Indojunkie-Indonesien-Reisen-SLS

Text Martin Hoch, Bild Melissa Schumacher
Indonesien ist eine wahre Perle – ein Land, das kein Individualreisender links liegen lassen kann. Wer beim Reisen noch das Abenteuer sucht, Indonesien bietet massenhaft davon. Wer angenehme luxuriöse Ferien an einem traumhaften Strand sucht, wird das in Indonesien definitiv finden. Egal, ob du die weltbesten Wellen surfen willst oder die letzten Tauchparadiese unseres Planeten erkunden willst, in Indonesien wirst du sicherlich nicht enttäuscht werden. Da wir selber insgesamt eineinhalb Jahre in diesem einzigartigen Inselstaat verbrachten, können wir vor allem eins bestätigen: Indonesien macht dich zum Junkie – zum Indojunkie!

Genau das erlebte auch Melissa Schumacher. Seither betreibt sie den Internetblog Indojunkie. Der Blog ist eine willkommene Alternative und Ergänzung zu den herkömmlichen Reiseguides.

Möchtest du mehr Informationen zu Indonesien? Bei Indojunkie wirst du fündig – der Blog informiert dich über die angesagten Locations, inspiriert dich bei deiner Reiseplanung und macht dich mit den Bewohnern des exotischen Paradieses bekannt.

Was bietet Indojunkie sonst noch? Erfahre mehr über den Indonesienblog im GlobeSession Interview mit Melissa Schumacher, der 23-jährigen Lebefrau und Gründerin des Indonesienblogs.


Indonesien

Warum Indonesien? Es ist das Naive … das Unmaterielle … diese „Take it easy“ – Einstellung.

GS: Seit einiger Zeit betreibst du eine Webseite rund ums Reisen in Indonesien. Wieso Indonesien? Was verbindet dich mit dem Inselstaat?

Melissa: Nach einer Südostasienreise im Frühjahr 2011 traf ich auf einem 36-stündigen Aufenthalt in Kuala Lumpurs Flughafen eine gesellige Frau aus Indonesien. In den 36 Stunden erzählte sie mir viel über ihr Land und Leben. Schlussendlich lud sie mich zu ihr nach Indonesien ein. Drei Monate später stand ich vor ihrer Tür in den Vororten von Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Ich reiste durch Java und verlor mich in Bali. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich eine wortwörtliche Sucht nach diesem vielfältigen Land. Ich kam wieder und wieder zurück, besuchte eine Insel nach der anderen, begann Indonesisch zu lernen, absolvierte meine Tauchausbildung, lebte in indonesischen Familien, lernte deren Alltag kennen und tauchte tiefer und tiefer in das indonesische Inselreich ein. Bis ich schlussendlich zum Indojunkie wurde.

Warum Indonesien? Das fragen mich viele. Also warum Indonesien? Es sind die bunten Farben, die strengen Gerüche, die unterschiedlichen Religionen und Bräuche, die Menschen und ihre Geschichten. Es ist das Ursprüngliche, das Minimalistische. Es ist diese unglaubliche Vielfalt dieses Landes und dessen Gegensätze. Es ist das Unzivilisierte, das Naive, das Unmaterielle. Es ist diese „Take it easy“ – Einstellung. Es ist das Fremde, das irgendwann so vertraut wurde. Es ist das Unverständliche, das irgendwann so klar wurde. Es ist diese unglaublich schöne Unterwasserwelt und die Vielfalt der Natur. Natürlich ist nicht alles Gold, das glitzert in Indonesien. Genauso schön es in diesem Land sein kann, genauso viele Schattenseiten hat es auch. Aber auch diese halten mich nicht davon ab, dass Indonesien meine Muse ist und bleibt.

GS: Was finden die Leser auf deiner Webseite, dass man in einem gewöhnlichen Reiseführer nicht erfährt?

Melissa: Auf Indojunkie finden Leser Insider Tipps & Tricks rund um das Reisen, Arbeiten und Leben in Indonesien. Natürlich werden Reiserouten vorgestellt, wie man diese auch zum Teil in Reiseführern findet. Es werden jedoch auch viele Fragen beantwortet, die man in gewöhnlichen Reiseführern nicht findet. Wie lebt es sich als Deutscher in Indonesien? Wie gründet man eine Firma auf Lombok? Welche Do’s and Don’ts sollte man einhalten, wenn man vor Ort ist? Welchen Problemen könnte man ausgesetzt sein?

Ich arbeite zudem viel mit Interviews, in denen Menschen ihre Geschichten und Projekte in Indonesien vorstellen können. Zusätzlich geht es zu einem großen Teil um das Innere dieses Landes, dessen Rituale, Zeremonien, Probleme und Geheimnisse. Ich möchte meinen Lesern einfach einen visuellen und informativen Einblick in dieses magische Land schenken, in welches ich mich vor einiger Zeit verliebt habe. Dabei hoffe ich, dass es für meine Leser viele Anregungen für das nächste Abenteuer in Indonesien geben wird und, wer weiß, der ein oder andere zukünftig auch zum Indojunkie wird.

GS: Welche Region Indonesiens gefällt dir persönlich am besten?

Melissa: Das ist schwer zu sagen. Jede Region Indonesiens hat einen sehr individuellen Charakter, dass es mir manchmal sogar schwer fällt, die einzelnen Inseln als „ein zusammenhängendes Land“ zu sehen. Zudem habe ich noch lange nicht alle Ecken dieses gigantischen Inselreichs entdecken können. Dies wird vermutlich ein Lebensprojekt werden. Indonesien ist einfach eine niemals enden wollende Reise. Wenn ich jeden Tag eine der 17’000 Inseln Indonesiens besuchen würde, müsste ich 47 Jahre „non-stop“ unterwegs sein. Wenn ich mich dennoch aktuell entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich Flores, eine unglaublich spannende Insel mit portugiesischem Einfluss.

Wenn ich jeden Tag eine der 17’000 Inseln Indonesiens besuchen würde, müsste ich 47 Jahre „non-stop“ unterwegs sein.

Ein „Schein-Ehering“ und ein Foto meines „Schein-Ehemanns“ halfen jedoch. Kleiner Tipp am Rande *smile*.

GS: Welche Regionen würdest du denn einem Touristen mit 2-3 Wochen Ferien empfehlen?

Melissa: Beispielsweise eine Überlandroute von Jakarta bis Bali mit Zug, Bus, Roller und Fähre. Hier erlebt man einen bunten Mix aus chaotischer Großstadt, aktiven Vulkanen, der muslimischen und hinduistischen Kultur, sowie Strand und Party. Dies ist eine gute Route für „Indonesieneinsteiger“.

GS: Indonesien ist voll von Traumstränden – was können aktive Urlauber oder Reisende unternehmen, wenn sie nicht nur am Strand rumliegen wollen?

Melissa: In Indonesien gibt es so viel mehr zu tun, als am Strand zu relaxen. Wie wäre es beispielsweise mit dem Besteigen einer der unzähligen Vulkane Indonesiens? Wie wäre es mit einer Motorradtour durch Flores? Oder einem Tauch- oder Surfkurs auf Bali? Einem Dschungeltrek durch Sumatras Regenwälder oder einem Yoga Retreat in Ubud? Ich denke in Indonesien kann jeder Reisende auf seine Kosten kommen.

GS: Wie sieht es zur Zeit mit der Sicherheit in Indonesien aus – gibt es noch immer Gebiete, die man meiden sollte?

Melissa: Ich denke Indonesien ist grundsätzlich ein sicheres Land zum Reisen. Einige Vorsichtsmaßnahmen sollte man in jedem Land natürlich einhalten. Zudem sollte man die Traditionen des Landes respektieren und sich dementsprechend verhalten. Der größte Teil Indonesiens ist vom Islam geprägt. Demnach sollte man sich als Frau dementsprechend kleiden und verhalten. Die Website des auswärtigen Amtes vor seiner Reise aufzusuchen, schadet natürlich nicht, denn in West Papua, Aceh oder beispielsweise Kalimantan gibt es hin und wieder Unruhen. Aber die Touristengebiete sind meist nicht betroffen von diesen Unruhen. Eine bedeutende Ausnahme stellte der Anschlag 2002 in dem touristischen Ballungsgebiet Kuta, in Bali, dar.

GS: Indonesien ist ein hauptsächlich muslimisches Land – hattest du als alleinreisende Frau deswegen Probleme?

Melissa: Es gab natürlich hin und wieder Momente, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe als alleinreisende europäische Frau in streng muslimischen Gebieten. Ein „Schein-Ehering“ und ein Foto meines „Schein-Ehemanns“ halfen jedoch. Kleiner Tipp am Rande *smile*.

Es gab sogar Orte, an denen ich ein Kopftuch getragen habe, aus Respekt meiner Gastfamilie gegenüber, die es mir damals zu Herzen legte. Aber diese Momente stellen eindeutig eine Ausnahme dar. In den meisten Regionen Indonesiens sind die Menschen sehr offen und tolerant Ausländern gegenüber.

GS: Vor einigen Jahren gab es Bombenattentate auf Bali. Hat sich die Situation inzwischen komplett beruhigt oder gibt es noch immer Probleme mit radikalen Islamisten?

Melissa: Es sind vor allem die zwischenmenschlichen Probleme, die sich zwischen den zwei Glaubensrichtungen auf Bali immer stärker zuspitzen. Muslime leben neben Hinduisten Tür an Tür und es herrscht – leider – eine gespaltene Doppelgesellschaft. Hindus bleiben meist unter sich und Muslime bevorzugen die Gesellschaft unter ihresgleichen. Es gibt teilweise sogar getrennte Schulen für Muslime und Hinduisten. Beide Seiten sprechen oftmals sehr schlecht übereinander. Genaueres ist mir derzeit jedoch nicht bekannt.

GS: Korruption ist ein grosses Problem in Indonesien. Ist man als Tourist auch davon betroffen und wie soll man damit umgehen?

Melissa: Korruption ist leider ein großes Problem in Indonesien. Auch Touristen kriegen das manchmal zu spüren. Wenn du beispielsweise beim Roller fahren von einem Polizisten angehalten wirst, kann es sein, dass du gerade gegen ein paar erfundene Regeln verstoßen hast und daraufhin blechen musst. Aber auch das waren Ausnahmen bei mir.

GS: Wie sind die Bewohner Indonesiens? Beschreib uns doch auf was für Menschen Touristen in Indonesien treffen werden.

Melissa: In Indonesien triffst du eine riesige Bandbreite an Persönlichkeiten. Genauso vielfältig, wie das Land ist, so sind auch die Menschen, die in diesem magischen Land leben. Die Kulturen sind so unterschiedlich, dass man „den Indonesier“ nicht einfach in eine Schublade packen kann. Es ist wahrscheinlich so, als würde ich dich fragen: „Wie sind die Bewohner Europas?“

GS: Wie verständigt man sich mit den Indonesiern? Sprechen viele Englisch?

Melissa: In den Touristengebieten sprechen viele Indonesier bereits Englisch. Je weiter du jedoch ins Landesinnere fährst und je weiter du dich von Bali entfernst, desto schlechter wird das Englisch der Menschen. Dann hilft nur noch eins: ein paar Brocken Indonesisch lernen oder deine Füße und Hände zum Einsatz bringen. Ich empfehle jedoch jedem Reisenden, der länger in Indonesien unterwegs ist, ein paar Sätze der Landessprache zu lernen. Die Sprache ist wirklich einfach und öffnet einem so viele Türen, die anderen Touristen verschlossen bleiben.

GS: Was hat Indonesien kulinarisch zu bieten? Welche Speise muss man unbedingt probieren, wenn man Indonesien besucht?

Melissa: Viel Reis. Viel Gemüse. Viel Sambal (scharfe Soße). Ich steh total auf „Gado-Gado“, einem Gemüsemix mit Erdnusssoße und „Jagung Goreng“, frittierter Mais. Du solltest auf jeden Fall „Nasi jampur“ essen, was theoretisch eine Art „indonesisches Buffet“ ist, in dem du deine Zutaten (Ei, Fleisch, Gemüse, Soßen) selbst aussuchst und dann, zusammen mit Reis, isst.

GS: Was sind die do’s and dont’s in Indonesien? Was muss man wissen, um nicht ins Fettnäpfchen zu treten?

Melissa:Lerne mit den Händen zu essen, am Boden zu sitzen, Geduld zu haben, tolerant zu sein und mehr zu lächeln. Vergleiche niemals. Vermeide übertriebene Emotionen und nutze niemals die linke Hand zum Essen oder zur Begrüßung. Mehr dazu gibt es hier.

GS: Hast du persönlich noch ein Traumziel in Indonesien, das du noch nicht besucht hast?

Melissa: Die Molukken! Ich bin leidenschaftliche Taucherin und habe mir daher die Molukken ganz fett auf meine „bucket-list“ nach ganz oben geschrieben.

Lerne mit den Händen zu essen, am Boden zu sitzen, Geduld zu haben, tolerant zu sein und mehr zu lächeln.

… als die 11 Ferkel in meiner Gastfamilie geboren wurden und die Nacht als der Monsun einbrach und unser Haus umgeben vom Meer war …

GS: Schlussendlich sind es meist die Menschen, die ein Land ausmachen – erzähl uns von deiner berührendsten Begegnung …

Melissa: Es gibt so viele Momente, die ich nie mehr vergessen werde: Die eine Nacht in Lovina (Bali), als mich knapp zwanzig Dorfkids nachts weckten, um mit mir die gestrandeten Oktopusbabys einzusammeln. Ich ging raus und der ganze Strand war voller leuchtender bunter Punkte. (Oktopusse geben einen Leuchtstoff bei Stress ab).

Dann die Zeit nach meinem Rollerunfall. Eine unbekannte alte balinesische Dame versorgte mich drei Mal täglich mit balinesischer Kräutermedizin, die sie mir auf die Wunden klatschte.

Oder die Zeremonie des balinesischen Dorfes in Lombok, in der eine Freundin und ich den Opfergabentanz um den Tempel herum vor einer Horde tobender Zuschauer machen mussten und das darauffolgende Festmahl, bei dem wir eingeladen wurden.

Oder die Nacht, in der ich hohes Fieber bekam und ein Geisterheiler mit Knoblauch, Spucke und Gesängen „die bösen Geister“ in mir vertrieb und mich daraufhin ins Krankenhaus brachte, wo eine alte Frau, die ich nicht kannte, die ganze Nacht an meinem Bett saß. „Wenn man krank ist, darf man nicht alleine sein“, sagte sie mir.

Und der Morgen, als die 11 Ferkel in meiner Gastfamilie geboren wurden und die Nacht als der Monsun einbrach und unser Haus umgeben vom Meer war und wir nachts die Tiere ins Haus holen mussten, bei einem Sturm und einem Regen, der die Gewalt der Natur so spürbar machte, dass ich es niemals mehr vergessen könnte. Und so könnte ich mich ewig weiter erinnern und ewig weiter schreiben…

GS: Vielen Dank.

Quelle Bilder: Indojunkie