Text Linda Leitner
Wenn Berlin eines ist, dann ist es vielfältig. Das betrifft seine Bewohner ebenso wie seine Besucher, das kulinarische Angebot und sein Strassenbild. Sobald die ersten Sonnenstrahlen durch die Wolken brechen, wird Berlin zu einem ganz magischen Fleckchen Erde. Ob in Hinterhöfen, auf Dachterrassen, in den unzähligen Parks oder an und auf der Spree – überall lässt es sich wunderbar abhängen, flanieren, speisen und feiern.
Dass eine Metropole wie Berlin nicht nur Beton, Hochhäuser und Hektik bedeutet, beweisen diese zehn Vorschläge mit sommerlicher Wucht. Wer die befolgt, kann sich dem Charme Berlins garantiert nicht mehr entziehen. Nichts wie raus, denn es wird warm, auch ums Herz!


Berlin

1 | Klunkerkranich

Der Eingang ist ein bisschen versteckt, die Schlange abends meist lang: Mit dem Lift geht es hoch unter das Parkdeck des Einkaufszentrums «Neukölln Arcaden» mitten im aufstrebenden Kiez Neukölln. Wandert man eine kleine Kurve nach oben aufs Dach, beginnt sich der Zauber zu entfalten und ein lauer Wind schlägt einem über den Dächern der Stadt entgegen, der Blick ist atemberaubend. Der Nistplatz des Klunkerkranchichs ist eine Mischung aus Urban Gardening, Street Food und Outdoor Rave, nur mit sanfteren Klängen.

Die Stimmung ist locker, Berlin ruht glitzend zu den Füssen des Partyvolks.
Diese Location ist perfekt für einen Sundowner und um sich warm zu tanzen, ist aber auch morgens ganz reizend. Dass auch das Frühstück dort vorzüglich mundet, wissen nämlich noch nicht allzu viele. Der frühe Kranich fängt den Wurm.

Klunkerkranich, Karl-Marx-Strasse 66, D-12043 Berlin, klunkerkranich.de

2 | Picknick auf dem Tempelhofer Feld

Das ehemalige Flughafengelände ist mit seinem 380 Hektar Gelände die zweitgrösste innerstädtische Grünanlage Deutschlands. Während man auf den Grünflächen lungern, grillen und tollen kann, tummeln sich auf der Start- und Landebahn jede Menge Skateboarder und Kiter. Den Sonnenuntergang auf dem Tempelhofer Feld muss man miterlebt haben, manche sprechen von einer Atmosphäre wie am Meer.
Für ein urbanes Picknick im Grünen bedarf es neuerdings keiner Planung mehr, der Städter ist spontan: Wer plötzlich Lust bekommt, der sucht den Eingang Oderstrasse auf.

Denn hier kann man sich bei «Picnic Berlin» Picknickkörbe leihen und füllen lassen. Drin sind eine Decke, Porzellan, Besteck, eine Zeitung und eine lustige Freizeit-Beschäftigung wie Miniboules. Beladen wird je nach Belieben: Ob Wustsalat mit Brezeln und Bier oder ein veganer Proviant – In Berlin ist ja bekanntlich alles möglich.

Tempelhofer Feld, Tempelhof, D-12101 Berlin, tempelhofer-feld.berlin.de

Picnic Berlin, Eingang Oderstraße, Höhe Hausnummer 22, D-12051 Berlin, Tel: +49(0)177 897 3522, picnic-berlin.com

3 | Jüdischer Friedhof und ein bisschen Ruderboot fahren

Wen der Lärm der Stadt nervt, wer Ruhe möchte und sich einen besinnlichen Spaziergang wünscht, der setze sich sich aufs Rad oder in die Tram und fahre raus nach Weissensee. Hier liegt der 1880 angelegte Jüdische Friedhof Berlin-Weissensee, der mit seinen 43 Hektar flächenmässig der grösste erhaltene Europas seiner Art ist. Schreitet man durch das eiserne Tor, wähnt man sich in einer anderen Welt. Man hört nur die Vögel zwitschern, staunt über uralte Bäume und wunderschöne jüdische Namen auf den verwitterten und prächtigen Grabsteinen.

Unweit des Friedhofs liegt der Weissensee. Hier kann man sich für ein paar Euro ein niedliches Ruderboot ausleihen und schippernd den Tag ausklingen lassen.

Friedhof Weissensee, Herbert-Baum-Strasse 45, D-13088 Berlin, Tel: +49 (0) 30 92 53 33 0, jewish-cemetery-weissensee.org

4 | Thaiwiese

Essen gehen ist ja bekanntlich eins der besten Dinge, die man in Berlin so machen kann. Aber dieser Mikrokosmos ist etwas ganz Besonderes: Der Preussenpark in Wilmersdorf wurde irgendwann zum Treffpunkt thailändischer Familien. Heute sind es sehr viele und sie kochen, was das Zeug hält. Unter bunten Sonnenschirmen auf Picknickdecken bieten runzlige Omas in Kühlboxen kühle Caipirinhas feil, auf Gasherden blubbern die Woks, auf Tabletts liegen Hühnerfüsse und der Mango Sticky Rice wird auf Plastiktellern gereicht.

Daneben kullern ihre Enkel über die Wiese. Authentischeres Thai bekommt man vermutlich nirgends. Ausser vielleicht in Thailand.

Thaiwiese im Preussenpark, Brandenburgische Strasse, D-10707 Berlin, berlin.de/preussenpark

5 | Café am Neuen See

Beim ersten Besuch traut man seinen Augen kaum. Paradiesische Zustände mitten im Tiergarten! Was klingt, als könnte man am See nen Kaffee trinken, ist eher eine Art Biergarten, aber viel viel schöner. Hier scheint die Zeit still zu stehen, so surreal romantisch ist es. Besonders bezaubernd ist ein selbst mitgebrachtes Picknick auf dem Steg.

Der See schimmert, die Menschen schnattern, die Trauerweiden neigen sich ins Wasser und dann gleiten da auch noch diese kleinen Boote mit den Lichterketten übers Wasser. «Oh mein Gott…!» – mehr gibt’s da nicht zu sagen. Oder zu seufzen.

Café am Neuen See, Lichtensteinallee 2, D-10787 Berlin, Tel: +49 (0)30 254 49 30, cafeamneuensee.de/sky-bar

6 | RAW-Gelände: Neue Heimat und Haubentaucher

Street Food ist ja überall im Kommen, in Berlin kam es natürlich früher. Auf dem RAW-Gelände im Süden Friedrichhains, das mit Graffittis und viel Bruchbudentum das Klischee der Stadt nicht besser verkörpern könnte, stecken die alten Bahnhallen voller Kunst und Kulinarik, oft auch untermalt von Live Musik. In der «Neuen Heimat» des Hipsters sitzt man auf Bierbänken und Kisten herum und holt sich als ersten Snack des Tages gegen Mittag ein Brot mit pochiertem Ei und Lachs.
Wenn die Sonne ganz gnadenlos brennt, zieht man einfach ein Haus weiter.

Der «Haubentaucher» ist ein städtischer Pool mit Palmen gerahmt von den Backsteinmauern des alten Reichsbahnausbesserungswerks. Berliner Mode-Blogger veranstalten hier gerne mal Ice Cream Markets und bringen das Ding zum überlaufen. Muss also cool sein.

Neue Heimat, Revaler Strasse 99, D-10245 Berlin, neueheimat.com

Haubentaucher, Revaler Strasse 99, D-10245 Berlin, haubentaucher.berlin

7 | Pfaueninsel

Raus aus der Stadt, rein in den Wannsee! Und zwar mittenrein – da nämlich liegt die kleine, aber feine Pfaueninsel. Und ja, da stolzieren tatsächlich Pfauen herum. Und als wäre das nicht schon fantastisch genug, grasen da auch noch Wasserbüffel und ein weisses Lustschlösschen steht herum. Das, was einst als romantische Ruinenarchitektur galt, erscheint heute surreal:

Schneeweiss ist es, wie aus Zucker, mit einer Brücke zwischen den Türmen. Einfach mal drumrum schlendern und im Anschluss Büffelreiten. Oder zumindest Pfauenfedern sammeln.

Pfaueninsel, Am Ende der Pfaueninselchaussee, D-14109 Berlin, (Zufahrt über den Nikolskoer Weg), berlin.de/pfaueninsel

8 | Weinbergspark und kostenloses Open Air-Kino im Rosengarten

Sein Geld für Klamotten zum Fenster rauswerfen, ist ja bekanntlich unüberwindbares Laster der meisten Frauen. In Berlin Mitte tut man das am Besten zwischen Hackeschem Markt und der Ubahnstation Weinmeisterstrasse. Da reihen sich Urban Outfitters, &Other Stories, Monki, Weekday, American Apparel und COS aneinander. Das ist einerseits schön, andererseits aber auch anstrengend und eigentlich schon gleich gar nichts für einen schönen Sonnentag. Kompensieren lässt sich das im nahe gelegenen Weinbergspark. Hier chillen die Berliner neben ihren Rädern und trinken Bier.
In einer kleinen Ecke des Parks wird’s romantisch: Hier blühen nicht nur Rosen, sondern hier rückt man in lauen Sommernächten auch nah zusammen, lauscht den DJ-Klängen der kleinen Bar oder schaut kostenlos Filme, die klitzeklein auf die Mauer projiziert werden.

Wenn akute Hungerattacken einsetzen, muss man sich bloss den angrenzenden Weinbergsweg hinabstürzen, wo ein Restaurant und Cafê das nächste jagt. Auch gleich ins erste zu platzen, lohnt sich. Bei «Yumcha Heroes» gibt es äusserst leckere chinesische Dumplings ummantelt von Berliner Hipster Flair.

Rosengarten, Weinbergsweg, D-10119 Berlin-Mitte, rosengarten-berlin.de

Yumcha Heroes, Weinbergsweg 8, D-10119 Berlin-Mitte, Tel: +49 (0)30 7621 30 35, yumchaheroes.de

9 | Holzfloss auf der Spree mieten

Im Gegensatz zu den kristallklaren Flüssen der Schweiz kann man in der Spree nicht unbedingt baden. Das heisst, man kann durchaus, aber zu empfehlen ist es nicht. Drauf rumschippern dafür umso mehr. Am idyllischsten ist das wohl auf einem Holzfloss, mit dem man entweder Stadtrundfahrten machen oder aber seine Freunde und kühles Bier draufpacken kann, um im Fernsehturm-Sonnenuntergangspanorama durch den Sommerabend zu gleiten.

Im Treptower Park, am Müggelsee und im Promeadenhafen Kladow können sogar Grillboote mit Holzkohlegrill gemietet werden. Was ist da noch hinzuzufügen?

Hauptstadtfloss, Hauptstrasse 13, D-10317 Berlin, Tel: +49 (0)30 55 49 41 20, hauptstadtfloss.de

10 | Teufelsberg

Zu guter Letzt noch ein wenig Geschichte: Aussichtspunkte sind im Sommer beliebt, hinter dem steckt sogar noch was. Der Teufelsberg im Westen Berlins ist nach den Arkenbergen die höchste Erhebung Berlins (120 Metern über Normalnull!). Die Ruinen der ehemaligen amerikanischen Abhöranlage sorgen ausserdem für ein ganz besonderes Nachkriegsflair.

Auf dem Trümmerberg ein Bier trinken und über Berlin und das Leben sinnieren: Eine gute Sache!

Teufelsberg, Ehemalige Abhörstation Teufelsberg, Teufelsseechaussee 10, D-14193 Berlin, Tel: +49 (0163) 858 50 96, berliner-teufelsberg.com