Der Naturfotograf

Text Martin Hoch, Bild Lorenz Andreas Fischer
Fotograf – dieser Beruf klingt für viele nach einem Traum. Der Schweizer Lorenz Andreas Fischer, ein studierter Biologe, hat diesen umgesetzt und reist für seine Bilder um die Welt. Tier- und Landschaftsaufnahmen sind sein Spezialgebiet – die Alpen sind genauso sein Revier, wie die Wildnis Afrikas. Für seine fotografischen Arbeiten wurde er mitunter 2006 ausgezeichnet: als europäischer Naturfotograf des Jahres beim Wildlife Photographer of the Year.

Für Nikon Travel wird Lorenz Andreas Fischer, der auch als Nikon Ambassador tätig ist, Fotografiereisen nach Namibia und Sambia mitorganisieren, begleiten und sein Know-how an fotobegeisterte Amateure weitergeben. Dazu und zu seiner Afrika-Leidenschaft beantwortete er uns einige Fragen – spannende Einsichten zu einem Kontinenten und das Leben eines Fotografen.

GS: Was ist das für ein Gefühl, wenn man sich mit der Kamera wenige Meter vor einer Raubkatze befindet?

Lorenz Andreas Fischer: Ich mag mich noch gut an meine ersten Gehversuche in Afrika erinnern: Das war extrem atemberaubend – man schaut aus dem Fahrzeug, das Fenster ist komplett offen und diese riesigen Löwen sind gerade mal drei Meter von einem entfernt. Da kommt natürlich schnell auch der Gedanke: Es wäre für diese Tiere doch ein leichtes, in das Fahrzeug rein zu springen.


Namibia & Sambia
Lorenz-Fischer-Nikon-PortraitLorenz Andreas Fischer

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Der international anerkannte und preisgekrönte Natur- und Landschaftsfotograf mag das Experimentieren mit extremen Lichtstimmungen. Der Luzerner hält ein Master Degree in Biologie und ist Herausgeber von ausdrucksstarken Bildbänden. Als Nikon Ambassador organisiert er zudem Fotografiereisen – aktuell nach Sambia und Namibia.

Fotografie auf Safari

GS: Aber in Tat und Wahrheit ist dies gefahrlos möglich?

Lorenz Andreas Fischer: Ja und es wird im ganzen Safari-Tourismus in Afrika so gehandhabt. Tiere verhalten sich Menschen gegenüber, die in einem Fahrzeug sitzen, ganz anders, als Menschen, die zu Fuss unterwegs sind.

GS: Ein etwas mulmiges Gefühl bleibt aber trotzdem?

Lorenz Andreas Fischer: Nein, das legt sich schnell. Ich persönlich arbeite fotografisch sogar lieber mit wilden Tieren als mit Haustieren, denn sie geben dir eindeutige Signale. Sie kennen dich nicht, du bist für sie ein Fremder – kommst du ihnen zu nahe, zeigen sie dir das klar.

GS: Aber du fotografierst auch ausserhalb des Fahrzeugs?

Lorenz Andreas Fischer: Ja, das ist dann die nächste Stufe und dabei wird es schon etwas «sportlicher».

GS: Passiert es da auch, dass man teilweise etwas die Hemmungen verliert, dem Foto zu liebe etwas näher ran geht, also man sollte?

Lorenz Andreas Fischer: Nein, der gesunde Menschenverstand und vor allem der Respekt vor den Tieren verhindern dies. Es ist aber so, dass wenn man viel Zeit mit einem Tier verbringt, es einen unter Umständen auch ziemlich nahe zu sich heranlässt. Aber ein Foto um jeden Preis, das erzwinge ich nie.

Namibia – Landschaften und Tierwelt

GS: Welches Land in Afrika hat dich bisher am meisten begeistert?

Lorenz Andreas Fischer: Das wäre wohl Botswana – dies aus dem einfachen Grund, weil ich hier die afrikanische Savanne zum ersten Mal erleben durfte. Das war 1998 – damals noch mit einer analogen Spiegelreflexkamera und die Batterien des GPS-Geräts hielten gerade mal für eine einzige Peilung, danach war jeweils Schluss. Es war ein beeindruckendes Erlebnis: Wir beobachteten die Elefanten und Büffel wochenlang, hatten viel Zeit um uns der Fotografie zu widmen.

GS: Was fasziniert dich an Namibia?

Lorenz Andreas Fischer: Namibia ist landschaftlich eine Wucht. Da ich selber den Hang zur reduzierten Fotografie habe, kommt mir Namibia mit den Wüstenlandschaften entgegen – die Gegend dort ist von klaren Formen, Farben und Strukturen geprägt. Aber mit dem Etosha Nationalpark und anderen, weniger bekannten Parks, bietet sich dem Besucher auch eine riesige Tierwelt. Namibia besitzt beides: eine prächtige Tierwelt und sehr schöne Landschaften.

GS: Wie ist das Licht im südlichen Afrika – anders als in Zentraleuropa?

Lorenz Andreas Fischer: Grundsätzlich sind die Lichtverhältnis stark von den Jahreszeiten abhängig. Im Winter trifft man auf einen stahlblauen Himmel mit kristallklarem Licht und einer extremen Fernsicht. Am Morgen früh, wenn die Sonne aufgeht, leuchtet der Himmel für kurze Zeit in einem extrem rot-orangen Licht – wahnsinnig faszinierend. Mir persönlich gefällt aber die Regenzeit besser, dann herrscht ein diffuses Licht mit dem ich sehr gerne arbeite.

Eine prächtige Tierwelt und sehr schöne Landschaften.

Die Herausforderungen bei der Tierfotografie

GS: Was ist die grösste Herausforderung beim Fotografieren auf einer Safari – speziell in der Tierfotografie?

Lorenz Andreas Fischer: Das schwerste ist wohl, jeweils die Tiere überhaupt zu finden.

GS: Die laufen einem nicht ständig vor die Linse?

Lorenz Andreas Fischer: Überhaupt nicht. Deshalb ist die Trockenzeit bei Reisenden auch sehr beliebt: Das Land ist ausgetrocknet und die Tiere versammeln sich notgedrungen vor den verbleibenden Wasserlöchern. Das vereinfacht das Auffinden der Tiere natürlich erheblich – findet man ein Wasserloch, trifft man früher oder später auf Tiere. Solche Orte wurden aber auch schon tausendfach abfotografiert. Mich reizen natürlich die anderen Orte – das ist dann aber oft Knochenarbeit. Auf der letzten Fotoreise waren wir mit Fährtenlesern unterwegs. Es war beeindruckend, wie präzise die einen zu den Tieren heranführen konnten.

GS: Wer begleitet euch bei den Nikon Fotoreisen, die ihr in Namibia und Sambia durchführt?

Lorenz Andreas Fischer: Bei den Nikon Fotoreisen haben wir jeweils sehr gut ausgebildete Safari-Guides mit dabei, die kennen jedes Tier mit Vor- und Nachnamen. In Namibia besuchen wir mitunter auch jeweils das Robbenreservat «Cape Cross», da leben über 250’000 Robben. Eine vor die Linse zu kriegen ist da kein Problem.

GS: 250’000 Robben – da muss es gewaltig stinken?

Lorenz Andreas Fischer: Bestialisch! Vor allem stinkt es nicht nur wenn man dort ist – der Gestank bleibt auch nachhaltig in den Kleider hängen, erst nach ein paar Tagen ist man ihn wieder los.

GS: Zusammen mit Nikon bietest du Reisen nach Namibia und Sambia an – was sind die minimalen Anforderungen an die fotografischen Fertigkeiten der Teilnehmer?

Lorenz Andreas Fischer: Grundsätzlich gilt: Je besser ein Teilnehmer seine Kamera bereits vor der Reise beherrscht, desto mehr wird er profitieren. Doch auch mit wenig Kenntnissen sind Teilnehmer bei uns gut aufgehoben: Wir helfen bei technischen Fragen und vermitteln ihnen, wie sie gute Fotos schiessen können. Die Idee bei den Nikon Fotoreisen ist, dass ausgewiesene Experten die Teilnehmer an Orte mitnehmen, die sie aus eigenen Erfahrungen und Projekten sehr gut kennen – davon profitieren sie in grossem Masse.

GS: Und wer ist euer Zielpublikum?

Lorenz Andreas Fischer: Fotografiebegeisterte Menschen – in meinem Fall sind es solche, die sich für die Naturfotografie interessieren. Meist haben sie auch eine spezielle Affinität zu Afrika. Es sind Menschen, die ein Top-Produkt suchen. Sie möchten die besten Orte mit einer bestmöglichen, professionellen Beratung erhalten.

Mich reizen natürlich die anderen Orte – das ist dann aber oft Knochenarbeit.

Wir fotografieren die Raubkatzen beim sprinten.

Safarifotografie – gut gerüstet sein

GS: Was ist der Benefit, wenn man die Reise mit dir als Foto-Guide mitmacht, anstatt alleine mit der Kamera auf eine Safari zu gehen? Die Preise der Nikon Fotoreisen sind doch stattlich?

Lorenz Andreas Fischer: Auf einer regulären Safari ist man einer unter vielen – die anderen Reisenden werden höchstwahrscheinlich deine überdurchschnittliche Begeisterung für die Fotografie nicht teilen. Keiner möchte da jeweils auf dich warten. Bei regulären Safaris beträgt die durchschnittliche Verweildauer bei einem Löwen sieben Minuten – auf Fotografen wird wenig Rücksicht genommen. Bei den Nikon Fotoreisen wiederum geht es ausschliesslich um die Fotografie. Treffen wir auf ein spannendes Motiv, verbringen wir da auch gut mal zwei Stunden oder auch mehr. Zudem sind alle Fotografen, die bei Nikon Travel als Reiseleiter tätig sind, international anerkannt und geben ihr Wissen gerne weiter. Noch ein Plus: Nikon unterstützt die Teilnehmer auch Materialtechnisch. Den Teilnehmern werden für die Reisen nach Wunsch und Verfügbarkeit verschiedenste Objektive zur Verfügung gestellt. Es macht Spass, auch mal ein anderes Objektiv zu testen. Der Materialbedarf wird bei einem Vorbereitungstreffen geklärt.

GS: Was darf an Fotografie Equipment nicht fehlen, wenn du auf Safari gehst?

Lorenz Andreas Fischer: Das Problem ist viel mehr: Man braucht alles. Speziell in Namibia, denn da braucht es für die Landschaftsaufnahmen Weitwinkelobjektive und bei der Tierfotografie wiederum ist man froh um jedes Teleobjektiv, das man zur Verfügung hat. Speziell bei der Landschaftsfotografie oder bei Nachtaufnahmen ist ein gutes, stabiles Stativ unabdingbar. Bei der Nikon Fotoreise nach Namibia besuchen wir ein Gepardenschutzgebiet, wir fotografieren die Raubkatzen beim sprinten. Auch hier ist es von Vorteil das Teleobjektiv auf einem Stativ zu montieren.

GS: In Namibia fotografiert ihr mitunter auch in der Wüste. Wie schützt man in einer solchen Umgebung die Kamera vor dem feinen Sand?

Lorenz Andreas Fischer: Das oberste Gebot ist: Wenig Objektivwechsel. Gerade wenn es stark windet, kommt aber immer etwas Sand rein – da kann man wenig dagegen tun. Beim Transport ist sicherlich eine gute Tasche von Vorteil.

GS: Welches ist generell, abgesehen von der Safari-Fotografie, dein liebstes Objektiv?

Lorenz Andreas Fischer: Das 24-70mm f/2.8G ED AF-S Nikkor.

Die Menschen Afrikas

GS: Du bist von der Tierwelt und den Landschaften des südlichen Afrikas begeistert – wie erlebst du die Menschen?

Lorenz Andreas Fischer: Bei meinen Projekten fotografierte ich viele Menschen. Ich produzierte eine Reportage über Buschmenschen. Verbrachte einige Zeit mit diesen Menschen – sie sind sehr liebenswert und offen. Einzig mit der Kommunikation war es oft schwierig, wobei wir stets einen Dolmetscher dabei hatten. Die junge Generation spricht aber inzwischen auch vermehrt Englisch.

GS: Schlechte Erfahrung hast du nie gemacht?

Lorenz Andreas Fischer: Doch diese gab es auch: Wir verbrachten einen Monat bei traditionellen Fischern in einem Sumpfgebiet, fotografierten dort Landschaften und porträtierten Menschen – das war sehr schwierig. Die Menschen waren ziemlich abweisend und verschlossen.

Sie sind sehr liebenswert und offen.

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Das Motto von Nikon Travel lautet: «Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!» Doch genau dieses Bild muss «sitzen». Dafür stehen sie gerade. Zusammen mit Background Tours bietet Nikon Travel professionelle Fotoreisen an.

Abenteuer und neue Herausforderungen

GS: Welche Ecken dieser Welt, abgesehen von Afrika, ziehen dich an?

Lorenz Andreas Fischer: Mir gefällt alles was mit Wildnis zu tun hat. Im August zum Beispiel werde ich das Pantanal in Brasilien besuchen. Zudem habe ich eine spezielle Beziehung zu den Alpen – ich bin hier aufgewachsen und verbringe da viel Zeit.

GS: Du scheinst einen Traumberuf zu haben – von aussen betrachtet sieht es so aus, als wärst du ständig unterwegs auf Abenteuern, auf denen du deine Leidenschaft, das Fotografieren, voll ausleben kannst – ist das wirklich so?

Lorenz Andreas Fischer: Eigentlich suche ich das Abenteuer nicht. Aber natürlich ergibt sich dies oft wegen der abgelegenen Gebiete, in denen ich unterwegs sind. Mir gefallen an meinem Beruf vor allem die selbstbestimmten Freiheiten, aber es ist auch harte Arbeit. Vor Ort muss man produzieren – ist ständig dran, hat wenig Schlaf. Der Produktionsdruck ist hoch. Dazu kommt: Oft muss man selber viel Geld investieren ohne zu wissen, wie gut sich die Bilder später verkaufen lassen. Die Vermarktung wurde in den letzten Jahren erheblich schwieriger.

GS: Wie bist du zur Fotografie gekommen?

Lorenz Andreas Fischer: Mein Vater war bereits Fotograf. Die Begeisterung entstand aber in mir selber. Den Zugang zur Fotografie erhielt ich anfangs vorwiegend durch den Sport – übers Kajakfahren. Für mich war dieser Sport das Grösste. Ich fand, jeder sollte erfahren, wieviel Spass es macht – so begann ich es zu dokumentieren. Hauptberuflich war ich zu dieser Zeit noch als Lehrer tätig. Als Lehrer hatte ich die Möglichkeit im Teilzeitpensum zu arbeiten und dies schrittweise zu Gunsten der Fotografie zu minimieren. Somit war der Übergang fliessend.

GS: Was ist bei einem Fotografen der Schlüssel zum Erfolg?

Lorenz Andreas Fischer: Ausdauer und ein dickes Fell. Ausserdem muss man selbstkritisch sein und stets den Willen besitzen, sich selber zu verbessern. Heutzutage gilt es auch sich den neuen Zeiten anzupassen, das heisst: Eine gute Webpräsenz und Social Media für seine Zwecke zu nutzen.

GS: Wie geht es bei dir weiter – was sind deine nächsten Projekte und Ziele?

Lorenz Andreas Fischer: Die Reise ins Pantanal. Gerne würde ich später Fotoreisen in diese Gegend anbieten. Ausserdem arbeite ich an einem Projekt über den gesamten Alpenraum – das ist aber noch nicht spruchreif. Zudem möchte ich meine Webpräsenz vergrössern. Demnächst ist es möglich, auf meiner Webseite Bilder von mir zu bestellen und kann somit den Löwen direkt zu sich ins Wohnzimmer holen.

GS: Gibt es etwas, dass du fotografisch unbedingt noch erfassen möchtest?

Lorenz Andreas Fischer: Eigentlich alles, was ich noch nicht vor der Linse hatte, mit einer Präferenz für die nordischen Lebensräume – genauso begeistern mich aber auch die Unterwasserwelten.

GS: Besten Dank.

Martin-Hoch-PortaitMartin Hoch (34)

GlobeSession.com

Martin Hoch widmete die letzten Jahre dem Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebauten VW-Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur.