Text & Bild Walter Schärer
In Züri West im Kreis 5 fängt mit dem Eisenbahnviadukt das quirlige Zürcher Trendquartier an. Mit immer neuen Wohnungen, Hotels und Restaurants drängt es im Westen schon bald bis zur Autobahnauffahrt, während im Süden mit den SBB-Geleisen und im Norden mit der Limmat scharfe Grenzen gesetzt sind. Innerhalb dieses Perimeters mutiert das vormalige Industriequartier in atemberaubendem Tempo zum neuen Stadtteil. Hier ein paar Eckpunkte.

Wer im Quartier nur kurz innehält, kann praktisch zusehen, wie die Hochhäuser hochgezogen werden. Seien es Schulen, Hotels oder Luxuswohnungen: Die Kräne scheinen sich ihre Kreise zu stören während sie ihre Ladungen trotzdem punktgenau an den Mann bringen. Und wenn eines baldigen Tages alles steht, kommt dann noch die Aufstockung des Swissmill Getreidesilos auf 118 Meter dazu. Er wird aber nur eine Spitze von vielen sein, thronen in der Nähe doch gleich weitere Kolosse wie der Löwenbräu-Turm oder Prime Tower (126 Meter) und der Mobimo Tower (80 Meter).


Zürich

Das neue Tor von Zürich.

Die Hardbrücke

Die mit über 1.3 Kilometern Länge als Hochstrasse konzipierte und von 2009 bis 2011 aufwändig sanierte Hardbrücke teilt das Westend gegen Osten in ein «altes» Quartier mit vergleichsweise kleinteiligen Strukturen und dem damals etwas «exotischen» Steinfels Areal, wo heute das Cinemax und Tele Züri untergebracht sind. Und im Turm natürlich Starfotograf Alberto Venzago.

Gegen Westen entstanden anstelle der grossen Schiffsmotorenhallen der Escher Wyss oder Maag Zahnräder zuerst die grossmassstäblichen Puls 5 und Technopark, bevor mit Prime Tower, Mobimo Tower, Zürcher Hochschule der Künste weitere Kolosse gen Himmel strebten. Zusammen mit dem Hochhaus Migros Herdern bildet heute der Hard Turm Park das neue Tor von Zürich.

Hochhaus-Hotels

Dem Zeitgeist folgend haben sich in den neuen Türmen Hotelketten wie Renaissance, Sheraton oder das trendige 25hours hochgelassen. Letzteres besticht übrigens nicht nur mit farbenfrohem Dekor, sondern einem der grösseren Frühstücksbuffets überhaupt: Morgens werden über die gesamte Bar Köstlichkeiten dargeboten, dass es sich gewaschen hat! Wer in Zürich keinen der begehrten Brunch-Plätze ergattern konnte, kann immer noch ins 25hours ausweichen…

Wer früh aufsteht – oder rechtzeitig reserviert, kann sich aber allenfalls noch ein Plätzchen am Cheminée des Ambrosi sichern. Auch dessen Sonntagsbrunch-Buffet lässt keine Wünsche offen. Und wer hoch hinaus will, versucht es natürlich im Clouds, dem «Dachrestaurant» des Prime Towers.

Und noch mehr Frühstücks-Tipps von Zürich gibt es hier: Die besten Orte zum z’Mörgele und Brunchen in Zürich.

Und wer hoch hinaus will, versucht es natürlich im Clouds.

An Clubs ist die Gegend kaum zu überbieten.

Restaurants, Bars und Clubs

Und damit komme ich ohne weiteres Federlesen zu Pudels Kern, den Restaurants und Bars des Ausgehviertels: Mit Les Halles und LaSalle stehen die beiden Extreme nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Die Halles an der Pfingstweidstrasse 6 erinnern an ein Pariser Tohuwabohu und wie ihre Homepage treffend formuliert, wirkt das Bistro/Markthalle/Mezze/Pintxos-Bar/Velobörse wie ein «zuckendes Nervensystem, das jeden Abend zu kollabieren droht». Die Moules mit Frites sind übrigens der Hammer, aber ohne Reservation sind sie fast nicht zu haben.

Umgekehrt das LaSalle im Schiffbau: Hier wirkt gläserne Eleganz im Backsteinchic der vormaligen Industriehalle. Die Preise sind entsprechend erhöht, was dem grossen Besucherandrang überhaupt keinen Abbruch tut. Soviel zum Thema Krise.

Daneben sollte man weitere Urgesteine des Quartiers testen wie den «Mexikaner» Don Weber, den «Schweizer» Studers, den Restaurant-Buchladen Sphères, die «Asiaten» Angkor und Ly‘s, den «Italiener» Rosso, den «Spanier» Costa Brava, Ambrosi und Aubrey dreier junger Trendgastronomen, das Equinox des Renaissance Hotels, die Markthalle im Viadukt und nicht zuletzt Frau Gerolds Garten, alle im Schatten des Prime Towers. Und selbstverständlich gibt es noch viele mehr und immer mal wieder ein paar Neue. Vorbeikommen lohnt sich!

An Clubs ist die Gegend natürlich auch kaum zu überbieten. Stellvertretend seien nur mal genannt der Supermarket, Labor-Bar, Hard One, Alice Choo (vormals Indochine), Hive, Härterei und so. Samstagabends ab 23 Uhr beginnt der Stossverkehr, da ist unter der Hardbrücke kaum noch ein Parkplatz auszumachen.

Der Viadukt

Der Bahnviadukt entwickelt sich immer mehr zur Einkaufs- und Kulturmeile. Stylish eingerichtete Läden reihen sich hier an die Markthalle mit ihren Essständen, Spezialitätenläden und eigenem Restaurant. Keystone organisiert in ihrem Fotoatelier «Westflügel» regelmässig Apéros für Fotografieinteressierte und am Ende der «Perlenkette» reiht sich der Coworking Impact Hub ein.

Zwischen Viadukt und Prime Tower ragt ein weiteres «Hochhaus» in den Himmel: Der Container-Tower beherbergt die legendären Freitag-Taschen aus vormaligen Lastwagen-Blachen. Auf dem obersten Container ist eine Aussichtsplattform mit Fernglas eingerichtet, die Kletterei lohnt sich!

Die Kletterei lohnt sich!

Portrait Walter SchärerWalter Schärer

reisememo.ch

Walter Schärer bloggt zusammen mit Katja Birrer auf Reisememo.ch. Er reist gerne – ob fern oder nah – ist genauso leidenschaftlicher Golfer wie Taucher und passionierter Fotograf.

Gentrifizierung – Verdrängung ärmerer Schichten

Gemäss Datenblog des Tagesanzeigers fiel der Ausländeranteil um die Jahrtausendwende im Westend in nur 5 Jahren von 44 auf 26 Prozent, weil immer mehr Schweizer aus teureren Quartieren wie dem Seefeld oder der Enge herzogen. Inzwischen steigt der Ausländeranteil wieder, weil die Mieten steigen und gut verdienende Deutsche ins Trendquartier ziehen. Um den Escher Wyss Platz stellen sie mit 11.5 Prozent mit Abstand die grösste Ausländergruppe, gefolgt von Italienern mit 3.1 Prozent und Franzosen mit 1.4 Prozent.