Text Oliver Zwahlen, Bild Oliver Zwahlen, Fotolia
Ich will niemanden belügen. Winter macht nirgendwo Spass, finde ich. Und ganz besonders wenig Freude bereitet der chinesische Winter. Ich weiss, wovon ich schreibe: immerhin musste ich die kalte Jahreszeit schon ganze sechs Mal im Reich der Mitte überstehen.
Für mich überwiegen die negativen Aspekte im chinesischen Winter. Aber das muss nicht für jeden so sein. Deswegen versuche ich mit diesem Beitrag einen Kompass durch das eisige China zu bieten. So kann jeder für sich selber entscheiden, ob China im Winter ein Reiseziel sein kann.


China

5 Gründe weshalb es sich lohnt China im Winter zu bereisen

1 | Das Eisfestival in Harbin

Das Beste am chinesischen Winter ist meiner Meinung nach das Eisfestival in Harbin. Die aus Eis nachgebauten Paläste und aus Schnee geformten Skulpturen sind unglaublich eindrücklich. Insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. Denn dann werden die Eisbauten bunt beleuchtet und das ganze Ausstellungsgelände taucht in eine seltsame, surreale Atmosphäre, die sich mit nichts vergleichen lässt – ausser vielleicht einem anderen Eisfestival.

Eine surreale Atmosphäre.

2 | Chinas Skigebiete sind kaum erschlossen

In China gibt es einige grosse Skigebiete. Yabuli weit im Norden ist das grösste und bekannteste, aber es gibt noch viele andere, kleinere. Der Grossteil von ihnen verfügt über mehrere Skilifte, wobei die meisten jeweils für Anfänger sind. Das Schöne am Skifahren in China ist: Während die Anfängerhügel ziemlich voll werden können, hast du auf den schwierigeren Pisten meistens freie Fahrt.

3 | Du entdeckst Chinas seltsame Wintersportarten

Verbreiteter als Skifahrer sind jedoch alle diejenigen Aktivitäten, die sich auf einem zugefrorenen Fluss oder See ausführen lassen. Neben Schlittschuhlaufen sind da auch einige Dinge dabei, für die ich nicht einmal den Namen kenne. Sehr beliebt sind zum Beispiel Schlitten mit Metallkufen, die man mit Skistöcken antreibt. Das ist ziemlich anstrengend, aber eine aussergewöhnliche Art, den Winter zu geniessen. Etwas weniger anstrengend sind die Fahrräder mit Stützkufen. Sie verhindert auf der glatten Eisfläche das Umfallen.

Freie Fahrt auf den Pisten.

4 | Du kannst dir einen alten chinesischen Militärmantel kaufen

Wenn du im Winter durch China reist, wirst du an allen Ecken über die alten chinesischen Militärmäntel stossen. Besonders schön sind sie nicht. Sie gleichen eher einer grünen Steppdecke in der Form eines Mantels. Aber sie sind warm und so authentisch, dass sie ein aussergewöhnliches aber doch perfektes Mitbringsel aus einem Chinaurlaub sind.

5 | Viele Sehenswürdigkeiten sind günstiger

Da im Winter weniger Touristen China bereisen, senken viele Sehenswürdigkeiten in der kalten Jahreszeit die Eintrittspreise. Teilweise sogar sehr stark. Trotzdem sind viele Attraktionen deswegen nicht weniger eindrücklich. Die leuchtenden See von Jiuzhaigou müssen vor einer verschneiten Umwelt noch eindrücklicher sein als im Sommer. Und die Chinesische Mauer sieht auch in einer Schnee bedeckten Landschaft grandios aus.

Vieles ist günstiger.

5 Gründe weshalb China im Winter zu meiden ist

1 | Es ist kalt. Überall.

Wer einen Blick auf die Landkarte wirft, erliegt leicht der falschen Annahme, dass es bei der gewaltigen Nord-Süd-Ausdehnung schon irgendwo ein Plätzchen mit angenehmen Temperaturen gibt. Natürlich bestehen im Riesenreich gewaltige Unterschiede: In Harbin kannst du mit Temperaturen von bis zu minus 30 Grad rechnen und im Süden ist es nur gerade 10 Grad kalt. Doch das wird dadurch wettgemacht, dass es im Süden generell keine Heizungen gibt. Du frierst in deinem Hotel bei 10 Grad, im Restaurant bei 10 Grad und im Bahnhof bei 10 Grad. Selbst die Flughäfen sind zum grössten Teil nicht geheizt.

2 | Schwerer Smog herrscht in Nordchina

Von der schlechten Luft in China haben wir alle schon in den Zeitungen gelesen. Was viele nicht wissen: Es gibt sowohl starke regionale wie auch saisonale Unterschiede. Besonders dicht ist die Dunstglocke jeweils im Winter in Nordchina. Das liegt zu einen daran, dass sich regelmässig eine ungünstige Inversionslage bildet, aber auch daran, dass selbst in Peking noch immer viele Wohnungen mit Kohle geheizt werden. In manchen Städten kannst du den Kohlerauch sogar deutlich riechen.

Du frierst in deinem Hotel bei 10 Grad.

3 | Züge sind wegen Frühlingsfest komplett überlastet

Jeweils im Februar feiert China das chinesische Neujahr. In dieser Zeit reisen Millionen Wanderarbeiter in ihre Heimat zurück, um mit ihren Familien zu feiern. So schön diese Zeit für die Einheimischen auch ist: diese Massenbewegungen bringen jedes Jahr das Verkehrssystem an den Rand des Kollapses. Es ist keine Seltenheit, dass du in dieser Zeit eine Woche warten musst, um einen freien Platz in einem Zug zu finden. Nicht gerade praktisch, wenn du schnell möglichst viel vom Land sehen willst. Die Alternative sind meistens nur teure Flüge.

Du frierst in deinem Hotel bei 10 Grad.

4 | Viele Läden sind im Winter zu

Nicht nur der Verkehr leidet unter dem Frühlingsfest, sondern auch die Einkaufsmöglichkeiten. Während die grossen Einkaufszentren selbst am Neujahrstag offen bleiben (aber ziemlich ausgestorben sind), sieht es bei den kleineren Quartierläden anders aus. Sie sind oft im Besitz einer Familie, die manchmal gleich mehrere Wochen zu den Angehörigen fährt. Ich mag diese kleinen Quartierläden gerne und finde es schade, wenn man diese freundlichen Läden verpasst.

5 | Es ist schwer, ein Taxi zu finden

In vielen grösseren Städten gibt es nicht genügend Taxis. Das ist zwar das ganze Jahr über ein Problem, aber im Winter spitzt sich der Mangel jeweils noch zu. Einerseits gibt es im Winter mehr Fahrgäste und andererseits riskieren viele Taxifahrer bei glatten Strassen nicht gerne ihre teuren Wagen.

Oli-Zwahlen-Portrait-WeltreiseforumOliver Zwahlen

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Sinograph.ch

Oliver Zwahlen hat sechs Jahre lang in China gelebt und gearbeitet. Aktuell hält er sich in Basel auf, von wo aus er seine Leser auf dem Weltreiseforum mit Reisetipps und Hintergrundartikeln zu Weltreisen versorgt. Auf seinem Blog “Sinograph” wiederum geht es exklusiv um das Reiseland China.