Bereits im ersten Teil unserer Berlin Serie sind wir im In-Viertel Friedrichshain durch die Strassen geschlendert und haben die Energie dieser Stadt aufgesogen. Es scheint die Laisser-faire Einstellung der Berliner zu sein, die viele Menschen hier beeindruckt. Und von Tag zu Tag merken auch wir, wie besonders diese Stadt doch ist und sind gespannt was uns noch erwartet.

Berlin ist: Liebe und Toleranz

Nica treffen wir in ihrer Wohnung – welche zugleich der Showroom ihrer Arbeit ist. Gleich beim Reinkommen werden wir in eine komplett andere Welt gebeamt. Es fühlt sich ein wenig an wie bei Alice im Wunderland. Die Wohnung wurde von Nica und ihrer Mitbewohnerin Lola Toscano, welche selbst Möbel designt, eingerichtet und gestaltet.

Nicas Wärme und Fröhlichkeit stecken uns gleich an und lassen uns sogar vergessen, dass es draussen in Strömen regnet. Sie zeigt uns die «Godess Cards», ihre neuste Errungenschaft. Tarotkarten mit weiblichen Göttinnen aus verschiedensten Kulturen. Natürlich möchte sie diese gleich mit uns ausprobieren. Und so, innert Sekunden, sind auch die letzten Kontaktbarrieren gefallen und wir sitzen mitten im Schlafzimmer auf dem Boden wie drei langjährige Freundinnen.

Wir philosophieren über das Leben und Nica erzählt uns, dass sie Teil einer hedonistischen Community ist. Hédone nennen sie sich. Dieser Lebensstil scheint momentan in aller Munde zu sein, denn immer wieder stolpern wir in Berlin über ihn. Frei nach dem Motto «Liebe ist für alle da», erzählt uns Nica von zauberhaften Parties und Workshops und lässt uns in ihre Welt eintauchen. Aber nicht nur der Spass und das Schöne ist ihr Motiv: der Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung ist eines der wichtigsten Themen und Ziele von Hédone.

Sie ist eine Schönheit – dies kann man wohl nicht anders sagen. Ihre Ausstrahlung füllt sofort den Raum und die farbigen Gewänder die sie verkauft, trägt sie selbst wohl am besten.

Angefangen hat sie nach ihrem Studium in Entwicklungsökonomie als vegane Köchin. Noch heute legt sie viel Wert auf gesunde Ernährung und beschäftigt sich gerne damit. Zurzeit jedoch hat sie ihr berufliches Standbein in der Vintage Bekleidung gefunden. Aber nicht etwa irgendwelche: Sie kauft auf der ganzen Welt spezielle Gewänder – am liebsten Teile traditioneller Kostüme und verkauft sie dann übers Internet (Bo Coutoure) weiter. Ihre Kleiderausstellung ist ein Fundus für wunderschöne, bunte und abgefahrene Stücke. Auch wir verfallen sofort dem Kaufrausch, es findet sich dort für jeden was.

Für jeden etwas- dies ist auch genau was Nica über Berlin sagt: «Es ist auf jeden Geschmack zugeschnitten, jeder findet seine Community. Es gibt eine Szene für alles und du hast die volle Freiheit dich selber zu sein ohne verurteilt zu werden.»

Als sie 2012 aus ihrem Heimatland Brasilien nach Berlin kam, war das Nachtleben definitiv einer der Hauptfaktoren für ihren Umzug. Sie war vorher schon ein paar Mal zu Besuch in Berlin und verspürte einen Drang hier ein Leben anzufangen. Heute sagt sie, es sei die beste Entscheidung die sie jemals getroffen habe – auch wenn sie jetzt schon weiss, dass sie bestimmt irgendwann weiterziehen wird.

Nica Cor

Gründerin Bo Couture

Vintage Kleider: www.bocouture.shop

Möbel: www.rubo.berlin

Nachdem die erste Euphorie fürs Berliner Nachtleben verfolgen war, hat sich ihr eine neue Welt eröffnet. Eine bewusstere Welt. In der spirituellen Szene fand sie für sich eine neue Zugehörigkeit. An Berlin liebt sie auch, dass diese zwei Welten sich ohne Probleme kombinieren lassen: «Morgens gehst du an einen Healing Workshop oder ins Yoga, trinkst einen Detox Saft zu Mittag und die Nacht verbringst du auf einer Party in einem der Clubs.» Alles ist möglich in Berlin. Und genau dort, in der Mitte dieser beiden Lebensstile, findet sich Nica wieder.

Wenn sie Berlin in einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es wohl «Toleranz». Immer wieder kommen wir im Laufe des Gespräches auf die Themen Freiheit und Toleranz zurück und merken, wie wichtig dies für sie ist.

In ihrer Heimat ist dies wohl etwas zu kurz gekommen. « Man spürt das Leiden der Menschen und den Druck des Geldes sehr. Durch dies und die mangelnde Sicherheit fühlt sich das Leben dort manchmal wie ein Gefängnis an.» Diese Wort klingen hart – aber wer ihr Gesicht dabei sieht weiss, das sie Brasilien trotz allem sehr liebt.

Auch an ihrer Gastfreundschaft und der Liebe zu den Menschen erkennt man ihre Wurzeln. Für sie ist ihre Wohnung eine Art Treffpunkt – die Türe steht jederzeit für alle offen. Was für andere zu viel ist, ist für Nica absolut normal. Egal ob Fremde oder Freunde, sie schätzt die Gesellschaft von anderen Menschen und könnte ohne nicht sein.

In Berlin vermisst sie die Sonne und das Meer – dies vor allem in den kalten und langen Winter. Im Sommer aber zieht es sie auch ab und zu in die Natur. Der Treptower Park ist für sie perfekt um Energie zu tanken und die Gedanken zu sammeln. Ihr Platz dort, neben einer kleinen Brücke fühlt sich für sie an wie irgendwo auf dem Land und dies Mitten in Berlin.

Entspannung findet Nica auch beim Yoga und sie empfiehlt uns das Yellow Yoga. Das besondere an dem Konzept, die Preisgestaltung nach Einkommen, bedeutet wer keins hat kann Arbeitskraft gegen Yogastunden tauschen.

Feiern ist für sie ein wichtiger Faktor. Wobei das Tanzen und die Musik im Vordergrund stehen. Sich in der Musik zu verlieren und darin aufzugehen. Sie empfiehlt uns das Sisyphos und den Kater Blau – beides Clubs welche eine gewisse Magie ausstrahlen. Wenn man mal da war, weiss man auf jeden Fall warum.

Magisch ist auch so einiges an Nica selbst. Genau deswegen vermuten wir, ist Berlin der Ort, der sie so angezogen hat. Als Basis und Inspiration für ihre vielen Ideen und die sprühende Lebensfreude die man ihr in jedem Moment anmerkt.