GlobeSession Autorin Eva Hirschi im Gespräch mit Kurt Kunz

Kurt Kunz ist seit drei Jahren Botschafter in Bogotá, Kolumbien. Im Interview mit GlobeSession erzählt er vom Schweizer Engagement in Kolumbien, den Konsequenzen des Friedensabkommens mit den FARC, und was Kolumbianer von Schweizer Schokolade halten.

Globesession: Wie sehen die Beziehungen zwischen der Schweiz und Kolumbien aus?
Kurt Kunz: Kolumbien ist für die Schweiz ein Prioritätsland in Lateinamerika. Die Beziehungen zwischen unseren zwei Ländern sind ausgezeichnet. Auch auf wirtschaftlicher Ebene sind sie sehr eng, und zahlreiche grosse, aber auch kleine und mittlere Unternehmen aus der Schweiz sind in Kolumbien tätig. Die Schweizer Schule in Bogotá – die einzige Schweizer Schule mit einem Kursus sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache – bildet eine wichtige Brücke zwischen unseren zwei Ländern.

Welchen Einfluss werden die aktuellen politischen Veränderungen des Landes auf die diplomatischen Beziehungen mit der Schweiz haben?
Kolumbien befindet sich in Veränderungsprozessen, die wesentlich vom Abschluss des bewaffneten internen Konflikts mit den FARC, der Umsetzung des Friedensabkommens und den Anstrengungen zum OECD-Beitritt geprägt werden. Diese Prozesse sind positiv und weisen nach oben, was mich sehr freut. Das Land gerät in den kommenden Monaten immer stärker in den Strudel des Wahlkampfes. Im März 2018 finden Parlaments- und im Mai und Juni Präsidialwahlen statt. Der Ausgang dieser Wahlen ist offen. Ich gehe davon aus, dass die diplomatischen Beziehungen zwischen unseren Ländern davon letztlich nicht berührt werden. Die Prioritäten in unseren bilateralen Beziehungen werden weiterhin in der Entwicklung unserer Wirtschaftsbeziehungen, in der Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung sowie in der Zusammenarbeit im multilateralen Rahmen, insbesondere der UNO, liegen.

Wie engagiert sich die Schweiz in Kolumbien konkret?
Die Schweiz engagiert sich in Kolumbien stark im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Wir wollen mit Projekten der humanitären Hilfe, der Förderung des Friedens und der Menschenrechte sowie mit der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu einem nachhaltigen Frieden und einer wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Zum Beispiel engagieren wir uns für den Zugang zu sauberem Wasser und dem nachhaltigen Umgang damit, für bessere Arbeitsbedingungen im kleingewerblichen Goldabbau, für die Förderung der Nachhaltigkeit in der Städteplanung, und wir unterstützen Kakaobauern bei der Zertifizierung und beim Export von Edelkakao.

Wissen die Kolumbianer, dass die Schweiz berühmt für Schokolade ist, obwohl wir selber gar keinen Kakao anbauen?
Ja, das wissen die Leute hier. Und Schweizer Schokolade wird auch sehr geschätzt. Ich bringe meinen Kolleginnen und Kollegen in der Botschaft meistens Schokolade mit, wenn ich aus der Schweiz zurückkomme. Immer mehr wird auch in Kolumbien selber gute Schokolade produziert.
 
Kolumbien galt lange als sehr gefährliches Land. Wie sieht die momentane Sicherheitslage aus?
Verschiedene Sicherheitsindikatoren haben sich verbessert, beispielsweise die Mordrate, die – aufs ganze Land betrachtet – so tief ist wie nie seit vierzig Jahren. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kriminalitätsrate und die Gewaltbereitschaft weiterhin hoch sind. Auch politisch motivierte Anschläge und andere Übergriffe können im ganzen Land vorkommen. Schweizer Touristen rate ich deshalb, die Reisehinweise des EDA auf dessen Website zu konsultieren, zu beherzigen und sich bei der ItinerisApp zu registrieren.

Welches ist Ihr persönlicher Lieblingsort in Kolumbien?
Kolumbien ist in eines der vielfältigsten Länder der Welt. Die Wahl fällt deshalb schwer, weil der Charakter der einzelnen Orte jeweils kaum mit anderen vergleichbar ist. Als Städte gefallen mir Cartagena, Barichara oder Villa de Leyva ganz besonders. Ich bin aber sehr gerne in der Natur. Der Amazonas mit seinem überwältigenden Urwald und der Macht und Fülle seines Stroms übt auf mich einen ungemein starken Eindruck aus. Mir haben es aber auch die Höhen angetan, und ich bewege mich immer wieder im Páramo, einer ganz spezifischen Klima- und Vegetationszone auf über 3‘000 Meter über dem Meer.
 
Was vermissen Sie hier am meisten von der Schweiz?
Die Jahreszeiten! Bogotá liegt nahe am Äquator, so dass man hier nicht von Jahreszeiten wie in der Schweiz reden kann. Bogotá liegt aber auch auf über 2‘600 Metern Meereshöhe, es ist also eigentlich beinahe immer relativ frisch – etwa wie bei uns im Frühling oder Herbst –, und es regnet relativ häufig. Dafür geniessen wir die übers ganze Jahr grüne und üppige Natur.