Eine gigantische Weltreise: Mit dem eigenen Fahrzeug einmal um die Welt

Die Swiss Nomads, Reni und Marcel, sind keine durchschnittlichen Schweizer Bürger – seit Jahren bereisen sie die Welt, arbeiteten an tropischen Orten als Tauchlehrer und bloggen auf Swissnomads.ch über ihre Erlebnisse. Und nun stehen die beiden Weltreisenden vor dem grössten Vorhaben ihres Lebens: Sie möchten mit dem eigenen Fahrzeug einmal um die Welt fahren. Wir haben mit den Globetrotters gesprochen.

GlobeSession: Ihr betitelt euch selber als reisesüchtig – was heisst das?
Reni & Marcel Kaspar-Scherrer: Seit wir 2007 das erste Mal zu einer grossen Reise aufbrachen, zieht es uns immer wieder weg. Je länger wir reisen, desto mehr möchten wir von dieser Welt sehen und verstehen. Und irgendwie können wir einfach nicht mehr damit aufhören. Sobald wir zu lange an einem Ort sind, kitzelt es wieder in unseren Füssen und wir haben neuen Entdeckungsdrang.

Ist es denn nicht so, dass umso mehr man sieht, umso weniger man die Welt versteht – ganz nach Einstein: «Je mehr ich weiss, desto mehr weiss ich, das ich nichts weiss.»
Für uns ist es eher so, dass wir die Welt je länger je besser verstehen. Wir reisen mit offenen Augen durch die Welt und lernen täglich neue Dinge über das Wetter, die Geologie, die Natur und auch Naturgewalten. Egal ob auf einer Wanderung oder beim Tauchen, viele Dinge verstehen wir viel besser seit wir reisen. Was wir jedoch je länger je weniger verstehen, sind die Menschen. Der Wunsch nach mehr Wohlstand und allgemein das Streben nach mehr, vorallem in gut entwickelten Ländern, ist extrem und wird uns immer fremder.

Weltreise mit eigenem Fahrzeug - 16Demnächst könnt ihr euer Fernweh kurieren – ihr startet zu einer gigantischen Reise, was habt ihr vor?
Ganz kurz gesagt, wir möchten mit dem eigenen Fahrzeug einmal um die Welt reisen. Wir wollen auf dem Landweg, soweit es geht, die Welt entdecken.

Andere planen drei Wochen Ferien – ihr wollt mehrere Jahre unterwegs sein. Vermisst ihr denn die Schweiz, eure Familien und Freunde gar nicht?
Sicher vermissen wir unsere Familien und Freunde. Das ist das Schwierigste am ständig unterwegs sein, die Liebsten zu Hause zu lassen. Dank neuen Medien ist es heute jedoch einfach in Kontakt zu bleiben. Zudem werden wir voraussichtlich etwa einmal im Jahr in die Schweiz kommen, um eben Familien und Freunde zu sehen.

Ihr startet in Australien – habt ihr bereits ein Fahrzeug für die Reise?
Nein, noch nicht. Wir sind im Moment am recherchieren und in den ersten Septemberwochen werden wir hoffentlich in Perth fündig. Es bleibt spannend.

Und Australien soll euer Testgelände sein?
Ja, genau. Das Klima, Wüste und Outbackstrecken sind das perfekte Gelände das Fahrzeug für einen Roadtrip um die Welt zu testen.

Weltreise mit eigenem Fahrzeug - 04Danach wollt ihr mit dem Fahrzeug nach Europa fahren – gibt es da bereits eine fixe Route?
Ja und nein. Der Plan ist von Australien nach Malaysia zu verschiffen, dann auf dem Landweg zurück in die Schweiz zu fahren. Wir würden gern durch Länder wie Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar, Indien, Nepal, China, die Mongolei, Russland und ein paar Länder in Europa reisen. Dieses Vorhaben ist im Moment nicht realisierbar, da Thailand die Regeln für die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug geändert hat. Zurzeit muss die Einreise und Ausreise an der gleichen Grenze erfolgen. Lokale Gesetze und politische Situationen ändern sich ständig. Somit müssen wir flexibel bleiben und unsere geplante Route möglicherweise anpassen.

Bei einem solchen Vorhaben kommt einem das Schweizer Paar in den Sinn, das vor fünf Jahren in Pakistan über acht Monate von den Talibans in Geiselhaft genommen wurde. Habt ihr für euch Regeln aufgestellt, wo ihr durchfährt und aus welchen Gebieten ihr euch fern halten wollt?
Wir werden uns vor der Einreise in ein neues Land über die aktuelle Sicherheitslage informieren. Als gute Informationsquelle dient das EDA mit den Sicherheitshinweisen über die einzelnen Länder. Wird von der Reise in ein bestimmtes Land abgeraten, werden wir keine unnötigen Risiken eingehen. Schliesslich soll die Reise Spass machen. Risiko suchen wir nicht. Aber klar, eine Garantie haben wir nicht und absolut sicher ist es nirgendwo auf der Welt. Und doch können mit der nötigen Vorsicht gewisse Gefahren vermieden werden.

Habt ihr einen zeitlichen Horizont – wann wollt ihr in Europa sein?
Voraussichtlich bleiben wir zuerst einmal ein Jahr in Australien. Von Malaysia bis nach Europa werden wir vermutlich ein weiteres Jahr brauchen. Das heisst, im Herbst 2018 erreichen wir Europa. Ob das tatsächlich so ist, steht noch in den Sternen. Wir reisen langsam, spontan und wenn es uns irgendwo gefällt, bleiben wir länger sofern dies vom Visum und der Saison her passt. Einen fixen Zeitrahmen haben wir nicht.

Die Swiss Nomads

Weltreise mit eigenem Fahrzeug - 08Das Schweizer Paar Reni und Marcel hat die Heimat auf unbestimmte Zeit verlassen. Ihr Nomadenleben begann 2007 mit einer grossen Reise durch Südostasien und einem Roadtrip durch Neuseeland und Australien. Schlussendlich landeten die Zwei als Tauchlehrer auf den Malediven und in Raja Ampat, Indonesien. Ab September 2016 sind sie wieder unterwegs in Australien, wo sie ihren Roadtrip um die Welt starten. Sie berichten über ihre Erlebnisse auf ihrem Blog.

swissnomads.ch
     


Gibt es etwas, das euch noch Bauchschmerzen bereitet?
Die Situation in Thailand würde unsere Pläne über den Haufen werfen. Aus diesem Grund haben wir einen Plan B. Wir würden dann von Australien nach Südamerika verschiffen und den Roadtrip um die Welt im Uhrzeigersinn machen. Schliesslich sind wir frei und flexibel.

Mit welchem monatlichen Budget reist man, wenn man mehrere Monate/Jahre unterwegs sein möchte?
Wir sind die letzten Jahre auf Reisen mit rund CHF 3‘000 pro Monat zu Zweit gereist. Ein Jahresbudget von CHF 35‘000 reicht uns für ein Jahr. Das bedingt, dass die Fixkosten in der Heimat auf ein Minimum reduziert werden. Diese Zahlen decken sich übrigens auch mit unseren Freunden, die länger auf der Panamericana unterwegs waren und auf dem Landweg von Europa nach Australien gefahren sind.

Keine Sorgen, nach der Reise finanziell abgebrannt und ohne Job wieder in der Schweiz anzukommen?
Nein. Wir haben vorgesorgt.

Eure zweite Etappe wird eine Reise entlang der legendären Panamericana sein – auf welches Land freut ihr euch am meisten und weshalb?
Das ist jetzt aber eine ganz schwierige Frage. Eigentlich auf alles. Also, wenn wir uns festlegen müssen, dann würden wir sagen auf Chile freuen wir uns total. Der Torres del Paine Nationalpark und die Atacama Wüste sind faszinierende Landschaften. Aber auch der Machu Picchu in Peru, der Salzsee Salar de Uyuni in Bolivien reizen uns. Und natürlich die vielen Nationalparks in den USA und Kanada.

Wie schaut es mit eurem Sprachtalent aus – welche Sprachen beherrscht ihr bereits?
Neben unserer Muttersprache Deutsch sprechen wir fliessend Englisch. Grundkenntnisse in Französisch und Italienisch sind vorhanden und Marcel hat auch ein bisschen Spanischkenntnisse.

Und weitere wollt ihr unterwegs erlernen?
Auf jedenfall Spanisch um die Länder in Südamerika zu bereisen. Deshalb werden wir in Südamerika als erstes einen Sprachkurs absolvieren. Darauf freuen wir uns sehr; eine neue Sprache zu lernen ist grossartig.

Weltreise mit eigenem Fahrzeug - 05Habt ihr beim Reisen nie das Gefühl, dass ihr ein surreales Leben führt?

Je länger wir reisen, desto realer wird das Leben. Im Moment können wir uns kein anderes Leben vorstellen. Wir haben das Leben gefunden, das uns glücklich und zufrieden macht. Im Gegensatz zum Leben in der Schweiz, wo Überfluss und Luxus in einer Wegwerfgesellschaft vorherrschen, werden wir beim Reisen immer wieder mit Grundbedürfnissen konfrontiert: Wo werden wir schlafen, wo kriegen wir sauberes Wasser her, haben wir genügend Lebensmittel oder reicht unser Diesel bis zur nächsten Tankstelle?

Aber irgendwie ist man auf Reisen doch stets ein Konsument, gibt der Gesellschaft nichts zurück – wie geht ihr damit um?
Nicht unbedingt. Bei einer Langzeitreise kann man sich viel besser auf die Kultur einlassen. Auf Reisen lernen wir Einheimische kennen. Es entsteht ein Austausch und wir können so das Leben ausserhalb der Schweiz besser verstehen. Beide Seiten können voneinander lernen. Egal wo auf der Welt, mit Internet und Fernsehen wissen auch die Menschen an abgeschiedenen Orten der Welt, wie es in der westlichen Welt aussieht.

Und was soll nach der Reise kommen – bereits Ideen?
Da machen wir uns noch keine Gedanken darüber. Eine Tür wird sich öffnen.

Beschreibt mir eure aktuelle Gefühlslage so kurz vor der Reise …
Im Moment fühlt sich alles ganz normal an. Aber es kribbelt schon langsam im Bauch.

Besten Dank fürs Gespräch und gute Reise!
Herzlichen Dank. Es hat uns gefreut GlobeSession über unsere Reise zu erzählen.