Unsere Weekendtipps für Buda und Pest

Text Sara Bagladi
In Ungarns Hauptstadt gibt es vieles zu entdecken: Hinter jeder Ecke lauert ein lauschiges Café, ein Strassenmusiker, eine schummrige Kneipe oder ein historisches Denkmal. Die Donau trennt die Stadt in das vornehme Buda und das lebendige Pest, zwei Ortsteile, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier muss man zwei Mal hinschauen. Oft versteckt sich ein aussergewöhnlicher Innenhof hinter einer bröckligen Häuserfassade oder eine wunderschöne Kirche taucht zwischen Funktionsbauten, die an die kommunistischen Zeiten erinnern, auf. Ob königliche Paläste, atemberaubende Aussichten, Ruinen-Pubs oder Wände voll Graffiti: In Budapest findet jeder ein Abenteuer.


Budapest

Samstag 9:00 Uhr

Morgenstund hat Zoska im Mund

48 aufregende Stunden liegen vor mir in Budapest. Damit ich es mit der Stadt aufnehmen kann, brauche ich erst mal ein gutes Frühstück. Im süssen Café „Zoska“ probiere ich mich durch das Frühstücksschlaraffenland. Mit vollem Bauch spaziere ich los.

Frühstück Café Zoska, Ferenczy István u. 28, Budapest, zoska.hu

10:30 Uhr

Mit Fahrtwind vorbei an historischen Denkmälern

So voll spaziert es sich weniger gut, deshalb husche ich ins nächste Tram mit der Nummer 2. Diese Linie wurde von National Geographic zur siebtbesten Tramfahrt weltweit gekürt. Und was macht dieses Tram so grandios? Entlang der Donau, in der sich heute die Morgensonne spiegelt, befährt es einige der wichtigsten historischen Sehenswürdigkeiten. Es wurde kurz nach dem zweiten Weltkrieg gebaut und dementsprechend ist es etwas klapprig – oder authentisch, wie man es nimmt. Aus dem Fenster sieht man den Burgpalast eingebettet auf den Hügeln Budas, die Matthiaskirche, die Gellért-Statue und die Zitadelle samt Freiheitsstatue. Auf der Pestseite kann man das eindrucksvolle Parlamentsgebäude bestaunen sowie die Kettenbrücke und Donaupromenade.

Erlebnis Tram Nummer 2, Budapest

12:00 Uhr

Majestätische Aussicht über die Stadt

Genug gesessen, mein Tatendrang steigt. Ich verlasse das Tram in der Nähe der Széchenyi-Kettenbrücke mit den zwei grossen Löwenstatuen und überquere den Fluss. Um den schönen Ausblick auf den Fluss und die anderen Brücken einzusaugen, halte ich kurz an, während der Wind um meine Ohren bläst. Auf der anderen Seite des Flusses wartet eine andere Stadt auf mich. Hier ist es hügelig und vornehmer. Ich folge dem steilen Weg hoch bis zum königlichen Palast, der Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Altstadt, hier erinnern kleine Häuser und Gassen mit Kopfsteinpflaster an das Mittelalter. Und oben wartet ein noch schönerer Ausblick über ganz Pest auf mich.

Sightseeing ungarn-tourismus.ch

14:00 Uhr

Kronleuchter, Klavier und Kuchen

Langsam knurrt mein Bauch: Zeit für etwas Süsses! Die Ungarn sind ein süsses Volk (unter drei Löffel Zucker im Kaffee geht gar nichts) und ich habe mich in den letzten Stunden wohl schon angepasst. Ich mache mich auf zur Andrassy Utca, der berühmten Boulevardstrasse, durchquere den Buchladen und nehme die Rolltreppe hoch zum wunderschönen „Bookcafe Lotz Terem“. Das Gebäude wurde 1882 gebaut und das Café erinnert an einen majestätischen Ballsaal mit den Kronleuchtern, aufwändig verzierten Decken und dem Klavier, das im Hintergrund klimpert. Ich geniesse den ungarisch-jüdischen Schicht-Kuchen „Flódni“. Laut einem Volksglauben schützt die Zutat Walnuss vor Flüchen und Mohnsamen bringt Hülle und Fülle in dein Leben. Nun bin ich gewappnet für weitere 34 Stunden in Budapest.

Kaffeepause Alexandra, Andrássy út 39, Budapest, lotzterem.hu

16:00 Uhr

Katzen im Café

Ich spaziere Richtung Westen und lande im Paradies für Katzenliebhaber/innen. In diesem Café turteln 10 Katzen um die Beine „catppuchino“-trinkender Gäste. Manche Büsis sind auch so frech und tanzen auf dem Tisch. Besonders hübsch ist das Café nicht, doch ich kann das Heimweh nach meiner Katze zu Hause wegkuscheln.

Katzenkuschelpause Cat Cafe & Gallery, Révay u. 3, catcafebudapest.hu

17:30 Uhr

Kunst gegen die Diskriminierung von Roma

Obwohl meine Liebe für Katzen grösser ist als meine Katzenallergie, muss ich das Café nach einer Stunde verlassen. Geplagt von Niesattacken mache ich mich auf in die Gallery 8, wo Kunst von Roma ausgestellt wird. Leider sind Roma in Ungarn immer wieder Opfer rassistisch motivierter Gewalt und sind von Ausgrenzung und Armut stark betroffen. Die Ausstellung der Werke soll dazu beitragen, negativen Stereotypen entgegenzuwirken und die Diversität, Geschichte und Kultur der Roma zu würdigen.

Kultur Gallery 8, Mátyás tér 13, Budapest, gallery8.org

20:00 Uhr

Authentische Leckerbissen aus allen Weltecken

Die Eindrücke aus der Galerie verdaue ich im wohl kleinsten Restaurant der ganzen Stadt. Im „Bangla Bufe“ gibt es nur vier Tische und wer einen Platz ergattern will, muss etwas Glück haben. Weil alles frisch zubereitet wird, muss man etwas länger warten. Doch als ich in die Pakoras und Samosas beisse und dazu einen Mango-Lassi schlürfe, weiss ich, dass es jede Sekunde wert war. Es ist so klein, dass es nicht mal Platz für eine Toilette hat. Der freundliche Besitzer schickt mich in die Bar auf der anderen Strassenseite.

Essen Bangla Bufe, Akácfa utca 40, Budapest, banglabufe.com

22:30 Uhr

Die Nacht ist immer jung in Budapest

Hier bleibe ich, denn es wird höchste Zeit für Pálinka. Die Ungarn, die ich bis jetzt getroffen habe, sind sich einig: Ohne einen Pálinka getrunken zu haben, kann man das Land nicht verlassen. Im 14. Jahrhundert wurde der Obstbrand das erste Mal erwähnt und zwar als „Wasser der ungarischen Königin“. Eine ungarische Volksweisheit besagt: In kleinen Mengen eine Medizin, in größeren ein Allheilmittel. Ich gönne mir das schnapsige Wässerchen mit Apfelzimt-Geschmack und es zischt brennend meine Kehle runter. Ich befinde mich übrigens im Fogas Ház (Bar und Club zugleich), ein guter Einstieg in die Welt der Ruinen Bars für Budapester Nachteulen. Es liegt im jüdischen Viertel, das bekannt ist für die Bars mit schummrigen Licht, Live-Musik und kreativen Einrichtungen. Vor einer Dekade wurden zahlreiche leer stehende und verkommene Häuser in artistische Lokale umgewandelt und in den alten Fabriken, Innenhöfen und Dachterrassen brodelt heute das Nachtleben.

Drinks Fogas Ház, Akácfa utca 49-51, Budapest, fogashaz.hu

Sonntag 10:00 Uhr

Bauernmarkt der anderen Art

Weil ich letzte Nacht noch nicht genug von den Pub-Ruinen bekommen habe, mache ich am Morgen gleich weiter im Szimpla Kert, der Mutter aller Ruinen Pubs. Hier gibt es auf mehreren Stöcken überall etwas zu entdecken: Neonröhren, Graffiti, kleine Spiegel, Fahrrädern an den Decken oder Türklinken aus Telefonhörern. Am Sonntagmorgen findet hier ein Bauernmarkt mit saisonalem und regionalem Angebot statt: Selbstgemachte Marmelade, Brotaufstrich aus Süsskartoffeln, frischer Ziegenkäse, ungarische Salami, Holundersirup mit Blüten aus dem Garten… Ich beisse in einen Strudel mit Quark nach ungarischem Rezept und schlendere umher, während im Hintergrund eine Gypsy-Band spielt.

Bauernmarkt Szimpla Kert, Kazinczy utca 14, Budapest, szimpla.hu

12:00 Uhr

Die Seele baumeln lassen

Nach dem Gewusel auf dem Markt, gönne ich mir etwas Entspannung. Budapest wird nicht umsonst die „Stadt der Bäder“ genannt. Es gibt eine riesige Anzahl von Spas mit Thermal- und Heilquellen und es fällt mir schwer, mich zu entscheiden. Ich lande im funkelnden Gellért Bad, das seine Türen 1918 öffnete. Die Möbel im Art Nouveau Stil, künstlerische Verzierungen aus türkisblauen und meeresgrünem Mosaik, Säulen, gefärbte Glasfenster und Skulpturen geben dem Bad einen besonderen Flair. Hier tummle ich mich für ein paar Stunden und lasse es mir gut gehen.

Wellness Gellért Bad,Kelenhegyi út 4, Budapest, gellertbad.hu

15:00 Uhr

Gedichte in lauschiger Atmosphäre

Total entspannt spaziere ich über die Brücke, vorbei an der grössten Synagoge Europas bis zum Herzen des jüdischen Quartiers. Auf dem Weg sehe ich Vintage-Geschäfte, Hummus-Bars und Innenhöfe mit Streetfood-Ständen, wo sie Lángos (eine deftige ungarische frittierte Spezialität) verkaufen. Kreative hauchten hier dem Alten ein neues, lebendiges, künstlerisches und buntes Leben ein. Nach ein paar Blocks trete ich ein ins gemütliche „Massolit“, eine Mischung aus Café und Bücherladen. Neben selbstgemachten Keksen und Torten, bieten sie Bücher an, die sonst schwierig zu finden sind in diesen Breitengraden – von klassischen Romanen bis zu Analysen über Politik oder Judaistik. Ich blättere in einem Gedichtband des ungarischen Lyrikers Attila József und fühle mich wie zu Hause.

Kaffeepause Massolit Books & Café, Nagy Diófa u. 30, Budapest

16:30 Uhr

Ungarns dunkle Vergangenheit

Weniger lauschig sieht es im „Haus des Terrors“ aus. In diesem Museum wird an die Herrschaft der faschistischen Pfeilkreuzler während dem zweiten Weltkrieg und den nach dem Krieg folgenden Sozialismus erinnert. Zwischen den Wänden dieses Haus ist Schreckliches passiert: Zuerst diente es den Pfeilkreuzlern als Gefängnis und während der stalinistischen Ära wurden hier Staatsgegner des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes ÁVH gefoltert. In dieser Gedenkstätte lerne ich mehr über die jüngere Geschichte in Ungarn.

Museum Haus des Terror, Andrássy út 60, Budapest, terrorhaza.hu

19:00 Uhr

Sonne im Bauch

Nach der bedrückenden Atmosphäre im Terrorhaus brauche ich etwas Sonne und die finde ich im Restaurant Napfényes – das beutet Sonnenlicht. Beim Vertilgen der köstlich vegan-vegetarischen Speisen strahlt man nämlich wie eine Sonne. Auch überzeugte Fleischgeniesser kommen hier auf den Geschmack. Die Mehrheit der Zutaten stammen aus biologischem Anbau und anstelle des traditionellen Weizenmehls wird Dinkelmehl verwendet, statt Weisszuckers Rohrzucker, statt Kakao Carobe, und statt Bohnenkaffee Getreidekaffee. Ich verdrücke das ungarische Gericht „Lecsó“ aus Paprika, vielen Zwiebeln, Kartoffeln und Tomaten. Auf Ungarisch heisst Tomate „paradicsom“ und dasselbe Wort benutzen sie auch, um das Paradies zu beschreiben. Vielleicht schmeckt es deshalb so gut?

Essen Restaurant Napfényes, Ferenciek tere 2, Budapest, napfenyesetterem.hu

21:00 Uhr

Im Lichterrausch

Auf dem Weihnachtsmarkt hole ich mir ein Glas wärmender Glühwein. Die letzten Stunden in Budapest spaziere ich an der Donau entlang, lass mich ein letztes Mal von dieser ungewöhnlichen Stadt verzaubern und verliere mich in den glitzernden Lichtern der Stadt.

 
Portrait-Sara-BagladiSara Bagladi

Aufgewachsen in einem der kleinsten Länder der Welt, ist Saras Entdeckungslust und Neugier auf andere Kulturen heute kaum zu zähmen. Wenn sie nicht gerade liest oder schreibt, tanzt sie gerne oder macht Yoga. Sie glaubt an Zauberei und träumt von einem Leben wie Pippi Langstrumpf.