Thierry-Wilhelm Hinter-Kulissen-Motorrad-Weltreise-SlS

Text Martin Hoch, Bild Thierry Wilhelm
Dies ist der letzte Teil unserer vierteiligen Interviewserie mit Thierry Wilhelm, einem Schweizer Motorradweltreisenden. Im ersten Teil erzählte er uns begeistert von seinen Abenteuern in Lateinamerika. Danach, im zweiten Teil, entführte er uns in den Orient und schliesslich nahm er uns im dritten Teil mit auf die Strassen von Indien. In diesem letzten Teil möchten wir vor allem wissen wie es bei ihm weitergeht, welche Reisen anstehen und wie er sich sein Leben nach den Reisen vorstellt.

Dies ist zwar der letzte Teil dieser Interviewserie, das heisst aber nicht, dass wir die Reisen von Thierry Wilhelm nicht mehr begleiten werden. Es ist also gut möglich, dass ihr hier bei GlobeSession wieder vom Abenteurer aus Basel lesen werdet. Eingebettet in diesen Artikel sind Fotografien, die Thierry Wilhelm während seiner Tour durch Nepal festhielt.


Nepal

Die Lust auf Neues ist stärker!

GS: Du bist auf Reisen meist alleine unterwegs. Das gibt dir sicherlich viel Freiheit, anderseits kann ich mir vorstellen, dass du nicht selten mit Einsamkeit kämpfst?

Thierry Wilhelm: Ja, das ist unweigerlich so. Man ist ja nicht jeden Tag gleich gut drauf. Aber das gehört halt auch irgendwie dazu. Man vermisst plötzlich seine Familie oder gewisse Freunde. Sie tauchen einfach in den Gedanken auf und man verspürt eine gewisse Wehmut. Aber das sind Phasen und sie vergehen auch wieder. Man fährt einfach weiter und das nächste Abenteuer, sprich Ablenkung, stellt sich garantiert ein. Plötzlich trifft man wieder einen anderen Reisenden oder eine Gruppe, tut sich, wenn die Chemie stimmt, mit ihm oder denen zusammen und reist für eine Weile gemeinsam. Oder man bleibt für eine Weile an einem Ort und lernt sehr rasch wieder neue Menschen kennen. Es sind meist kurze Phasen, die langweilig sind und sich Einsamkeit einstellen könnte. Dazu kommt, dass die Lust auf Neues stärker ist!

GS: Auf deiner ersten Etappe warst auf der Panamericana unterwegs – von Mexico bis Feuerland. Die zweite Etappe führte dich durch den Orient – von Europa nach Südostasien. Inzwischen bist du bereits auf deiner dritten Etappe unterwegs – wohin wird sie dich führen und auf was freust du dich speziell?

Thierry Wilhelm: Diese Etappe ist die dritte von fünf. Ich startete in Indonesien und bin zur Zeit in Australien. Weiter geht es dann nach: Südkorea, Japan, Russland, Mongolei, Kasachstan, Ukraine, Slowakei, Österreich, Schweiz. Wenn alles gut geht, sollte ich im Oktober 2015 wieder zu Hause sein.

Auf was ich mich am meisten freue? Wenn ich mich auf ein einziges Land oder Ereignis festlegen soll, dann würde ich sagen, offroad und nur nach Kompass durch die weite Steppe der Mongolei zu fahren. Das riecht nach einem tollen Abenteuer!

… offroad und nur nach Kompass…

GS: Noch diese und zwei weitere Etappen, dann wirst du die Welt so bereist haben, wie du es geplant hast. Machst du dir manchmal Gedanken, was danach kommt? Meinst du nach 10 Jahren Abenteuer kannst du einfach nur noch irgendwo in der Hängematte liegen?

Thierry Wilhelm: Ja natürlich mache ich mir manchmal Gedanken darüber. Ich denke, dass ich nach einer gewissen „Verdauungsphase“ wohl erst mal in eine Leere fallen werde. Klar ist, dass ich noch zu jung sein werde, um nichts mehr zu tun. Das wäre mir auch zu langweilig. Ich muss mich irgendwie beschäftigen, sonst würde ich wohl depressiv werden. Ich könnte wohl jederzeit wieder in meinen Beruf einsteigen und in der Schweiz arbeiten. Da bin ich mir aber noch gar nicht sicher, ob ich das will. Zu stressig ist der Arbeitsalltag in der Schweiz. Als Alternative dazu habe mir ein zweites Zuhause in den Philippinen aufgebaut, denn seit 9 Jahren bin ich mit einer Philippina liiert. Wir haben ein Stück Land gekauft und ein Haus gebaut. Mittlerweile kenne ich viele Leute hier, Philippinos und Ausländer, die sich hier niedergelassen haben. Das Beziehungsnetz wächst. Es könnte also auch sein, dass ich irgendwas in den Philippinen anpacke. Aber das ist jetzt noch viel zu weit weg. Ich möchte mich noch nicht damit beschäftigen, denn es werden noch zu viele Jahre vergehen. Zu viel kann noch geschehen, bis es soweit ist. Ich lasse erst mal das Ende der Reise ganz entspannt auf mich zu kommen und werde dann sehen…

Zu viel kann noch geschehen, bis es soweit ist.

Aber keine Ahnung, ob ich mich dann auch dazu aufraffen kann.

GS: Dein Leben und deine Reisen sind spannend und für viele eine Inspiration. Planst du irgendwann eine Diashow in der Schweiz zu zeigen oder ein Buch zu schreiben? Ausserdem, wo und wie kann man die nächste Etappe deiner Reise mitverfolgen?

Thierry Wilhelm: Ich denke nicht, dass ich mit einer Diashow durch die Schweiz tingeln werde. Dazu bin ich nicht der Typ. Viele Menschen hatten mich unterwegs gefragt, ob ich nach Abschluss der Reise ein Buch schreiben würde. Ich antwortete immer und sage es auch jetzt, dass ich die Reise eigentlich nur für mich machen würde. Einfach weil es mein Traum ist. Ausserdem bin ich beileibe nicht der einzige, der eine lange Reise macht. Es wurden schon unzählige Reisebücher geschrieben. Aber, wenn ich so überlege, kommen so viele Geschichten zusammen, dass man locker mehrere Bücher schreiben könnte. Und da offensichtlich ein gewisses Interesse besteht und ich mich ja nach der Reise irgendwie beschäftigen muss, kann es durchaus sein. Aber keine Ahnung, ob ich mich dann auch dazu aufraffen kann. Was ich mir noch eher vorstellen kann, ist eine Art Doku-Dia-Film zu machen. Ich mache ja viele Fotos und kurze Filmsequenzen und irgendwie fände ich es schade, das Material nicht zu verwerten. Ich habe schon mal einen Versuch gemacht und die Fahrt durch die Türkei, Syrien und Jordanien verarbeitet.

Thierry Wilhelm

www.worldbiker.ch

Der Motorradweltreisende aus Basel begeistert. Seine Reise ist inspirierend, seine Berichte sind authentisch, locker geschrieben und seine Fotografien nehmen einen als Leser gleich mit auf seine Reisen. Die Welt bereist er über mehrere Jahre – der amerikanische Kontinent und Asien liegen bereits hinter ihm. Zur Zeit ist er „Down Under“ unterwegs.

Auf meiner Webseite Worldbiker ist der Ort, wo man meine nächste Etappe verfolgen kann. Ich lade regelmässig meine GPS-Waypoints auf meine Seite hoch. Seit der zweiten Etappe schreibe ich auch Berichte über die einzelnen Länder. Ich bereue es heute, dass ich nicht schon während der ersten Etappe durch Lateinamerika solche Berichte geschrieben hatte. Ich hätte nie gedacht, dass es irgendjemanden interessieren könnte, doch erhalte ich immer wieder tolle Feedbacks. Das motiviert mich. Für mich waren und sind die Fotos wie ein Tagebuch. Wenn ich die Bilder sehe, kommen mir sofort auch die dazugehörenden Geschichten in den Sinn. Also dachte ich, dass ich nicht auch noch schreiben müsse, da ich eher schreibfaul bin. Aber vielleicht hole ich das ja doch noch nach. Nur schon der Vollständigkeit halber… Dazu werde ich selbstverständlich auch wieder Fotos und Kurzvideos hochladen.

Übrigens, noch ein Tipp für diejenigen, die mit GPS in denselben Gegenden unterwegs sind, wie ich es war: Ich speichere die Waypoints immer abends am Ort meiner Übernachtung. Meist vor einem Guesthouse, einer Pension oder einem kleinen Hotel, das Motorrad-freundlich ist. Man kann sich also die Koordinaten rausschreiben und findet damit einfach zu einer Übernachtungsmöglichkeit. Manchmal kann es allerdings auch auf einem Zeltplatz oder in der Natur sein …

Touratech Logo

GARMIN_Logo_farbig

Thierry Wilhelm wird auf seinen Motorradreisen von Touratech unterstützt.

Neue Ideen fürs Motorrad: Touratech ist die Schmiede innovativer Produkte für Reisen, Outdoor und Sport mit dem Motorrad. Seit über zwei Jahrzehnten werden von Motorrad-Enthusiasten der Touratech AG Hightech-Produkte auch für härteste Anforderungen entwickelt, produziert und weltweit auf den Markt gebracht. Firmensitz ist Niedereschach am Rande des Schwarzwalds; weltweit ist die Touratech AG in rund 40 Ländern vertreten.“