Das nördliche Fischerstädtchen Husavik gilt als Europas Hauptstadt für Whale Watching In Island. GlobeSession hat für euch die abenteuerliche Fahrt mit «Gentle Giants» getestet.

Das Ultimative Whale Watching In Island

Zugegeben, ich bin wahrscheinlich fast schon süchtig nach whale watching – entsprechende Bootstouren habe ich bereits rund um die Welt unternommen, von Kanada über Sri Lanka, Neuseeland und Australien, bis hin zu Costa Rica. Besonders in Erinnerung blieben mir der Finnwal bei Neufundland (Kanada), der Pottwal bei Kaikoura (Neuseeland) und der aus dem Wasser springende Buckelwal beim Marino Ballena Nationalpark (Costa Rica). Keine Frage also, dass ich auch in Island – Europas Hauptstadt für Walbeobachtungen – eine solche Tour machen würde.

Doch dieses Mal wollte ich etwas Neues ausprobieren. Bei traditionellen Walbeobachtungstouren sitzt man nämlich auf einem Schiff und fährt doch eher gemütlich zur See, eine wunderschöne Kombination aus Ausflugsfahrt und gelegentlichen Walsichtungen. Hier in Husavik war mein Ziel allerdings eine Tour mit dem Schnellboot, das bis zu 52 Knoten erreichen kann (im Vergleich: die normalen Walbeobachtungsbooten von «Gentle Giants» erreichen zwischen 9 und 16 Knoten, der Zodiac 32). Da man mit dem Speedboat in kurzer Zeit grosse Distanzen zurücklegen kann, stehen die Chancen natürlich besser, grosse Wale zu sehen, die tiefere Gewässer weiter draussen im Meer der unmittelbaren Küstenregion vorziehen.

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Island: Ein Festessen für Wale

Typisch für die Bucht Skjálfandi vor Husavik ist das Vorkommen von Schweinswalen, Weissschnauzendelfinen, Zwergwalen sowie Buckelwalen, und, weiter draussen, auch mal Pottwale oder sogar Blauwale, die grössten Tiere der Welt. Insgesamt kann man rund um Island aber über 20 verschiedene Walarten entdecken. Der Grund, weshalb die isländischen Gewässer bei Walen so beliebt sind, liegt in den langen Sommertagen sowie dem relativ flachen Wasser, das für einen hohen Fischreichtum und somit für viel Nahrung für die Wale sorgt. Das lange Sonnenlicht regt zudem das Wachstum von Algen an, was wiederum für mehr Plankton und Krill sorgt – die Leibspeise von Bartenwalen wie Blauwale, Buckelwale und Zwergwale.

Durch das Fressen sind die Wale oft an der Wasseroberfläche zu sehen – der perfekte Zeitpunkt fürs Whale Watching. Die Wahrscheinlichkeit, hier bei einem Ausflug einen dieser Meeressäuger zu sichten, liegt bei unglaublichen 98 Prozent! Natürlich gibt es wie bei jeder Wildtierbeobachtung keine Garantie, doch beim unwahrscheinlichen Fall einer Tour ohne jegliche Sichtung von Walen oder Delfinen erhält man von «Gentle Giants» einen kostenlosen Gutschein für eine zweites, reguläres wale watching in Island.

Sumoringer auf Pferden

Bevor wir überhaupt in See stechen, müssen wir uns warm einpacken. Nicht nur, weil wir wettermässig nicht so Glück haben und es am Vorabend dieses Mai(!)-Tages sogar geschneit hat und die Temperaturen dementsprechend tief sind, sondern auch, weil auf dem Meer heute ein besonders rauer Wind weht. Ich ziehe mir gemäss Zwiebelprinzip so ziemlich alle warmen Klamotten an, die ich dabeihabe, und schlüpfe in den von «Gentle Giants» bereit gestellten Overall. Dieser schützt vor Wind, Nässe und Kälte. Obendrauf kommt noch eine Schwimmweste, dazu gibt es Handschuhe und sogar eine Art Taucherbrille, damit der Fahrtwind nicht in die Augen peitscht. Auch wenn man sich etwas lächerlich fühlt mit der plötzlichen Körpermasse eines Sumoringers, so ist man spätestens während der Fahrt unglaublich froh für die Kleidung und die Brille – und kann letztere beim Halten ja sofort wieder abstreifen. 

Auch eine Tablette gegen Seekrankheit wird kostenlos abgegeben, was längst nicht bei allen Anbietern von whale watching in Island der Fall ist. Bei den Wellen, die wir heute antreffen werden, ist auch diese von bitterer Notwendigkeit. Gut vorbereitet stürzen wir uns also ins Abenteuer. Schon nur die Fahrt an sich ist ein pures Vergnügen: Der Sitz sieht einem gewölbten Pferderücken ähnlich und so sitzt man auch wie ein Reiter darauf, ein Bein auf jeder Seite. Ziel ist es, das Körpergewicht bei hohem Wellengang mit den Beinen abzufedern, wie wenn man im Trab oder Galopp reiten würde. Reiterfahrung braucht man aber für diese Waltour natürlich keine, es reicht, wenn man die Beine nicht ausgestreckt, sondern locker auf dem Boden aufsetzt und leicht die Knie beugt.

Papageientaucher und Buckelwal

Dann geht’s auch schon los! Die hohen Wellen lassen unser Boot beinahe fliegen, Euphorie mischt sich mit Adrenalin. Hinzu kommt die atemberaubende Kulisse von schneebedeckten Bergen an der Küste. Wir legen einen kurzen Zwischenstopp vor Lundey ein, einer Insel in der Bucht, die bekannt für die Papageientaucher ist. Zwischen April und August nisten hier die etwas tollpatschig aussehenden Vögel, die auch «Clowns der Meere» genannt werden. An den Felsen können wir keine erspähen, dafür aber im Wasser, wo die roten Schnäbel hell aufleuchten. Papageientaucher, so erzählt unsere Führerin Serena Lagorio, können bis zu 90 km/h schnell fliegen – erstaunlich schnell für einen Vogel, dessen Körperbau nicht gerade aerodynamisch wirkt.

Ausschau halten wir vor allem aber auch nach grossen Möwenscharen tief über der Wasseroberfläche, in der Regel ein gutes Zeichen für fressende Wale. Dann sehen wir auf einmal den «Blas», die aus Wasserdampf bestehende Fontäne, die sich beim ersten Ausatmen des Wals an der Oberfläche zeigt. Das Speedboat nimmt Fahrt auf, um die Distanz einzuholen. Inzwischen ist der Wal für ein weiteres Festmahl abgetaucht, Serena schätzt, dass er etwa in 15 Minuten wiederauftauchen wird. 

Und tatsächlich! Wieder sehen wir zuerst den Blas, doch dann können wir mehrere Male beobachten, wie der Wal an der Wasseroberfläche auftaucht. Die Grösse ist beeindruckend, vor allem wenn man sich bewusst wird, dass man nur einen Bruchteil seines etwa 12 Meter langen Körpers sehen kann. Nach ein paar Mal Luft holen taucht er wieder ab und wir sehen, wie sich seine Schwanzflosse vor den schneebedeckten Bergen im Hintergrund abzeichnet. Atemberaubend! Wir haben Glück und können dem Spektakel mehrere Male fasziniert zuschauen, bei diesem Ausflug geht es nicht nur ums Sichten dieser Meeressäuger, sondern auch um das Beobachten. Was für ein Erlebnis.

whale watching islandwhale watching in islandPapageientaucher

Expertenwissen vor Ort

Was für mich persönlich den Unterschied zwischen «gutem» und «schlechtem» whale watching in Island macht, ist in der Regel die Kompetenz des Guides. Mit der Italienerin Serena Lagorio haben wir eine Expertin an Boot, denn die studierte Ozeanographie- und Meeresbiologin weiss viele Details über das Leben der Wale und anderer Bewohner in und rund um Island. Durch ihr Mikrophon und die auf dem Boot verteilten Lautsprecher muss sie auch nicht gegen den Fahrtwind anbrüllen und wir können in Ruhe das Meer beobachten, während sie ihr Wissen mit uns teilt.

Die Professionalität findet sich bei «Gentle Giants» in allen Aspekten wieder: Die Homepage beinhaltet interessante und aktuelle Informationen rund um die verschiedenen Ausflüge, und dies in acht Sprachen (auch auf Deutsch), im Tickethäuschen erhält man weitere Informationen und gut vorbereitete Angestellte, auf dem Boot sorgt ein erfahrener Kapitän dafür, dass wir trotz hohem Wellengang die Fahrt problemlos überstehen, ohne dass jemand seekrank wird. «Gentle Giants» schaut auf eine lange Erfahrung zurück, denn ihre Geschichte geht zurück bis 1861, als die Firma als kleiner Familienbetrieb hier in der Skjálfandi-Bucht startete. 

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Discount für berühmtes Walmuseum

Mit dem Anlegen am Ufer ist der Waltag aber noch nicht vorbei; mit dem Ticket von «Gentle Giants» erhält man im berühmten Walmuseum in Husavik nämlich einen vergünstigten Eintritt (20 Prozent). Diesen Besuch lege ich ebenfalls ans Herz, denn in diesem ansprechend und abwechslungsreich gestaltetem Museum erfährt man sehr viel über die Welt der Wale: von verschiedenen Walarten, über deren Jagd- und Paarungsverhalten, die Auswirkungen von Mensch und Umwelt auf ihren Lebensraum, die düsteren Kapitel des Walfangs oder die Anatomie der grössten Säugetiere der Erde, veranschaulicht durch grosse aufgehängte Skelette (wobei es sich um tote, an den Strand gespülte Tiere handelt; kein Wal wurde für dieses Museum getötet). Husavik, so stelle ich am Ende des erlebnisreichen Tages fest, hat den Titel als europäische Hauptstadt des whale watching definitiv verdient.

Infos zur Tour

Whale watching in Island – von April bis Oktober finden die Touren mit «Gentle Giants» statt, in der Hauptsaison Juli und August sogar bis zu 12 Mal täglich. Die Tour mit Schnellboot («Big Whale Safari & Puffins») kostet umgerechnet 154 Franken, eine reguläre Tour für whale watching in Island kostet 84 Franken und findet in der Hauptsaison bis zu sieben Mal täglich statt.

Bildrechte @ PR-Bilder by Gentle Giants