Ein Insider-Tipp für Neugierige: Auch der Kanton Neuenburg hat viel zu bieten – von Felsvorsprüngen über unterirdische Mühlen bis hin zu grünen Feen. Hier unsere Empfehlungen.

Dieser Kanton steht oft im Schatten des Wallis und des Waadtlands – dabei hat auch Neuenburg viel zu bieten.

Entdeckungen im Kanton Neuenburg

Wir stehen auf dem Calvin-Kopf. Nicht etwa auf einer Statue, nein, sondern auf einer runden Felskuppe. Von hier eröffnet sich ein einzigartiger Ausblick auf die Flusslandschaft des Doubs, der sich durch die weissen, bis zu 80 Meter hohen Kalkfelsen schlängelt. Auf der anderen Flussseite liegt Frankreich. Unsere Wanderung hat uns durch den Wald geführt, an der Verzweigung geht es nun wieder abwärts. Unser Ziel: Der 27 Meter hohe Wasserfall Saut du Doubs.

Eingebettet im regionalen Naturpark Doubs, der sich über mehr als 40 km in den Kantonen Jura, Neuenburg sowie Bern erstreckt und 16 Gemeinden umfasst, lockt der Wasserfall Besuchende jedes Alters an. Denn wer, statt wie wir, nicht die Wegabzweigung zum Tête de Calvin, sondern den etwas flacheren Weg mehrheitlich am Flussufer entlang wählt, erreicht den Saut du Doubs in einer guten Stunde problemlos.

Noch einfacher ist der Weg übers Wasser: Ein Kursboot fährt vom Lac des Brenets bis zum kleinen Hafen, von wo aus es nur noch wenige Gehminuten bis zum Wasserfall sind. Dieses Boot wählen wir für die Rückkehr und erfahren über den Lautsprecher während der Fahrt Wissenswertes zur Region. Etwa, dass der Lac des Brenets auch bekannt für seine Höhlen ist und Felsspringer hier schon diverse Rekorde aufgestellt haben.

Gratis Eintritte mit der Neuenburg Tourist Card

Die Schifffahrt zurück nach Les Brenets ist nur eine der zahlreichen Aktivitäten, die mit der Neuenburg Tourist Card inbegriffen sind. Diese erhält man bereits ab einer Übernachtung im Kanton Neuenburg.

Und wer durch das kleine Büchlein blättert, merkt schnell, dass eine Nacht wohl viel zu kurz ist: Freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln des Kantons (Zug, Seilbahn, Bus), Eintritt in 28 Museen, eine Velo-Tagesmiete in Neuenburg oder Le Locle, eine Fahrt mit dem Sessellift Buttes–La Robella, sowie eine Schifffahrt auf dem Neuenburger See und eben auf dem Lac des Brenets sind ebenfalls einbegriffen.

Wir entscheiden uns für den Besuch eines einmaligen industriellen Erbguts 23 Meter unter der Erde: Hydraulikmühlen beim Col-du-Roches. Hier im Tal von Le Locle begannen die Bewohner vor 400 Jahren, die unterirdischen Wasserläufe zu nutzen, und bauten unterirdische Mühlen zur Produktion von Mehl, Öl und zum Sägen von Holz. Heute werden die Mühlen zwar nicht mehr zur Arbeit verwendet, aber in den Grotten und Tunnel kann man die restaurierten Mühle- und Sägewerkmechanismen besichtigen.

Ein weiteres Erbgut befindet sich mitten im Val-de-Travers, genauer gesagt in Môtiers. Das Maison de l’Absinthe geht dem traditionellen Wermutgetränk auf den Grund. Nicht nur in der Schweiz, nahezu in ganz Europa war die «grüne Fee» während des 20. Jahrhunderts verboten.

Seit 2005 ist das hochprozentige Getränk wieder legal – und helfe, sagt man, sogar gegen Beschwerden des Verdauungstrakts, fördere die Leberfunktion und lindere Krämpfe im Bauch. Eine Degustation lohnt sich aber auch schon nur für das hübsche Spektakel im Glas, wenn sich der Alkohol trübt, sobald das Wasser sich ins Getränk mischt. Auch der spezielle Anisgeschmack ist ein Schluck wert.

Santé und à la tienne, schönes Neuenburg!

Fotos: © Eva Hirschi
Diese Reise wurde durch Jura & Drei-Seen-Land unterstützt.