Text Martin Hoch, Bild Doreen & Andreas
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, sang einst Reinhard Mey. Ob das so ist, das weiss wahrscheinlich keiner besser als Doreen und Andreas. Seit über zwei Jahren bereisen sie die Panamericana mit einem sogenannten „Trike“, einem Ultraleichtflugzeug. Und das ist erst der Anfang einer noch mehrere Jahre dauernden Weltreise. Das deutsche Paar und ihr Gefährt fallen auf. Sie leben ihren Traum. Kompromisslos. Dafür werden sie reich beschenkt, dürfen sie doch unseren Planeten fast täglich von oben betrachten – Vogelfrei – und werden im Alter bestimmt nicht verlegen sein, die ein oder andere Geschichte erzählen zu können. Denn das können sie bereits jetzt.


Nord-, Zentral- und Südamerika

Wir müssen immer im Sommer fliegen.

GS: Als ich von Eurer Reise vernommen habe, dachte ich spontan: So etwas ist unmöglich. Hattet ihr bei der Planung nie solche Gedanken?

Andreas: Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, meine Träume in die Realität umzusetzen. Auch dieser Flug, in einem offenen Ultraleichtflugzeug über viele Jahre hinweg die Welt zu umrunden, gehörte zu diesem Träumen. Hier gab es zwei Problem zu lösen: Zum einen, wie finanziere ich das Ganze und zum anderen, ob dies von den klimatischen Verhältnissen überhaupt möglich ist. Wir gaben unsere Jobs in Berlin auf, verkauften unser Haus. Mit Eigenmitteln und einigen Kleinsponsoren konnten wir das erste Jahr finanzieren. Den Rest bekommen wir mit dem Verkauf unserer Bücher und Filme, die man im Buchhandel sowie auf unserer Website Trike World Tour erwerben kann, wie auch durch unsere jährlichen Multimediashows zusammen. Und vom Klima her müssen wir halt immer im Sommer fliegen. Auf der nördlichen Erdhälfte von Mai bis Oktober und auf der südlichen Erdhälfte von Oktober bis Mai.

GS: Nun seit ihr seit gut zwei Jahren unterwegs und habt bewiesen, dass es möglich ist. Was waren eure grössten Highlights entlang den Ländern der Panamericana?

Andreas: Nebst den einmaligen Landschaften war das Highlight die positive Erfahrung mit all den Leuten, die wir unterwegs getroffen haben. Eine derart grosse Hilfsbereitschaft haben wir nicht erwartet! Oft gaben uns Leute, die uns erst wenige Minuten kannten, ihre Autos, luden uns zum Essen ein oder offerierten uns eine Übernachtungsmöglichkeit in ihrer Wohnung. Das andere Highlight ist sicherlich die Erfahrung, dass man auch 24 Stunden als Paar über Jahre hinweg zusammen sein kann. Das hätte ich vor der Tour nicht für möglich gehalten!

GS: Unternehmt ihr auch Ausflüge zu Fuss und wenn ja, welche Region hat euch bis jetzt am meisten begeistert?

Andreas: Ja, die Idee ist nicht jeden Tag zu fliegen, sondern an möglichst vielen interessanten Orten eine Pause für Sightseeing und zum Wandern einzulegen. Vom Monument Valley in den USA und den Vulkanen Mexikos, über die Traumstrände Mittelamerikas, den Dschungel Kolumbiens oder die wunderschönen Wüsten Perus bis hin zu den Salzseen Chiles. Auch die Maya und Inka Kulturen haben es uns angetan, wie auch weitere Kulturen entlang der Panamericana.

GS: Können wir uns einen Tag in eurem Leben in etwa so vorstellen: Ihr geniesst tagsüber einen Panoramaflug, landet abends auf einem kleinen Flughafen und checkt gleich nebenan in ein Hotel ein. Danach nehmt ihr eine Dusche und geniesst erfrischt einen Cocktail in der Strandbar?

Andreas: Das denkt jeder! Aber hinter unserer Reise steckt jede Menge Arbeit. Dazu gehört die Flugvorbereitung: von der Routenplanung bis zum Wetter. Das allein beansprucht für jede Flugstunde rund drei bis fünf Stunden. Danach kommt der Bürokram: Erlaubnisse einholen und Flugpläne ausfüllen. Auch müssen die Bilder und Videoaufnahmen nach jedem Flug gesichtet und gespeichert werden. Letzteres dauert sechs Stunden je Flug. Nicht zu vergessen: Batterien wieder laden, Beiträge für Facebook und unserem Reiseblog auf Traveldiary zu schreiben. Wir fliegen meist bei Sonnenaufgang los. Nach zwei bis drei Stunden Flug landen wir dann auf kleinen, mitunter auch großen, internationalen Flughäfen. Der Papierkram an den Flughäfen dauert bis zu drei Stunden. Danach müssen wir im Internet nach einer billigen Pension suchen, ein Taxi organisieren und einchecken. Gegen 14 Uhr kriegen wir dann endlich unsere erste Mahlzeit. Wenn wir am folgenden Tag weiter fliegen, bleibt uns am Abend nur Zeit für einen kleinen Bummel – ohne Alkohol. Denn den Nachmittag benötigen wir bereits wieder für die Vorbereitungen für den nächsten Flug. Wir versuchen immer einige Tagen an einem Ort zu bleiben. Darunter sind jedoch oft Orte, die keine Traumdestinationen sind, sondern an denen wir aus Wettertechnischen Gründen eine Pause einlegen müssen.

Hinter unserer Reise steckt jede Menge Arbeit.

Eine Gewitterfront jagte die nächste.

GS: Euer Abenteuer muss unglaublich gefährlich sein. Wie sicher ist ein „Trike“ und seit ihr auf ein Worstcase-Szenario, zum Beispiel einer Notlandung im Amazonas, vorbereitet?

Andreas: Wie sicher oder gefährlich solch ein Flugabenteuer ist, entscheiden wir. Und wir gehen da immer auf „Nummer-Sicher“! Wenn das Wetter nicht perfekt ist, fliegen wir nicht. Auch von der Flugroute her, versuchen wir immer dort zu fliegen, wo wir bei einem Motorausfall einen Notlandeplatz wie einen Strand oder eine Wiese hätten. Das geht aber natürlich nicht immer. Gerade ein Flug über dichten Dschungel, wie den Darien Gap, im Grenzgebiet von Panama und Kolumbien, oder die weiten Strecken über Wasser sind sehr risikoreich. Hier haben wir für den absoluten Notfall, wenn zum Beispiel das Segel brechen sollte, einen Fallschirm für das gesamte „Trike“ dabei. Dann würden wir mit 8-10 km/h runter auf die Erde oder ins Wasser gleiten. Das „Trike“ und unser gesamter Besitz wäre dahin, aber wir zwei hätten recht gute Überlebenschancen. Den Fallschirm haben wir von BRS gesponsert bekommen – mit der Bitte das Produkt niemals zu benutzen.

GS: Welches sind bei eurer Art des Reisens die grössten Herausforderungen?

Andreas: Das Wetter. Dass uns das Wetter derartige Schwierigkeiten auferlegen wird, damit rechneten wir nicht. In Belize regnet es im Januar im Durchschnitt nur ein bis zwei Tage. Als wir dort waren, regnete es 28 Tage. Oder der Flug von Panama nach Kolumbien. Da jagte eine Gewitterfront die nächste und das über Wochen hinweg. Auch in Ecuador und Peru hatten wir mit für die Jahreszeit absolut unüblichem Wetter zu kämpfen. Und für die Überquerung der Anden mussten wir in Patagonien sieben Wochen warten. Deshalb sind aus den geplanten drei Jahren für dieses Abenteuer auch bereits sechs Jahre geworden.

GS: Aber es scheint sich zu lohnen – ihr müsst nach allem was ihr bis jetzt gesehen habt, hin und weg sein von der Schönheit der Natur?

Andreas: Ja, Eindrücke, wie die bei der Überquerung der Anden, waren absolut atemberaubend! Oft schauen wir uns nach einer Landung gegenseitig in die Augen und sagen nur „WOW, was für ein Flug“. Auch Dinge, die von unten langweilig erscheinen mögen, wie die Wüsten Perus und Chiles, können von oben ein Spektakel sein, das einen sprachlos macht. Und wir freuen uns schon jetzt auf den Flug durch die Karibik, auf die Überquerung des Atlantiks, die Flüge über Grönland und Island, sowie natürlich über die atemberaubenden Landschaften Afrikas und Asiens – bis zu unserem vorläufigen Endziel Sydney.

GS: Wenn unsere Leser mehr über euch erfahren wollen und sie aktuelle Berichte von euch erhalten möchten, wie kann man an eurem Abenteuer teilhaben?

Andreas: Jeder kann uns, wenn er will, persönlich kennen lernen: Einmal im Jahr kommen wir für drei Wochen nach Deutschland, um dort mit einer Multivisions-Show auf Tour zu gehen. Wir zeigen die besten Fotos und einige Filmausschnitte in Full-HD. Alles auf riesigen Leinwänden. Dazu gibt es unsere Story und Erlebnisse „live“. Im Januar 2015 werden wir wieder nach Deutschland kommen. Wir haben auch bereits zwei Bücher geschrieben: „Abflug: Der Beginn einer abenteuerlichen Weltreise mit dem „fliegenden Motorrad“ und „Vogelfrei: Die Geschichte zweier fliegender Nomaden zwischen Himmel & Hölle“. Darin ist alles sehr lebendig, mit all unseren Gefühlen, beschrieben. Außerdem produzierten wir einen Film in Full-HD, in 2D und 3D: „100.000 Meilen“. Der hat es in sich! Wir sind auch auf Facebook vertreten und haben einen Blog. Alle Infos findet man auch auf unserer Website Trike World Tour.

GS: Vielen Dank – wir von GlobeSession wünschen euch eine erlebnisreiche und sichere Weiterreise!

Wir haben bereits zwei Bücher geschrieben.