Raus aus der Stadt, rein in die Märchenwelt Grumsin


Wenns dem Berliner zu eng wird, er sich nach Ruhe und Natur sehnt, hat er die Qual der Wahl. Denn rund um Berlin, im Bundesland Brandenburg, bieten sich unzählige Orte für ein Naturerlebnis an. Allen voran die Uckermark.

Einzig ein Vogel ist zu hören. Und der Wind, der über die Wiesen weht. Ruhe ist einer der Gründe die sanft hügelige Landschaft rund um den Grumsiner Wald in der Uckermark zu besuchen. Die Gegend ist nur dünn besiedelt und naturbelassen. Während in der Schweiz über Zuwanderung und Dichtestress diskutiert wird, befasst sich die Uckermark mit der Thematik des Bevölkerungsrückgangs.

Unterwegs im Buchenwald Grumsin

Der im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin eingebettete Buchenwald Grumsin gehört seit 2011 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Der deutschlandweite Naturschutzverband NABU bietet vom beschaulichen Dorf Altkünkendorf Führungen in den Grumsiner Buchenwald an. Spannend ist eine Wanderung in die sogenannte Kernzone, auch Schutzzone 1 genannt. Sie macht 3% des Parks aus und wird seit 25 Jahren nicht mehr bewirtschaftet – hier soll ein Urwald entstehen.

Auf dem Weg zum Wald empfiehlt sich eine Pause beim Louisenhof, einem Künstleratelier und Café. Das Künstlerpaar Annette Tucholke und Christian Bonnet wirken hier seit 30 Jahren, zogen in dieser einsamen Gegend ihre Kinder gross. Ein Leben das herausfordert. «Die Winter können rau und hart sein», sagt Tucholke. Ihre Kunst wiederum ist verspielt, vielschichtig und eigenwillig; ist Teil einer Traumwelt, der Grumsiner Märchenwelt.
Infos louisenhof2.de

Eine Kathedrale der Natur

Vier ausgeschilderte Wanderrouten führen durch den Wald. Gleich fällt auf – ein Buchenwald besitzt ein dichtes Dach. Nur wenig Sonnenlicht dringt hindurch. Es fühlt sich an, als besuche man eine Kathedrale. Wie klein man sich da fühlt! Ja, wie beruhigend dieser Wald auf einen wirkt. Und schliesslich seinen Zauber entfaltet, wenn die Blätter einen glitzernden Tanz mit den wenigen Sonnenstrahlen vollführen.

Jan Hesse, ehemaliger Forstwirt und Mitarbeiter von NABU, führt Gäste durch den hügeligen und von Moorflächen durchsetzten Wald. Es waren Endmoränen, die diese Landschaft während der Eiszeit formten. Dabei zeigt Hesse wo und wie sich der Wald in den letzten Jahren durch den Schutz bereits verändert hat. «Durch die Nichtbewirtschaftung steigt hier die Biodiversität, was wir bereits klar erkennen können.» Beispielsweise findet man im Grumsiner Wald den Zwergschnäpper, ein seltener Vogel, den es in stark bewirtschafteten Wäldern nicht gibt. «Man erkennt ihn leicht an seinem Gesang», sagt Hesse. Es klinge, als gingen dem Vogel während des Gesangs die Batterien aus.

Was auffällt – man ist stets alleine auf weiter Flur, begegnet keinen anderen Wanderern. Nein, die Uckermark und im Speziellen der Grumsiner Wald ist kein von Touristen überlaufenes Naturgebiet.

UNESCO Weltnaturerbe Grumsiner Buchenwald weltnaturerbe-grumsin.de
NABU Die Aktivitäten des Verbands im Grumsiner Wald blumberger-muehle.nabu.de
Touristisches Angebot Angermünde Tourismus angermuende-tourismus.de

Eine unerwartete Perle

Alkünkendorf. Nur schon der Name klingt herrlich nach Provinz. Und das Dorf selber ist genauso beschaulich wie es der Name antönt – einige wenige Häuser, weite Felder. Ruhe. Nach der Wanderung im Grumsiner Wald, so heissts im Programm, steht ein Besuch der Grumsiner Brennerei an. Die Vorurteile sind schnell zur Hand: Landfusel, im Rachen brennender Schnaps – ja was soll man denn von einer lokalen Brennerei aus der Provinz erwarten?

Thomas Blätterlein, einer der Gründer und Mitbesitzer der Brennerei, bittet in die Brennerei. Und das Bild der Vorurteile beginnt schnell zu bröckeln. In einem stilvollen Gebäude wird eine deftige Brotzeit serviert. Ein erster Blick fällt auf die Flaschen. Schickes Design – die sind doch ursprünglich aus Berlin, schiessts einem durch den Kopf. Nur schon wie Blätterlein daherkommt. «Berlin? Nein, nein.» Er schüttelt den Kopf. Und schon erspäht der neugierige Gast eine Flasche Gin. Hier wird nicht nur Obstbrand hergestellt. Im Gegenteil: Auch ein Whiskey ist bereits am Lagern.

Die Grumsiner Brennerei führt regelmässig Besichtigungen durch. Dabei erklärt Thomas Blätterlein die Grundlagen der Brennerei, des Destillierens und Lagerns. «Wir verwerten lokale Produkte der umliegenden Bauernbetriebe», sagt Blätterlein. Für den Whiskey, der demnächst auf den Markt kommen soll, suchten die Grumsiner Brenner altes Samengut des braunen Schindelmeisers und liessen dieses von einem kleinen regionalen Biobauern anbauen. Ganz nach ihrem Motto: Wo nichts Gutes reinkommt, kann nichts Gutes rauskommen!

Und dann, endlich, wird degustiert. Von wegen Landfusel! Bester Gin, sanft feiner Korn und fruchtige Obstbrände. Begeisterung macht sich breit. Es sind diese Erlebnisse, die dem Reisen seinen Reiz verleihen. Ja, nur wer ausgetretene Pfade verlässt, dahingeht, wo nichts zu erwarten ist, erlebt die wahren Überraschungen. An Orten wie Altkünkendorf.

Ein Bad im heiligen See

Und zum Schluss noch ein kühl erfrischendes Bad; nur fünf Gehminuten ausserhalb Altkünkendorf befindet sich der kleine, idyllische «Heilige See». Es rundet einen aktiven, aber erholsamen Tag ab.

Ja, die Berliner sind zu beneiden – mit der Uckermark haben Sie ein wunderbares Naherholungsgebiet vor der Haustüre. Aber auch Schweizer Touristen sei gesagt: Packt beim nächsten Berlin-Städtetrip noch 2-3 Tage mehr mit ins Gepäck und besucht die Naturorte Brandenburgs. Es lohnt sich, versprochen!

Die Pressereise fand mit Unterstützung des Reiseland Brandenburg statt –
weiterführunde Infos zur Uckermark und dem Reiseland Brandenburg: tourismus-uckermark.de, reiseland-brandenburg.de