Nordlicht Fotografie – ein natürlicher Zauber

Text und Bild Gabi Reichert
Im Sommer ist Norwegen ein Fotografentraum, insbesondere nördlich des Polarkreises, wo die Mitternachtssonne Landschaft und Meer „nächtelang“ durch permanente Sonnenauf-­ und Untergangsstimmung verzaubert. An Schlaf ist in dieser Zeit nicht zu denken (außer es regnet).

Während unserer Sommeraufenthalte erzählten unsere norwegischen Freunde vom nordischen Winter. Die Fischer haben dann ihre Hochsaison. Schnee verwandelt die Landschaft in eine Märchenwelt, und das Nordlicht zieht über den Himmel. Das musste ich sehen! So flog ich im März auf die Vesterålen. Schon die Fahrt mit dem Mietwagen nach Stø war fantastisch. Die Schneedecke versetzte das ohnehin schon wunderschöne Land der Berge, Seen und Fjorde in einen klaren, urtümlich unberührten Zustand, in dem die Spuren der Menschen wie weggewischt schienen.


Vesteralen

Das Kameradisplay zeigte das erste grüne Flackern.

Werde ich die Nordlichter sehen?

Den ganzen Winter über hätte es in Stø kaum Nordlicht gegeben, erzählten mir die Fischer, ich war mir aber dabei nicht sicher, ob sie es nur nicht beachtet hatten, weil sie so sehr mit der Langleinenfischerei beschäftigt waren. Denn gleich am ersten Abend beobachtete ich den nächtlichen Himmel und vermeinte ein grünliches Glühen zu sehen. Der Halbmond stand strahlend am Himmel, der Schnee reflektierte das Licht, und die Nacht war viel heller als erwartet. Obwohl einige große Wolken tief am Horizont hingen sah man darüber die Sterne.

Das Nordlicht war mit bloßem Auge zuerst kaum zu erkennen. Das Kameradisplay zeigte aber schon das erste grüne Flackern. Ich suchte einen geeigneten Standort, um die Fotoausrüstung aufzubauen, bevor das Nordlichtspektakel richtig losging. Hinter den Wolken begann es immer stärker zu leuchten, das Meer strahlte in leuchtendem Grün mit dem Himmel um die Wette, dazwischen die dunklen Regenwolken und schneebedeckte Felsen.

So entstehen die Nordlichter

Schließlich wurde der ganze Himmel von grünen Lichtwellen überrannt. So ergriffen habe ich mich in dieser grandiosen Natur nur selten gefühlt. Spätestens jetzt kam die Fragen nach dem „Warum?“ „Was ist es?“ „Wie entsteht es?“.

Plausible Theorien zur Erklärung des Phänomens Nordlicht gab es schon im 19. Jahrhundert. Aber erst mit Beginn des Satellitenzeitalters konnten diese mit Messwerten untermauert werden. Noch immer sind viele Fragen offen, so versuche ich es hier nur mit einer sehr knappen Erklärung.

Bei starker Sonnenaktivität können mit hoher Geschwindigkeit Plasmawolken Richtung Erde ziehen. Am magnetischen Pol werden diese geladenen Teilchen kreisförmig erdnah abgelenkt und reagieren in Höhen von 70 – ­400 km über der Erde mit Sauerstoff, in dem sie diesem mit ihrer Energie anregen, grüne Lichtwellen wieder abzugeben. Gelangen die Elektronen bei extrem hoher Sonnenaktivität in noch tiefere Atmosphärenschichten, regen sie auch Stickstoffatome an, dann leuchtet das Nordlicht rot.

Wie entsteht es?

Kurzanleitung: Nordlichter richtig fotografieren
Bedingungen für das Nordlicht

  • (zum Teil) wolkenfreier Himmel
  • hohe Sonnenaktivität (im Internet Vorhersagen ansehen)

Fotografie

  • stabiles Stativ
  • Drahtauslöser
  • am besten Spiegelreflex­ oder Systemkamera
  • lichtstarke Weitwinkelobjektive
  • Ersatzbatterie in der Hosentasche

Vorgehensweise

  • Kamera auf Stativ
  • am besten mit Wasserwaage ausrichten
  • RAW Modus
  • Autofokus aus
  • manuellen Fokus mit Taschenlampe kontrollieren
  • Zeitautomatik
  • etwas Plus korrigieren
  • mit Drahtauslöser auslösen
  • Histogramm kontrollieren
  • Spaß haben

Wie fotografiert man Nordlichter?

Eine weitere Fragen war mir in diesem Moment sehr wichtig: „Wie kann ich dieses Erlebnis festhalten und mit nach Hause nehmen, um es meiner Familie und meinen Freunden zu zeigen?“

Ich weiß, es ist unmöglich, dies in der ganzen Grandiosität zeigen zu wollen, nichts geht über das aktuelle Erleben. Dennoch habe ich fotografisch festgehalten, was da über den Himmel rannte.

Die Foto-Ausrüstung

Ich nutzte auf dieser Reise eine Spiegelreflexkamera und fotografierte im RAW­-Format. Das wichtigste Hilfsmittel ist ein stabiles Stativ. Man muß darauf achten, im Schnee einen guten Stand zu finden, sonst sinken die Stativbeine während der Belichtung langsam ein.

Ich hatte zwei verschiedene Objektive im Einsatz – ein 2.8/28-­75 mm und ein 4.0/17­-40mm, je nachdem, wieviel Vordergrund ich in die Aufnahme mit reinbringen wollte und wie weit sich das Nordlicht über das Firmament erstreckte.

Richtig fokussieren

Den Autofokus stellt man ab, weil das Licht nicht ausreicht, um exakt zu fokussieren. Man muss manuell scharfstellen und dabei genau darauf achten, nicht über die Unendlich-Markierung hinaus zu fokussieren, sonst wird die Aufnahme vollständig unscharf.

ISO-Werte, Belichtungszeit & Blende

War das Nordlicht sehr aktiv, belichtete ich durch Anpassung der ISO von 800 – ­4000 im Bereich von 6-­20 Sekunden, bei offener Blende (2,8 oder 4, je nach Objektiv). War das Nordlicht einmal schwächer und war weniger Bewegung drin, belichtete ich auch bis zu einer Minute. Bei Belichtungszeiten von länger als 30 Sekunden kann es aber passieren, dass das Nordlicht wegen seiner Bewegung verwischt und überbelichtet wird. Auch werden die Sterne durch die Erddrehung als kurze Striche abgebildet, was eher irritiert als schön anzusehen ist.

Fotos nachbearbeiten

Bei der Bearbeitung der RAW­-Formate kann man noch die Objektivkorrektur anwenden, die Farbtemperatur anpassen und das Bild entrauschen. Ich nutze dazu Lightroom. Meiner Erfahrung nach wirken Nordlichtaufnahmen am besten in einer Überblendshow mit Musik. Aus 10­20 sequentiellen Aufnahmen, vom gleichen Standort aus gemacht, zeigte die Überblendung fast exakt den Flackereffekt des tanzenden Nordlichts, wie er in natura vorkommt.

Nordlichtervorhersagen & Glück

Natürlich gehört auch etwas Glück dazu, Nordlichter zu erleben. Im Internet gibt es Nordlichtvorhersagen, zudem muss das Wetter stimmen, sonst spielt sich das Geschehen für uns unsichtbar hinter den Wolken ab. Ich hatte auf dieser Reise sehr großes Glück und verbrachte die Nächte fotografierend unter freiem Himmel, tagsüber beschäftigte mich die Schneelandschaft und das Treiben der Fischer. So kam ich bei dieser Winterreise auch zu dem Schluss: An Schlaf ist in dieser Jahreszeit nicht zu denken.

Gabi-Reichert-PortraitGabi Reichert

5reicherts.com

Gabi Reichert ist neugierig, sie liebt das Reisen und die Fotografie. Diese Leidenschaften teilt sie mit ihrem Mann und ihren drei Teenagern. Zusammen sind sie die 5 Reicherts.