Schlossgarten geniessen.weingut-wuerttemberg.de/

Vom herzöglichen Tipp gehts nun zum Grafen. «Der Zeppelin ist für uns in Friedrichshafen ein Zeichen von Heimat», verraten mir die Einheimischen. Die Geschichte von Graf Zeppelin und auch die des Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier sind eng mit der der Stadt verbunden. Beide Protagonisten erhielten im Ort jeweils ein Museum und beide sind einen Besuch wert. Modern umgesetzt laden sie, beispielsweise bei regnerischem Wetter, ein. Bei Sonnenschein wiederum gibts eine spektakulärere Aktivität: ein Flug mit einem Zeppelin. Alles möglich hier in Friedrichshafen.

Das Gute liegt so nah. Wie anfangs erwähnt: nur 41 Fährminuten von der Schweiz entfernt.

Ausflugstipp: Mehr über den Grafen Zeppelin erfahren.zeppelin-museum.de/

Ausflugstipp: Sich ansehen, was Claude Dornier für Flugschiffe und Flugzeuge baute. Tipp: Im Dornier-Museum gibts am Sonntag jeweils feine Brunchs. Abends auch Krimidinners oder Whiskey-Tastings.dorniermuseum.de

Die Pressereise fand mit Unterstützung der Stadt Friedrichshafen/Tourist-Information und der Deutschen Zentrale für Tourismus statt.

Weiterführende Infos zur Stadt Friedrichshafen – Tourismus: friedrichshafen.de/tourismus
Weiterführende Infos zu Wellness & Kulinarik in Deutschland: germany.travel/genussmomente