4 Räder, 8 Pfoten


Text & Bild Michel und Ursula Buchs
Ein tierisches Abenteuer durch die Amerikas
. Seit Mai 2012 bereisen Michel und Ursula Buchs Nord-, Zentral- und Südamerika in ihrem Toyota HZJ75. Mit von der Partie: die 13-jährige, gutmütige Sheelah, ein Golden Retriever- Bernersennenmischling, und Miro, ein energiegeladener 11-jähriger Sennenmix.

Im Vorfeld dieser Langzeitreise fehlte ihnen vorallem eines: gute Infos zum Reisen mit Hund. Hier erzählen sie über die Hürden und Freuden am Weltenbummeln mit Vierbeinern.




Amerikas

Unsere Hunde daheim lassen? Niemals!

1 | Der Hundepass

Nachdem der Entschluss zur Langzeitreise zu Viert gefällt ist, wälzen wir uns durch den Dschungel der Hundebürokratie. Erste Auflage: das Tier braucht einen Pass. Leider gibt es nach wie vor nur sehr spärliche Informationen zu Fernreisen mit Vierbeinern, sowohl im Netz, als auch anderswo. Da wir schon oft mit unseren Hunden in Europa unterwegs waren, besitzen Beide immerhin bereits einen Hundereisepass.

2 | Mit Hunden reisen, macht das Sinn?

In der Praxis unseres Vertrauens deponiere ich unsere Absichten, worauf einer der Tierärtze lediglich meint: „Letztes Jahr betreuten wir ein Ehepaar, welches mit zwei Hunden nach Afrika fuhr, wie ihr, mit dem eigenen Fahrzeug. Beide Hunde sind aber unterwegs an Krankheiten gestorben, wir konnten aus der Ferne nichts für sie tun.”

Nicht wirklich ermutigend. Aber unsere Hunde daheim lassen? Niemals! Wir stellen uns die Frage, ob wir es in den Amerikas nicht dennoch wagen können, vermuten und hoffen, dass es auch in der Fremde gute Tierärzte und moderne Medizin gibt. 


3 | Den Hunde Mikrochip überprüfen

Nächster Stolperstein: Das Formular zur Wiedereinfuhr von Haustieren ins Herkunftsland aus einem Tollwutrisikoland gemäss der Richtlinien des BVET (Bundesamt für Veterinärwesen). Aber noch vorher: Kontrolle, ob die Daten auf dem Mikrochip wirklich mit dem eigenen Hund übereinstimmen.

Dazu gebe ich auf der Internetseite von ANIS das Kennzeichen unserer Hunde ein. Tatsächlich: Miros Chip lautet auf einen kleinen Schnauzerrüden namens Rudi, hübsch, aber nicht so hübsch, als dass wir das nicht geändert hätten haben wollen. Als wir den hübschen Tricolorrüden 2007 mit 3 Jahren übernahmen, gingen wir davon aus, dass ein Mikrochip sich nicht irren kann – falsch gedacht!

Also müssen wir einen schriftlichen Antrag stellen, um die Eckdaten anpassen zu lassen. Gehörte der Hund – wie eben unser Miro – vorher jemand Anderem, muss zudem ein Besitzerwechsel beantragt werden. Dies kann auch nicht mündlich geschehen, sondern muss schriftlich eingereicht werden. 
Erst danach können wir obengenanntes Formular zur Wiedereinfuhr ausfüllen.

Wir gingen davon aus, dass ein Mikrochip sich nicht irren kann – falsch gedacht!

Man riskiert, den Hund am Flughafen abgeben zu müssen.

4 | Wiedereinfuhr eines Hundes aus einem Tollwutrisikoland

Für die Wiedereinreise aus einem Tollwutrisikoland, benötigt man den Nachweis einer Blut-Titer-Bestimmung durch ein EU-anerkanntes Labor. Auf der Homepage des BVET findet man unter anderem eine Liste mit Ländern, die als tollwutfrei gelten, und welche eben nicht. Wird dies nicht vorgängig erledigt, riskiert man, den Hund am Flughafen abgeben zu müssen. Sicher ist sicher, wir wissen ja schliesslich nicht zu 100 %, woher wir dann wieder in die Schweiz einreisen.

5 | Hundeboxen

Gesagt, gewagt: Wir packen die Koffer
. Wesentlich weniger aufwändiger gestaltet sich da das Gewöhnen an die Hundeboxen. Mit viel Enthusiasmus quetschen wir Zweibeiner uns zumindest zur Hälfte in die Box, um Sheelah und Miro Gesellschaft zu leisten. Oft reicht es, etwas Leckeres in die hinterste Ecke zu legen, Prinzip Mausefalle, und nach dem Befehl zum Hinlegen die Gittertür langsam zu schliessen.

6 | Allerlei Vorbereitungen für eine Reise mit Hunden

Nein, langweilig wird uns während der Vorbereitungsphase nie: Was soll in die Tierapotheke, welche Krankheiten gilt es zu kennen, welche Spielzeuge machen Sinn und lasten bei jedem Wetter aus, welche Art Decken sollen wir kaufen, welche Kräuterpulver besorgen wir als Ergänzung, welche Parks verbieten bzw. erlauben Hunde, welche Fluggesellschaft ist zuverlässig beim Transport von Tieren – solche und viele andere Fragen plagen uns fast mehr als diejenigen, um unser eigenes Gepäck.


Mit viel Enthusiasmus quetschen wir Zweibeiner uns zumindest zur Hälfte in die Box.

Kanada entpuppt sich in Windeseile zum Traumland für Hundehalter.

7 | Die Reise mit unseren Hunden geht los

Bei Condor kaufen wir Direktflüge von Frankfurt nach Halifax und am 8. Mai 2012 wird es ernst: Nach 7 Stunden Flugzeit erreichen wir kanadischen Boden und nach dem Vorzeigen der Hundepässe mit den vorgeschriebenen Impfungen und dem Entrichten einer kleinen Gebühr dürfen wir den Flughafen verlassen.

8 | Kanada – Ein perfektes Land um mit Hunden zu bereisen

Kanada entpuppt sich in Windeseile zum Traumland für Hundehalter. Freie Natur, weite Ländereien, saftige Wälder, spiegelglatte Seen, klare Flüsse und wie sich herausstellen soll, eine der hundefreundlichsten Nationen der Amerikas. Von allen Seiten werden die Zwei begrüsst, gestreichelt, gehätschelt: ‚Oh, wie süss die Kleine ist!‘ Das hört Sheelah natürlich gern und wedelt umso heftiger mit ihrem buschigen Schwanz und setzt noch einen drauf beim Wimpernklimpern.

Die Masche funktioniert natürlich immer. Alle werden sie schwach und bleiben kraulend noch eine Minute länger stehen. Nicht selten haben die Menschen sogar ein Leckerli in der Tasche, das dann genüsslich verschlungen wird.

9 | Gefahren für Hunde

Doch es ist auch Vorsicht geboten im hohen Norden, denn es lauern Gefahren in Kanadas Wäldern: Bären, Wölfe und vorallem Kojoten. Letztere haben eine fiese Jagdtechnik: Ein Kojote nähert sich der Beute und signalisert ‚Spiel mit mir‘ oder ‚Renn mir nach‘, und wenn die Beute, in unserem Fall der Hund, das macht, wartet das Kojotenrudel hinter dem nächsten Hügel und macht kurzen Prozess mit dem Canis familiaris.

Weil wir meistens in der freien Natur übernachten, gewöhnen wir uns sehr schnell an, die Hunde deshalb an der langen Leine am Auto zu befestigen, so auch, als bei den Spray Lakes oberhalb von Canmore genau ein solcher Kojote auftaucht und wieder verschwindet, als er merkt, dass es nichts zu holen gibt. Kaum eine halbe Minute später heult das gesamte Rudel unisono auf und macht seinem Ärger Luft. Glück gehabt!

Es lauern Gefahren in Kanadas Wäldern: Bären, Wölfe und vorallem Kojoten.

Auch sonst sind Hunde fast überall verboten.

10 | Hunde sind in Nationalparks nicht willkommen

Auf die USA hatten wir uns schon lange gefreut. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es mit Hunden nicht möglich ist, die Nationalparks ausgiebig zu besuchen. Im Zion NP zum Beispiel führt der einzige hundefreundliche Weg in einem mehr oder weniger grosszügigen Kreis um das Besucherzentrum. Auch sonst sind Hunde fast überall verboten. So erfinden die Amis immer wieder Kreationen wie Hundeparks, Hundesalons, Hundehotels, Hundebäckereien und Hundestrände.

11 | Die Hundeleine? Nicht nötig.

Am Besten gefällt uns der Hundestrand in Santa Cruz. Bevor man über eine Holztreppe die Klippe hinabsteigt, prangt ein mächtiges Schild: ‚Hunde müssen angeleint sein‘. Kaum tut man den nächsten Schritt, eröffnet sich das Panorama über besagten Hundestrand. Wir erblicken mindestens 50 Hunde, die wie die Wilden – ohne Leine – im Sand tollen. Kein einziger Hund ist an der Leine, wir schauen einander an, grinsen, und lassen unsere Beiden auch los. Ein Paradies!

Die folgenden zwei Stunden gehören ganz den Vierbeinern und sind etwas vom Lustigsten was wir je gesehen haben – Hund und Tierfreund befinden sich hier in einer ganz anderen Welt.


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12 | Mit Hunden nach Zentralamerika

Nach neun Monaten im englischsprachigen Nordamerika eröffnet sich mit dem Grenzübertritt nach Mexiko dann das Mysterium Lasteinamerika. Schlagartig ändert sich die Einstellung der Einheimischen. Hier sind Misstrauen, Hunger, Schläge und Angst an der Tagesordnung. So offen und herzlich die Menschen mit uns umgehen, so skeptisch sind sie gegenüber Hunden.

Leinen wir Sheelah und Miro am Auto an, haben wir unseren Frieden, niemand will uns Getränke, Chips, Früchte oder Lottolose andrehen, alle wahren Distanz. Tendenziell bleibt das mit wenigen Ausnahmen auf der ganzen folgenden Reise durch Zentral- und Südamerika so.

Alle wahren Distanz.

Wir schwimmen gemeinsam in den berühmten mexikanischen Cenoten.

13 | Mit Hunden Reisen – so macht’s Spass

Zu unserem Erstaunen aber sind Hunde nicht wie befürchtet vielerorts verboten, nein, im Gegenteil: Wir erklimmen gemeinsam Ruinen, besteigen Vulkane, schwimmen in den berühmten mexikanischen Cenoten, fahren Boot, bestaunen Gletscher- und Lagunenlandschaften, buddeln im Sand und spazieren auf endlos scheinenden Salzseen.

Fast alles ist möglich oder zumindest diskutierbar, wenn man als Hundehalter bereit ist, auf viele der gängigen Touristenattraktionen entweder zu verzichten, sich zu beeilen oder wo möglich, den Hund jemandem in Obhut zu geben.

Zum Beispiel in Costa Rica, dem Tierparadies schlechthin, sind Hunde in den Nationalparks verboten. Die Parkwächter und Führer aber sind fast ausnahmslos extrem freundliche Menschen und bieten uns immer an, auf unsere zwei Racker aufzupassen. Vertrauen muss man haben, und wenn das Bauchgefühl stimmt, gehen wir solche Abmachungen immer ein, oftmals werden wir danach sogar noch zu Kaffee und Früchten eingeladen. 


14 | Wir bereisen Südamerika mit unseren Hunden

Spulen wir ein Jahr nach vorne befinden wir uns bereits tief in Südamerika, in Argentinien und Chile. Hier, in den zwei südlichsten Ländern unserer Reise weht ein anderer Wind: Hunde sind in den meisten Parks strengstens verboten, in Chile dürfen sie nicht einmal im Auto mit reinfahren, die Parkwächter kennen keine Gnade.

15 | Chile und Argentinien mit Hunden bereisen ist nicht leicht

Ein Wermutstropfen nach so langer Zeit unterwegs zu Viert und ein wirklich mühsamer Umstand. Wir fragen jeweild in den Besucherzentren nach, welche Campingplätze in den Parks Hunde erlauben und können so trotzdem die eine oder andere kurze Wanderung unternehmen. Wo immer möglich bewegen wir uns ausserhalb der Parkgrenzen, verbringen viel Zeit am Meer und an den Seen.



16 | Reisen mit Hunden – unser Fazit

Wir sind uns bewusst, dass diese Reise für die Hunde anstrengend, riskant und strapaziös war. Beide Hunde waren nicht mehr die Jüngsten, und wir mussten damit rechnen, dass wir nicht mehr zu Viert heimkehren.

Statt die üblichen Attraktionen zu besuchen, bauten wir Tag für Tag die Reise um die Hunde auf, durften aber gemeinsam eine unvergesslich schöne Zeit verbringen.

Die Grenzformalitäten waren ausser in Argentinen und Chile überall im Handumdrehen erledigt und gutes Futter wie auch Fleisch war leicht zu bekommen. Tierärzte gab es viele, in allen Preis- und Kompetenzklassen und der Hitze konnten wir ausweichen. Während es in Yucatan auf die 40 Grad Celsius zuging, lief die Klimaanlage auf Hochtouren oder wir verschoben das Camp ans Wasser. Ein Glück war, dass wir Zentralamerika in der kühleren Regenzeit, mit wenig Regen, bereisten. Einzig im kleinen El Salvador goss es ein paar Tage wie aus Eimern.

Waren die Nächte im südamerikanischen Hochland zu kalt, warfen wir die Heizung an. Irgendwann unterwegs gewöhnten wir uns auch an den Alltag zu Viert auf kleinstem Raum.

Wir verbringen viel Zeit am Meer und an den Seen.



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pawsontour.com

Michel und Ursi bereisen seit drei Jahren die Amerikas – vom Yukon bis nach Feuerland. Mit dabei ihre zwei Hunde: Sheelah und Miro.

17 | Reisen mit Hunden – ist es zu empfehlen?


Ob wir das Reisen mit Hund weiterempfehlen? Wer bereit ist, einen zusätzlichen Zeitaufwand auf sich zu nehmen, sich vorallem unbekanntere Naturschönheiten anzuschauen, das Reisetempo drastisch zu drosseln, in bestimmten Ländern auf ausgedehnte Nationalparkbesuche zu verzichten, die Grosstadtbesichtigungen einzuschränken, sich darauf einzustellen, dass hier alles länger dauert und sich meist auch komplizierter gestaltet, dem sei das Reisen mit Hund wärmstens ans Herz gelegt.

Wir haben die Entscheidung zu Viert loszuziehen nicht bereut, sondern genossen die gemeinsame Zeit in vollen Zügen. Unsere vierbeinigen Reisegefährten forderten und gaben uns so viel, verlangsamten unser Reisetempo, verbanden uns mit Gleichgesinnten und bauten Brücken, wo unsere Kommunikation an Grenzen stiess – sie waren ein unglaublich wertvoller Joker im Reisegepäck.