Ein Luxushotel mit Geschichte, viel geistigem Lila und Betten wie Wolken

Text Linda Leitner
Wer Leipzig mit dem Zug bereist, der tut sich mit dem Steigenberger Grandhotel einen grossen Gefallen, denn das imposante Gebäude mit der historischen Fassade liegt nur einen Katzensprung vom ebenso beeindruckenden Hauptbahnhof entfernt. So tragen wir also unsere Taschen ein paar Minuten erwartungsvoll durch Leipzig. Durch den prachtvollen, überglasten Bahnhof, vorbei an einer am Boden sitzenden Horde Punks mit Bierdosen in der Hand bis hinein in die reizende Altstadt. Und dann stehen wir vor dem ehemaligen Handelshof – nicht zu übersehen – eingebettet ins geschäftige Treiben zwischen Naschmarkt und Altem Rathaus, flankiert von grossen schwarzen Autos mit verdunkelten Scheiben: Ob der gemeine Gast hier mit dem Zug anreist, ist fraglich.

Feuerrot unterleuchtete Bodenplatten empfangen uns im Eingangsbereich wie ein strahlender roter Teppich, gespickt mit Faust-Zitaten. Johann Wolfgang von Goethe studierte in Leipzig und fand in Auerbach`s Keller, der drei Minuten vom Hotel entfernt liegt, Inspiration zu seinem Meisterwerk «Faust». An die Wänden sind historische Stadtansichten projeziert. Flammender Lokalpatriotismus!

Leipzig is in the house. Wir jetzt auch. Die überaus freundlichen Angestellten hinter der spiegelglatten, marmornen Rezeption bejubeln unsere Ankunft namentlich. Wir erhalten die frohe Kunde über ein Upgrade: Junior Suite. Wir ahnen, dass wir uns wohlfühlen werden.


Leipzig
Steigenberger Hotel Leipzig LogoSteigenberger Grandhotel Handelshof

steigenberger.com/leipzig

Salzgässchen 6
04109 Leipzig, Deutschland
Tel: +49 341 350581-0

Zwischen Gestern und Morgen

Im Steigenberger ist nichts zufällig. Das künstlerische Gesamtkonzept nimmt stets Bezug auf die Stadt. Egal ob es sich dabei um Leipzig als Musikstadt, Literaturstadt, Stadt des Handels oder des Buchdrucks handelt. Gestaltet wurde das 2011 renovierte Hotel Steigenberger von Leo Bettina Roost, einer Künstlerin aus Schaffhausen, die Objekte, fotografische Arbeiten, Textbildtafeln und Zeichnungen zu einem stimmigen Ganzen zusammenfügte und dabei die historischen Gegebenheiten des Gebäudes bestehen liess. Geschichte und moderner Lifestyle gehen hier Hand in Hand.

So steht beispielsweise der Frühstückssaal ganz im Zeichen der Musik. Die Wände sind mit Klarinetten geschmückt, eine Anspielung auf all die grossen Komponisten wie Wagner, Bach und Mendelsssohn Bartholdy, die in Leipzig wirkten.

Es herrscht eine zurückhaltende Membership-Atmosphäre im Steigenberger: Das Licht scheint stets gedimmt, die Teppichböden dämpfen jeglichen Lärm. Schwere Stoffe und Möbel unterstreichen die hoheitsvolle Ruhe und konkurrieren mit glatten Materialien wie Marmor und feinen Mosaikwänden. Die Farbe Violett, die ja gemeinhin als Farbe des Geistes und der Spiritualität gilt, ist optischer Fixpunkt.

Die Lobby

Was tagsüber ein heller Lichthof ist, in dem der Geschäftsmann surft und Pärchen plaudernd Kaffee trinken, wird abends zur eleganten Bar, die im flackernden Schein einer silbernen Feuerschale auf ein letztes Glas einlädt. Dann trinkt der Anzugträger Whiskey mit Artgenossen, die Pärchen turteln und schauen sich tief in die Augen.
Unter der Glaskuppel thront eine runde Bar, die Längsachsen säumen gepolsterte Sitzgruppen unter hohen Fenstern. Fast sakral trinkt es sich hier. Die Bögen sind Überbleibsel des traditionsträchtigen Handelshofes. Hier befanden sich früher die Eingänge, durch die die Ware mit den Kutschen angeliefert wurde. Über den originalen Holztüren, die aus der Lobby zu den Aufzügen führen, prangen noch die ursprünglichen Beschriftungen wie «Salzgässchen» und «Naschmarkt», die damals den Weg in eben jene Strassen wiesen.
Heute führt ein nächtliches, schweres Glas Rotwein in den bequemen Sesseln zu Piano-Klängen mit zartem Gesang, die Pop Hits zu beruhigenden Perlen machen, zu genau der Müdigkeit, die man sich nach einer Stadterkundung wünscht.

Die Zimmer

Ja, auch George Clooney war schon mal im Steigenberger. Das ist einerseits ein Qualitätsgarant, sagt aber auch einiges über die Preisklasse aus. Hier gibt es alles, vom Zimmer bis hin zur Präsidenten Suite. Die detailverliebte Gestaltung aber ist allen Zimmertypen gemein. Manche verfügen über ein Anschlusszimmer, das für Familien interessant sein dürfte, andere über einen begehbaren Kleiderschrank, der Frauen glücklich macht. Die Präsidenten Suite erstreckt sich sogar über zwei Stockwerke und überzeugt dezent mit Privat-Sauna.
Wir nächtigen in der Junior Suite. Farbgestaltung und Materialwahl sind schwer und samten. Es ist schummrig und gemütlich, was einen schnell zur Ruhe kommen lässt. Das gigantische Kopfteil des Bettes ist über und über mit einem organischen Muster bespannt, das gelagerte Stoffballen darstellt, die wieder das Thema des Hauses als ehemaliges Textil-Messehaus aufnehmen. Besonders hübsch: Die Sitzgruppe aus Sofa und Sessel steht in einem historischen Erker. Es ist, als würde man ein Schloss bewohnen.
Das Bad aus dunklem Marmor und Mosaik macht die Exklusivität des Hauses auf ein Neues deutlich. An den Milchglas-Türen zu Dusche und WC dann wieder das Goethezitat: Sätze aus dem «Frühlingsspaziergang» verhindern Transparenz, wenn Kleidungsstücke fallen.
Das Beste aber sind die Daunendecken und grossen Kissen. Wir schlafen wortwörtlich wie auf Wolken und werden morgens von einer Tageszeitung vor der Zimmertür begrüsst. Wer gleich einen Kaffee zur Lektüre vor dem Frühstück braucht, nutzt die Nespresso-Maschine im Schrank. Wie schon gesagt, George war da.



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Bei einer Hexe brennt stets Feuer unterm Kessel.

Der Wellnessbereich

Inspiration für die Gestaltung der Spa World war Fausts Gang zur Hexe, um sich bei ihr verjüngen zu lassen. Bei einer Hexe brennt stets Feuer unterm Kessel – dass hier zwei Saunen und ein Dampfbad auf den Gast warten, ist also nicht verwunderlich. Wem Entspannung dieser Art nicht reicht, kann Beauty-Anwendungen und Massagen buchen und den separaten Fitnessbereich nutzen. Goldene Säulen unterteilen den steinernen Bereich, das Licht ist stilvoll gesetzt und die Wasserbetten in der Ruhezone lassen einen kaum mehr los.

Brasserie Le Grand

Zu allererst: Wenn der Leipziger etwas kann, dann ist das Wein servieren. In grossen Gläsern. Der Wein war hier schon vor Jahrhunderten Goethes bester Freund. Die Brasserie mit Blick auf entzückende Altbauten ist geschmückt mit grossflächigen Wandbildern, die kunstvoll gestapelte Weingläser zeigen.

Der Kellner ist extrem zuvorkommend. Er bietet zu jedem Gang den perfekten Wein und geht auf alle Wünsche ein. Lieber kein Süsswein zum Dessert? Er hat die Alternative, die man sich unbewusst herbeigesehnt hat.

Wir erhalten ein Überraschungsmenü des Chefkochs und sind schon vom Brot mit Butter und eingelegten Oliven begeistert. Wie kann etwas so Simples so Besonders sein? Der Gruss aus der Küche, ein Kokossüppchen, raubt uns den Atem und wird zum Lieblingsgang. Was folgt, ist Entenleber mit Trüffel und Spargel, danach liegen Ochsenbäckchen auf dem hübsch garnierten Teller. Obwohl wir nun so gar keine Verfechter von Leber sind, schmecken uns die französisch und mediterran inspirierten Kreationen dennoch. Der Wein dazu lässt schliesslich darüber hinwegsehen.

Über 170 Weine stehen dem Liebhaber im Steigenberger zu Verfügung, die auch in der hauseigenen Vinothek erworben werden können. Durchaus eine Überlegung wert.

Lieber kein Süsswein zum Dessert?

Linda Leitner PortraitLinda Leitner (30)
Redakteurin Style Weekly
SI Style

Die deutsche Modejournalistin mag so ziemlich alles, was man in irgendeiner Form konsumieren kann: Sei es gutes Essen, schöne Kleider, Wein, der albern macht oder strahlenden Sonnenschein am See – Und davon besser zu viel als zu wenig. Sie hat in München studiert, zeitweise in Berlin gelebt und erfreut sich nun seit drei Jahren am idyllischen Zürich.

Mein Fazit

Das Steigenberger ist definitiv ein Erlebnis. Wie kleine Kinder haben wir uns über die geräumige Suite, das vorzügliche Essen (den Wein erwähne ich nun nicht nochmal) und Spielereien wie das Audiosystem gefreut, mit dem man den Ton des Fernsehers im Bad mithören kann. Für jemanden, der es sich schlecht ohne Musik duscht, eine wahre Bereicherung. Wer wie wir ausserdem gerne liegt, wird den Spa-Bereich ebenso wie die Hotelbetten lieben. Neben dem Bett fanden wir eine kleine Info-Broschüre zum Kissenhersteller. Es könnte sich in unserem Bett tatsächlich um Anti-Aging Kissen gehandelt haben. Absolut grossartig, ein wahrlich visionärer Service! Alles in allem: Wir hatten ursprünglich vor, nie mehr zu gehen.