Text Martin Hoch, Bild Martin Leonhardt
Martin Leonhardt ist passionierter Motorradfahrer und bereist seit mehreren Monaten den Südamerikanischen Kontinent. Seine Begleiterin ist die KTM 1190 Adventure R. Wir wollten von ihm wissen, wie er die Reise umsetzen konnte, wo es ihm bis jetzt am besten gefiel und wie er mit Einsamkeit umgeht.

Ein Reise wie die von Martin Leonhardt ist spannend und seine Interviewantworten ziehen einen in den Bann. Wir hoffen, dass dieser Artikel für Sie auch eine Inspiration ist – wer weiss, welches Abenteuer da draussen auf Sie wartet? Denken Sie nicht, dass ein Abenteuer extrem oder gefährlich sein muss, es muss vor allem Spass machen. Ein Abenteuer soll einen in erster Linie aus dem Alltag herauskatapultieren. Einen Abstand zum gewohnten Leben geben, damit man dieses auch wiedermal von aussen betrachten kann. Dadurch entsteht aus einem Abenteuer nämlich meist wieder ein nächstes – man beginnt sein Leben so richtig zu leben. Und das wollen wir doch: Raus in die Welt, rein ins Leben!


Südamerika

Ich hatte vor der Reise mehrere Jahre gearbeitet und all mein Hab und Gut verkauft.

GS: Du bist bereits seit 9 Monaten unterwegs. Eine Weltreise soll es werden. Als deinen zeitlichen Horizont nennst du drei Jahre oder länger. Wer jeden Tag zur Arbeit muss, fragt sich: Wie konntest du dir den Traum ermöglichen?

Martin Leonhardt: Das mit den drei Jahren ist mehr mein finanzieller Horizont. Momentan gibt es kein festes Enddatum. Ich nehme mir viel Zeit in den einzelnen Ländern und werde es wahrscheinlich kaum schaffen, in drei Jahren alle Kontinente zu „befahren“. Das lasse ich alles auf mich zu kommen. Ich hatte vor der Reise mehrere Jahre gearbeitet und all mein Hab und Gut verkauft. Die Gesamtsumme bildet mein Grundbudget für die Reise. Wenn alles gut kommt, wird dies in etwa für den genannten Zeitraum reichen. Ab und an verkaufe ich Bilder oder schreibe Reiseartikel. Dies ist ein willkommener Zustupf und verlängert meine Reise. Gut möglich, dass ich auch mal an einem Ort einen längeren Stop einlege und etwas arbeiten werde.

GS: Du musstest Informationen zusammensuchen, dich über Visabestimmungen informieren, ein Motorrad reisetauglich ausrüsten und tausend weitere Dinge organisieren. Wie lange dauerten deine Vorbereitungen für den Trip? Zurückblickend: was rätst du Reisewilligen, wie viel Zeit sollten sie für die Vorbereitung einer mehrmonatigen Reise einrechnen?

Martin Leonhardt: Ich hatte knapp neun Monate vor der Reise angefangen Informationen zu sammeln. Am wichtigsten sind die bürokratischen Angelegenheiten wie Reisepass, internationaler Fahrzeug- und Führerschein, Versicherungen und so weiter. Auch wichtig sind die Visabestimmungen für die Länder. Südamerika war da nun einfach, da die Visen in allen Ländern vor Ort ausgestellt werden. Wer aber in Länder wie Russland will, muss hier natürlich mehr Zeit einplanen. Da ich ein neues Motorrad gekauft hatte, war dieses innerhalb von zwei Wochen reisetauglich ausgerüstet. Zwei Monate vor Reiseantritt war ich von meiner Arbeit beurlaubt und konnte mich intensiv um die Routenplanung und andere Kleinigkeiten kümmern.

GS: Weg vom Organisatorischen – deine Bilder sind richtig gut. Mit welchem Equipment bist du unterwegs und wie lange widmest du dich schon der Fotografie?

Martin Leonhardt: Erstmals danke! Ich verwende Nikon Kameras im DX Format. Eine D7100 und eine D5100. Dann habe ich noch eine Sony RX 100 II und eine GoPro Actioncam. Ich fotografiere schon seit ein paar Jahren. Intensiver betreibe ich das Hobby seit meiner Zeit als „Polarforscher“. Auf Expeditionen in Grönland/Antarktis war immer viel Zeit dafür. Gerade was die digitale Bildbearbeitung angeht, konnte ich mich dort oben bzw. unten so richtig austoben.

GS: Nebst der Fotografie, stellst du Kurzfilme deiner Abenteuer ins Netz, schreibst Reiseberichte und testest Produkte – was treibt dich an und bleibt da noch Zeit zum Reisen?

Martin Leonhardt: Das schöne an einem Blog ist, dass ich diesen schreiben kann, wann ich will und keinerlei Verpflichtungen habe. Ich entscheide das meist sehr spontan. Manchmal ist mir einfach danach ein Artikel zu schreiben oder ein kleines Video zu produzieren. Freiheitenwelt sollte nie ein lückenloses Tagebuch meiner Reise werden. Hie und da ein paar Eindrücke will ich aber schon in die Heimat schicken. Das schöne an einer langen Reise wie meiner ist ja, dass ich jeden Tag tun und lassen kann, was ich will. Genau so halte ich es auch mit dem Bloggen. Für Printmedien gilt das gleiche!

… dass ich jeden Tag tun und lassen kann, was ich will.

Die Routen sind natürlich äusserst abenteuerlich …

GS: In Südamerika hast du bereits über 30’000 Kilometer zurückgelegt, welche Strecke gefiel dir am besten?

Martin Leonhardt: Da muss ich nicht lange überlegen. Die Atacama Wüste und das Altiplano. Die Routen sind natürlich äusserst abenteuerlich und verlangen nach einer guten Vorbereitung. Aber es ist einfach traumhaft inmitten dieser unwirklichen Landschaften mit dem Motorrad zu fahren und die Nächte im Zelt zu verbringen. Natürlich ist es auch einsam dort. Stellenweise hatten die Strecken richtigen Expeditionscharakter. Ein Abenteuer eben!

GS: Welche Orte, die du bis jetzt besucht hast, würdest du jedem empfehlen?

Martin Leonhardt: Neben der Atacama Wüste und dem Altiplano: Rio de Janeiro (Brasilien), Cotahuasi Canyon (Peru), Potosi (Bolivien), Südpatagonien (Chile, Argentinien), Salar de Uyuni (Bolivien).
Zudem würde ich jedem zumindest eine Vulkanbesteigung empfehlen. Leicht wäre der Klassiker Villarrica (Chile). Schwerer der Lascar (Chile). Es gibt aber hunderte mehr. In Patagonien muss man unbedingt wandern gehen. Hier ist der Torres del Paine Nationalpark sehr beliebt. Und geht Schwimmen im Atlantik und Pazifik – das macht Spass.

GS: Eignet sich Südamerika für eine mehrmonatige Motorradreise? Wie herausfordernd sind die Strassen Südamerikas, wie hektisch ist der Verkehr oder wie störend der Wind in Patagonien?

Martin Leonhardt: Südamerika eignet sich hervorragend für eine mehrmonatige Reise. Wer will, kann durch fast alle Länder ausschliesslich auf Teerstrassen fahren. Diese sind zumeist sehr gut. Je nach Land sollte man aber schon nach Schlaglöchern und anderen Hindernissen Ausschau halten. Wer weiter in ländliche Gegenden aufbrechen will, wird auch auf Schotterstrassen treffen. Richtig unpassierbar fand ich bis dato noch keine Strasse. Einmal abgesehen von den Sandfeldern in der Atacama und den Matschlöchern auf dem alten Transchaco Highway – aber solche Strecken muss man nicht unbedingt fahren. Der Wind in Patagonien hat es schon in sich. Man muss auf plötzliche Böen achten, die einen schon mal von der Strasse fegen können. Südamerika ist gross und geht durch mehrere Klimazonen. Ein Beispiel: Hier in Brasilien sind so manche Tage von heftigen Regenfällen bestimmt. Es kommt öfters zu Überschwemmungen. Ein Problem, das im Norden von Chile nie auftritt. Darauf muss man sich einfach einstellen. Manchmal ist es ratsam, eine Ruhepause einzulegen und auf bessere Konditionen für die Weiterfahrt zu warten.

GS: Alleine unterwegs sein, kann auch heissen, einsam zu sein und viel Zeit für sich alleine zu haben – wie gehst du damit um?

Martin Leonhardt: Diese Frage wird mir oft gestellt! Für gewöhnlich antworte ich darauf, dass gerade eine Reise alleine am intensivsten ist und mich den Menschen und auch mir selber näher bringt. Ich gehe damit eigentlich ganz locker um. Ich weiss mich ganz gut zu beschäftigen und schätze die Zeit alleine sehr. Wenn die Einsamkeit zu arg wird, geht man ganz automatisch auf Menschen zu, was dann meist ziemlich interessante Begegnungen ergibt.

Ein weiser Mann hat mal gesagt: „Was nützen alle Abenteuer der Welt, wenn niemand da ist, mit dem man sie teilen kann?“ Das ist die Kehrseite. Klar erlebe ich viel und ich könnte mittlerweile wohl bereits ein Buch über meine Erlebnisse schreiben. Was ich teilen kann, sind meine Bilder und Geschichten. Der Grossteil meiner Reise bleibt aber, solange ich alleine reise, mir alleine vorbehalten. Manchmal würde ich mir schon einen Reisepartner(in) wünschen!

Wenn die Einsamkeit zu arg wird, geht man ganz automatisch auf Menschen zu …

Martin-Leonhardt-PortraitMartin Leonhardt

freiheitenwelt.de

Der Motorradreisende aus Deutschland bereits mit seinem Motorrad die Welt. Selbst nennt er sich: Fotograf, Weltreisender und Abenteurer. Nebst dem Reisen schreibt er für Magazine und betreibt einen Blog über seinen Wahnsinnstrip.

GS: Was werden die Ziele deiner nächsten Etappe sein?

Martin Leonhardt: Ich plane meine Reise nie im Detail über mehrere Monate. In den nächsten zwei bis drei Monaten möchte ich die Ostküste Brasiliens erkunden. Ich will mich mal am Surfen probieren und dem Strandleben nachkommen. Sobald ich genug davon habe geht es in den Amazonas. Momentan schwebt mir noch vor über Venezuela nach Kolumbien und Ecuador weiter zu fahren. Wegen der äusserst kritischen politischen Lage in Venezuela kann ich dies allerdings jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen. Alternativ könnte mich der Transamazonica Highway auch nach Peru zurückführen.

GS: Zum Schluss – hast du den Entscheid alles auf zwei Räder zu setzen je bereut oder bist du noch gleich enthusiastisch wie am Anfang der Reise?

Martin Leonhardt: Das Motorrad ist für mich das perfekte Reisegefährt. Ich würde ganz sicherlich wieder auf zwei Rädern los fahren. Was meine Wahl des Motorrades angeht bin ich mittlerweile allerdings weit weniger „enthusiastisch“ als zu Beginn der Reise. Mein Kätzchen zickt schon mal ordentlich rum und will weit mehr umsorgt werden, als ich das für normal empfinde.

GS: Vielen Dank.

Touratech Logo

Martin Leonhardt wird auf seinen Motorradreisen von Touratech unterstützt.

Neue Ideen fürs Motorrad: Touratech ist die Schmiede innovativer Produkte für Reisen, Outdoor und Sport mit dem Motorrad. Seit über zwei Jahrzehnten werden von Motorrad-Enthusiasten der Touratech AG Hightech-Produkte auch für härteste Anforderungen entwickelt, produziert und weltweit auf den Markt gebracht. Firmensitz ist Niedereschach am Rande des Schwarzwalds; weltweit ist die Touratech AG in rund 40 Ländern vertreten.“