Ob mit einem Kayak durch idyllische Wälder paddeln oder zu Fuss Schlösser und Kunst erkunden – wir zeigen dir einige der schönsten Ecken Brandenburgs.

Im Nachtzug nach Lubnjow

«Lubnjow» steht auf dem Bahnhofsschild. Ich strecke meine Beine, schaue zum Fenster raus. Der Bahnhof ist kaum belebt. Schummriges Licht beleuchtet eine einzige Gestalt, die zu warten scheint. Der Zeiger auf der Bahnhofsuhr verrät, es geht gegen Mitternacht. Ich sitze alleine im Zugabteil, neben mir liegt das Buch «Mord im Orient Express» von Agatha Christie. Ich schlage es auf, doch mich übermannt die Müdigkeit. Ich blicke nach links zum typischen Kajütenbett eines Schlafwagens. Die kuschlige Decke überzeugt mich. Gute Nacht.

Sieben Stunden später, der Wecker tut seinen wenig geliebten Dienst. Ich schaue aus dem Fenster. Der Tag bricht an. Das Schild «Lubnjow» befindet sich noch immer an derselben Stelle am Bahnhof. Der Zug hat keinen Wank getan. Weil er nicht konnte. Weil es eben kein Zug ist. Denn ich befinde mich in der doch ziemlich speziellen Pension Spreewelten. Hier im alten Bahnhofsgebäude von Lübbenau wurde jedes Zimmer individuell von einem Künstler eingerichtet. Meines wurde im Stil eines Luxusabteils des Orientexpresses gestaltet.

Reisetipp Die einfachen, aber kunstvollen Zimmer der Pension Spreewelten haben ihren eigenen Reiz. Wer eine etwas komfortablere Unterkunft sucht, findet diese im Schloss Lübbenau.

Willkommen in Lübbenau im Spreewald

Erstmal noch eine kurze Aufklärung. Lubnjow ist sorbisch und heisst Lübbenau. Die slawische Sprache, die hier einst von vielen gesprochen wurde, ist kaum noch im Alltag präsent, wird aber an Ortstafeln und ähnlichen Markierungen weiterhin gepflegt. Und was gibt es hier in Lübbenau zu entdecken? Kommt mit, wir zeigen euch den Ort im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald.

Wasserwege im Spreewald

Ab Lübbenau entdeckt man das weitverzweigte Netz an Kanälen – hier Fliesse genannt – entweder mit einem Kahn oder man paddelt sich selbst durch die Wasserwege. Die Kähne erinnern an Venedigs Gondeln und ihre Gondolieri. Verschiedene Anbieter nehmen einen auf eine Tour mit, beispielsweise ab dem grossen Hafen in Lübbenau. Und noch eine Assoziation kommt auf. Die Region weckt bei mir Erinnerungen an die Backwaters im südindischen Bundesstaat Kerala. Auch da paddelte ich mit einem Kayak durch Wälder – einzig waren es da Palmenwälder, während man hier Erlen, Weiden, Birken oder Buchen passiert.

Reisetipp Kayaks kann man gleich beim grossen Hafen beim Bootsverleih Richter mieten.

Das idyllischste Restaurant von Lehde

Zu Fuss geht’s von Lübbenau entlang der Wasserwege und durch den Wald zum Restaurant Kaupen Nr. 6. Es befindet sich mitten in Lehde, einem unter Denkmalschutz stehenden Inseldorf, das zur Stadt Lübbenau gehört. Noch bis vor rund zwanzig Jahren erreichte man das Restaurant nur vom Wasser aus. Dabei speist man auf einer lauschigen Terrasse neben einer Weide allerlei leckeres Essen. Unsere Empfehlung: zur Vorspeise die Spreewälder Fischsuppe bestellen.

Zu Gast in der Vergangenheit

Ebenfalls in Lehde befindet sich das Freilandmuseum. Besucher betreten ein Dorf, ähnlich dem Schweizer Freilichtmuseum Ballenberg, das das Leben der Spreewälder des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigt. Mehrere Bauernhöfe und Nebengebäude, die wie anno dazumal eingerichtet sind, darf man betreten. Unterwegs trifft man auf Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner, die sorbische Trachten tragen und allerlei über die alten Zeiten zu erzählen haben.

Lokales Bier und saure Gurken

Weitere Reisetipps zu Lübbenau, der Hochburg der sauren Gurken (alleine dieses Jahr wurden 35’000 Tonnen Essiggurken exportiert), sind die unzähligen Radwege entlang der Fliesse, der gepflegte Schlossgarten und eine kleine, feine Brauerei. Letztere, das Brauhaus Babben, befindet sich etwas versteckt in der Brauhausgasse. Ein gemütlicher Biergarten lädt hier ein, den Tag ausklingen zu lassen.

Vom Naturparadies zu den Schlössern von Potsdam

Oft regt man sich auf, wenn etwas im Leben nicht nach Plan verläuft. Doch häufig ist es doch so, dass erst wenn etwas schief geht, man Unerwartetes erlebt. Raus aus der Routine katapultiert wird. Und danach etwas zu erzählen hat. Wäre also in Potsdam mein Bus vom Zentrum (wo ich erst noch im schicken Restaurant Miss Green Bean in einen leckeren Sandwichtoast reinbiss) auf seiner regulären Route zum Neuen Palais gefahren, würde ich mich jetzt kaum noch an die Fahrt erinnern, geschweige denn von ihr erzählen.

Doch ich war Zeuge von etwas, das man wohl nur einmal im Leben, wenn überhaupt, erlebt. Auf einmal herrschte Verwirrung im Bus. Als Tourist verstand ich erst nicht weshalb. Doch dann hiess es, der Busfahrer habe sich verfahren. Wie bitte? Und wie es schien hat er nicht aus Versehen eine Abzweigung verpasst. Nein, der Busfahrer hielt total verdutzt irgendwo an und begann zu telefonieren. Der wusste echt nicht mehr, wo weiterfahren. Wir amüsierten uns im Bus alle herrlich – sowas passiert nun wirklich nicht jeden Tag. Wahrscheinlich hatte er seinen ersten Arbeitstag.

Nach dem kleinen Abenteuer folgte ein Blick hinter die Kulissen. Der Bühnenmeister des Schlosstheaters beim Neuen Palais, Kai-Uwe Jagsch, öffnete uns die Türen. Er führte uns durch das prächtige, gleichzeitig intim kleine Theater, in dem einst die Adligen Vorstellungen genossen. Für mich ist klar – beim nächsten Potsdam-Besuch, schaue ich im Event-Kalender nach, ob hier ein Stück aufgeführt wird. Muss eine Wahnsinnsatmosphäre sein.

Vom Neuen Palais gings über die Hauptallee in Richtung Schloss Sansscouci. Potsdam verfügt über insgesamt 16 Schlösser und Paläste. Und selbst die Nebengebäude wie die Neuen Kammern, wo ich kurz reingehe und die Anmut bestaune, erzählen von einer vergangenen, prunkvollen Zeit.

Und dann ist da dieses eine Schloss, dem sich wohl keiner entziehen kann: Schloss Sanssouci. Wie auch das Neue Palais, geht auch der Bau dieses Schlosses auf den «Alten Fritz» zurück. Gemeint ist Friedrich der Grosse, im 18. Jahrhundert König der Preussen.

Die früheren Herrscher hatten eine Passion, der man in Potsdam hie und da begegnet: das Reisen und die fremden Kulturen. So erblickte ich bereits im Schlosstheater Palmen als Verzierung. Und abends, als ich den Sonnenuntergang an der Neustädter Havelbucht geniesse, fällt mir eine Moschee ins Auge. Doch es handelt sich nicht um eine richtige Moschee, sondern um ein Dampfmaschinenhaus. Es wurde erbaut, um die Fontäne vor dem Schloss Sanssouci mit Wasser aus der Havel zu versorgen.

Gleich neben der Moschee setze ich mich im Restaurant Seerose zu Tische. In diesem Denkmalgeschützten Uferpavillon wird eine grossartige Büffelmozarella-Pizza aufgetischt. Zu der gesellt sich später noch Hochprozentiges in Form eines Drinks, den ich mir in der Unscheinbar genehmige, einer richtig guten Bar in Potsdam.

Reisetipp Immer eine Reise nach Potsdam wert: das Museum Barberini. Es befindet sich im wunderbaren klassizistisch-barocken Palast Barberini und wartet regelmässig mit Ausstellungen internationaler Künstler auf.

Die Uckermark: Willkommen in der Idylle Deutschlands

Wenn es in Deutschland eine Ecke gibt, die bei mir die Sehnsucht nach Natur auslöst, dann ist es die Uckermark. Während ich dies schreibe, denke ich zurück an diesen herrlichen Wald. Leicht federnd gehe ich über den Waldboden. Das Licht bricht durch die Baumkronen. Ein erdiger Geruch schmeichelt meiner Nase. Mein Blick fällt aufs Blau. Auf einen umgefallenen Baum, der die Wasseroberfläche durchschneidet. Ich balanciere auf ihm, beobachte die Schwäne, wie sie ihre Köpfe ins Wasser stecken – mir fällt spontan nur ein Wort ein: Idylle. Ich befinde mich in der Uckermärkischen Seenlandschaft rund um den Ort Lychen. «Hierhin zog es die Kanzlerin Merkel jeweils, wenn sie mit ihren Eltern einen Ausflug unternahm», verrät mir ein Anwohner. Ja, hier ist es schön. Gleichzeitig noch wenig herausgeputzt. Was charmant anmutet.

Wer mich kennt, weiss, ich liebe gutes Essen. Ich liebe es kulinarisch überrascht zu werden. So gehe ich ohne Erwartungen von meiner Unterkunft, dem Seehotel Lindenhof, in Richtung Lychen und treffe am Dorfeingang auf ein einfaches Café. So meine ich. Aber einfach, kann eben gleichzeitig auch richtig gut sein. Im Garten des Café Kunstpause verspeise ich eine Hokkaido-Kürbissuppe mit allerlei orientalischen Gewürzen und Kräutern, die seinesgleichen sucht. Schlicht ein Traum.

Lychen hatte einst eine Flösser-Tradition. Eine neue Welt für mich. Flössen hiess, das hiesige Holz über die Wasserwege bis nach Berlin zu transportieren. Dazu fertigte man aus dem hier gefällten Holz riesige Flosse an, trieb damit tagelang die Flüsse abwärts, um das Holz schliesslich in der damals fernen Stadt zu verkaufen. Mehr darüber erfährt, wer das lokale Flösserei-Museum besucht.

Nebst der Flösser-Tradition spielt in Lychen Kunst eine wichtige Rolle. Ja, der Ort zog in den letzten Jahrzehnten viele Künstler an, die ihre Werke in ihren Ateliers und an öffentlichen Orten zur Schau stellen.

Ein spezieller Ort ist der Kunstplatz Lychen. Als Besucher meint man erst, man betrete einen Supermarkt. Doch es eröffnet sich einem eine grosszügige Kunstgalerie. Dem Inhaber Robert Günther ist wichtig, dass die Hemmschwelle, Kunst zu entdecken, möglichst klein ist. Er sagt: «Keiner hat Mühe einen Supermarkt zu betreten – deshalb wollte ich genau einen solchen Ort, um Kunst auszustellen.» Dabei kuratiert er vier Ausstellungen pro Jahr.

Nebst Kunst und Idylle bietet Lychen noch eine grosse Attraktion: Kayak- und Kanutouren. Somit schliesst sich hier der Kreis, nach dem Start im Spreewald. Solche Touren und Mietmaterial bietet hier der Anbieter Treibholz an. Dazu organisiert Treibholz im Sommer Konzerte auf dem Floss – ganz im Sinne der Flösserei-Tradition. Für mich ist klar: Hierher möchte ich zurück, mit mehr Zeit im Gepäck. Und dann möchte ich die ganzen Seen und Flüsse der Gegend mit einem Kayak erkunden. Denn genau das wird hier angeboten: mehrtägige Touren, abseits des Trubels. Klingt doch herrlich.

Die Pressereise wurde vom Reiseland Brandenburg und der Deutschen Zentrale für Tourismus unterstützt.