Castel Monastero Resort & Spa

Posted by on Mrz 2, 2016 in Hotel | No Comments

Wir ziehen uns ins Kloster zurück

Text und Bild Martin Hoch

Zuerst war da Stille. Und dieses imposante Gebäude. Ein Kloster aus dem elften Jahrhundert. Wir befinden uns 20 Fahrminuten ausserhalb von Siena, im südlichen Teil des Chiantigebiets. Ja, wir entschieden uns für einmal, in einem Kloster abzusteigen. Das glücklicherweise inzwischen ein 5-Sterne-Hotel ist, das sich auf Wellness und hohe Kochkunst spezialisiert hat.

Bei der Ankunft im Castel Monastero Resort & Spa sind wir das Gepäck schnell los, der freundliche Hotelpage bringt es uns aufs Zimmer und geleitet uns zur unserem Gemach: Eine Junior Suite inklusive freistehender Badewanne und einer Flasche Rotwein, vom Haus offeriert. Für romantische Stunden ist damit gesorgt.


Siena
logo-monasteroCastel Monastero
castelmonastero.com

Loc. Monastero d’Ombrone 19,
Castelnuovo Berardenga (SIENA) 53019, Italien

Tel: +39 0577 570 570

Ein Hotel? Eher ein ganzes Dorf

Die Hotelmanagerin Graziella Arba führt uns durchs Hotel. Wobei Hotel hier ein beinahe unpassender Ausdruck ist. Das Gelände ist weitläufig und wirkt mit seinen vielen Gebäuden – im Zentrum das ursprüngliche Kloster – wie ein kleines Dorf. Was es tatsächlich einst war. Nachdem das Kloster die Pforten schloss, kam es in Privatbesitz – war die Ferienresidenz einer wohlhabenden Familie – und ging schliesslich ins Portfolio einer Bank über. «In dieser Zeit besiedelten Menschen aus der Umgebung das ehemalige Kloster», sagt Graziella Arba. Tatsächlich wuchsen in den historischen Gemäuern einige der Hotelangestellten auf. Es gab gar eine Schule. Und wie es sich für ein ehemaliges Kloster gehört, eine Kirche. Diese hält heute noch jeden Sonntag eine Messe ab. Sie steht inmitten des Klosters, ist jedoch das einzige Gebäude, das nicht zum Hotel, sondern dem Vatikan gehört. Auf der Piazza, die das Zentrum des Klosters darstellt, gleich neben der Kirche, war einst noch ein kleiner Friedhof. Graziella Arba sieht meinen erstaunten Blick, lacht und winkt ab: «Hier wohnten glückliche Menschen, man spürt diese Stimmung heute noch.» Tatsächlich überkommt mich in diesen alten Gemäuern nie ein unwohles, gespenstiges Gefühl – im Gegenteil: Im ehemaligen Kloster herrscht eine sanfte, friedliche Atmosphäre.

Nächten wie ein König im Zimmer eines Mönchs

Die 74 Zimmer und Suiten ähneln vom Komfort her keineswegs mehr denen eines einfachen, spartanischen Klosterzimmers. Wie es sich für ein Leading Hotel of the World gehört, fehlt es einem hier an nichts. Müsste ich das Haar in der Suppe finden, wäre dies wohl am ehesten der etwas lahme Wasserdruck unter der Dusche. Aber man weilt hier in den Ferien und hat auch für eine etwas längere Dusche Zeit. Bei der Inneneinrichtung hält sich das Hotel schlicht. Massive Holzmöbel, schwere Stoffe und zeitlose Ledersofas fügen sich gut ins Bild der historischen Räume. Dabei bewegt sich das Farbkonzept in den Braun- und Beigetönen. Der Zimmerservice ist äusserst erfreulich – die Zimmer werden täglich gereinigt und am frühen Abend das Bett für die Nacht fertig gemacht. So weit so gut, aber wirklich erwähnenswert war, wie penibel sie die Zimmer gar aufräumten. Die Schuhe standen wieder in Reih und Glied, das herumliegende Münz in einen kleinen Behälter gelegt, Bücher der Wand entlang gereiht, Kleider hübsch zusammengelegt. Das müsste mir Zuhause mal passieren.

Ein erfreulich guter Zimmerservice

Nach Italien reisen um abzunehmen?

Kloster, hartes Leben, Entbehrungen – Tempi passati

Das Castel Monastero Resort & Spa ist eine Wohlfühloase. Dafür sorgt mitunter das grosszügig angelegte Spa, mit drei Aussenbecken, einem Solebad und einem Thermalbad. Eine Spezialität des Hauses sind Kuren für Gewichtsverlust. Das möchten wir nicht testen, sonst leiden wir dann doch wieder an klösterlichen Entbehrungen. Die Spa-Managerin Francesca lacht und sagt: «Ja, es ist für viele tatsächlich etwas paradox nach Italien zu kommen um abzunehmen.» Gleichzeitig versichert Sie mir, dass ihre Kuren, begleitet von einer medizinischen Ernährungsberatung, sehr erfolgreich seien. «Wir sind weit um bekannt», sagt Francesa. Und hinter hervorgehaltener Hand erfahre ich Namen von bekannten Hollywoodstars und sonstigen Promis, die auf Francesca und ihr Team vertrauen. Doch preisgeben darf ich die Namen nicht. Diskretion ist hier ein hohes Gebot.

Aber auch für Erlebnisse ist gesorgt. Sie wollen einen Ferrari mieten? Steht direkt vor dem Haus. Oder im Sommer das weltbekannte Pferderennen, den Palio in Siena, hautnah erleben? Das Hotel mietet für seine Gäste jeweils ein Apartment mit Sicht auf den Ort des Geschehens, die Piazza del Campo. Auch ein Besuch für das alljährliche Konzert von Andrea Bocelli im Teatro del Silenzio wird vom Hotel organisiert – inklusive Anfahrt, Catering vor Ort und besten Plätzen im Teatro.

Ein Ausflug nach Montalcino

Während obgenannte Aktivitäten verständlicherweise ihren Preis haben, lässt sich auch mit kleinerem Budget – zugegeben ohne den Fahrspass eines Ferraris – viel erleben. Der Concierge erklärt uns: «Wenn ihr die Bilderbuch-Toskana sehen möchtet, müsst ihr hier durch fahren», sagts und zeigt uns auf einer Strassenkarte die Strecke von Arbia, über Asciano, Chiusure, Giovanni d’Asso nach Montalcino. Er hat recht. Die Strecke ist wahnsinnig idyllisch. Genaus so stellt man sich die Toskana vor. Und das Beste: In Montalcino wird der Brunello hergestellt. Unser Tipp: Nehmen Sie an einer Führung und Degustation des Castello Banfi teil. Sollten Sie noch genug Zeit haben, empfiehlt sich die Weiterfahrt über Pienza, Montepulciano und schliesslich die Rückfahrt auf der Autobahn.

Unterwegs durch die Bilderbuch-Toskana

Martin-Hoch-PortaitMartin Hoch (35)

GlobeSession.com

Martin Hoch widmete die letzten Jahre dem Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebauten VW-Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur.

Unser Fazit

Die Gebäude, die alten Klostermauern, sind das Highlight dieses Hotels. Hier zu nächtigen ist ein Privileg. Die Hotelangestellten sind freundlich und zuvorkommend. Das Wohl der Gäste ist ihnen wichtig. Die Zimmer sind ein Ort der Ruhe. Genauso überzeugt das Spa. Ausserdem liegt das Hotel gut: Von hier aus kann man die nahegelegenen Weingebeiete des Chianti, Brunello und Montepulciano erkunden, Siena ist nur ein Katzensprung entfernt und auch Florenz ist gut erreichbar. Einziger Wermutstropfen: Wir hatten sonniges Frühlingswetter mit beinahe sommerlichen Temperaturen, da normalerweise das Wetter im April hier in der Gegend jedoch eher kühl sein soll, waren die Aussenpools noch nicht in Betrieb. Eines ist nach diesen Tagen im Castel Monastero Resort & Spa klar: In ein Kloster werde ich mich wiedermal zurückziehen. Und hoffen, dass es genauso bezaubernd ist wie dieses.