Text Martin Hoch, Video Worldwide Berlin
Der vielfach preisgekrönte Filmemacher Holger Preusse reiste zusammen mit seiner Co-Autorin, Anke Nehrig, nach Guinea. Ihr Ziel: Berlin. Denn Anke Nehrig, eine Afrikanistin, stiess während einer Forschungsreise per Zufall auf den Fakt, dass in Guinea ein Dorf namens Berlin existiert. Nun wollten Sie darüber einen Film und eine Web-Dokumentation für den Rundfunk Berlin-Brandenburg und die Deutsche Welle realisieren. Zusammen mit einem Kamerateam, verbrachten sie drei Wochen in Berlin-Guinea – lernten die Menschen und ihren Alltag kennen.

Doch Berlin-Guinea ist nicht das einzige Berlin ausserhalb Deutschlands: Entstanden sind das Filmprojekt «Worldwide Berlin» und eine Web-Dokumentation, auf der es möglich ist, über 100 Berlins weltweit zu erkunden. Mehr zum Erlebnis in Guinea erzählt uns Holger Preusse in seinem Berlin-Guinea Erlebnisbericht.


Guinea
Holger-Preusse-PortraitHolger Preusse

Der Münchner Autor und Produzent realisiert Dokumentationen und Reportagen auf allen Kontinenten für ARD, ZDF, ARTE, SERVUS TV und weitere Medienunternehmen. Seine Filme sind vielfach preisgekrönt und er ist Mitglied der Deutschen Filmakademie.

GS: Ich zitiere John F. Kennedy: «Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger Berlins, und deshalb bin ich als freier Mensch stolz darauf, sagen zu können ‚Ich bin ein Berliner’!» Sind die Berliner in Guinea, die ihr besucht habt, stolz Berliner zu sein?

Holger Preusse: Viele Einwohner von Berlin in Guinea kennen vom Hörensagen das «große und reiche Berlin in Deutschland». Sie sind auch ein wenig stolz darauf, in einem Ort zu wohnen, das denselben Namen trägt. Voller Inbrunst sagen sie: «Ich bin ein Berliner!»

GS: Ein Besuch der deutschen Hauptstadt – ist das ein Traum dieser der Guinea-Berliner?

Holger Preusse: Die meisten der Bewohner aus Berlin Guinea würden lieber heute als morgen sich auf die Reise begeben, um Berlin in Deutschland einen Besuch abzustatten. Die Kinder würden sehr gerne Deutsch lernen, um sich bei uns mit den Menschen unterhalten zu können. Die Neugierde ist groß auf die deutschen Berliner und ihre Stadt.

GS: Sind sie in ihrem eigenen Berlin, in Guinea, glücklich?

Holger Preusse: Die klimatischen Veränderungen haben dazu geführt, dass zahlreiche Bewohner ihren Ort verlassen. Für die Kinder gibt es keine Schule, für die Erwachsenen nur wenig Arbeit. Auch kommt es immer wieder zu Ernährungsproblemen, vor allem wenn der Regen ausbleibt und die Menschen nichts anbauen können. Dennoch: So schwierig die Lebensumstände sind, ihr Überlebenswillen ist ungebrochen.

Worldwide-Berlin-LogoWorldwide Berlin

worldwideberlin.com

Worldwide Berlin ist ein Crossmedia-Projekt – es zeigt: Berlin ist überall. Auf ihrer Webseite zeigt Worldwide Berlin Dokumentationen von weltweit 11 Berlins. Doch insgesamt gibt es auf unserem Planeten über 100 Berlins – um diese Orte zu dokumentieren ist die Hilfe von vielen nötig: Jeder Berliner, wo auch immer sein Berlin liegt, darf seine Fotos, Videos und Informationen auf die Webseite hochladen. Wir finden: Ein spannendes Projekt!

Martin-Hoch-PortaitMartin Hoch (34)

GlobeSession.com

Martin Hoch widmete die letzten Jahre dem Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebauten VW-Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur.

GS: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Berlin in Guinea und dem in Deutschland?

Holger Preusse: Die Kontraste zwischen den beiden Berlins kann man sich kaum größer vorstellen. Reichtum hier, Armut dort, Metropole hier, Dorf dort. Und diese Reihe könnte man fortführen. So groß die Unterschiede sein mögen, die Menschlichkeit und Gastfreundschaft, die wir in Berlin Guinea erfahren haben, war so überwältigend, dass Menschen aus Berlin Deutschland sich sehr schnell dort heimisch fühlen könnten.

GS: Welches war das eindrücklichste Erlebnis, das ihr in einem fremden Berlin gemacht habt?

Holger Preusse: In Berlin Guinea war die Gastfreundschaft sehr beeindruckend. Das nachhaltigste Erlebnis bestand darin, in welch kurzer Zeit die Menschen, als sie eine neue Goldgrube gefunden hatten, die Erde binnen kürzester Zeit durchwühlt haben, um an Gold zu kommen. Dabei arbeiteten sie mit einfachsten Methoden, zum Teil haben die Menschen mit bloßen Händen tiefe Löcher gegraben. Nach wenigen Tagen war die Gegend kaum mehr wiederzuerkennen. Der Goldrausch zeigt auch, in welcher Not die Menschen dort leben.

GS: Besten Dank für das Gespräch.