Pushkar Kamelmesse

Text und Bild Olivia Gadient
Die Pushkar Kamelmesse ist die grösste Kamelausstellung der Welt und findet jährlich kurz vor dem ersten Vollmond im November in Pushkar (Rahjastan) in Indien statt. Ich durfte dieses Spektakel vor 5 Jahren schon einmal erleben und als ich nun wieder in Indien war, wusste ich, dass ich mir dieses einmalige Schauspiel zwischen Tradition und Spiritualität nicht entgehen lassen möchte.

Für 356 Tage im Jahr ist Pushkar ein kleines verschlafenes Städtchen am Rande der Tahr Wüste voller Tempel und enger Gassen, die nach Gewürzen und indischem Essen duften. Im Zentrum des Städtchens befindet sich ein See – eine der heiligsten Stätten des Hinduismus. Pushkar ist zu heilig für Alkohol, Fleisch oder Eier, man lebt hier strikt vegetarisch. Einmal im Jahr erwacht das kleine Städtchen jedoch aus seinem Dornröschenschlaf und für 9 Tage herrscht Ausnahmezustand.

Beduinen mit ihren farbigen Turbanen kommen mit über 10’000 Kamelen und fast genau so vielen Pferden nach Pushkar, um ihre Nutztiere zu verkaufen: Kamele werden geschoren, geputzt und mit farbigen Kostümen ausstaffiert. Die Zeit hier scheint stehen geblieben zu sein und man kommt aus dem Staunen kaum noch heraus: Die Kameltreiber und ihre Familien wohnen in einfachsten Zelten, waschen sich in dem selben Brunnen, wo sie auch ihre Kamele tränken und kochen ihre Mahlzeiten über Feuer aus entzündetem Kamelmist.


Pushkar Kamelmesse

… erzählt mir Pappu geduldig die Legende zum Ursprung des Festivals.

Doch wie entstand die Kamelmesse und was steckt genau dahinter?

Vor 5 Jahren durfte ich während der Kamelmesse Pappu und Setthu vom Hotel Aroma kennen lernen, wo ich nun auch dieses Jahr im völlig überfüllten Pushkar wieder ein Plätzchen zum Schlafen gefunden habe. Beim indischen Tee auf der Terrasse des Guesthouses mit Blick auf die Strasse voller Inder in traditionellen Gewändern erzählt mir Pappu geduldig die Legende zum Ursprung des Festivals:

Als Brahma, ein Gott im Hinduismus, Pushkar schuf, kreierte er den heiligen See, damit sich die Gläubigen mit einem Bad im See von ihren Sünden und der Wiedergeburt befreien konnten. Die anderen Götter waren jedoch nicht damit einverstanden, denn sie befürchteten, dass nun jeder Böses tun würde. So entschied Brahma, dass man lediglich von seinen Sünden befreit werden würde, wenn man in den 5 Tagen vor dem letzen Vollmond im November im See badet. So begannen Pilger aus ganz Indien auf Pferden und Kamelen nach Pushkar zu kommen. Durch die grosse Menge von Leuten und Nutztieren vor Ort kam es zu ersten Käufen und Verkäufen. Mit der Zeit begannen Kamel- und Pferdehändler extra zu dieser Zeit nach Pushkar zu reisen und Business zu generieren; die Kamelmesse entstand.

Es ist schwer dieses riesige Spektakel in Worte zu fassen: Neben den Kamelhändlern reisen tausende von gläubigen Hindus mit ihren ganzen Familien nach Pushkar, um ein Bad im heiligen See zu nehmen. Die Frauen sind in ihre schönsten Saris gekleidet, indische Volksmusik klingt aus allen Ecken, Kamelbeschwörer und Tätowierer tummeln sich auf dem Festgelände mit seinen 6 Riesenrädern genauso wie Akrobaten und Verkäufer aller Art. Es finden zahllose Wettbewerbe statt, wie zum Beispiel ein Wettbewerb um den prunkvollsten Schnauzbart, den schönsten Turban oder die schönste Braut.

Die Kamelmesse ist ein farbenfrohes Schauspiel, wo ich jeden Tag wieder etwas Neues erleben und entdecken durfte, umgeben von Geräuschen und Geschmäckern, denen ich noch nie zuvor begegnet bin. Doch nun lass ich Bilder sprechen….

… umgeben von Geräuschen und Geschmäckern, denen ich noch nie zuvor begegnet bin.

Olivia-Gadient-PortraitOlivia Gadient (28)

Die junge Bündnerin ist gerne unterwegs, egal ob im urbanen Raum – sie liebt Zürich – oder draussen in der Natur. Ihr Motto lautet: „I would rather die of passion, than of boredom”. Mit ihren beiden Leidenschaften, dem Reisen und der Fotografie, kann sie das bestens ausleben.

Olivia Gadient
Olli bereiste während mehrerer Monate Asien. Sie liebt das Fotografieren, das Entdecken fremder Kulturen und geniesst das aktive Erleben genauso wie das gemütliche Bungalowleben an idyllischen Sandstränden. Wir sagen: Vielen Dank für die herausragenden Fotos und den spannenden Bericht. Eigentlich solltest du wieder auf Reisen gehen und uns noch mit viel mehr Bildern aus fernen Ländern beglücken!