Beinahe jeder hat inzwischen eine sogenannte Bucketlist. Eine Liste mit Orten der Sehnsucht, mit Destinationen, die man unbedingt vor dem Ableben besucht haben möchte. Darunter befinden sich meist Klassiker wie die Kirschblütenzeit in Japan, Perus Inkastätte Machu Picchu oder eine Reise entlang der Panamericana. Wir verraten euch heute einen Ort, den ihr unbedingt eurer Bucketlist hinzufügen solltet: die Lüneburger Heide. Und zwar zur Blütezeit.

Jürgen Funck ist ein wichtiger Mann, er trägt seit 38 Jahren massgeblich zum Erhalt der Lüneburger Heide bei. Doch tut er dies nicht alleine: Er führt ein Team von 600 Landschaftsgärtnern. Er sagt: «Der Job ist knochenhart», er arbeite sieben Tage die Woche, kaum je unter 10 Stunden am Tag. «Während andere 35 Stunden pro Woche arbeiten, erreiche ich dies bereits in der ersten Wochenhälfte.» Dabei ist er täglich draussen, auch bei rauen Konditionen. «Bereits zweimal schlug der Blitz neben mir ein.» Ferien gönnt er sich kaum. Wie auch – er muss zu seinen Landschaftsgärtnern schauen. Denn Funcks Landschaftsgärtner brauchen ihn, es sind nämlich Vierbeiner, die Heidschnucken, und er ist ihr Schäfer.

Top 10 – das ist die Lüneburger Heide

Aber was ist eine Heidschnucke, wann ist der beste Moment die Lüneburger Heide zu besuchen, wie ist sie entstanden und … einfach weiterlesen, wir klären euch auf.

1 | Die Heidschnucken

«Das Wort Schnucke kommt aus dem Plattdeutschen und heisst knabbern oder naschen», klärt der hiesige Ranger Jan Brockmann auf. Mit schnuckelig hat die Namensgebung wenig zu tun. Auch wenn die Schafe und speziell die Lämmer schon ziemlich süss sind.

Die Bezeichnung Schnucke passt, Schäfer Funck sagt: «Meine Heidschnucken knabbern die Heide täglich während acht Stunden ab.» Dabei legen die Tiere unter Aufsicht der Hirtenhunde Morly und Rike, je nach Revier, eine Strecke von bis zu 20 Kilometern am Tag zurück. Und erfüllen damit ihre Aufgabe als Landschaftsgärtner. Funck kennt jedes einzelne seiner Heidschnucken, er sei mit den Tieren verheiratet. «Menschen dagegen verwechsle ich dauernd.» Ohne die Tiere würde die Heide innert weniger Jahre verwalden. Nebst Schäfer Funck arbeiten hier im nördlichen Heidegebiet der Lüneburger Heide noch acht weitere Schäfer mit ähnlich grossen Herden.

2 | Der Heideranger

Gekleidet wie man sich einen Ranger vorstellt. Das Fernglas stehts griffbereit. Das ist der Heideranger Jan Brockmann. Er sagt über seine Berufswahl: «Bereits in der Schülerzeitung stand, dass ich mal Ranger werden würde.» Das Orakel der Schülerzeitung behielt recht. Der ehemalige Brandenburger Chefranger amtet seit 2005 als Heideranger. «Ich war schon immer dem Umweltschutz verpflichtet», sagt er. Dabei ist er in der Lüneburger Heide fürs Monitoring, die Koordination der Landschaftspflege, touristische Angebote, sowie 3’000 Kilometer Wegenetze verantwortlich. Und der Biologe kennt nicht nur jeden Winkel der Heide, jede Pflanze, jedes Tier, die Geschichte und Zusammenhänge der Region, er bietet sein Wissen auch an: bei geführten Wanderungen und Exkursionen.
Infos heide-ranger.de

3 | Reizthema Wolf

«Eine grosse Gefahr für uns sind die Wölfe», sagt Schäfer Funck und zeigt zum nahegelegenen Wald, des Rudels Rückzugsort. «Kürzlich erblickte ich einen Wolf direkt vor der Stalltüre.» Aber mit dem Problem würden sie alleine gelassen. Brockmann, der Ranger, wiederum meint, die Tiere seien sicher, so lange sie nachts im Stall seien. Tagsüber könne, dank der Aufsicht der Schäfer, kaum etwas geschehen. Und für die Besucher der Heide seien sie schon gar keine Gefahr. Ein Interessenskonflikt, den wir aus dem Alpenraum nur zu gut kennen.

4 | Das Spektakel: Die Blütezeit

Die Lühneburger Heide ist ganzjährig ein spannendes Ausflugsziel, doch eine Zeit hat es in sich: die Blütezeit. Diese findet jeweils, so der Richtwert, zwischen dem 8. August und dem 9. September statt. Dann explodiert die Szenerie förmlich in Lilatönen. Eine Unterkunft sei früh im Voraus zu buchen. Kein Wunder: Die blühenden Heidekräuter verwandeln die Lüneburger Heide, die grössten zusammenhängenden Heideflächen Mitteleuropas, in ein beinahe surreales Landschaftsbild. Wie bereits erwähnt, dieses Spektakel gehört auf die Bucketlist eines Reisenden.

5 | Fernwandern: der Heidschnuckenweg

Der Fernwanderweg «Heidschnuckenweg» führt in 13 Tagesetappen an den schönsten Heiden vorbei. Ein intensives Erlebnis von Natur und Gastfreundschaft. Und in allen vier Jahreszeiten möglich: Im Winter, wenn alles ruhig ist, im Frühling, wenn die Störche aus Afrika und Spanien zurückkommen, im Sommer, wenn die Heide blüht oder im mystischen anmutenden Herbst. Dabei ist der Weg bestens ausgeschildert, das Angebot an Unterkünften gross und auch ein Gepäcktransport wird angeboten.
Infos Heidschnuckenweg.de

6 | Kulinarische Köstlichkeiten

Die Heidschnucken betätigen sich nicht nur als Landschaftsgärtner, sondern gelten in der Region auch als eine Delikatesse. Die meisten Restaurants bieten Heidschnuckenköstlichkeiten an – von Heidschnuckenbratwürsten bis zu Heidschnuckenbraten. Geschmacklich ähnlich dem Wild und mit gutem Biss. Und da die Heidschnucken in geschützter Gegend leben, ist es Bio-Fleisch und richtig gesund: Schliesslich ernähren sich die Heidschnucken täglich von Kräutern.

7 | Das Pietzmoor

Das Pietzmoor ist ein landschaftlich reizvoller Flecken innerhalb der Heide. Dazu ein spannender. Jan Brockmann, der Ranger, klärt auf: «Ein Hochmoor bindet Kohlenstoff.» Ein Moor enthalte sechsmal soviel Kohlenstoffdioxid (CO2) wie eine gleich grosse Waldfläche. Ein Grund, weshalb das Pietzmoor wieder eine ursprüngliche Moorlandschaft werden soll. Denn der Abbau von Torf dezimierte die Moorflächen in der Vergangenheit drastisch. Im Bundesland Niedersachsen sei nur noch knapp ein Prozent der einstigen Moorflächen funktionsfähig. In Zeiten des Klimawandels ein hochaktuelles Thema. Und schliesslich fügt der Ranger noch an: «Das Pietzmoor sollte man frühmorgens besuchen, wenn der Tau noch auf den Gräsern liegt und Nebelschwaden über das Moor ziehen.»

8 | Geschichte der Heide

Einst war die Lüneburger Heide das Armenhaus Deutschlands. Die Heidebauern lebten von der Honigproduktion, Honig wurde als Süsstoff verwendet, von Bienenwachs und von der Wolle der Heidschnucken. Doch alle drei Lebensgrundlagen wurden durch ausländische Konkurrenz vom Markt gedrängt: Die Wolle der Heidschnucken durch wertigere Merinowolle, Bienenwachskerzen durch Petroleumlampen und Honig als Süsstoff durch Rohrzucker. Die Heidjer waren frühzeitige Verlierer der Globalisierung. Eine Welle der Auswanderung setzte ein. Gleichzeitig veränderte sich das Landschaftsbild von Europas Heiden durch das Aufkommen von Kunstdünger: neu dominierten Wälder und Agrarflächen. Es waren die Kunst und der daraus resultierende Tourismus, der die Lüneburger Heide, rettete. Der Maler Christian Morgenstern stellte ein Ölgemälde der Heide in München aus. Es entlockte das Zitat: «In einer Landschaft, in der wir es für unmöglich gehalten hätten, ein Sträflingslager zu errichten, erreichen uns Bilder solcher Schönheit.» Ein Boom von Heidemalerei setzte ein. Das Bürgertum, aber auch Schriftsteller waren begeistert und der Tourismus zog an. Und ist bis heute ein massgeblicher Wirtschaftsfaktor in der Region.

9 | Unterkunftstipp

Das Camp Reinsehlen, ehemals ein Militärcamp heute eine Unterkunft im Stil einer Lodge, verstärkt das Naturerlebnis während eines Heideaufenthalts. Aus den Zimmern gleitet der Blick über die Weite, abends ist der Genuss der Ruhe auf den Terrassen intensiv. Zum Hotel gehört eine Gaststube mit feinen Mahlzeiten und bei schönem Wetter stehen Tische und Stühle im Freien, inmitten der Prärielandschaft.
Infos campreinsehlen.de

10 | Anreise & zusätzliche Informationen

Der Flughafen Hamburg liegt nur eine Stunde von der Heide entfernt. Ein Mietwagen ist für das Erkunden der Heide nicht zwingend, es erhöht je nach Aktivität vor Ort jedoch die Flexibilität und Unabhängigkeit – wir raten dazu.

Die Pressereise fand mit Unterstützung der Tourismusregion Lüneburger Heide statt – weiterführunde Infos zur Lüneburger Heide: lueneburger-heide.de