Text Martin Hoch, Bild Martin Bailey
Eigentlich beginnt oder endet eine Panamericanareise in Ushuaia (Argentinien), dem sogenannten „Ende der Welt“. Und doch gehört für immer mehr Reisende inzwischen eine mehrtägige Bootsrundfahrt in die Antarktis dazu. Lohnt es sich viel Geld auszugeben, eine stürmische Überfahrt auf sich zu nehmen – nur um dann zu frieren? Der Profifotograf Martin Bailey erzählt uns mehr über die Faszination Antarktis. Ausserdem verrät er uns, was das wichtigste Zubehör beim Fotografieren in der Antarktis ist und auf was man beim Fotografieren in dieser weissen Wunderwelt besonders achten sollte.

GS: Du warst in der Antarktis, den Falkland Inseln und Südgeorgien. Diese Region ist eiskalt und schwierig zu erreichen, schliesslich muss man Meerespassagen, die stürmisch und von meterhohen Wellen geprägt sind, passieren. Und all das nur, um Eisberge zu sehen – was zieht dich in diese entlegene Region?

Martin Bailey: Genau das – Eisberge und diese weltfremden Landschaften. Es ist eine faszinierende Gegend, die ich immer wieder besuchen werde. Ich war bereits viermal hier und plane bereits meine nächste Reise dahin.


Antarktis

Es sind oft die Tiere, die von sich aus zu einem hin kommen.

GS: Wie nahe kamst du an Tiere. Hast du ein spezielles Teleobjektiv benötigt?

Martin Bailey: Es gibt grundsätzlich Regeln, auf welche Distanzen man sich den Tieren während einer Antarktis-Tour annähern darf. Dann sind es aber oft die Tiere, die von sich aus zu einem hin kommen. Das ist natürlich schön, es sei denn, es ist ein erwachsener Seelöwe, da sollte man darauf achten, dass immer eine gesunde Distanz zwischen dem Tier und einem selbst bestehen bleibt.

Für die Landschaftsaufnahmen benötigt man selbstverständlich kein Teleobjektiv. Für die meisten meiner Fotografien arbeite ich mit einem Zoombobjektiv 70 – 200 mm. Aber ich habe auch stets ein Teleobjektiv mit bis zu 400 mm dabei.

GS: Welches Kamerazubehör ist bei einem Antarktis-Trip unerlässlich?

Martin Bailey: Noch vor wenigen Jahren war es essentiell genug Ersatzbatterien dabei zu haben, da sich die Batterien bei Kälte oft in nur wenigen Minuten entluden. Die heutigen Batterien der Digitalen Spiegelreflexkameras sind um ein vielfaches robuster und entladen sich bei Kälte vielleicht noch 10 – 20% schneller als unter normalen Umständen. Das wichtigste Utensil, dass man dabei haben sollte, ist eine Dry-Bag. Bei den täglichen Ausflügen ist man stets mit einem Zodiac-Motorboot unterwegs, da kann es auch mal nass werden. Es lohnt sich die Ausrüstung gut vor Wasser zu schützen.

GS: Worin liegt die Herausforderung, die Antarktis fotografisch festzuhalten?

Martin Bailey: Die grösste Herausforderung besteht wohl darin, den Gestank der jungen Pinguine auszuhalten. Spass beiseite, eigentlich ist es wie überall: Man muss versuchen Bilder zu schiessen, die Menschenherzen berühren und Emotionen hervorrufen.

… es gilt, den Gestank der jungen Pinguine auszuhalten.

Die Tage sind lange und ermüdend.

GS: Die Fotografien deines Portfolios „Antarktis, die Falkland Inseln und Südgeorgien“ entstanden während eines von dir geleiteten Workshops. Für wen bietest du diese Kurse an und was sind die minimalen Anforderungen an das fotografische Können der Teilnehmer?

Martin Bailey: Meine Fototouren und -Kurse richten sich an Fotografen allen Levels. Ich glaube aber, dass es von Vorteil ist, wenn die Teilnehmer zumindest über ein Fotografie Basiswissen verfügen. Nicht wegen mir, sondern weil sie so mehr lernen. Aber natürlich helfe ich jeweils bereitwillig und abends besprechen wir die Bilder.

GS: Wie sieht so ein Tag bei einem deiner Workshops aus und was lernen die Teilnehmer?

Martin Bailey: Das kommt sehr auf die Art der Tour bzw. des Workshops an. Aber meist beginnt der Tag früh, oft sind wir bereits einige Stunden vor dem Frühstück unterwegs. Wir arbeiten mit dem goldigen Morgenlicht und sind vielfach bis zum Sonnenuntergang unterwegs. Die Tage sind lange und ermüdend. Aber die Teilnehmer lieben diese Tage, sie wollen das Maximum aus einem Tag herausholen – schliesslich sind wir an den schönsten Orten unterwegs.

Einige Kurse sind im Winter, wenn es schneit, da muss ich den Leuten vor allem bei den Belichtungseinstellungen helfen. Ohne die Belichtung richtig einzustellen, werden die meisten Bilder in dieser Gegend zu dunkel. Damit der Schnee auf einem Foto auch wirklich weiss ist, sollte man die Einstellung der Belichtung in den Griff kriegen.

Martin-Bailey-PortraitMartin Bailey (47)

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Der japanische Fotograf, geboren als Engländer, wohnt in der pulsierenden Metropole Tokyo, Japan. Obwohl er als Fotograf ziemlich beschäftigt ist, lebt er nach dem Motto: „Let’s not rush to ‘arrive’. It’s all about the journey.“

GS: Eine letzte Frage: Was bedeutet die Fotografie für dich?

Martin Bailey: Fotografie bedeutet für mich schlicht alles. Es ist mein Leben und ohne sie hätte das Leben für mich wenig Sinn. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden, wenn ich draussen im Feld bin, meine Kamera im Anschlag und gleichzeitig gibt es mir viel, wenn ich anderen Menschen fotografisch helfen darf. Es ist unwahrscheinlich beschenkend, wenn man einem 65-Jährigen Mann zuschauen kann, der wie ein Teenager lacht, weil er soeben das Foto seines Lebens geschossen hat. Ich habe den besten Beruf der Welt.