Text Martin Hoch, Bild Dario Gysel
Der junge Schweizer Dario Gysel verbrachte zweieinhalb Monate in Tansania. Abseits des Tourismus lernte er den Alltag der Massai kennen und unterrichtete deren Kinder in der englischen Sprache. Er wollte nicht nur die Welt bereisen, sondern wie er sagt: «Leuten helfen, etwas Gutes tun.» Diese Auszeit betrachtet er rückblickend als eine äusserst gewinnbringende Zeit – anfänglich erlebte Gysel aber auch einen Kulturschock: «Ich reiste weiter ins Massaidorf, wo ich dann schon 2-3 Wochen benötigte, um mich mit den Umständen und Unterschieden zu arrangieren.» Er schaffte es aber schliesslich sogar, sich mit der für ihn anfänglich doch eher speziellen Essenskultur anzufreuden. Im Interview mit GlobeSession erzählt uns Dario Gysel mehr über diese spannende Zeit.


Tansania

GS: Andere Jugendliche zieht es nach der Ausbildung auf Backpacker-Trips nach Asien, Spass steht da im Vordergrund – Du aber verbrachtest zweieinhalb Monate bei den Massai in Tansania. Was bewog dich dazu?

Dario Gysel: Sicher wollte ich etwas Neues sehen, das Exotische erleben, jedoch auch eine andere Art. Einfach ein paar Wochen nach Asien war mir A zu wenig herausfordernd und B wollte ich die Zeit nicht mit Gleichgesinnten sondern wirklich mit Menschen einer komplett anderen Kultur und Lebensweise verbringen. Ich entschloss mich, der gestressten und verschwenderischen Welt für ein Weilchen den Rücken zu kehren und eine andere Seite kennenzulernen. Ebenso wollte ich Leuten helfen, etwas Gutes tun und das Geleistete selber sehen können. Ausserdem schloss ich letzten Sommer meine Lehre ab und das war eine interessante, lehrreiche und benötigte Auszeit!

GS: War es dir wichtig, gemeinnützig tätig zu sein – einfach nur den Rucksack packen und losziehen, war keine Option?

Dario Gysel: Ich war bis anhin nicht überdurchschnittlich sozial engagiert, merkte aber, dass ich ein solches Projekt unterstützen möchte. Die Arbeit als Lehrperson war nicht entscheidungstragend, viel mehr waren es die erwarteten Lebensumstände, die Menschen und das Umfeld. Das Reisen habe ich mir natürlich auch überlegt, habe dies dann vor Ort auch spontan noch ein paar Wochen gemacht und fand die Kombination schlussendlich super!

GS: Du bist bei den Massai auf eine komplett andere Kultur gestossen, wie sind die Massai?

Dario Gysel: Zuerst muss ich erwähnen, dass ich in einem Dorf gelebt habe, das nur sehr wenig Austausch mit der Aussenwelt hat. Sie leben und praktizieren also noch ihre traditionelle Lebensweise, die Viehherden und Kinder stehen im Fokus des Alltags. Das Dorf lag in der Ngorongoro Conservation Area, geographisch gesehen zwischen dem weltberühmten Krater und der Serengeti. Glücklicherweise führte die Touristenroute weit vorbei. Bis heute leben diese Massai im Einklang mit der Natur. Ihre Herden weiden zusammen mit Zebras, Giraffen & Co. Obwohl ich mich mit den Meisten leider überhaupt nicht verständigen konnte (sie sprechen ihre eigene Stammessprache), haben wir uns verstanden. Die Massais als Menschen sind uns gar nicht so fremd wie ich erwartet habe, das hat mich überrascht. Die Massai sind sehr offene, ehrliche, lustige und neugierige Menschen. Darüber hinaus war das Zusammenleben sehr angenehm, da die meisten mich als einen Teil ihrer Gesellschaft betrachtet hatten, und nicht Profit aus mir schlagen wollten.

Portrait-Dario-GyselDario Gysel (19)

Der Reisekaufmann aus Wilchingen (SH, Schweiz) verbrachte zweieinhalb Monate in Tansania bei den Massai – abseits von Luxus, Fastfood und Zeitproblemen. Stand er morgens auf und sah vor seiner Haustüre Giraffen, musste er sich jeweils kneifen – ein eindrückliches Erlebnis!

Gegen Ende habe ich mitgeholfen zu schlachten und die Festmahle genossen.

GS: Was gefiel dir bei den Massai speziell gut?

Dario Gysel: Auf jeden Fall das Volk an sich, ausnahmslos ganz tolle Menschen, und die Natur. Ich konnte zu Fuss alleine auf Fusspirsch gehen und hautnah die faszinierende Tierwelt erleben, wo kann man das sonst?!

GS: Und wir schmeckte dir ihr Essen?

Dario Gysel: Ich als einziger Auswärtiger in dieser Region habe mir jeweils in der nächstgelegenen Kleinstadt auf dem Markt Vorräte für 2-3 Wochen gekauft. Die Massais ernähren sich bis heute noch hauptsächlich von Milch, Fleisch und Blut. An speziellen Zeremonien aber habe ich natürlich mitgegessen, was anfangs noch ziemlich viel Überwindung gekostet hat, gegen Ende habe ich mitgeholfen zu schlachten und die Festmahle genossen.

GS: Die Massai leben ein eher isoliertes Leben. Als Teil deines Projektes solltest du den Massai-Kindern in einer Schule Englisch beibringen. Werden diese Kinder später überhaupt die Möglichkeit haben, die englische Sprache zu praktizieren?

Dario Gysel: Die stolzen Massai wurden in der Vergangenheit von der Regierung benachteiligt und übergangen. Damit die zukünftigen Generationen ihre Interessen vertreten können und dieser einzigartige Lebensraum und somit ihre Existenz erhalten werden kann, müssen sie schreiben und lesen können und die entsprechende Sprache beherrschen. Ausserdem arbeiten viele Massai aus besser vernetzten Regionen ein paar Jahre in einer Lodge, als Ranger oder sogar eines Tages als Driverguide für Fotosafaris. Dafür müssen sie klar die Chance auf Bildung und die Erlernung von Fremdsprachen haben.

GS: In welcher Sprache bzw. wie konntest du mit den Massai kommunizieren?

Dario Gysel: Das war eine der grössten Herausforderungen. Die Massai sprechen ihre eigene Stammessprache, die modernen Massai sprechen die offizielle Landessprache Kisuaheli und nur sehr wenige Personen sprechen etwas Englisch.

GS: Welches war dein schönstes Erlebnis bei den Massai?

Dario Gysel: Da könnte ich viele aufzählen. Ich durfte sehr viele schöne und bewegende Momente erleben. Unglaublich schöne Momente waren z.B., wenn ich morgens aufgestanden bin und vor der «Haustür» Giraffen am Blätter essen waren (da musste ich mich jeweils kneifen). Auch mit den Menschen habe ich viele bewegende Momente erlebt. Natürlich habe ich auch unschöne Sachen erlebt und Elend gesehen.

GS: Wie nahe bist du den Massai gekommen – konntest du Freundschaften schliessen?

Dario Gysel: Obwohl die Kommunikation sehr schwierig war, fühlte ich mich sehr willkommen und ich wurde rasch in der Gesellschaft aufgenommen und habe mich auch so gut wie möglich integriert. Viele Stunden habe ich mit bestimmten Personen verbracht und daraus sind spezielle Freundschaften entstanden. Die Aufrechterhaltung ist leider aufgrund fehlender Kommunikationsmittel unmöglich.

GS: Könntest du dir einen nochmaligen evtl. längeren Aufenthalt bei den Massai vorstellen?

Dario Gysel: Absolut!

Da musste ich mich jeweils kneifen.

Gestresst, materialistisch, egoistisch.

GS: In Tansania hattest du bestimmt auch Zeit um über dein Heimatland, die Schweiz, nachzudenken – wie sah die Schweiz für dich von aussen betrachtet aus?

Dario Gysel: Da haben sich so die typischen Vorurteile gezeigt: gestresst, materialistisch, egoistisch, sicher, äusserst luxuriös, fantastische Infrastruktur.

GS: Wo erlebtest du den grösseren Kulturschock – als du in Afrika angekommen bist oder als du wieder nach Hause gekommen bist?

Dario Gysel: Ganz klar in Afrika – das war wirklich ein Kulturschock… Ich verbrachte zwar erst ein paar Nächte in der Stadt Moshi, eine eher westliche und touristische Stadt, dann reiste ich weiter ins Massaidorf, wo ich dann schon 2-3 Wochen benötigte, um mich mit den Umständen und Unterschieden zu arrangieren und daran zu gewöhnen. Die Rückreise war – bis auf die unterschiedlichen Temperaturen – eher unspektakulär und ernüchternd.

GS: Gibt es etwas, dass du dank deiner Erfahrung bei den Massai, nun anders machst?

Dario Gysel: Viele Sachen kann ich nun etwas gelassener sehen. In Tanzania heisst es immer «Hakuna Matata», was so viel wie «kein Problem» bedeutet. Egal wo, was, wann, wieso, diese Mentalität finde ich echt super! Von dieser Gelassenheit und Unbeschwertheit könnten wir uns Schweizer ein gutes Stück abschneiden.

GS: Zurück in der Schweiz arbeitest du beim Reiseveranstalter «Let’s go Tours» in Schaffhausen. Was wiegt grösser, der Wunsch selber wieder loszuziehen oder die Leidenschaft deinen Kunden Afrika näher zu bringen?

Dario Gysel: Zum Glück lässt sich beides miteinander kombinieren. Wenn man etwas persönlich kennt, empfiehlt man dies natürlich ganz anders dem Kunden und kann ihn noch besser beraten. Gerade dieses Know-How unterscheidet uns auch zu anderen Veranstaltern.

GS: Abgesehen von Afrika – was wäre ein Ort, den du unbedingt noch bereisen möchtest?

Dario Gysel: Karibik, Kolumbien, Borneo, Antarktis…..da gibt’s viel!

GS: Zum Schluss: Mach noch kurz Werbung für «Let’s Go Tours» – was könnt ihr besser als andere – weshalb soll man bei euch buchen?

Dario Gysel: Wir arbeiten in allen Ländern ausschließlich mit Partnern, die wir seit Jahren kennen und welche unseren hohen Anforderungen gerecht werden. Sämtliche Ferienziele, Hotels und Rundreisen werden von uns persönlich regelmässig geprüft. Ausserdem ist bei uns alles möglich – wir können Reisen individuell zusammenstellen und auch ausgefallene und spezielle Wünsche verwirklichen, das sieht man schon bei unseren vielfältigen Broschüren, in denen es viele Vorschläge und Inspiration gibt. Viele interessante Reiseberichte, Angebote und Informationen gibt es ausserdem auf letsgo.ch oder auf Facebook – Let’s go!

GS: Besten Dank.

Martin-Hoch-PortaitMartin Hoch (34)

GlobeSession.com

Martin Hoch widmete die letzten Jahre dem Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebauten VW-Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur.