Text und Bild Thierry Wilhelm
Dieser Artikel ist sozusagen der Bonustrack der vierteiligen Interviewserie mit Thierry Wilhelm. Während er uns im ersten Teil von seinen Abenteuern in Lateinamerika berichtete, uns danach in den Orient entführte, uns auf die Strassen von Indien mitnahm und uns schliesslich hinter die Kulissen einer Motorradweltreise blicken liess, zeigt er uns hier exklusiv Bilder seiner Reisen durch Laos und Kambodscha. Vorhang auf – ich übergebe das Wort an Thierry Wilhelm, den Worldbiker.


Laos – Kambodscha

Laos wirkte auf mich authentisch, freundlich, ehrlich und unverdorben.

Laos – ein Land der Vielfalt

Laos hat mir von allen südostasiatischen Ländern am besten gefallen. Es wirkte auf mich authentisch, freundlich, ehrlich und unverdorben. Zudem topographisch interessant. Im Norden von Bergen dominiert und dadurch ebenso von Tälern, in denen sich wilde Flüsse ihren Weg suchen, an deren Ufern sich Siedlungen schmiegen, wie sie wohl schon vor Jahrhunderten so ausgesehen haben. Reis- und Gemüseanbau dominiert überall. Im Süden jedoch, in Richtung Kambodscha, verjüngt sich das Land, wird immer flacher und wird zunehmend vom allmächtigen Mekong Fluss dominiert. Nebst dem ebenfalls vorhandenen Reis- und Gemüsanbau, wird hier auch Fischfang betrieben. Was der Mekong eben so hergibt.

Die Viertausend Inseln von Laos

Spannend sind natürlich die sogenannten „Viertausend Inseln“, die sich im Mekong kurz vor der kambodschanischen Grenze gebildet haben. Dort ist der Mekong mehr als 10 (!) km breit und weist zudem erstens die grössten Wasserfälle ganz Asiens und zweitens die Breitesten der ganzen Welt auf! Die Fall ist zwar nur zwischen 18 und 21 Meter hoch, doch bei einer Breite von über 10 km ergibt das die mit Abstand grösste Abflussmenge. Ein sehr schöner Flussabschnitt, in dem auch die seltenen Süsswasserdelphine beobachtet werden können.

Ein Land ohne Massentourismus

Glücklicherweise ist der Massentourismus in diesem Land noch nicht angekommen. Das wirkt sich auf die Freundlichkeit und Neugier der Menschen aus. Da ich ja mit meinem Motorrad mobil war, besuchte ich auch entlegene Regionen und wurde dort mit grossem Interesse, Staunen, aber auch Freude und Stolz empfangen. Das Zusammentreffen eines westlichen Reisenden und der einfachen Landbevölkerung war jedesmal DAS Tages-, wenn nicht Wochenereignis. So kam es mir vor, denn von überall her strömten die Dorfbewohner zusammen und bestaunten den ungewöhnlichen Ankömmling. Es war herrlich und ich kam mir vor wie ein Abenteurer vor langer Zeit.

Ich kam mir vor wie ein Abenteurer vor langer Zeit.

Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen an Laos.

Die Tradition lebt noch

Was mir sehr gefallen hat und wunderschön anzuschauen ist, ist, dass die Frauen immer noch in traditionellen, knöchellangen, selbstgewobenen Röcken ihrer Arbeit nachgehen. Ebenso hat mich fasziniert, dass man immer noch traditionelle Rituale beobachten kann, denen nach getaner Arbeit am Dorfrand gefröhnt werden, wie z.B. das Ballspiel, bei dem sich Jungen und Mädchen in jeweils einer Reihe aufstellen und sich einen Ball zuwerfen. Das hilft Kontakt zum anderen Geschlecht herzustellen und sich etwas näher zu kommen. Dabei sind speziell die Mädchen in wunderschönen, kunstvoll bestickten Festagskleider bekleidet. Ich hatte das grosse Glück, zufällig an ein grosses, einmal jährlich stattfindendes Festival – oder besser gesagt einem Heiratsmarkt – zu laufen, an dem, was die Dorfbewohner im Kleinen betreiben, diesmal im Grossen zu erleben. Dabei kommen die Menschen aus verschiedensten Sippen, die jedoch alle dem Volk der Karen angehören, von weit her gereist. Die Sippenangehörigkeit ist leicht festzustellen, da sie mit den Gewändern, speziell mit den Kopfbedeckungen, der Frauen stolz präsentiert werden. Ich durfte völlig ungestört und von überall her angelächelt, herumlaufen, fotografieren und filmen. Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen an Laos.

Fazit Laos

Laos besticht durch wilde Natur, extrem schöne Tempel, sanftem Buddhismus, trauriger Geschichte (Vietnamkrieg – kein Land auf dieser Erde hat mehr Tonnen Bomben pro Kopf abbekommen!), sehr freundlicher Bevölkerung und einfacher aber schmackhafter Küche. Da es ein Binnenland ist und dadurch keine Strände vorweisen kann wie Thailand, Kambodscha oder Vietnam, wird es (zum Glück!) vom Massentourismus verschont. Es ist ein Land, das eher für Abenteuerferien gemacht ist. Hoffentlich bleibt das noch lange so.

Es wird zum Glück vom Massentourismus verschont.

Dorthin verirren sich lediglich ein paar Backpackers.

Kambodscha – ein Land voller Geschichte und Kultur

Um ehrlich zu sein, hat mich Kambodscha von allen südasiatischen Ländern am wenigsten beeindruckt. Natürlich waren die Menschen freundlich, doch deutlich distanzierter als in den Nachbarländern. Topographisch ist es eher langweilig, weil mehrheitlich flach, sandig und ausgedünnten Wäldern. Überall im Land brannten die Menschen das Gras und niedrige Büsche ab, so dass die Wälder eher geisterhaft erschienen. Sofern überhaupt Wald vorhanden war, denn das Land wird von Reisfeldern und entsprechend offenem und flachem Gelände geprägt. Zweidrittel des Landes liegt lediglich zwischen 5 und 30 m ü. M. Es gibt allerdings zwei sehr schöne Ausnahmen. Zum Einen gibt es in der südwestlichen Ecke des Landes, nahe der thailändischen Grenze, ein Stück weitgehend unberührt belassenem Regenwald, der Kardamom Gebirgszug. Es gibt als Wermutstropfen allerdings mitten in diesem Dschungel einen Minenbau und die Chinesen haben eine brandneue (Erd-) Strasse vom Süden her hineingebaut, damit die Lastwagen die Minen besser erreichen können. Nördlich der Minen gibt es dann allerdings nur noch eine alte, abenteuerliche Naturstrasse. Aber abgesehen von dieser Narbe, ist das Gebiet geschützt und deshalb wunderbar um z.B. Abenteuer-Trekkings zu machen. Ich durchfuhr natürlich das ca. 4’000 km2 grosse Gebiet von Süd nach Nord und dachte mir, dass dies das schönste Stück Kambodschas sein müsste. Und zum Anderen gibt es im Nordosten des Landes ebenfalls Hügel und Wälder, die sehr schön sind. Inklusive toller Wasserfälle und Kraterseen. Dorthin verirren sich lediglich ein paar Backpackers. Oder eben Motorradabenteurer.

Strände und Angkor Wat

Natürlich gibt es entlang der Südküste auch wunderbare Strände, aber dort konzentriert sich der Tourismus – nebst natürlich dem Highlight Nr. 1, Angkor Wat, und entsprechend ist es bereits versaut. Nicht das, was ich in einem Land suche. Angkor Wat ist selbstverständlich etwas anderes und der absolute Höhepunkt des kulturrellen Angebots, etwas Unvergleichliches. Das muss man einfach einmal im Leben gesehen haben. Da nimmt man natürlich auch die Touristen in Kauf, weil es einfach verständlicherweise ein Magnet ist. Man ist ja selber einer und versteht sofort, wenn man dort ist, warum sich diese Bauwerke so viele Menschen anschauen wollen. Es ist einfach atemberaubend.

Angkor Wat muss man einfach einmal im Leben gesehen haben.

Ein sehr schwierig zu meisternder Teilabschnitt.

Sandige Pisten

Abgesehen von den geteerten Hauptverkehrsachsen, trifft man auf Nebenstrassen sehr oft auf sandigen Untergrund, der das Vorwärtskommen eines Motorradfahrers erheblich erschwert. Ich erlebte auf den Pfaden im östlichen Teil des Landes meine schwierigsten Kilometer ganz Südostasiens, weil es sich dort um eine Schwemmlandebene handelt und die ersten Ausläufer des mächtigen Mekongdeltas beginnen. Will man das Land umrunden, gibt es auf der Ostseite des Lands keine Verbindungsstrasse, sondern nur Pfade mit zum Teil tiefem Sand. Ein sehr schwierig zu meisternder Teilabschnitt. Aber einmal angefangen, musste ich es durchziehen und habe mich dabei des öfteren verflucht. Aber nach durchgestandenem Abenteuer, eine grosse Befriedigung.

Eine traurige Vergangenheit

Die Geschichte Kambodschas wird natürlich durch die Ereignisse rund um die Roten Khmer und dessen Führer Pol Pot, aber auch durch die Zeit, als Kamboscha eine französische Kolonie war, geprägt. Die Spuren sind immer noch vielerorts zu sehen. Schwer verdaulich sind dabei die Besuche der „Killing Fields“ südlich von Phnom Penh und das „Tuol Sleng“ Genocide Museum in Phnom Penh selbst. Ein sehr trauriges Kapitel in der laotischen Geschichte. Umso schöner sind der Königspalast in Phom Penh und die vielen buddhistischen Tempel in der Hauptstadt und überhaupt im ganzen Land.

Die Spuren sind immer noch vielerorts zu sehen.

Alles in allem ein spannendes Land.

Fazit Kambodscha

Zusammenfassend gesagt, hat mich in Kambodscha die Geschichte und Kultur am meisten beeindruckt. Ich fühlte mich überall im Land sicher, die Menschen war freundlich, neugierig, aber distanzierter als in Laos oder Thailand. Die Landschaften habe ich eher als langweilig und eintönig empfunden. Natürlich mit einigen Ausnahmen, die die Regel bestätigten. Alles in allem ein spannendes Land, das sich lohnt zu bereisen.

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Thierry Wilhelm wird auf seinen Motorradreisen von Touratech unterstützt.

Neue Ideen fürs Motorrad: Touratech ist die Schmiede innovativer Produkte für Reisen, Outdoor und Sport mit dem Motorrad. Seit über zwei Jahrzehnten werden von Motorrad-Enthusiasten der Touratech AG Hightech-Produkte auch für härteste Anforderungen entwickelt, produziert und weltweit auf den Markt gebracht. Firmensitz ist Niedereschach am Rande des Schwarzwalds; weltweit ist die Touratech AG in rund 40 Ländern vertreten.“