Text Linda Leitner, Bild Stephan Lemke (25hours)
In Berlin gibt es zwei Arten von Menschen: Da gibt es die, die gerne früh aufstehen, den Tag mit einem Sonnengruss oder einem ordentlichen Body Pump beginnen, auf dem Markt üppige lila Blumen kaufen, die öffentlichen Verkehrsmittel hassen und alles mit dem Rennrad erledigen und die schönen Dinge des Lebens lieben. Soll heissen, Wert auf Selbstoptimierung und Design legen, Coffee Table Books drapieren und dem Genuss fröhnen, der meist Veganismus und Superfood bedeutet. Die andere Sorte von Menschen feiert einfach gern. Und lang.

Im 25hours Bikini Berlin wird nun jedes Menschlein glücklich. Ein Credo der 25hours Hotelketten ist es schliesslich, den Vibe der jeweiligen Stadt auch in den vier Wänden spürbar werden zu lassen. Sieben Hotels gibt es in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Wien und Zürich und die geben sich je nach Standort cool, nostalgisch oder mondän. Das 25hours Bikini, erschaffen von Designer Werner Aisslinger, ist Berliner Hipness in Reinform. Würde man «hip» an einen Ort gebunden im Duden suchen, es würde auf den Turm im Westen Berlins verweisen. Und das, obwohl es sich direkt an der Touristen-Shoppingmeile, dem Ku`Damm befindet. Ein Ort, den der Berliner Hipster gemeinhin meidet.
Auf der anderen Seite aber erstreckt sich zu seiner Verteidung der Berliner Zoo. Denn das, wonach das Hotel ausserdem schreit, ist: Affenzirkus. Hoch über den Affen- und Elefantengehegen erholt man sich hier vom urbanen Dschungel der hektischen Hauptstadt.


Berlin

25hours Logo Berlin25hours Hotel Bikini Berlin

25hours-hotels.com/bikini

Budapester Strasse 40
10787 Berlin, Deutschland
Tel: +49 30 12 02 21 0
E-Mail: bikini@25hours-hotels.com

Betritt man das Hotel, ist da erstmal keins. Da sind Pflanzen, Räder, ein paar Aufzüge und vermutlich eine Schlange. Nein, keine echte. Eine Menschentraube Normalsterblicher (also Nicht-Hotelgäste), die in den einen Aufzug will, der zur «Monkey Bar» führt. Dazu später mehr.

Zur Rezeption im dritten Stock aber gelangt man über die zwei Aufzüge, zwischen denen der Schriftzug «You need sleep?» prangt. Der feierwütige Tourist fühlt sich da sicherlich angesprochen, verstanden und gut aufgehoben. Eingestiegen dürfte das Partybiest, das dem Ruf der Stadt gerecht werden will, die eine oder andere Substanz der letzten Nacht aber bereuen. Es ist stockdunkel im Lift, wenn sich die Türen schliessen, Affengekreisch und Vögelgeschrei untermalen die Bewegtbilder an den Wänden, auf denen David Bowie, Giraffenfragmente und behütete Hunde gleichermassen skurill an einem vorbeisprudeln.

Die Lobby

Und dann ist es plötzlich ganz entspannt, als beträte man sein Wohnzimmer. Die Wände voller Holzkisten aus denen Grün spriesst, hingewürfelte Sitzgruppen aus bunten, bauchigen Polstermöbeln auf Perserteppichen, riesige Hängematten, dazu die in Berlin obligatorische unverputzte Decken, die groben Beton und Rohre freilegt. Alles bis aufs Detail durchdesignt. Für alle Fälle steht ein DJ-Pult rum, ebenso wie ein Gestell, das mit Wasserflaschen und Handtüchern befüllt und als «Joggingcorner» augeschildert ist. Wie gesagt, es gibt zwei Arten von Menschen in Berlin.

Hinter der Rezeption lächelt die Armee der Affenhüter bereits hilfbereit, man wird geduzt, aufgefordert, Spass zu haben und wenn man Fahrrad oder Mini haben wolle, solle man sich melden. Richtig gehört, Mini – as in Mini Cooper. So einen darf man sich nämlich kostenlos für Spritztouren leihen, auch Tanken ist komplett umsonst. Überall wuseln die jungen, gutaussenden Leute in ihrer Uniform aus Jeanshemd und beiger Hose herum und sorgen dafür, dass es einem an nichts fehlt. Oder man sich nicht verläuft.

Neben der hippen Lounge, den mit Vorhängen umspannten Arbeitsplätzen und den bunten Konferenzräumen, schmückt die Lobby ausserdem eine Art kleiner, offener Concept Store. Wer also nicht gleich von den Damen und Herren im Jeanshemd empfangen werden kann, schlendert durch den «Gestalten Kiosk» und labt sich an Designer-Nippes, lokalem In-Schnaps mit Kronkorken, CoffeeTable Books (here we go) und den Seifen, die man später im Zimmer total cool finden wird.

Weiss glänzend gekachelt thront dahinter die Woodfire Bakery. Neonschrift weist den Weg zu Kaffee aus kleinen Röstereien und verlockend duftenden Patisserie-Schönheiten.
Spaziert man hier mit einem Coffee to go über die Terrasse aus dem Hotel, befindet man sich plötzlich da, wo der Name des Hauses seines Ursprung hat: Auf dem Dach der ziemlich neuen Hipster-Mall namens «Bikini Berlin», die direkt an den Zoo angrenzt. Das Deck ist surreal weitläufig und stets voll mit Staunenden, die ihre Zeigefinger ausstrecken und über die Paviane lachen. Ja, die Affen…



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So steht man da erstmal völlig perplex in seinem Glaskasten.

Die Zimmer

Von denen bekommt man die volle Breitseite, wenn man eines der «Jungle»-Zimmer bucht. Erstmal gehts mit dem Lift hoch in schwindelerregende Höhen, dann betritt man einen Gang, der mit dem Zahlenregen in Matrix locker mithalten könnte. Wieder ist es stockdunkel, einzig und allein die giftgrünen Zimmernummern aus leuchtender Neonschrift erhellen den Weg. Öffnet sich die Zimmertür, stockt einem erstmal der Atem: Die bodenhohe Fensterfront lässt den Wohnraum mit dem Grün des Zoos und des Tiergartens beinahe verschmelzen. Die Aussicht ist gigantisch, Höhenangst sollte man aber besser nicht haben. So steht man da erstmal völlig perplex in seinem Glaskasten und blickt auf die grüne Skyline Berlins und all die kleinen Menschen, die sich unten wie Ameisen um die Affengehege drängeln.

Das Bunt der Lobby findet sich auch in den Zimmern wieder, trifft aber auf ein modernes, offenes Bad mit dunklen Fliesen und begehbarer Regendusche. In mit grünem Neon ausgeleuchteten Nischen steht Shampoo der nachhaltigen Naturkosmetiklinie «Stop the Water while using me», das herrlich nach Rosmarin und Tymian duftet. Wer sich an den Seifen aus den hübschen Flaschen nicht sattriechen kann, der kauft sie unten im Kiosk für Zuhause. In der Toilette ist als einzige Lichtquelle ein Exemplar des Magazins «Reportagen» angestrahlt. Ja doch, alles sehr angenehm.

In den grösseren Zimmern hat man sogar noch mehr Glück: Da hängen Hängematten und es steht ein Schindelhauer-Fahrrad rum. Bucht man ein Zimmer der Kategorie «Urban», wohnt man auch nicht schlecht. Die Ausstattung ist die Gleiche, nur der Blick ist eben ein anderer – ein städtischer. Wer aber eh nur zum Schlafen vorbeikommt, der darf sich durchaus auch mit dem Blick auf die Gedächtniskirche zufrieden geben.

Die Restaurants: Neni Berlin und Monkey Bar

Kommen wir nun zur Schlange unten am Aufzug: Es hat sich rumgesprochen, dass es im 11. Stock des 25hours Bikini Berlins ne ziemlich coole Bar gibt. Das Restaurant daneben ist auch nicht übel. Wer Hausgast ist, ist aber sozusagen VIP und muss nicht mit dem Pöbel unten warten, sondern kann innerhalb des Hauses bequem nach oben fahren. Schliesslich wird das Neni, das abends ein kulinarisches Mosaik aus persischer, russischer, arabischer, spanischer und deutscher Küche serviert, morgens zum beeindruckenden Frühstücksraum. Von allen Seiten verglast, profitiert man wieder von der Rundumsicht auf Kurfürstendamm und Zoo oder sitzt in einem Würfel inmitten des Raumes, der von viel Grün überwachsen an ein Gewächshaus erinnert.

Das Frühstücksbuffet bedient dann wieder den Hipster jeglichen Genres: Frei nach dem Motto «Koriander und Hummus am Morgen vertreiben Kummer und Sorgen» duftet hier zweierlei Currywurst für die Katergeplagten ebenso aus den Keramiktöpfen wie getrocknete Goji Beeren, Leinsamen und frisches Obst für die Körperbewussten aus den handbemalten Schälchen. Sowohl sport- als auch feierfreundlich (falls man überhaupt schon aus dem Berghain raus ist) sind die Öffnungzeiten: Bis halb zwölf lässt es sich schlemmen und nebenbei dem Ausblick frönen.

Bis halb zwölf lässt es sich schlemmen und nebenbei dem Ausblick frönen.

Man ist dem Himmel ja eh schon so nah.

Wenns um die benachbarte Monkey Bar geht, dann muss die Autorin an dieser Stelle persönlich und nostalgisch werden. Obwohl die Bar mal wieder die Affen preist, sind die nur bei Regen interessant. Die beobachtet man drin, auf bunten Kissen sitzend hinter der Glaswand.

Das Optimalszenario vergangenen Sommers war nämlich folgendes: Am frühen Abend erscheinen, einen Platz auf den Bänken des schmalen Balkons mit Blick auf die monumentale und halb zerstörte Gedächtniskirche ergattern und sich eine Etagere mit Dreierlei Hummus teilen. Zu normalem Hummus gesellt sich Mango- und Rote Bete Hummus, die Süsskartoffelpommes sind ebenso herrlich. Wenn man dann noch mit einem «Spicy Basil Gin Tonic» nachspült und sich im lauen Sommerwind klirrend zuprostet, schwebt man schon fast auf Wolke Sieben. Man ist dem Himmel ja eh schon so nah.

Mein Fazit
Der Spruch mag abgedroschen klingen, aber: Das 25hours Bikini Berlin ist nicht einfach nur ein Hotel, sondern aussergewöhnliches Entertainment. Es überrascht und könnte Berlin in seiner Vielfalt kaum besser repräsentieren.

Man betritt das Hotel und will da eigentlich gar nicht mehr raus, zu gut kann man hier abhängen. Am liebsten würde man den ganzen Tag im Kingsize Bett liegen und Affen gaffen. Und wer kann schon behaupten, sich mitten in einer der grössten Städte der Welt von der Sonne wachkitzeln zu lassen und mit dem ersten Augenaufschlag ins weite Grün zu blicken? Öffnet man nachts das schmale Fenster der verglasten Front, wacht man sogar mit dem Brunftgeschrei der Affen auf.

Und fängt es an zu stürmen, ist die Stimmung im Glaskasten umso magischer. In der offenen, begehbaren Dusche fühlt man sich ein bisschen, als befände man sich in einem Baumhaus mitten im Regenwald. Die Wasserperlen laufen wie ein Schauer über den Körper und die grünen Baumwipfel Berlins liegen satt leuchtend vor einem.

Der einzige Wermutstropfen: Die «Jungle Sauna» inklusive Gym mit Blick auf die Affen kostet 10 Euro Aufpreis. Das ist natürlich nicht die Welt, ist aber anhand der Tatsache, das Fahrrad- und Miniverleih kostenlos sind, nicht ganz nachvollziehbar.
Dennoch, in diesem Sinne: Welcome to the jungle!

Linda Leitner PortraitLinda Leitner (30)
Redakteurin Style Weekly
SI Style

Die deutsche Modejournalistin mag so ziemlich alles, was man in irgendeiner Form konsumieren kann: Sei es gutes Essen, schöne Kleider, Wein, der albern macht oder strahlenden Sonnenschein am See – Und davon besser zu viel als zu wenig. Sie hat in München studiert, zeitweise in Berlin gelebt und erfreut sich nun seit drei Jahren am idyllischen Zürich.