Wellness in der Jugendherberge Saas-Fee

Text & Bild Martin Hoch
Es ist ruhig. Mein Blick schläft ein. Die Tannen, vom Schnee weiss überzogen, verschwimmen vor mir. Wohlige Wärme umgibt mich, ich spüre seit langem wieder, ja was eigentlich? Ruhe? Nein, die ist noch weit entfernt. Ruhe zu spüren braucht Zeit – aber da ist etwas anderes: das Nichts. Das ist gut, es hilft beim Entspannen. Gedanken verlieren sich darin, versinken – irgendwo in der Tiefe. Dann, ein Schweisstropfen läuft mir ins Auge. Das Salz, das aus den Poren kommt, es brennt. Ich wische den Tropfen aus dem Auge und schaue wieder raus. Wunderschön! Ich will nie wieder weg. Stimmt nicht, fünf Minuten später bin ich froh diesen Schwitzkasten, die Sauna, zu verlassen und atme die kühle Luft auf dem Gletscherbalkon ein. Extrem.


Saas-Fee
Jugendherberge Saas-Fee LogowellnessHostel4000

youthhostel.ch

Panoramastrasse 1
3906 Saas-Fee
Schweiz
Tel: +41 (0)27 958 50 50
E-Mail: wellnesshostel4000@youthhostel.ch

Am Rand des Gletscherdorf Saas-Fee. Gleich neben der Postautostation

Eine Wohlfühloase

1900 m2 Wellnessbereich – wenn man ihn betritt, realisiert man: Die Jugendherbergen Schweiz haben ihr Brand auf ein neues Level gehoben. Hier geht es nicht mehr nur darum, jungen Menschen eine günstige Übernachtungsmöglichkeit anzubieten. Die Jugendherbergen Schweiz setzen neue Masstäbe im Schweizer Tourismus. Es ist schwer geworden, die Jugendherbergen einzuordnen. Die neuen Jugendherbergen sind Designhäuser: Schlicht, reduziert, wie man es sonst eher von Boutiquehotels kennt. Trotzdem sind es keine Hotels. Es wurde etwas Neues kreiert. Das wird ziemlich sicher nicht jeden Hotelier freuen. Denn das Konzept bietet ein Maximum an Qualität für einen moderaten Preis – mitzuhalten ist, gelinde gesagt, anspruchsvoll. Selbst in den Bereich Wellness ist man nun vorgedrungen – weltweit im Jugendherbergenbereich ein Novum. Den Gästen ist es recht.

Doch nebst Rezepten, Konzepten und Strategien braucht es für das Wohlfühlerlebnis der Gäste vor allem eines: Menschen. Gute Mitarbeitende, die den Laden im Schuss halten. Eine, die sich um das Wohl der Gäste im Wellnessbereich kümmert, ist Rahel Reinke (41).

GS: Was ist der Grundgedanke dieser Wellnessanlage?
Rahel Reinke: Als Gast sollst du das Gefühl haben, dass du dich in der Natur befindest. Durch die Materialien und Architektur, aber auch durch die Panoramafenster – durch die kommt die Natur in den Raum hinein.

Diese Kombination von Natur und Architektur, von Realität und Zauber, habe ich bis anhin erst in der Valser Therme derart stark erlebt. Den Einbezug der Umgebung ins Konzept ist hier sehr stimmig. Am Wochenende kann es aber auch sehr lebhaft sein – unter der Woche war es dafür umso ruhiger.

GS: Was ist denn euer Zielpublikum?

Rahel Reinke: Wir sprechen ein gemischtes Publikum an. Mit einer Ausnahme: Das Mindestalter ist 14 Jahre.

GS: Was ist das Maximum an Gästen?

Rahel Reinke: Das loten wir zur Zeit aus – erste Erfahrungen zeigen, dass es wenig Sinn macht, mehr als 60-70 Personen reinzulassen. Schliesslich spielt der Wellness- und Erholungsgedanke eine wichtige Rolle.

GS: Für die Ruhesuchenden – wann ist die beste Zeit um die Stille zu geniessen?

Rahel Reinke: In der Nebensaison und im Sommer ist dies sicherlich unter der Woche. Im Winter wird es wahrscheinlich genau umgekehrt sein.

Das kann ich bestätigen. Bei unserem Besuch Anfang November, war am Wochenende ein reger Betrieb. Unter der Woche waren wir fast alleine.

Innen, draussen in der Natur sein.

Bei einer Saaser Hotstone Massage relaxen

GS: Was ist euch speziell wichtig?

Rahel Reinke: Ein reibungsloser Ablauf. Die Gäste sollen sich erholen, Ruhe spüren. Die geht auch von uns Mitarbeitern aus. Deshalb ist uns der Teamgeist wichtig. Wir helfen uns gegenseitig so gut wie möglich, sind alle vielseitig einsetzbar. Ausserdem bieten wir den Gästen eine Reihe verschiedenster Massagen an: Klassischen Massagen, medizinische, aber auch aussergewöhnliche, wie eine Saaser Hotstone-Massage oder eine Lomi-Lomi Nui Massage.

GS: Der Wellnessbereich ist kein Nacktbereich …

Rahel Reinke: … richtig. Die Gäste erhalten ein Frottetuch und ein Hamamtuch. Das Frottetuch ist für die Sauna gedacht, das Hamamtuch für die Nasszone. Badekleider sind nicht erlaubt.

Martin-Hoch-PortaitMartin Hoch (34)

GlobeSession.com

Martin Hoch widmete die letzten Jahre dem Reisen. Ob mit der Bahn, Bus, Segelschiff oder umgebauten VW-Bus, wichtig waren ihm die Begegnungen mit Menschen, angetrieben hat ihn die Liebe zur Natur.

GS: Du bist hier fast jeden Tag in einer Erholungszone, für dich ist es aber Arbeit. Was tust du, wenn du mal Ruhe und Erholung brauchst?

Rahel Reinke: Dann gehe ich wandern oder Schneeschuhlaufen. Ich fahre auch gerne Ski, aber nur, wenn das Wetter sonnig ist und es wenige Menschen auf der Piste hat.

GS: Welche Aktivität hier rund um Saas-Fee kannst du uns denn empfehlen?

Rahel Reinke: Wenn man von Saas-Almagell in Richtung Saas-Grund geht, kommt man an einem Wasserfall vorbei. Im Sommer, wenn es so richtig heiss ist, ist dies der beste Ort für eine Abkühlung. Es ist möglich am Felsen hochzuklettern und dann auf einer natürlichen Steinrutsche runter zu rutschen. Das ist jeweils ein riesen Gaudi! Gut gefällt mir auch ein Ausflug auf den Spielboden. Hier lassen sich Murmeltiere füttern. Die sind total süss.

GS: Gefällt dir denn der Sommer hier besser als der Winter?

Rahel Reinke: Nein, eigentlich gefällt mir der Winter besser. Mir gefällt es, wenn alles weiss ist und es am späten Nachmittag im Dorf lebhaft wird. Das ist eine schöne Zeit. Man begegnet sich auf den Strassen, Gäste und Einheimische, und spricht miteinander.

GS: Seit wann bist du bereits hier in Saas-Fee?

Rahel Reinke: Seit 1997 verbringe ich die Wintersaison hier – seit 2006 bin ich permanent in Saas-Fee, meiner neuen, meiner zweiten Heimat.

GS: Wie sind die Wallisser hier oben in den Bergen – ist das nicht eine ziemlich verschworene Truppe, in die man als Aussenstehende kaum reinkommt?

Rahel Reinke: Die Wallisser in Saas-Fee sind offene Menschen. Natürlich kannst du hier auch ein Leben in Anonymität leben, aber wenn du echtes Interesse zeigst, wird man hier herzlich aufgenommen und ist schnell Teil des Dorflebens.

GS: Vielen Dank.