Genug des Weins – wir dürsten nach der Wüste

Text und Bild Martin Hoch
Irgendwann war genug. Mendoza, du warst ein Genuss, Cafayate, deine Reben schmücken die Landschaft sanft zärtlich schön – trotzdem, Wein mag interessant sein, der argentinische Malbec ganz hervorragend, aber wenn es mich weiter zieht, mir der Nordwind, wie bei Vianne im Film Chocolat, zuflüstert und mich mit Geschichten von fremden Orten umgarnt, gibt es kein Halten mehr.

Ich werfe einen letzten Blick in den vom Sand verstaubten Rückspiegel, lege den ersten Gang rein und wir fahren los. Aus dem Augenwinkel beobachte ich das GPS Gerät, die Zahlen des Höhenmeters steigen stetig. In Tilcara, auf 2500 m ü. M., mitten im kargen nördlichen Gebirge, das Argentinien mit Bolivien und Nordchile verbindet, legen wir einen zweitägigen Halt ein. Tilcara ist ein nettes kleines Bergdorf, in dem sich Reisende treffen. Gleichzeitig wollen wir uns etwas an die dünne Höhenluft gewöhnen, denn in den nächsten Tagen werden wir uns stets zwischen 2500 und 4800 m ü. M. bewegen.


San Pedro de Atacama

San Pedro de Atacama

Paso de Jama – die Luft wird dünn …

Von Tilcara aus nehmen wir den Paso de Jama in Angriff. Wer vom Norden Argentiniens nach Chile rüber will, kommt nicht darum herum die Anden zu überqueren. Für uns ist dies ein willkommenes Abenteuer, doch ob und wie gut unser 27-jähriger VW Bus die Passhöhe von 4800 m ü. M. meistern wird, wissen wir nicht. Über Serpentinenstrassen erreichen wir in kurzer Zeit die Höhe von knapp 4200 m ü. M. Der Motor hat inzwischen stark an Leistung eingebüsst, wir kommen nur langsam voran, aber wir fahren. Irgendwann, irgendwo auf über 4000 m ü. M. lassen wir den argentinischen Grenzposten hinter uns und betreten eine einzigartige Wunderwelt: den Altiplano, das weltweit zweitgrösste Hochplateau nach Tibet und die dahinterliegende trockenste Wüste unseres Planeten, die Atacamawüste. Tatsächlich kriecht unser Bus auch noch über die Marke von 4800 m ü. M., den höchsten Punkt unserer heutigen Fahrt.

Ob unser 27-jähriger VW Bus die Passhöhe von 4800 m ü. M. meistern wird?

Wir lachen und sind froh …

Da erscheint mir ein kurioses Bild vor meinem inneren Auge. Ich erinnere mich wie wir vor kurzer Zeit noch auf dem kleinen Matterhorn in Zermatt, auf 3800 m ü. M. auf der Aussichtsplattform standen, um das schweizerische Alpenpanorama zu bestaunen. Hier ,im Norden Chiles, denke ich an diesen Moment zurück und stelle mir vor, wie wir wohl geschaut hätten, wenn da auf der rechten Seite der Plattform des kleinen Matterhorns noch ein weiterer, 1000-Meter höherer Berg existiert hätte, auf dem ein alter VW Bus rumgegurkt wäre. Wir lachen und sind froh, dass unser Bus die anstrengende Passfahrt gut überstanden hat. Am Abend erreichen wir den Touristenort San Pedro de Atacama.

Mitten im Touristenkuchen von San Pedro de Atacama

San Pedro de Atacama? Ein kleines, staubiges Nest in der Wüste? Von wegen, vorgefunden haben wir in San Pedro einen von Touristenmassen pulsierenden Ort, mit allerlei Restaurants im Tourismus-Chic und einer gut geölten Tourismusindustrie. Jeder zweite Shop ist ein Tourenanbieter und die Angestellten informieren uns ungefragt generös gleich auf der Strasse über ihre bevorstehenden Trips. Eigentlich wären wir lieber alleine hier, als Entdecker und individuell Reisende, aber wie an vielen Orten dieser Welt, an denen es spektakuläre Naturszenerien zu bestaunen gibt, war dies wohl nur zu Zeiten Marco Polos möglich. Der Touristenauflauf hat natürlich seinen Grund; San Pedro ist der perfekte Ort, um die umliegenden Naturspektakel zu erkunden. Und von denen gibt es in dieser Region unzählige.

Wir verbringen die Nacht auf 4500 m ü. M., um bereits früh morgens die Geysire von „El Tatio“ zu besichtigen, geniessen die einzigartigen Puritama Thermen und bestaunen bei Sonnenuntergang das Valle de la Luna, eine Gegend, in der wir tatsächlich das Gefühl haben, auf dem Mond zu sein.

San Pedro ist der perfekte Ort, um die umliegenden Naturspektakel zu erkunden.

Doch das sind längst nicht alle Highlights. Im nächsten Beitrag erzählen wir dir mehr über unseren Besuch bei den Flamingos in der Laguna Chaxa und wie wir uns im extrem salzhaltigen Wasser der Laguna Cejar auf der Oberfläche treiben lassen – untergehen ist hier unmöglich. Ausserdem nehmen wir dich mit zu den Lagunen Miscanti und Miniques sowie auf unsere abenteuerliche Fahrt über den Paso Sico. Doch davon mehr im nächsten Beitrag.

Informationen zu San Pedro de Atacama

Karte von San Pedro de Atacama