Text & Bild Tom Carley
Vor ziemlich genau zweieinhalb Jahren entschieden meine Freundin und ich „den Moment zu leben“. Wir kündigten unsere Arbeitsstellen und verkauften am Flohmarkt all den Plunder, der sich über die Jahre angesammelt hat. Und dann endlich, frei von allem Ballast, packten wir unsere Rucksäcke für ein Jahr voller Abenteuer. Wohin es gehen sollte? Nach Südamerika, einem Kontinent, in dem wir noch nie zuvor waren. Unser Ziel: Wir hatten keine Ahnung – zogen einfach mal los. Nach 51 Wochen kehrten wir in die Schweiz zurück, der Rucksack war nun gefüllt: Mit Erlebnissen, viel zu vielen Fotos zum Aussortieren und überwältigenden Erinnerungen.

GlobeSession fragte mich an, ob ich den Lesern unsere Südamerika-Highlights verraten und einige meiner Fotos teilen würde. Eine schwierige Aufgabe – in den Reiseführern findend man bereits unzählige Tipps und Empfehlungen und trifft man unterwegs andere Reisende, erweitert sich diese Liste von sehens- und erlebenswerten Dingen um ein Vielfaches. Deshalb möchte ich hier auch nicht die Top-Highlights aufführen, die in jedem Reiseführer herausgehoben werden. Ich werde Ihnen unsere persönlichen Highlights vorstellen, eher unpopulärere Plätze, die aber bei uns alle einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Deshalb beginne ich gleich etwas unkonventionell – mit einem Land, das nicht in Südamerika liegt. Den Tipp wollte ich Ihnen einfach nicht entgehen lassen.


Südamerika

1 | Panama: San San Pond Sak Nationalpark

Reisende, die Panama besuchen, landen jeweils fast mit Bestimmtheit auf dem tropischen Archipel Bocas del Torro, im Nordosten des Landes. Mein Highlight war aber nicht Bocas del Torro, sondern der nahegelegene San San Pond Sak Nationalpark. Er liegt ca. eine Stunde nördlich des Archipels an der Grenze zu Costa Rica. Während eines Besuchs des Naturparadieses sieht man Faultiere, Seekühe und die verschiedensten Vögel. Noch besser: man kann hier auch Freiwilligenarbeit leisten und damit etwas zum Schutz des Parks, speziell der Lederschildkröten, beitragen. Der Ort ist einfach, weg von jeglichem komfortablen Tourismus und das Klima ist hier fast unaushaltbar feucht. Doch wenn Sie mal weg von allem wollen – viel weiter weg vom Alltag als hier werden sie wahrscheinlich nirgends kommen. Es war eine spezielle Zeit, die Arbeit mit den Schildkröten spannend, aber der mit Abstand erhebendste Moment war, als wir live miterleben durften, wie die Jungtiere schlüpften und ihre ersten Schritte zum Ozean hin machten. Diesen Moment in Worte zu fassen ist unmöglich.


San San Pond Sak Nationalpark

2 | Kolumbien: Salento – Kaffeeregion

In 2000 m ü.M., inmitten grüner fruchtbarer Hügel liegt das Dorf Salento, im Kaffeeanbaugebiet von Zentralkolumbien. Hier kann man sich bei einer Tour alles über Kaffee erzählen lassen und in der Nähe gibt es einen einzigartigen Nationalpark. In diesem wanderten wir durch ein Tal voller „Wachspalmen“, die weltweit höchstwachsenden Palmen. Sie können bis zu 60 Meter hoch wachsen und geben ein märchenhaftes Bild ab. Falls man selbst dann noch gelangweilt sein sollte und etwas ganz aussergewöhnliches erleben möchte – da wäre noch was: die lokale „Tejo“ Bar. Hier wird Bowling gross geschrieben, genauer gesagt „Tejo“, die kolumbianische Version davon. Und die hat es in sich. Anstatt Bowlingkugeln benutzt man Metallscheiben. Diese wirft man gegen eine Lehmwand in der sich kleine Dreiecke mit Schiesspulver befinden. Diese zu treffen und somit zur Explosion zu bringen ist das Ziel. Wer andere Reisende treffen und lustige Abende verbringen möchte, der sollte definitiv dahin gehen.


Salento, Kolumbien

3 | Ecuador: Canoa, Cuenca & Vilcabamba

Canoa

Dieses Pendant zu den populären englischen Küstenstädtchen zog mich aus einem Grund in den Bann: Surfen. Der Ort ist sicherlich nicht der schönste, hat definitiv zu viele Restaurants und Bars und ist am Wochenende voller partywütiger Einheimischer. Aber sucht man einen geeigneten Ort, um sich das Surfen beizubringen, ist man in Canoa richtig. Der Ort ist noch immer sehr einfach, ausser am Wochenende ist es hier noch ziemlich ruhig und doch findet man die nötige touristische Infrastruktur. Der goldene Sandstrand scheint unendlich, so weit das Auge reicht und überall gibt es gute Surfspots für Anfänger. Vergleichbar mit den Stränden von Brasilien und Panama ist er nicht, aber viele Strände können diesen Vergleich sowieso nicht aufnehmen. Es gibt einige Shops, die Surfboards vermieten und das Wasser ist schön warm.

Cuenca

Die einstige Hauptstadt Ecuadors ist definitiv einen Stopp wert. Bereits nach einem fünfminütigen Spaziergang durch die Gassen ist man mitten in der ecuadorianischen Kultur – umgeben von den einheimischen Frauen, den Cholas mit ihren traditionellen Kleidern. Dazu kommen: Bildergalerien, Museen, Live-Musik und einige der besten Restaurants und Bars von Ecuador – ein Mix von Tradition und Gegenwart. Sollte man seine Spanischkenntnisse aufbessern und einen Kurs besuchen wollen, ist Cuenca ein idealer Ort.

Vilcabamba

Noch etwas südlicher von Cuenca liegt der „Expat“-Ort Vilcabamba. Ich weiss, was Sie nun denken: „Oh je, Expat-Platz – Globaler Einheitsbrei – und der will uns die Highlights Südamerikas vorstellen“. Stimmt ja eigentlich, aber nach einigen Monaten fern der Heimat gibt es, sorry so ist es nun mal, nichts schöneres als für ein paar wenige Tage Dinge wie ein gutes Brot zu geniessen. Und wenn man all diese Dinge aus seiner Heimat auf einem Hügel mit Sicht auf eines der schönsten Täler überhaupt geniessen darf, fühlt man sich weit weg vom richtigen Leben. Traumhaft – zumindest für alle, die eine kurze Pause vom Reisen und etwas Home-Feeling gebrauchen können. Mit Sicherheit eine bessere Wahl als eine x-beliebige Starbucks-Filiale zu besuchen.


Ecuador: Canoa, Cuenca & Vilcabamba

4 | Peru: Arequipa

Bei vielen, die mit wenig Zeit durch Peru reisen, wird Arequipa ausgelassen. Das ist meiner bescheidenen Meinung nach ein Fehler. Es gibt hier eine atemberaubende Umgebung und eine wunderschöne Altstadt mit einem Kloster aus dem 16. Jahrhundert zu sehen – was einen hier aber wirklich weghaut: Das Essen! Vom super trendy Schuppen „Chicha“ über das von einem Schweizer Besitzer geführten „Zig Zag“ zum Kartoffel-Spezialisten „Hatuna“. Diese Restaurants sind fantastisch. Sie werden Sie auch in den gängigen Reiseführern finden – Geheimtipps sind diese Restaurants nicht, aber definitiv einen Besuch wert. Falls Sie über den Namen Zig Zag des Schweizer Besitzers gestolpert sind: Nein, das Essen im Zig Zag in Arequipa hat absolut keine Ähnlichkeit mit dem Fastfood des Schweizer Zic Zac.


Arequipa

5 | Brasilien: Rio de Janeiro, Ilha Grande & Bonito

Dieses Land hat mehr Highlights zu bieten, als eine Liste beinhalten kann. Diese drei Dinge sollten Sie aber bei einer Brasilien Reise auf keinen Fall links liegen lassen:

Rio de Janeiro

Den Freitag Abend sollte man im Stadtteil Lapa verbringen. Das ist so ähnlich wie ein Freitag Abend im Osten Londons – nur sind die Brasilianer zehn mal so cool drauf. Am Samstag Abend kriegt man in Rio de Janeiro die besten Samba Bands zu hören – wie die tanzen, haut einen weg – und das alles ohne den Stress des Karnevals.

Ilha Grande

Drei Stunden südlich der Metropole Rio de Janeiro liegt diese Insel – ein Paradies mit Sandstränden und einem Regenwald. Verkehr? Abgesehen von Booten ist der hier inexistent. Was man hier tut? Surfen, wandern, an den schönsten Stränden rumliegen, Acerola-Saft trinken, Açai geniessen und Caipirinhas schlürfen … kann das Leben schöner sein?

Bonito

Weit weg von der Küste, im Staat Mato Grosso do Sul, befindet sich der Ort Bonito. Dass man in der Umgebung über mehrere Kilometer lang in kristallklaren Flüssen schnorcheln kann, wäre bereits ein genug guter Grund um hierher zu kommen. Aber es gibt mehr – das ultimative Erlebnis: Sich 72 Meter abseilen zu lassen, rein in eine unterirdische Höhle, die Abismo de Anhumas, mit einem azurblauen See. Hier geniesst man das Schnorcheln mit 30 Metern Sicht und bestaunt die Unterwasser-Stalagmiten – es fühlt sich an als wäre man in einem Sciencefiction Film.


Brasilien: Rio de Janeiro, Ilha Grande & Bonito