Friedhofsatmosphäre in der SWISS Business Lounge

Text und Bild Martin Hoch
Die Reise fängt gut an. Irgendwie luxuriös. Sie beginnt in der Business Lounge der SWISS International Airlines am Flughafen Zürich. Wir wollten schon immer einmal die Vorzüge einer Business Lounge kennenlernen und dieses Jahr erhalten wir die Möglichkeit dazu. Es ist ein ganz neues Gefühl auf dem Flughafen dem Schild „Business Lounge“ zu folgen und schliesslich vor einem Tresen zu stehen, hinter dem uns ein zuvorkommender und freundlicher Herr willkommen heisst. Wir zeigen ihm unseren Voucher und er checkt uns in die Business Lounge ein.


Patagonien

Argentinien Patagonien

Et voilà, hier sind wir nun. Wir gehen die paar Treppenstufen zur Lounge hoch und da erblicken wir sie: die SWISS Business Lounge. Der erste Eindruck? Da herrscht ja Grabesstille! Echt, wir trauen uns kaum zu flüstern und steuern einfach mal die nächstbeste Sitzgelegenheit an. Irgendwie fühlen wir uns unwohl. Doch gleichzeitig möchte ich natürlich die Vorzüge einer solchen Lounge kennenlernen und mache mich auf das Gourmetbuffet zu erobern. Alles kostenlos. Das ist definitiv ein Pluspunkt. Zum Essen gibt es Pasta oder Käsespätzle. Ich liebe Spätzle. Wegen Spätzle haben wir bereits einmal eine Reise abgebrochen und sind irgendwo auf Sumatra sechs Monate geblieben, aber das ist eine andere Geschichte. Für Linsen vielleicht nicht, aber für Spätzle würde ich durchaus in die Versuchung geraten mein Erbrecht aufzugeben. Und da stehe ich vor einer Schüssel Spätzle, blicke rein und muss erkennen: sie ist leer. Total nackig leer. Etwas verstimmt schöpfe ich eine Portion Pasta und steure die Getränkeecke an.

Zu Pasta passt eigentlich nur ein Getränk so richtig: Rotwein. Ich nehme vom Gläserregal ein Weinglas und betrachte die zwei Rotweinflaschen, die vor mir stehen. Ich studiere kurz die Etiketten. Ich studiere sie gründlich, betrachte die Schrift, die Formen und Farben, denn ich entscheide mich immer für die Flasche mit der ansprechenderen Etikette – bin also ein richtiger Weinconnaisseur. Die Entscheidung fällt, doch als ich die Flasche hochhebe und mir ein Glas von dem edlen Tropfen einschenken möchte, muss ich feststellen, dass die Flasche leer ist. Nun gut, ich nehme die zweite Flasche und muss beim Einschenken wieder innehalten, denn ich erblicke in meinem Glas einen vom Wasser aufgeweichten Brotkrümmel. Zurück bei meinem Loungesessel ziehe ich ein erstes Fazit zum SWISS Kulinarium: Statt Spätzle esse ich Pasta, da die Schüssel nicht aufgefüllt wurde, beim Wein erging es mir nicht anders und das Weinglas war verschmutzt.

Ich liebe Spätzle. Wegen Spätzle haben wir bereits einmal eine Reise abgebrochen und sind irgendwo auf Sumatra sechs Monate geblieben, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Reisen hat mit Aufregung zu tun und die existiert im Friedhof Business Lounge definitiv nicht.

 

Während dem Essen schaue ich mich in der Lounge um. Architektur begeisterte mich schon immer. Es ist ein Graus. Ich weiss nicht in welcher Lebensphase dieser Architekt steckte, als er diese Lounge entwarf, aber es muss eine chaotische gewesen sein. Es hat von jedem Stil, jedem Material und jeder Form etwas und die nicht allzu dezenten Lampen erinnern mich an Heizpilze von winterlichen Gartenkneippen. Ich nehme meinen Laptop aus der Tasche, schliesslich befinden wir uns in einer Business Lounge, doch da geht die Suche los – wo nur befindet sich die Stromdose? Anscheinend besteht dieses Angebot nicht bei allen Loungesesseln. Also packen wir wieder alles zusammen und steuern auf leisen Sohlen die nächste Gruppe von Sesseln an. Hier wird uns mit Strom geholfen.

Eine halbe Stunde später, inzwischen habe ich mich an die Friedhofsstimmung gewöhnt, spaziere ich ein bisschen herum. Ich gehe eine Treppe hoch und betrete die Raucherbar. Ich stehe an der Theke und schaue hinaus aufs Flugfeld, sehe die schönen, stolzen Flieger der SWISS International Airlines, bin begeistert von all den Lichtern und Lämpchen da draussen und stelle mir vor wie sich der Pilot für seinen Transatlantikflug nach Sao Paulo vorbereitet. Und da wird mir klar, weshalb mir die SWISS Business Lounge, abgesehen von der Raucherbar, nicht gefällt: Es fehlt die Flughafenromantik. Wenn ich an einem Flughafen bin, will ich den Duft des Reisens riechen, die Anspannung der Leute vor dem Abflug spüren, die Flugzeuge, die starten und landen sehen, mich durch die engen Flughafenshops quetschen und dem quirligen Treiben der Reisenden zuschauen. Reisen hat mit Aufregung zu tun und die existiert im Friedhof Business Lounge definitiv nicht.

Aber genau deshalb heisst die Lounge auch Business Lounge – das Angebot richtet sich vorwiegend an Geschäftsreisende, die genau diese Ruhe brauchen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Ich glaube, denen ist auch die Architektur egal, ausserdem sind sie sich von ihren Lunchmeetings Sandwiches gewöhnt, da sind Pasta bereits ein Highlight und Rotwein sollten sie sowieso nicht trinken, da sie arbeiten müssen. Aber für mich ist klar, in Zukunft verkehre ich lieber wieder im Normalobereich.

Essen, essen, essen – Buenos Aires unser Schlemmerparadies

Auf dieser Reise verbringen wir nur vier Tage in Buenos Aires, gehen aber mit vollem Einsatz unseren Lieblingsbeschäftigungen nach: Gourmetschlemmern, Kaffee trinken und Caipis geniessen.

Eine grosse Hilfe ist uns der Foodblog pick up the fork.

Und wer Lust auf brasilianische Lebensfreude und fruchtige Caipis hat – that’s the place to go: Boteco do Brasil.

Buenos Aires heisst: Gourmetschlemmern, Kaffee trinken und Caipis geniessen…

Die Abende verbringt man am Kamin, tauscht sich mit anderen Reisenden aus … und ist einfach nur zufrieden.

Eine Oase inmitten der Lavendelfelder

Nach einer 25-Stündigen Busfahrt erreichen wir El Bolson. Bevor wir wieder zu unserem VW Bus, den wir in El Bolson für sieben Monate eingestellt hatten, zurückgehen, brauchen wir vor allem eins: Erholung. Die finden wir im La Casona de Odile. Eigentlich buchten wir eine x-beliebige Unterkunft, ohne grosse Ansprüche, doch vorgefunden haben wir eine der nettesten Unterkünfte, in denen wir auf Reisen je hausten. Wer in El Bolson unterwegs ist, sollte sich diese Oase, inmitten eines wundervoll gepflegten Gartens, mit kleinen Bächen und einem wohlduftenden Lavendelfeld, nicht entgehen lassen. Die Abende verbringt man am Kamin, tauscht sich mit anderen Reisenden aus, erfährt von den Besitzern, was es in der Umgebung zu erkunden gibt und ist einfach nur zufrieden.

Back on the road – wir sind wieder unterwegs

What a feeling – wir kurven mit unserem VW Bus wieder durch Patagonien. Unsere Highlights auf der Strecke:

Los Alerces Nationalpark

Im Nationalpark ist es ruhig, viele Wanderwege sind noch geschlossen, es scheint, dass wir die einzigen Besucher sind. Die Saison wird hier erst in ca. einem Monat starten. Der Park ist gewaltig schön und schön gewaltig. Inmitten dieser rauen Natur ohne eine Menschenseele fühlt man die Grösse und die Gewalt der Natur. Lieblich mag es an anderen Orten sein, hier bestaunt man die Berge, wie sie drohend über den kristallblauen Seen hochragen und fühlt sich als Mensch doch ziemlich klein. Da das Wetter noch ziemlich garstig ist und es uns eher in die warmen Gegenden Südamerikas zieht, verweilen wir in diesem wunderschönen Nationalpark nur kurz.

Lago Nahuel Huapi & Arrayenes Nationalpark

In Villa La Angostura, am Ufer des Lago Nahuel Huapi, legen wir den nächsten Halt ein. Endlich Wärme und Sonne!!! Wir unternehmen eine kurze Wanderung (oder eher einen ausgedehnten Spaziergang) durch den alten, zauberhaften Wald im Los Arrayanes Nationalpark – Fazit: Empfehlenswert.

Viña Chillan

Wie immer am Anfang einer Reise zieht es uns schnell wieder weiter. Das ruhig Rumsitzen muss wieder gelernt werden. Wir steuern die Weingegend um Chillan an, die in Zentralchile liegt. Hier treffen wir inmitten Chiles Ruedi, einen richtigen Schweizer. Ruedi ist Besitzer von Viña Chillan, einem von der Sonne verwöhnten Weingut. Der Wein ist exquisit. Wir kosten die verschiedenen Weine. Speziell angetan sind wir vom Carménère, einer Traubensorte, die fast nur in Chile wächst und vom weissen Cabernet Sauvignon, der irgendwie nach Cider schmeckt und wie Wasser fast komplett farblos ist. Ausserdem sind die Etiketten ganz ansprechend. Unser Geschmack scheint wohl nicht allzu falsch, schliesslich wird der Wein auch vom Hotel Baur au Lac in Zürich ausgeschenkt. Ruedi erzählt uns viel über seine Lebensgeschiche und das Weingut. Am Abend dinieren wir mit Marianne und Peter, ebenfalls Reisende aus der Schweiz, die für mehrere Monate in Südamerika unterwegs sind. Es tut so richtig gut mit den Zweien zu reden, interessante Gespräche sind auf Reisen immer eine Bereicherung.

Und jetzt geht’s wieder weiter – wir sind froh zurück auf den Strassen Südamerikas zu sein, back on the road und halt eben:

Raus in die Welt, rein ins Leben!

Und jetzt geht’s wieder weiter – wir sind froh zurück auf den Strassen Südamerikas zu sein …