Ob Tagesausflug, Streckenwanderung oder gleich alle 20 Etappen am Stück: Die Via Alpina bietet für alle etwas.

Via Alpina: Auf 20 Etappen von Vaduz bis nach Montreux quer durch die Schweizer Alpen

Die ausgelassene Stimmung erinnert an ein Sportlager, verschwitzte aber glückliche Gestalten sitzen in Mammutjäckli und Finken Ellbogen an Ellbogen an den langen Holztischen – von Plexiglas ist hier oben auf 2840 Metern über Meer an diesem Julitag, zwischen den zwei Wellen, nichts zu sehen. Es ist ein Hauch von Normalität, die man im Frühling so bitter vermisst hatte – auch wenn sich dieser spätestens in den Schlafsälen und im Waschraum verflüchtigt; der Mindestabstand gilt zumindest dort.

Doch statt über die Pandemie gesprochen wird im Gemeinschaftssaal gejasst, ein Stück frische Früchtewähe verzehrt, mit einem Bier angestossen. Geschafft. Der Anstieg zur Blüemlisalphütte im Berner Oberland ist nicht ganz ohne, vor allem dann, wenn man bereits seit drei Tagen unterwegs ist und etliche Höhenmeter in den Beinen sowie einen grossen Rucksack auf den Schultern hat.

Wir sind auf der Via Alpina unterwegs, dem Klassiker unter den Schweizer Fernwanderwegen. In 20 Tagesetappen und über 14 Alpenpässe führt sie einmal quer durch die nördlichen Alpen der Schweiz. Fast 390 Kilometer kann man so von Vaduz bis nach Montreux erwandern. Wir haben uns für einen Abschnitt im Berner Oberland entschieden, von Grindelwald bis nach Kandersteg.

Anstelle einer Wanderung im Ural, im Himalaya oder in den Anden nehmen wir uns dieses Jahr also unsere Heimat vor. Gestartet sind wir mit dem Aufstieg zur Kleinen Scheidegg, die Sonne erbarmungslos im Nacken. Leicht ausser Atem treffen wir oben auf ein fröhliches Gewimmel aus Leuten in Hightech-Wandermontur oder in schicken Hemden und auf Absätzen. Letztere hatten sich für den bequemen Weg entschieden: Die längste Zahnradbahn der Welt fährt ebenfalls hier hoch.

Wo normalerweise asiatische Grüppchen Selfies schiessen, zeigen an diesem Sommertag Schweizer Eltern ihrem Nachwuchs Eiger, Mönch und Jungfrau, das Wahrzeichen des Berner Oberlands. Die ausländischen Touristen sind ausgeblieben, das spüre man in der Jungfrau Region, die eine sehr internationale Gästestruktur habe, erfahren wir. Auch wir merken es: Unterwegs werden wir vor allem mit Grüessech, ab und zu mit Grüezi oder Bonjour angesprochen – ausländische Sprachen hören wir kaum.

Unser Weg führt über Wengen und Lauterbrunnen bis nach Mürren – damit haben wir einen Teil der nächsten Etappe bereits vorneweggenommen, denn eigentlich ist in Lauterbrunnen Schluss. Die zusätzlichen Höhenmeter spüren wir vor allem, als wir im Hotel Bellevue unser Zimmer beziehen – im ersten Stock. Noch nie war eine Treppe so lang… Das mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Zimmer im Chalet-Stil macht diese Mühe aber so gleich wieder wett, so wie auch das Apéro auf der Terrasse während den letzten Sonnenstrahlen des Tages.

Am nächsten Tag sehen wir bald einmal das Schilthorn, wo James Bond im Geheimdienst Ihrer Majestät unterwegs war. Unsere Mission führt jedoch nicht auf das Schilthorn, sondern rundherum und dann hinauf bis auf die Sefinenfurgge. Die Aussicht auf das Schilthorn, in das Kiental und die Blüemlisalp ist grandios.

Unser Ziel für diesen Tag ist die Griesalp. Wer vom Tal kommt, kann dafür die spektakuläre Anreise auf der steilsten PostAuto-Strecke Europas wählen – zahlreiche Wanderwege warten auf die Gäste. Wir erreichen das Hotel bereits am Nachmittag und haben noch Zeit für einen kurzen Gang in die kleine Sauna – eine Wohltat nach dem langen Marsch! Besonders punktet das Abendessen im romantischen Restaurant Berghaus mit einem 3-Gang-Menü aus marktfrischen Zutaten aus der Region.

«Blüemlisalp ire Summernacht, nachdäm ig ha ä Bärgtour gmacht…» – mit dem Lied von Polo Hofer in den Ohren machen wir uns am nächsten Tag an den Aufstieg zum Passübergang Hohtürli. Hier, auf 2840 Metern über Meer, steht die Blüemlisalphütte. Die heutige Etappe wäre eigentlich noch bis zum Oeschinensee und Kandersteg weitergegangen, wir aber wollen uns eine Nacht in dieser bekannten Hütte auf keinen Fall entgehen lassen und stossen an den Holztischen neben anderen verschwitzten, glücklichen Gestalten auf unsere Wanderung an.

Fotos: © Eva Hirschi

Die Reise wurde durch Jungfrau Region Tourismus und Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg unterstützt.