Ein Skiwochenende mit viel Genuss

Text & Bild Rahel Zingg
Es ist kurz nach halb fünf. Freitagabend. Die letzten Sonnenstrahlen leuchten wie eine Fackel auf die Parkplätze vor dem Posthotel Zell am Ziller. Wir sind umhüllt von Bergen und angekommen, steigen aus dem winzigen – während der langen Reise scheinbar noch weiter geschrumpften – Auto und entfalten (endlich!) unsere Beine. Nach dreieinhalb Stunden Autofahrt sind wir nun im Zillertal und stehen vor unserer Unterkunft – und uns bevor: Ein Skiwochenende in einem Gebiet mit rund 181 Liftanlagen und 506 Pistenkilometern.


Kaltenbach

Freitag

Im Zillertal ankommen und gleich mal richtig gut essen

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Zillertal Tourismus

Im Tirol, östlich von Innsbruck gelegen, bietet das Zillertal eine spektakuläre Bergwelt. Der höchste von zahlreichen Dreitausendern ist der Hochfeilter mit 3.509 Höhenmetern. Früh wurde das Zillertal als Tourismusdestinationentdeckt – zu Beginn des 19. Jahrhunderts – und ist heute eine äusserst beliebte Ferienregion, für Sommer- wie auch Winterurlaub.

zillertal.at

19:00 Uhr

Check-in

Wir treten an den Empfangs-Desk des Hotels heran. Man erwartet uns bereits freudestrahlend hinter der Reception. Als die Dame in Tiroler Tracht verschwindet um die Unterlagen für den Check-In zu holen, haben wir kurz Zeit, die Pianomusik wahrzunehmen und auch, dass die Lobby des Posthotels atemberaubend ist. Hier hat die Natur das sagen. Unsere Blicke schweifen über die naturbelassenen Holzböden, zum grün glasierten Kachelofen vor dem friedlich Dackel Karin (der Name sei hier vorweggenommen) schläft und bleiben an den Filzsesseln und den rustikalen Tischen hängen.

19:30 Uhr

Essen mit top Service: Das HeLeni im Posthotel

Aber weiter mit dem administrativen Teil. Die freundliche Hotelangestellte ist inzwischen zurückgekehrt und fragt uns, ob wir denn Angst vor dem Befahren schmaler Bergstrassen hätten. Zu den zum Hotel gehörigen Chalets, die wir für zwei Nächte unser eigen nennen dürfen, geht es mit dem Auto nämlich noch einmal ca. 15 Minuten steil bergauf. Furchtlos nehmen wir die Schlüsselkarten entgegen und entschliessen uns davor noch im Hotelrestaurant «HeLeni» zu essen.

Das Restaurant befindet sich im hinteren Teil des Hotels in einem Wintergarten. Die Stühle wieder mit Filzüberzug, wieder mir dem warmen Licht und Holz, wie davor in der Lobby. Die Speisekarte wechselt jeden Monat. Wir kamen zum Beispiel in den Genuss von Kakao-Tortellini mit Rotkrautfüllung. Neben dem Essen, ist die Bedienung so herausragend, dass wir für ein angemessenes Trinkgeld bereits vor dem Hauptgang verzweifelt begonnen haben, alles an Bargeld zusammen zu suchen, was sich noch in unseren Taschen befand.

Essen Restaurant HeLeni, Rohrerstraße 4, 6280 Zell im Zillertal, Tirol, zillerseasons.ch

21:30 Uhr

Ein Traum: Unser Luxuschalet

Nach dem Essen sind wir dann bereit für die Reise ins «Romantikchalet Hochleger». Es ist ja auch ganz schön spät geworden, nach dem Viergänge-Menü. Umso unangenehmer also, als uns noch im Hotel eröffnet wird, dass sie nun die Hausdame Bianca aus dem Bett holen werden, damit sie uns in unserem Häuschen oben auf dem Berg für eine kurze Führung empfängt. An dieser Stelle: Entschuldigung Bianca, das nächste Mal kommen wir früher!
Oben (genauer: auf über 1000 M.ü.M) angekommen stellen wir unser Auto in der Garage ab und stellen entzückt fest, dass wir vom Chalet aus das ganze Tal überblicken können. Bianca scheint uns die nächtliche Störung zum Glück nicht übel zu nehmen und zeigt uns geduldig unser Romantikchalet. Eines von insgesamt vier luxuriösen Traumhäusern, mit hohen holzigen Decken, einer Badewanne auf der Terrasse, einer Sauna und einem Cheminée, das wir natürlich auch sofort anfeuern.

Übernachten Hochleger Chalet, Tiefenbachweg 38, 6274 Aschau im Zillertal, Tirol, zillerseasons.at

Samstag 8:00 Uhr

Aufwachen im Romantikchalet

Hinter den Holzkirchen beginnt der Morgen zu dämmern und es tauchen schemenhaft verschneite Bäume aus dem Nebel. Die Aussicht vom Bett aus durchs Fenster ist unrealistisch, ja beinahe beunruhigend schön: Wir blicken zwischen den Dächern der Handvoll Häuser, die uns umgeben, direkt ins Tal hinunter und auf das dieses umsäumende Bergpanorama. Wir hören das Auf und Zu von Autotüren – und das hektische Treiben das entsteht, wenn eine Familie versucht, Gepäck und Kinder für ihre Abreise im Auto zu verstauen.

10:00 Uhr

Alpines Frühstück mit Bio-Produkten

Nachdem wir es schliesslich geschafft haben, das himmelsgleiche Bett zu verlassen, bereiten wir uns in der gutausgestatteten Küche, voll mit Bio-Produkten aus den umliegenden Bauernhöfen, das Frühstück zu und bestaunen das Werk des Architekten: Rot, Beige und Pink – allein das Farbkonzept macht das 70 m² grosse Chalet zum romantischen Paradies. Natürliche Materialien, edle Verarbeitung, luxuriöse Ausstattung; eine perfekte Mischung aus gemütlichem Holzbau und modernem Design. So verfügt nämlich jedes Chalet über moderne Badezimmer, einen Induktionsherd oder einen Flatscreen in praktisch jedem Raum.

12:00 Uhr

Ski mieten in Kaltenbach, Hochzillertal

Wusstet ihr, dass ich eine begeisterte Skifahrerin bin? Vielleicht nicht die begnadetste, aber ja, an Begeisterung fehlt es mir nicht. Darum ist es umso verwunderlicher, dass ich mich nach Eintreffen in unserem privaten Chalet fragen musste, ob ich an diesem Wochenende (oder jemals?) wieder einen Fuss vor die Holztür setzen würde. Aber wir haben die ganze Ausrüstung ja schliesslich nicht umsonst mitgeschleppt, sagen wir uns. Wann kommen wir denn wieder mal in den Genuss eines Skiwochenendes, fragen wir uns. Das und der blaue Himmel sind dann doch genug Ansporn, um unser Paradies ­– zumindest zeitweise ­– zu verlassen.

15 Minuten Fahrt sind es vom Hochleger zur Talstation Kaltenbach. Um uns herum greifen Gäste flink nach Ski und Stöcken und stürmen Richtung Gondelbahn. Da meine Skischuhe kaputt und der Helm seit letztem Jahr unauffindbar ist, müssen wir uns noch kurz bei Sport Stock die fehlenden Teile unserer Ausrüstung leihen. Der hat sein Geschäft, direkt neben der Bergbahn, weshalb uns das Unterfangen nicht viel Zeit kostet und wir uns auf dem Weg zu den Bahnen machen können.

Skimiete Sport Stock, Postfeldstrass 7, 6272 Kaltenbach, Tirol, sportstock.at

13:30 Uhr

Skigebiet Hochzillertal – Pistentraum und Genuss

Oben angekommen und ein, zwei Abfahrten über den samtig glitzernden Schnee gemacht, ziehen wir im Restaurant Marendalm bei einem Radler und einem Germknödel in Übergrösse die erste Bilanz: Die Abfahrten des Skigebiets Hochzillertal sind breit und gemütlich. Wir haben die Wahl zwischen fünf Seilbahnen, zehn Sesselliften und 20 Schleppliften, und wenn wir wollten, könnten wir 155 Kilometer weit brettern, ohne eine Abfahrt zweimal zu nehmen. Könnten wir… Aber mehr als sieben Lifte schaffen wir nicht, bevor die Seilbahn beginnt die letzten Skifahrer ins Tal zurück zu schaufelt und schliesslich sinken auch wir mit geröteten Wangen in unsere Sitze. Ein perfekter Skitag neigt sich (beinahe) dem Ende zu.

Wintersport Skigebiet Hochzillertal, 6272 Kaltenbach, Tirol, zillertal.at

19:00 Uhr

Nachtskifahren – Wintersport bei Mondschein

Schon als wir am ersten Abend, von unserem Dinner im «HeLeni» in unsere Ferienhütte gefahren sind, ist uns die beleuchtete Piste an einem Hang im Skigebiet Hochzillertal aufgefallen. Wie ein Faden aus gleissend heller, weisser Lava schlängelt sich die Stephan-Eberharter-Goldpiste den Berg hinunter. Und selbst nach einem langen Ski-Nachmittag, wollen wir uns das Erlebnis nicht nehmen lassen. Vom Januar bis März kann man dort nämlich von 19.00 bis 21.00 Uhr im Flutlicht bis ins Tal düsen. Also fahren wir kurz ins Chalet zurück, stärken uns mit einem Teller Spaghetti Carbonara (alle Ingredienzen sind Bestand der vollausgestatteten Küche der Hochleger Chalets), legen die Beine hoch, holen tief Luft und starten ins Abenteuer Nachtskifahren.

Der Mond leuchtet, das Flutlicht strahlt, der Schnee funkelt. Ringsherum ist alles dunkel, nur die beleuchtete Piste ist zu sehen – eine ganz besondere Atmosphäre. Immer wenn wir auf einen Hügel zu kurven, bekommen wir das Gefühl, wir fahren ins Nichts. Und obwohl wir wissen, dass die Piste nach der Erhebung – natürlich! – weitergeht, stellt sich da ein etwas beklemmendes Gefühl ein. Vollkommen verkrampft, aber ziemlich stolz kommen wir nach der elf Kilometer langen Abfahrt im Tal an.

Nachtskifahren Skigebiet Hochzillertal, 6272 Kaltenbach, Tirol, zillertal.at

Sonntag 10:00 Uhr

Gemütlichkeit & Essen in der Kristallhütte im Hochzillertal

Die Lifte im Hochzillertal fahren täglich bereits ab 7.30 Uhr. Das gibt uns die Möglichkeit früh morgens in die Kristallhütte zu fahren, um zu brunchen. Im Winter ist diese nur per Skilift oder auf Skiern zu erreichen und so hangeln wir uns von Gondelbahn zu Gondelbahn, bis wir unser Ziel auf einer Kuppe, rund 2000 M.ü.M. erreicht haben.

Sie ist cool wie ein Szenetreff, gemütlich, wie eine Wirtsstube und edel, wie ein Luxushotel. Vor uns auf dem Tisch wird schon der Kaffee kalt, weil wir unsere Blicke nicht von dieser Szenerie losreissen können. Mitten im Gastraum prangt eine riesige offene Feuerstelle. Sofas und Sitzbänke stehen um den nach allen Seiten geöffneten Kamin. Immer wieder geht die Hüttentür auf und ein Skifahrer rumpelt und stackst in die Stube; trägt einen Schwall Schneeluft hinein. Da das Wetter heute nicht so richtig mitspielen will, besuchen wir nur kurz die sich auf der Südseite der Terrasse befindende Kristall-Lounge. Dicke Glasscheiben schützen hier vor der kalten Luft und zahlreiche Schafffelle liegen auf den Holzpritschen und Sofas bereits.

Von aussen unterscheidet sich das Gebäude mit dem mystischen Namen ja nicht von anderen Skihütten. Ein einfaches Blockhaus mit flachem Giebel. Doch hinter der Holzfassade steckt ein Wirtshaus, ein Sternerestaurant und ein Hotel mit Wellnessbereich hoch über der Schneefallgrenze.

Essen Kristallhütte, Skigebiet Hochzillertal, 6272 Kaltenbach, Tirol, kristallhuette.at

14:00 Uhr

Wellness zum Schluss

Heute gehen wir in die Sauna. Der perfekte Abschluss für so ein Skiwochenende. Zum Glück haben wir auch direkt eine im Haus. Die Hochleger Chalets verfügen über einen Wellness-Bereich mit Sauna und Ruheraum. Wir ziehen uns im Schlafzimmer die super flauschigen Bademäntel über, schlüpfen in die Filz-Pantoffeln und watscheln aus der Haustüre den Holzgang entlang Richtung Sauna. Alles ist blitzblank. Wir heizen die Sauna 30 Minuten lang vor, duschen kurz und beginnen unser privates Wohlfühl-Programm.

Nach dem ersten Saunagang bestaunen wir auf den holzigen Liegen im Ruheraum liegend, den momentan zugefrorenen Badeteich und das dahinter liegende Bergpanorama durch die riesige Glasscheibe. Nach dem zweiten Saunagang treten wir hinaus zum vereisten Wasser und stehen Barfuss und dampfend im Schnee. Es ist still, nur das leise Knistern des Schnees unter den Füssen ist zu hören. Spätestens nach dem dritten Saunagang sind wir tiefengereinigt (oder fühlen uns zumindest so) und sind bestimmt nicht mehr aus der Ruhe zu bringen – genau so sollte ein gelungenes Wochenende enden.

Übernachten & Wellness Hochleger Chalet, Tiefenbachweg 38, 6274 Aschau im Zillertal, Tirol, zillerseasons.at

Das Zillertal für ein Skiwochenende – Unser Gesamteindruck

Für ein Ski-Wochende lohnt es sich auf jeden Fall ins Zillertal zu reisen. Das Skigebiet ist gross und abwechslungsreich, bietet Pisten für Anfänger bis zu den Profis und die Kosten für einen Tagespass sind mehr als fair (ca. 40 Euro). Aber – ja, es gibt ein klitzekleines aber: Wohnt man dabei in einer so traumhaften Unterkunft, wie wir es taten, sind zwei Tage definitiv zu wenig. Also: mindestens einen extra Tag anhängen, an dem man auch mal einfach das süsse Nichtstun in der Ferienresidenz geniessen kann.

 
Rahel-Zingg-PortraitRahel Zingg (28)
Redaktionsassistentin SI Style Weekly

Sie mag lange Texte und langes Grübeln. Ist wissbegierig und fragt sich, wie die Welt wohl hinter all dem Unbekannten aussieht – vielleicht glitzert sie. Ja, sie liebt alles Glitzernde und Katzen! Die Schaffhauserin hat zeitweise in Zürich gelebt und dort Psychologie studiert.